Hauptinhalt

Menschenrecht Gesundheit

Die Gesundheitssituation in Entwicklungsländern

Trinkwasserspender in einer Schule in Burkina Faso

Die gute Nachricht: Seit 1980 ist die Lebenserwartung der Menschen weltweit von 63 auf rund 72 Jahre angestiegen (aktuelle Lebenserwartung in Deutschland: rund 81 Jahre). Die Müttersterblichkeitsrate sank zwischen 1990 und 2015 um 43 Prozent, die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren konnte weltweit um deutlich mehr als die Hälfte reduziert werden. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist von 2000 bis 2017 um mehr als 35 Prozent gefallen.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die medizinische Grundversorgung in einem Großteil der Welt verbessert. Allein durch die Unterstützung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit haben zwischen 2010 und 2015 weltweit mehr als 300 Millionen Menschen von einer besseren Gesundheitsversorgung profitiert. Auch haben inzwischen deutlich mehr Menschen Möglichkeiten, sich für den Krankheitsfall abzusichern.

Herausforderungen

Die schlechte Nachricht: Trotz dieser Fortschritte haben rund eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu einer angemessenen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung. Das betrifft vor allem arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Besonders gefährdet ist die Gesundheit von Frauen und Kindern. In den afrikanischen Staaten südlich der Sahara liegt die Lebenserwartung mit 60 Jahren deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt.


Mütter mit ihren Kindern im Wartezimmer einer Gesundheitsstation in Goma (Demokratische Republik Kongo)

Krankheiten wie Tuberkulose oder Malaria sind in Entwicklungsländern noch immer weit verbreitet und kosten dort jedes Jahr mehr als zwei Millionen Menschen das Leben. Weltweit waren 2017 etwa 36,9 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, mehr als 25 Millionen davon in Subsahara-Afrika. Auch Infektionen, die durch Parasiten hervorgerufen werden, wie die Wurmkrankheiten Schistosomiasis und die Flussblindheit (Onchozerkose), stellen weiterhin ein großes Gesundheitsrisiko für Kinder und Erwachsene dar.


Krankheitsursachen in Entwicklungsländern

Provisorische Krankenstation in einem Flüchtlingslager in der Zentralafrikanischen Republik

Eine der häufigsten Krankheitsursachen ist Armut. Sie gilt als mitverantwortlich für einen großen Teil aller Todesfälle. Armut verhindert, dass Kranke medizinisch versorgt werden. Oft führt sie zu Hunger oder falscher Ernährung. Und auch wer sich kein sauberes Trinkwasser und keine Toilette leisten kann, wird häufiger krank und langsamer gesund.

Faktoren wie Arbeitslosigkeit, mangelnde Schulbildung und fehlende Möglichkeiten der Familienplanung können den Gesundheitszustand ebenfalls negativ beeinflussen.

Arme Menschen haben oft keine Möglichkeit, eine Krankenversicherung abzuschließen oder sich anderweitig sozial abzusichern. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank fallen jährlich etwa 100 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze, weil die Kosten für medizinisch notwendige Leistungen sie ruinieren.

Viele Arme erleiden zudem eine soziale Entwurzelung. Mögliche Folgeerscheinungen wie Prostitution, Gewalt, Kriminalität und Drogenkonsum sind mit einem sehr großen gesundheitlichen Risiko verbunden. Weitere Risikofaktoren für die Gesundheit sind bewaffnete Konflikte und Naturkatastrophen. Auch ihnen sind Arme besonders schutzlos ausgeliefert.


Mangelhafte Gesundheitssysteme

Ein Arzt in Goma (Demokratische Republik Kongo) füllt eine Injektionsspritze mit einem Impfstoff

In vielen Staaten steht zu wenig Geld für die Gesundheitssysteme zur Verfügung und die flächendeckende Grundversorgung für alle Schichten der Bevölkerung ist nicht möglich. Zudem sind die Gesundheitseinrichtungen häufig regional ungleichmäßig verteilt: Wichtige medizinische Dienstleistungen, ob staatliche oder private, sind hauptsächlich in den Städten verfügbar und kommen auch dort hauptsächlich der wohlhabenden Schicht zugute.

Die schwachen Gesundheitssysteme sind überdies nicht auf die zunehmende Zahl der nicht übertragbaren Krankheiten vorbereitet. Dazu zählen zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes und auch psychische Erkrankungen.

Auch wenn der politische Wille zu Umstrukturierungen vorhanden ist: Den meisten Entwicklungsländern fehlt es sowohl an finanziellen Mitteln als auch an Personal, um ein funktionierendes und flächendeckendes Gesundheitssystem aufzubauen. Allein in Afrika fehlen aktuell rund drei Millionen Gesundheitsfachkräfte.


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen