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Deutsches Engagement

Die Gesundheit von Müttern verbessern


In Burkina Faso wird einer Frau eine Blutprobe entnommen.

In Entwicklungs­ländern sterben täglich etwa 800 Frauen an den Folgen von Schwanger­schaft und Geburt, weil es für sie keine aus­reichende medi­zi­nische Betreuung gibt. In einzelnen Ländern, insbesondere in Afrika südlich der Sahara und in Süd­asien, stirbt bei etwa jeder 100. Geburt die Mutter. Das Risiko einer Frau, bei der Geburt zu sterben, ist damit in diesen Ländern über 100-mal höher als zum Beispiel in Deutschland .

Die Weltgesundheits­organisation (WHO) nennt dieses Sterben der Mütter eine "unsichtbare Epidemie". Sie müsste sich nicht ereignen, die meisten der Todes­fälle wären vermeidbar, auch in Entwicklungs­ländern.

Hauptursache dafür, dass Schwanger­schaften in vielen Ländern eine Gefahr für das Leben von Frauen bedeuten, ist der Mangel an Aufklärung und an medi­zi­nischer Betreuung für Schwangere. In den Regionen mit der höchsten Mütter­sterb­lich­keit entbinden rund die Hälfte aller Frauen ohne die Hilfe einer quali­fi­zier­ten Heb­amme oder einer Ärztin oder eines Arztes. Viele haben kaum Möglich­keiten, über Sexualität und Familien­planung mit­zu­entscheiden. Ungefähr jede fünfte Frau, die in einem Ent­wick­lungs­land ein Kind zur Welt bringt, konnte während der Schwanger­schaft an keinem einzigen Vorsorge­termin teil­nehmen, bei dem zum Beispiel Risiken für Komplikationen erkannt werden könnten und eine Beratung zu wichtigen Fragen wie Ernährung stattfinden könnte.

Neben der fachlichen Betreuung während Schwanger­schaft und Geburt spielt die Verhütung ungewollter Schwanger­schaften und die Reduzierung unsach­gemäß durch­geführter Schwanger­schafts­abbrüche eine wichtige Rolle bei der Ver­ringerung der Mütter­sterb­lich­keit. Schwanger­schafts­abbrüche ver­ursachen schätzungs­weise neun Prozent der Todes­fälle. Schwanger­schaften, die als Folge sexueller Gewalt zum Beispiel in Kriegen und gewalt­samen Konflikten ent­stehen, sind für Frauen besonders dramatisch.

Das deutsche Engagement

Die Bundes­republik fördert im Rahmen der inter­nationalen Entwicklungs­zusammen­arbeit den Bevölkerungs­fonds der Vereinten Nationen (UNFPA) durch frei­willige Beiträge zum Budget und durch Mittel für spezielle Programme der repro­duktiven Gesund­heit. Außerdem unter­stützt die Bundes­regierung den inter­nationalen Dach­verband der Nicht­regie­rungs­orga­ni­sa­tio­nen im Bereich Familien­planung (Inter­national Planned Parent­hood Federation, IPPF).

Das BMZ fördert im Bereich der sexuellen und repro­duktiven Gesundheit weltweit mehr als 50 Vorhaben mit entsprechenden Aktivitäten und Maßnahmen.

Beim G8-Gipfel im Jahr 2010 hat Deutsch­land zugesagt, die sogenannte Muskoka-Initiative zur Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit zu unter­stützen. Die Bundes­regierung wird bis 2015 zusätzlich 400 Millionen Euro für entsprechende Maßnahmen bereit­stellen. Als Beitrag zur Umsetzung der G8-Muskoka-Initiative sowie zur Unter­stützung der globalen Strategie "​Every Woman, Every Child" ​unter Schirm­herr­schaft des UN-Generalsekretärs hat das BMZ in 2011 eine eigene Initiative ins Leben gerufen. Die Initiative "Selbst­bestimmte Familien­planung und Mütter­gesundheit" verfolgt drei Ziele:

  1. Wissen über und Akzeptanz moderner Familien­planungs­methoden steigern;
  2. Zugang zu modernen Familien­planungs­methoden und -dienstleistungen verbessern;
  3. Zahl der medizinisch professionell begleiteten Geburten erhöhen.

Die folgenden Beispiele geben einen kleinen Einblick in das Spektrum des deutschen Engagements:

Kamerun: Junge Mütter setzen sich für sexuelle Aufklärung und gegen Gewalt ein

Familie in Buea, Kamerun. Urheberrecht: Thomas Imo/photothek.netDie Einbeziehung der Zivil­gesell­schaft und die Stärkung von Selbst­hilfe­gruppen sind wichtige Pfeiler bei der Sexual­aufklärung von Jugend­lichen in Kamerun. Deutsch­land unter­stützt das Gesundheits­ministerium Kameruns dabei.

In Kamerun ist die Tante eines Mädchens traditions­gemäß ihre engste Vertraute und Ratgeberin in sexuellen Angelegen­heiten. Das sogenannte "Kleine-​Tanten-Projekt" (französisch "Les Tantines") knüpft an diese Tradition an.

Bis Mitte 2013 bildete das Projekt mehr als 17.000 un­ver­heiratete Frauen, die als Teenager schwanger wurden, in Grund­fragen zu sexueller und repro­duktiver Gesundheit aus. Die ausgebildeten jungen Mütter nennen sich dann "Kleine Tanten" und gründen lokale Ver­eini­gungen, in denen sie sich gegen­seitig unter­stützen und Aufgaben über­nehmen, die sonst von Tanten ausgefüllt wurden.

Die Kleinen Tanten erreichen auch über ihre Familien­strukturen hinaus zahl­reiche junge Menschen in ihren Dörfern und Stadt­vierteln. Sie bieten Sexual­aufklärung als Teil des Schul­unter­richts an und beraten Jugendliche auch außerhalb ihrer Schulen.

Inzwischen gibt es in Kamerun mehr als 330 lokale Kleine-Tanten-Vereini­gun­gen mit insgesamt gut 36.000 Mitgliedern. Durch Beratungs­angebote außerhalb von Schulen werden jährlich weitere 1,2 Millionen Menschen erreicht.

Das Projekt hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Es fördert die Mitwirkung der Frauen und stärkt ihre Möglich­keiten zur Selbst­bestimmung. Es ist wirksam, geschlechter­sensibel, nachhaltig, kosten­günstig und übertragbar.

Kenia: Sichere Mutterschaft für die ärmsten Frauen

Das Risiko einer Frau in Kenia, bei einer Schwanger­schaft oder Geburt zu sterben, ist mehr als 50-mal so hoch wie in Deutsch­land. Besonders die armen Bevölkerungs­schichten haben in Kenia kaum Zugang zu angemessenen Gesundheits­dienst­leistungen. Darum werden die meisten Kinder zu Hause geboren und nur knapp 44 Prozent aller Geburten werden von Fach­personal betreut.

Um diese Situation zu verbessern, haben die kenianische und die deutsche Regierung vereinbart, ein Gutschein­system für die repro­duktive Gesundheits­versorgung der am meisten benachteiligten Frauen des Landes einzurichten. Die Kooperation wurde 2006 von der KfW Entwicklungs­bank im Auftrag des BMZ begonnen, heute wird sie gemeinsam von der KfW und der kenianischen Regierung finanziert.

Ab einer festgelegten Armuts­grenze können Frauen nun sub­ven­tio­nierte Gutscheine kaufen. Sie haben damit Anspruch auf bestimmte Leistungen in den teil­nehmenden Gesundheits­einrichtungen. Nach Vorlage des Gutscheins und einer Rechnung über die erbrachten Leistungen werden die Gesundheits­einrichtungen bezahlt und können dann selbst entscheiden, wofür sie diese Einnahmen verwenden.

Das Gutschein­system umfasst Schwanger­schafts­betreuung und Beratung zur Familien­planung sowie die Betreuung von Opfern sexueller Gewalt. Das Programm wurde an sechs unter­schied­lichen Stand­orten in Kenia gestartet und inzwischen auf die neuen County-Grenzen ausgeweitet wurden (vier Counties mit jeweils 20 Distrikten und zwei Slums in Nairobi). Insgesamt leben dort über 600.000 arme Frauen im gebär­fähigen Alter. Inzwischen wurden Zehn­tausende Kinder unter fach­licher Betreuung in den 155 akkreditierten öffentlichen und privaten Gesundheits­einrichtungen sicher zur Welt gebracht – und jeden Monat kommen mehr als 2.500 sichere Geburten dazu.

Das Gutscheinprogramm hat als Vorreiter einer Kranken­versicherung für arme Menschen wichtige Elemente eingeführt, zum Beispiel die leistungs­abhängige Bezahlung von Gesundheits­anbietern, Akkreditierung und Qualitäts­manage­ment, freie Anbieter­wahl, Stärkung des Über­weisungs­systems, Ein­führung von mehr Auto­nomie und Rechen­schafts­pflicht der Anbieter sowie Anregung zu Investitionen durch garantierte Kosten­erstattungen für erbrachte Leistungen. Viele dieser Elemente werden nun aufgegriffen und weiter­entwickelt, um das Ziel der universellen Absicherung im Krank­heits­fall zu erreichen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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