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Wirtschaft, Wachstum und Beschäftigung

Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung


Berufsbildungsschule für benachteiligte Jugendliche in Hanoi, Vietnam.

Arbeitslosigkeit und Unter­beschäftigung gehören zu den Haupt­ursachen für die Armut weiter Bevölkerungs­kreise in Ent­wick­lungs- und Trans­formations­ländern. Laut Angaben der In­ter­na­ti­o­nalen Arbeits­organisation (ILO) sind welt­weit mehr als 200 Millionen Menschen ohne Arbeit. Frauen und Jugend­liche sind über­proportional von Arbeits­losigkeit, Unter­beschäftigung sowie schlechten Beschäftigungs­bedingungen (Working Poor) betroffen – und das oft ohne jegliche soziale Absicherung.

Die globale Finanz- und Wirtschafts­krise hat diese Probleme weiter verschärft. Die Welt steht vor der He­raus­for­de­rung, in den nächsten zehn Jahren über 600 Millionen zusätzlicher guter Jobs zu schaffen, um auch den neu auf den Arbeits­markt drängenden Jugend­lichen menschen­würdige Beschäftigung bieten zu können.

Wirtschaftliche Ent­wick­lung ist eine notwendige Voraus­setzung für die Bekämpfung von Arbeits­losig­keit und Unter­beschäftigung. Dabei gilt es allerdings zu berück­sichtigen, dass die Gründe für die unzureichende Beschäftigungs­situation vielfältig und landes­spezifisch ausgeprägt sind: Sie umfassen sowohl Eng­pässe auf der Nachfrage- und Angebots­seite des Arbeits­marktes als auch ineffektive Arbeits­markt­institutionen und ungünstige wirtschafts­politische Rah­men­be­din­gun­gen.

Defizite bei Angebot, Nachfrage und Vermittlung

Das Entwicklungspotenzial des Privat­sektors – der Arbeits­kraft nachfragt – wird häufig durch ein schlechtes Geschäfts- und Investitions­klima, beschränkten Zugang zu Kapital oder man­geln­de Kapazitäten des öffentlichen Sektors be­einträchtigt. Die An­bieter von Arbeits­kraft wiederum haben oft keinen aus­reichenden Zugang zu Bildung. Die vorhandenen Qualifizierungs­systeme sind zudem wenig leistungs­fähig und nicht auf die Nachfrage der Wirtschaft ausgerichtet.

Die Vermittlungs­prozesse auf dem Arbeits­markt schließlich funk­tionieren oft nur ungenügend: Arbeits­markt­informationen werden nicht in ausreichendem Maße erhoben, die zuständigen Insti­tu­tio­nen arbeiten ineffektiv. Dies führt dazu, dass trotz hoher Arbeits­losigkeit offene Stellen nicht mit entsprechend qualifizierten Bewerbern besetzt werden können.

Eine wirksame Beschäftigungs­förderung muss daher in allen drei Bereichen ansetzen.

Der integrierte Ansatz der deutschen Entwicklungs­zusammen­arbeit

Deutsch­land unterstützt die Regierungen von Ent­wick­lungs­ländern und auch in­ter­na­ti­o­nale Or­ga­ni­sa­ti­on­en dabei, beschäftigungs­orientierte Ent­wick­lungs­stra­te­gien zu entwerfen und umzusetzen. Dabei verfolgt die deutsche Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit einen integrierten Ansatz der Beschäftigungs­förderung, der im Wesent­lichen drei sich wechsel­seitig be­din­gen­de und ergänzende Dimensionen umfasst:

  • Schaffung neuer produktiver und menschen­würdiger Arbeits­plätze, vor allem durch wirtschafts­politische Beratung, Privat­wirt­schafts­förderung und Finanz­system­entwicklung

  • Ver­bes­se­rung der Beschäftigungs­fähigkeit der Arbeits­suchenden durch berufliche Bildung und Qualifizierung, inklusive Programme für besondere Problem­gruppen (zum Beispiel non-formale Trainings­angebote für benachteiligte Jugendliche)

  • Ver­bes­se­rung der Abstimmung zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeits­markt durch effektive Berufs­beratung und -orientierung, Arbeits­vermittlung und Arbeits­markt­informationen

Es ist wichtig, die drei Dimensionen des integrierten Ansatzes gut aufeinander abzustimmen und in einen umfassenden wirtschafts­politischen Rahmen der Beschäftigungs­förderung einzubetten.

Im Jahr 2008 wurde das erste Millenniums­entwicklungs­ziel um die Ziel­vorgabe "Produktive Voll­beschäftigung und menschen­würdige Arbeit für alle" ergänzt. Das spiegelt die Erkenntnis wider, dass produktive und menschen­würdige Beschäftigung einen wesent­lichen Beitrag zur Reduzierung von extremer Armut und Hunger leistet. Beschäftigung ermöglicht viel­fältige positive Wirkungen auf das Individuum sowie die wirt­schaft­liche und gesellschaftliche Ent­wick­lung und trägt zur Er­reichung weiterer Millenniums­ziele bei.

Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit will nicht nur zu mehr Beschäftigung in den Ko­ope­ra­tions­ländern beitragen. Sie strebt auch an, die Qualität von Arbeit zu verbessern. Vor allem informell Beschäftigte arbeiten häufig unter gesundheits­schädigenden und gefährlichen Arbeits­bedingungen. Es fehlen angemessene gesetzliche Rah­men­be­din­gun­gen und Möglich­keiten, die eigenen Rechte zu vertreten. In der Regel reicht ihr Einkommen nicht aus, um ihnen und ihrer Familie eine menschen­würdige Existenz zu ermöglichen. Gemäß des ILO-Konzepts der menschen­würdigen Arbeit (Decent Work) strebt die deutsche Regierung daher neben der Beschäftigungs­förderung immer auch die Stärkung von sozialer Sicherung, die Respektierung der Kern­arbeits­normen und einen verbesserten sozialen Dialog an.

Besondere Zielgruppe: Jugendliche

Weltweit sind bereits zwei von fünf Arbeits­losen jünger als 24 Jahre. Die Jugend­arbeits­losen­raten in vielen Ländern, etwa im Nahen Osten und Nord­afrika, sind besorgnis­erregend hoch. In den kommenden Jahren wird sich dieses Problem weiter ver­schär­fen, wenn zunehmend teils hoch­qualifizierte junge Men­schen auf den Arbeits­markt drängen.

Dieser Jugend­überschuss (Youth Bulge) in vielen Ko­ope­ra­tions­ländern der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit darf nicht zu sozialer und wirt­schaft­licher Aus­grenzung und zunehmender Perspektiv­losig­keit unter jungen Menschen führen. Es gilt daher, Beschäftigungs­perspektiven für die Jugend zu schaffen, um Arbeits­migration vorzubeugen, Konflikt­prävention zu betreiben und eine nach­hal­tige Wirtschaft und stabile Ge­sell­schaft zu befördern.

Junge Menschen haben es besonders schwer, auf dem Arbeits­markt Fuß zu fassen. Aufgrund mangelnder Berufs­erfahrung nehmen viele Berufs­einsteiger zunächst eine Beschäftigung im informellen Sektor auf und finden später nur schwer eine Stelle im formellen Sektor. Darüber hinaus fehlen Jugend­lichen die Kon­takte und Netz­werke, um erfolg­reich nach Arbeit zu suchen. Mängel in der Arbeits­vermittlung und starre Arbeits­markt­regu­lie­rungen gehen daher vor allem zu Lasten von Jugendlichen. In Krisen­zeiten werden oftmals die Arbeits­kräfte mit der kürzesten Berufs­erfahrung, darunter viele Jugendliche, zuerst entlassen. Häufig sind junge Beschäftigte auch durch eine unzureichende Ausbildung nicht adäquat auf die Anforderungen am Arbeits­platz vorbereitet.

Die Ver­bes­se­rung der Beschäftigungs­situation von Jugendlichen ist ein besonderes Anliegen der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit: Allein in der Technischen Zusammen­arbeit sind 40 laufende Vorhaben mit einem Gesamt­volumen von 226 Millionen Euro auf die Ver­bes­se­rung der Beschäftigungs­situation von jungen Menschen ausgerichtet.

Dabei kommen verschiedene Instrumente zum Einsatz. Gemeinsam mit den Ko­ope­ra­tions­ländern werden zum Beispiel Jugend­beschäftigungs­strategien erstellt und umgesetzt. Die Berufs­information und -beratung wird verbessert und die berufliche Aus- und Fortbildung stärker auf die Bedürfnisse des Arbeits­marktes ausgerichtet. Deutsch­land unterstützt zudem Förder­programme für Existenz­gründer und setzt spezielle Anreize, damit in den Betrieben Praktikums- und Arbeits­plätze für Jugendliche bereit­gestellt werden.

Weitere ausführliche Informationen zum Kampf gegen Jugend­arbeits­losig­keit finden Sie im Kapitel Kinder- und Jugendrechte.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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