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Deutsches Engagement

Kindergesund­heit för­dern


Kinder in einem Mutter-Kind-Heim in Burundi.

Weltweit sterben jährlich etwa sieben Millionen Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren – größtenteils an Krank­heiten, die vermieden oder behandelt werden könnten. Etwa drei Millionen dieser Kinder sterben schon in ihren ersten vier Lebenswochen – meistens zu Hause und ohne medizinische Hilfe.

Häufige Ursachen für den Tod kleiner Kinder sind Infektionen der Atem­wege, Durch­fall, Malaria und Masern. Wenn Kinder unter­ernährt sind, wenn sie kein sauberes Trink­wasser haben und wenn sie unter schlechten hygienischen Bedingungen leben müssen, können auch solche – nach unseren Vorstellungen harmlose Krankheiten – tödlich sein.

Es wird geschätzt, dass mindestens zwei Drittel der Todes­fälle im Kindes­alter durch einfache und kosten­günstige Maßnahmen verhindert werden könnten. Besonders in den ärmsten Ländern sind die Gesundheits­dienste aber nicht leistungs­fähig genug, um diese Maßnahmen anbieten zu können.

Integriertes Management von Kinderkrankheiten

Ein Mädchen in Pakistan wird gegen Masern geimpft. Urheberrecht: Muzammil Pasha/UNICEFUm die gesund­heit­liche Situation der Kinder zu verbessern, wird im Rahmen der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ein umfassender Programm­ansatz gefördert: das "Integrierte Manage­ment von Kinder­krankheiten" (Integrated Manage­ment of Child­hood Illnesses, IMCI). Die Strategie wurde 1992 vom Kinder­hilfs­werk der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Welt­gesund­heits­orga­ni­sa­tion (WHO) entwickelt und umfasst ein breites Spektrum von Maßnahmen, die auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Dazu gehören Krankheits­vorbeugung und -verhütung im Kindes­alter ebenso wie Aufklärung, Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gungen und die Behandlung von Krankheiten.

IMCI wird von Gesundheits­diensten, Gemeinden und Familien gemeinsam umgesetzt. So wird erreicht, dass zum Beispiel Schulen das Thema Gesundheit in ihre Lehr­pläne aufnehmen. Und bei Programmen zur Ver­bes­se­rung der Wasser­ver­sorgung werden nicht nur neue Rohr­leitungen geplant, sondern zum Beispiel auch Schulungen zu den Themen Gesundheits­bildung und Hygiene­erziehung angeboten.

Inter­nationale Or­ga­ni­sa­tionen wie UNICEF und die WHO plädieren für einfache Maßnahmen, die auch ohne aufwendige medi­zi­nische Versorgung maßgeblich zum Über­leben von Kindern beitragen können. Dazu gehören

  • das ausschließliche Stillen von Klein­kindern in den ersten vier bis sechs Lebens­monaten,
  • das Schlafen unter imprägnierten Moskito­netzen und der Einsatz wirksamer Medikamente zur Behandlung von Malaria,
  • die Gabe einer speziellen wässrigen Trink­lösung bei Durchfall­erkrankungen,
  • die Behandlung mit Antibiotika bei Lungen­entzündungen sowie
  • Impfungen gegen sechs wichtige Krankheiten.

Das deutsche En­gage­ment

Ein sieben Monate altes Mädchen in Antananarivo, Madagaskar, wird gemessen, um zu prüfen, ob sie noch immer unterernährt ist. Urheberrecht: Guy Oliver/IRINDie Bun­des­re­pu­blik unterstützt vielfältige Maßnahmen zur Reduzierung der Kinder­sterb­lich­keit und Förderung der Kinder­gesundheit. Die folgenden Beispiele vermitteln einen Eindruck vom Spektrum des Engagements:

  • Stärkung von Gesundheitssystemen
    Gesundheitsdienste zur Versorgung von Müttern und ihren Kindern sind für die Senkung der Sterb­lich­keits­raten unverzichtbar. So müssen zum Beispiel Infektionen der Atem­wege, Durch­fall oder Malaria von aus­gebildetem medizinischem Personal behandelt werden – für Kinder unter fünf Jahren sind solche Therapien sehr häufig lebens­rettend. Die Stärkung von Gesundheits­systemen und die Förderung eines universellen Zugangs zu einer Basis­versorgung sind daher wichtige Ansätze der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit.
  • Krankheitsbekämpfung
    Zur Bekämpfung von Krankheiten unter­stützt Deutsch­land Or­ga­ni­sa­tionen wie die Welt­gesund­heits­organisation (WHO) und das Kinder­hilfs­werk der Vereinten Nationen (UNICEF). Die Or­ga­ni­sa­tionen führen gezielte flächen­deckende Kampagnen durch, die von Deutsch­land mitfinanziert werden – zum Beispiel Programme zur recht­zeitigen Behandlung von Durchfall­erkrankungen, Malaria und Atemwegs­infektionen.
  • Impfschutz
    Deutsch­land unterstützt die Impfallianz Gavi. Diese öffentlich-private Partner­schaft zahlreicher Insti­tu­tionen, Regierungen und der Privat­wirt­schaft konzentriert sich auf Impf­kampagnen, die Unterstützung von Routine­impf­programmen und die Stärkung der dazu notwendigen Gesundheits­systeme. Impfungen retten Leben, denn sie stellen die effizienteste Maßnahme gegen die Ausbreitung von Krankheiten dar. Nach Berechnungen der WHO haben die von Gavi geförderten Impf­programme geholfen, mehr als 6 Mil­lio­nen Todes­fälle zu verhindern. Das BMZ unterstützt die Arbeit dieser Stiftung seit 2006 mit kontinuierlich steigenden Beiträgen; im Jahr 2014 mit 38 Millionen Euro.
  • Vorbeugung
    Deutsch­land fördert in seinen Kooperations­ländern die Vorbeugung gegen Infektions­krankheiten, unter anderem auch im Rahmen der allgemeinen Stärkung von Gesundheits­diensten. Bei sogenannten Mutter-Kind-Sprech­stunden in Gesundheits­zentren finden zum Beispiel Mütter Ansprech­partner für ihre Fragen. Dort werden auch gezielt vorbeugende Maß­nahmen für Mütter und Kinder angeboten. So können Probleme wie Mangel­ernährung oder eine verzögerte Ent­wick­lung von Kindern früh erkannt und behandelt werden.
  • Aufklärungsmaßnahmen
    Aufklärungsmaßnahmen zur Ver­bes­se­rung der Neugeborenen­gesundheit werden in Kampagnen zur sicheren Mutter­schaft integriert ("Safe Mother­hood Programme"). Dadurch wird die Gefahr vermindert, dass Kinder zu früh oder mit Unter­gewicht geboren werden – ein Problem, das häufig auftritt, wenn die Mütter an Malaria oder Tuberkulose leiden oder wenn sie während der Schwanger­schaft zu schwer arbeiten müssen. Aufklärung und Information sind auch wichtige Instrumente zur Vorbeugung gegen eine Infektion mit dem HI-Virus.
  • Beratung
    Durch Beratungsangebote kann auf traditionelle Vorstellungen und Praktiken eingewirkt werden. Dazu zählen zum Beispiel die geringere Achtung, die in manchen Ländern Mädchen entgegen­gebracht wird, oder die weibliche Genital­verstümmelung. Auch Nahrungs­tabus und Ver­hal­tens­regeln, die schädlich für die Gesundheit von Kindern sind, werden in Beratungs­gesprächen thematisiert.
  • Bildung
    Es ist erwiesen, dass ein guter Bildungs­stand der Mütter wesentlich zur Reduzierung der Kinder­sterb­lich­keit beiträgt. Darum fördert Deutsch­land Grund­bildung für Mädchen und Aufklärung im Bereich der sexuellen Gesundheit. Einkommen schaffende Maßnahmen werden durch Fort­bildungs­angebote zu Gesundheit, Menschen­rechten und Management­fähigkeiten begleitet.
  • Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene
    Rund ein Viertel der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren stehen in Zusammen­hang mit unzureichender Wasser- und Sanitär­versorgung sowie mangelnder Hygiene. Viele dieser Erkrankungen sind mit einfachen präventiven Maßnahmen vermeidbar. Schul­gesund­heits­programme bieten zum Beispiel die Möglichkeit, Kindern gesundheits­förderliches Verhalten nahe​­zu­​bringen. Schul­kinder sind besonders sensibel für Verhaltens­änderungen und tragen erlerntes Wissen in ihre Familien, Gemeinden und später, als Erwachsene und Eltern, in nachfolgende Generationen.

Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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