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Migration

Von Migration profitieren:
Ansätze der Entwicklungspolitik


Berufsberaterin in einem von der GIZ unterstützten Projekt in der Stadt Mansoura, Äthiopien.

Ziel der Ent­wick­lungs­politik ist es, Armut und Struk­tur­defi­zite in den Ent­wick­lungs­ländern nach­hal­tig zu be­kämp­fen. Dabei wer­den auch viele Ur­sachen von Migra­tion be­rück­sich­tigt: Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit för­dert poli­tische, wirt­schaft­liche und soziale Re­for­men in den Part­ner­län­dern. Sie en­ga­giert sich für eine ge­walt­freie Kon­flikt­be­ar­bei­tung und stärkt die Zivilgesellschaft.

Doch es braucht Zeit, bis spür­bare Ver­bes­se­rungen für die Be­völ­ke­rung ein­tre­ten. Den Migra­tions­druck kann die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit daher nur lang­fristig lin­dern. Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit kann jedoch auf ver­schie­denen Wegen einen Bei­trag dazu leisten, Migra­tion so zu ge­stal­ten, dass Herkunfts- und Auf­nah­me­länder davon profitieren.

Migration ist eine Form der Selbst­hilfe. Ganze Fami­lien ent­wick­eln Stra­te­gien, um ein­zelnen Mit­glie­dern die Aus­wan­derung zu er­mög­lichen. Durch ihre finan­zielle Unter­stüt­zung sor­gen die Migranten dann dafür, dass die im Her­kunfts­land Ver­blie­benen ein bes­seres Leben füh­ren können. Die deutsche Ent­wick­lungs­politik be­greift Migra­tion des­halb als Bei­trag zur Ent­wick­lung und setzt sich dafür ein, die damit ver­bun­denen Risiken zu ver­rin­gern. Sie ar­bei­tet dabei eng mit anderen Politik­be­reichen zu­sam­men, etwa der Außen-, Innen-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik.

CIM-Karriereberaterin bei einem Beratungsgespräch zu Capacity Development in Äthiopien. Urheberrecht: Ralf Bäcker/version-foto.deSo setzt sich das BMZ für natio­nale und inter­natio­nale Rahmen­be­din­gungen für Migra­tion ein, die auch den Be­dürf­nissen der armen Län­der Rech­nung tra­gen. Dazu ge­hören zum Bei­spiel Rege­lungen, die es Arbeits­kräften aus Ent­wick­lungs­ländern er­leich­tern, legal in ein anderes Land auszuwandern.

In Deutsch­land leistet das BMZ Auf­klärungs­arbeit über Ursachen und Chancen von Migra­tion. Das Ministerium will damit zu einer größeren Akzep­tanz von Migran­tinnen und Migran­ten bei­tragen. Diese sind wichtige Koope­ra­tions­partner für die ent­wick­lungs­poli­tische Bil­dungs­arbeit des BMZ: Migranten sind in Deutsch­land und in ihrer alten Heimat Teil der aktiven Zivilgesellschaft. Sie kön­nen be­son­ders kom­pe­tent über ihre Her­kunfts­länder berichten und als Brücken­bauer zwischen den Staaten wirken.

Europäische Initiativen

Auch auf europäischer Ebene gestaltet das BMZ die Migrationspolitik aktiv mit. Die Europäische Union hat unter anderem folgende Ansätze entwickelt:

  • Blue Card
    Die Einführung einer so­ge­nannten EU Blue Card soll die Zu­wan­de­rung für Hoch­qua­li­fi­zierte in die EU-Mitglieds­staaten ver­ein­fachen. Ethische An­wer­bungs­prin­zipien und ein in­ten­siver Dialog mit den Her­kunfts­ländern sol­len zu einem Interes­sens­aus­gleich füh­ren. Auf diese Weise wird an­ge­strebt, den Arbeits­kräfte­mangel in der EU zu ver­rin­gern, ohne einen mas­siven Wissens­ver­lust in den Ent­wick­lungs­ländern zu ver­ur­sachen. Da es nicht aus­reicht, wenn ein Land allein solche Prin­zi­pien ver­folgt, setzt sich das BMZ dafür ein, dass ent­sprechende Rekru­tie­rungs­regeln – zunächst für Gesund­heits­personal – in allen EU-Staaten einheitlich gelten.

  • Zirkuläre Migration
    Migration birgt nur dann Chancen für Ent­wick­lungs­länder, wenn die Migran­ten engen Kon­takt zur alten Hei­mat hal­ten kön­nen. Die zir­ku­läre Migra­tion er­laubt es ihnen, ihren Auf­ent­halt im Gast­land zu unter­brechen und für eine gewisse Zeit in ihr Her­kunfts­land zurück­zu­kehren. So kön­nen sie ihr im Aus­land er­wor­benes Wis­sen in die hei­mische Wirt­schaft und Ge­sell­schaft ein­brin­gen und zwischen beiden Län­dern hin- und her­pen­deln. Wichtig ist dabei die An­er­kennung von Bil­dungs­ab­schlüssen. Denn je bes­ser Migranten in den Arbeits­markt im Auf­nahme­land in­te­griert sind, desto bes­ser kön­nen sie ihre Fami­lien und Her­kunfts­länder unter­stützen. Die Bun­des­re­gierung hat in ihrem Koali­tions­vertrag fest­ge­legt, dass ein gesetz­licher Anspruch auf An­er­kennung von Ab­schlüssen und be­ruf­lichen Fähig­keiten geschaffen werden soll.

  • Mobilitätspartnerschaften
    Um den gesamten Migrations­prozess gemein­sam zu ge­stal­ten, geht die EU mit Herkunfts- und Transit­ländern so­ge­nannte Mobi­li­täts­partner­schaften ein. Dabei werden die spezi­fischen Be­dürf­nisse von Migran­ten, Herkunfts- und Auf­nahme­ländern mit­ein­ander ab­ge­stimmt. Der Zugang zum euro­päischen Arbeits­markt wird eben­so er­leich­tert wie die Wie­der­ein­glie­derung im Her­kunfts­land. Zu­gleich unter­stützt die EU diese Staaten dabei, die Ursachen un­frei­williger Migra­tion zu be­sei­tigen. Das BMZ nimmt an Pilot-Mobilitäts­partner­schaften mit der Republik Moldau, Georgien und Armenien teil.

Bilaterale Zusammenarbeit

Für die bilaterale Zusammenarbeit hat das BMZ eben­falls eine Reihe von Instru­menten zum Thema Migra­tion ent­wick­elt. Sie sollen den Partner­ländern der deutschen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit hel­fen, die Poten­ziale der Migra­tion besser auszuschöpfen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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