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Hintergrund

Gesundheit – ein Menschenrecht


Neugeborene auf einer Baby-Station in Prizren, Kosovo.
Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.
Verfassung der Weltgesundheitsorganisation

Es gibt nur Weniges, das sich alle Menschen auf der Welt gleicher­maßen wünschen. Dazu gehört Gesundheit. Sie ist für jeden von uns unschätzbar wertvoll – auch, weil wir wissen, dass wir sie von heute auf morgen verlieren können. Trotz aller medi­zi­nischen Fortschritte können wir das nicht ändern.

Ändern können wir jedoch die Situation von Millionen Menschen in Ent­wick­lungs­ländern. Ihr Leben wird teil­weise von Erkrankungen bedroht, die für uns in den Industrie­ländern längst ihren Schrecken verloren haben, weil sie verhindert oder geheilt werden können:

Auch wenn sich die Situation schon deutlich verbessert hat, sterben noch immer in jedem Jahr fast sieben Millionen Klein­kinder; sehr viele von ihnen an Krank­heiten, die ver­meid­bar wären. Das sind umgerechnet etwa 19.000 Todes­fälle pro Tag. Besonders viele Kinder sterben in den ärmsten Ländern Afrikas südlich der Sahara. Dort stirbt jedes neunte Kind vor seinem fünften Geburtstag.

Jeden Tag sterben weltweit etwa 800 Frauen an den Folgen von Schwanger­schaft und Geburt, weil es für sie keine aus­reichende medi­zi­nische Betreuung gibt.

2011 starben nach Schätzungen der Vereinten Nationen 1,7 Millionen Menschen an Aids (24 Prozent weniger als 2005). Und auch mit anderen über­trag­baren Krank­heiten wie Tuber­ku­lose, Malaria, Fluss­blind­heit, Schlaf­krankheit oder Dengue­fieber sind viele Millionen Menschen infiziert.

Die Gründe für diese Katastrophe sind außer­ordent­lich viel­fältig, die Haupt­ursache ist jedoch Armut. Krank­heiten sind oft ihre direkte Folge – gleichzeitig kann Armut die Folge von Krank­heiten sein. Deshalb sind Erfolge bei der Armuts­bekämpfung eine wichtige Voraus­setzung dafür, dass sich die gesund­heit­liche Situation der Menschen in den armen Ländern bessert.

Auch darum steht Armuts­bekämpfung im Mittel­punkt der acht Millenniums­entwicklungs­ziele. Regierungs­vertrete­rinnen und -vertreter von 189 Ländern haben sie im Jahr 2000 vereinbart. Gesundheit hat in diesem Maß­nahmen­katalog eine heraus­ragende Bedeutung, drei der acht Ziele sind auf dieses Thema ausgerichtet:

  • die Kindersterblichkeit verringern (Ziel 4),
  • die Gesundheit von Müttern·verbessern ​(Ziel 5) und
  • die Verbreitung von Aids und anderen Infektions­krankheiten eindämmen (Ziel 6).

Die Weltgemeinschaft hat sich vorgenommen, die Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele bis 2015 zu erreichen. Bis dahin ist nur noch wenig Zeit und in manchen Regionen sind noch erhebliche Bemühungen erforderlich. Inzwischen wird intensiv über ein Folge­programm für die Zeit nach 2015 diskutiert. Die Vereinten Nationen haben beschlossen, bis Herbst 2014 globale Ziele für nach­haltige Entwicklung (Sustainable Develop­ment Goals, SDGs) zu erarbeiten. Das Thema Gesund­heit wird auch bei diesen neuen Zielen eine zentrale Bedeutung haben.

Menschenrecht Gesundheit

In der Allgemeinen Erklärung der Menschen­rechte der Vereinten Nationen von 1948 steht im Artikel 25:

"Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen (...)"

Im Inter­natio­nalen Pakt über wirt­schaft­liche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt) heißt es in Artikel 12:

"Die Vertrags­staaten erkennen das Recht eines jeden auf das für ihn erreichbare Höchst­maß an körper­licher und geistiger Gesundheit an. Die von den Vertrags­staaten zu unter­nehmenden Schritte zur vollen Ver­wirk­lichung dieses Rechts umfassen die erforderlichen Maßnahmen
a) zur Senkung der Zahl der Tot­geburten und der Kinder­sterb­lich­keit sowie zur gesunden Ent­wick­lung des Kindes;
b) zur Ver­bes­se­rung aller Aspekte der Umwelt- und der Arbeits­hygiene;
c) zur Vorbeugung, Behandlung und Bekämpfung epi­de­mischer, endemischer, Berufs- und sonstiger Krankheiten;
d) zur Schaffung der Voraus­setzungen, die für jedermann im Krank­heits­fall den Genuss medi­zi­nischer Ein­rich­tungen und ärzt­licher Betreuung sicherstellen."

Diese eindeutig definierten Rechte werden bisher nicht umfassend verwirklicht.

Ein afrikanisches kleines Mädchen trinkt Wasser an einem Wasserhahn. Urheberrecht Photothek.net, KöhlerSo haben zum Beispiel weltweit rund 780 Mil­lio­nen Menschen kein sauberes Trink­wasser. Rund 2,5 Milliarden – mehr als ein Drittel der Welt­bevölkerung – leben ohne sanitäre Basis­versorgung. Fast eine Milliarde von ihnen sind Kinder. Millionen Menschen sterben an Krank­heiten, die durch eine gute Gesund­heits­ver­sor­gung leicht zu vermeiden und gut zu behandeln wären.

Die Verletzung des Menschen­rechts auf Gesund­heit ist eine huma­ni­täre Katastrophe für die betroffenen Ent­wick­lungs­länder und eine moralische Katastrophe für den Rest der Menschheit.

Die Ver­bes­se­rung der gesund­heit­lichen Situation der Menschen in den Ent­wick­lungs­ländern ist darum ein wichtiges Ziel der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik. Die Bun­des­re­pu­blik konzentriert sich dabei auf folgende Schwer­punkte:

  • Stärkung der Gesundheits­systeme, besonders durch Ausbildung von Fach­kräften, Ent­wick­lung von Systemen der sozialen Sicherung und der solidarischen Finan­zie­rung der Gesund­heits­versor­gung sowie sektor­über­grei­fende Ansätze der Gesund­heits­förderung.
  • Stärkung der Prävention und Behandlung von HIV und Aids sowie anderen Infektions­krankheiten einschließlich der Ver­bes­se­rung des Zugangs zu kosten­günstigen Medikamenten.
  • Stärkung der Rechte und Wahl­möglich­keiten von Frauen im Hinblick auf Verhütung, Schwanger­schaft und Geburt (sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte).

Lexikon der Entwicklungspolitik

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