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Entwicklungspolitik

Geldtransfers erleichtern


Kunde bezahlt in einem kleinen Laden in Sulichour, Nepal.

Migrantinnen und Migranten schicken im Durchschnitt 20 bis 30 Prozent ihres Einkommens an Familie und Freunde im Herkunfts­land. Nach Schätzungen der Weltbank beliefen sich die Geld­transfers von Migranten in Ent­wick­lungs­länder im Jahr 2012 auf 406 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als das Dreifache der offiziellen Ent­wick­lungs­leistungen (ODA) der OECD-Länder, die sich etwa im Jahr 2011 auf 134 Milliarden US-Dollar beliefen. Und es ist zu vermuten, dass die Migranten über informelle Wege noch deutlich mehr Geld in ihre Herkunfts­länder schicken. Zahl­reiche Ent­wick­lungs­länder sind inzwischen wirt­schaft­lich auf diese Geld­flüsse aus dem Ausland angewiesen. In Tadschikistan beispiels­weise machen sie nahezu 30 Prozent des Bruttosozialproduktes aus.

Das Geld sicher in die Her­kunfts­länder zu senden, stellt die Migranten vor große Prob­leme: In vielen Ent­wick­lungs­ländern gibt es kein flächen­deckendes Ban­ken­system. Gerade die armen Be­völ­ke­rungs­schichten be­sit­zen meist kein eigenes Konto. Einige Finanz­insti­tute bieten zwar Bar­geld­über­wei­sungen an, neh­men dafür je­doch hohe Ge­büh­ren. Viele Migranten bit­ten daher Lands­leute, die in die alte Hei­mat rei­sen, für sie Bar­geld mit­zu­neh­men – mit hohem Ver­lust­risiko. Oder sie fah­ren selbst zurück, um das Er­sparte ab­zu­lie­fern. Dabei laufen sie Ge­fahr, über­fallen oder von kor­rupten Zoll- und Grenz­beamten aus­ge­nommen zu werden.

Häufig nutzen Migranten daher in­for­melle Über­wei­sungs­systeme (zum Bei­spiel "Hawala"). Das Prin­zip be­ruht auf Ver­trauen: Der Migrant über­gibt das Geld in seinem Auf­nahme­land an einen Geld­wechsler. Dieser weist einen Part­ner im Her­kunfts­land des Migranten an, die ent­sprechende Summe – abzüg­lich einer ge­ringen Kom­mis­sion – in Lan­des­wäh­rung an die An­ge­hörigen des Migranten aus­zu­zahlen. Die Ver­rech­nung regeln die Händ­ler unter sich. Solche Geld­über­tra­gungen ohne Ge­neh­mi­gung der Finanz­auf­sicht sind in Deutsch­land zwar ver­boten. Migranten nut­zen diesen in­for­mellen Weg jedoch trotz­dem, weil die Trans­aktion schnell und kosten­günstig er­folgt und keine Bank im Her­kunfts­land voraussetzt.

Um den Geldtransfer legal, sicher und kosten­günstig zu gestalten, hat die Deutsche Gesell­schaft für Inter­nationale Zu­sam­men­arbeit (GIZ) im Auf­trag des BMZ ge­mein­sam mit der Frank­furt School of Finance & Manage­ment die Web­site www.geldtransFAIR.de ins Leben ge­rufen. Hier können sich Migran­tinnen und Migranten über An­ge­bote und Preise von ver­schie­denen Finanz­insti­tuten in­for­mieren. Das An­ge­bot er­höht die Trans­pa­renz des Geld­transfer-Marktes und sorgt für mehr Wett­be­werb zwischen den Insti­tuten.

Ergänzend unter­stützt Deutsch­land seine Partner­länder beim Auf- und Aus­bau von eigenen Finanz­insti­tu­tionen, die sich auf die Be­dürf­nisse der Empfänger der Geld­sen­dungen kon­zen­trieren. An­ge­hörige von Migranten er­hal­ten damit die Mög­lich­keit, das em­pfan­gene Geld sicher auf Konten und Spar­büchern an­zu­legen. Sie kön­nen Mikro­kre­dite auf­neh­men und wer­den bei Fra­gen zu In­vesti­tionen und Existenz­grün­dungen beraten.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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