Hauptinhalt

Menschenrecht Gesundheit

Die Gesundheitssituation in Entwicklungsländern


Ein Kind in Somalia wird gegen Kinderlähmung geimpft.

Die gute Nachricht: Zwischen 1970 und 2010 ist die Lebens­erwar­tung der Men­schen in den Ent­wick­lungs­ländern von 40 auf 70,1 Jahre angestiegen (Lebens­erwar­tung von Kindern, die 2012 in Deutsch­land geboren wurden: 80,6 Jahre). Die Zahl der Todes­fälle bei Kindern unter fünf Jahren sank zwischen 1990 und 2011 weltweit von 89 auf 51 je 1.000 Lebendgeburten (in Deutsch­land: 4 je 1.000).

Die schlechte Nachricht: Trotz dieser Fort­schritte müssen sehr viele Menschen in Ent­wick­lungs­ländern noch immer mit Krank­heiten wie Tuber­ku­lose oder Malaria leben. Welt­weit waren 2014 rund 36,9 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, etwa 25,8 Millionen davon in Subsahara-Afrika. Auch Infek­tionen, die durch Parasiten hervor­gerufen werden, wie die Wurm­krank­heiten Schisto­somiasis und Fluss­blind­heit (Oncho­zerkose), sind bei Kindern und Erwachsenen sehr verbreitet und nehmen teilweise wieder zu.

Situation der Kinder

Besonders gefährdet ist die Gesund­heit von Kindern. In jedem Jahr sterben in Ent­wick­lungs­ländern fast sieben Millio­nen Kinder unter fünf Jahren. Millio­nen weitere Kinder erleiden als Folge von Krank­heiten kör­per­liche und geis­tige Be­hin­de­run­gen. Fast ein Drittel der Todes­fälle werden durch Infek­tio­nen der Atem­wege und Durch­fälle ver­ursacht.

Situation der Mädchen und Frauen

Eine mit deutschen Mitteln unterstützte Gesundheitsstation in Thula, Jemen. Urheberrecht: Thomas Koehler/photothek.netDie Gesundheit von Frauen und Mädchen wird von ihrer Stellung in Familie und Ge­sell­schaft be­ein­flusst. Geschlechts­spezi­fische Dis­kri­mi­nie­rung kann sich negativ auf das Gesund­heits­verhalten, das Infek­tions­risiko (etwa für die An­steckung mit dem HI-Virus) und den Zugang zu Gesund­heits­diensten, Infor­ma­tion und Bildung auswirken.

Belastend für die Gesundheit von Millionen Frauen sind schlechte Ernährung und häufige Schwanger­schaften, schwere Arbeit, die über­wiegend auf ihnen lastende Ver­ant­wor­tung für Kinder und Familie sowie mangelnde Möglich­keiten, über das eigene Leben selbst zu bestimmen.

Täglich sterben in den Ent­wick­lungs­ländern Frauen an den Folgen einer Schwanger­schaft oder Geburt, weil sie nicht aus­reichend medi­zi­nisch betreut werden. Zudem werden jedes Jahr mehrere Millionen Schwanger­schaften abgebrochen, sehr viele von ihnen in Ent­wick­lungs­ländern. Jeder dieser Ab­brüche ist mit körper­lichem und seelischem Leid verbunden. Durch un­sach­gemäß durch­geführte Schwanger­schafts­abbrüche erleiden nach Schätzungen der Welt­gesund­heits­organisation jährlich bis zu fünf Millionen Frauen in Ent­wick­lungs­ländern schwere Kompli­ka­tionen; neun Prozent der Todes­fälle in Folge einer Schwanger­schaft gehen demnach auf un­sach­gemäße Abbrüche zurück.

Krankheitsursachen in Entwicklungsländern

Eine der häufigsten Krank­heits­ursachen ist Armut. Sie gilt als mit­ver­ant­wort­lich für einen großen Teil aller Todes­fälle.

Armut verhindert, dass Kranke medi­zi­nisch versorgt werden. Oft führt sie zu Hunger oder falscher Ernährung. Und auch wer sich kein sauberes Trink­wasser und keine Toilette leisten kann, wird häufiger krank und langsamer gesund. Faktoren wie Arbeits­losig­keit, mangelnde Schul­bildung und fehlende Mög­lich­keiten der Familien­planung können den Gesund­heits­zustand eben­falls negativ beeinflussen.

Viele Arme erleiden zudem eine soziale Ent­wur­ze­lung. Mögliche Folge­erschei­nungen wie Prostitution, Gewalt, Krimi­na­li­tät und Drogen­konsum sind mit einem sehr großen gesund­heit­lichen Risiko verbunden. Weitere Risiko­faktoren für die Gesundheit sind bewaffnete Konflikte und Natur­katastrophen. Auch ihnen sind Arme besonders schutz­los ausgeliefert.

Mangelhafte Gesundheitssysteme

Patienten warten in einer Praxis der German Doctors (Ärzte für die 3. Welt) in einem Slum von Dhaka, Bangladesch. Urheberrecht: Thomas Imo/photothek.netViele Menschen in Ent­wick­lungs­ländern haben keinen Zugang zu einer pro­fessio­nellen Gesund­heits­ver­sor­gung. Ihnen fehlt das Geld für Be­hand­lung und Kranken­pflege oder medi­zi­nisch betreute Geburten. Millionen Menschen verarmen, weil die Kosten für medi­zi­nisch not­wendige Leistungen sie ruinieren. Auch effektive Vor­beu­gungs­maß­nahmen gegen Krank­heiten können sich Arme nicht leisten.

In vielen Staaten gibt es keine flächen­deckende Grund­versorgung für alle Schichten der Be­völ­ke­rung. Die Gesundheits­einrichtungen sind regional häufig ungleich­mäßig verteilt. Wichtige medi­zi­nische Dienst­leis­tun­gen, ob staat­liche oder private, sind haupt­sächlich in den Städten verfügbar – und kommen oft nur der wohl­habenden Schicht zugute.

Besonders benachteiligt sind, neben den Armen, ethnische Minder­heiten, Menschen mit Behin­de­rungen sowie Frauen und Kinder. Ohne soziale Siche­rungs­systeme ist das Risiko für Familien hoch, durch Krank­heits­fälle in die Armut abzurutschen.

Auch wenn der politische Wille zu Um­struk­tu­rie­run­gen vor­handen ist: Den meisten Ent­wick­lungs­ländern fehlt es sowohl an finan­ziellen Mitteln als auch an Fach­kräften, um ein funk­tio­nie­ren­des und flächen­deckendes Gesund­heits­system auf­zu­bauen. Eng­pässe gibt es auch bei der Transport­infra­struktur.

Ausführliche Informationen über das deutsche En­gage­ment für die Ver­bes­se­rung der Gesund­heits­systeme in Ent­wick­lungs­ländern finden Sie hier.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen