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Krisenprävention: Gewalt verhindern, bevor sie ausbricht

Generalversammlung der Vereinten Nationen im UN-Hauptquartier in New York

Im Jahr 2017 wurden nach Untersuchungen der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) der Universität Hamburg weltweit 31 bewaffnete Konflikte und Kriege geführt. Seit Ende der 1990er Jahre sind innerstaatliche Gewaltkonflikte deutlich häufiger als zwischenstaatliche Kriege. Die meisten dieser Konflikte werden innerhalb von Entwicklungsländern ausgetragen.

Ein Krieg kann die Entwicklung eines Landes oder einer Region um Jahrzehnte zurückwerfen. Im Vordergrund steht dabei das unermessliche Leid, das ein Krieg verursacht; je schlimmer es ist, umso schwerer fällt die Versöhnung. Dazu kommen die enormen Kosten für den Wiederaufbau. Nicht nur Häuser und Straßen, auch soziale Strukturen und kulturelles Leben werden durch Krieg zerstört.

Gewalt zu verhindern, bevor sie ausbricht, ist daher ein wichtiges Ziel der deutschen und internationalen Friedens- und Entwicklungspolitik. Damit eine solche Krisenprävention gelingt, müssen die Faktoren erkannt werden, die in den betroffenen Ländern zu Konflikten führen können – zum Beispiel extreme Einkommens- und Vermögensunterschiede, die ungerechte Verteilung knapper Ressourcen oder die Missachtung der Menschenrechte.

Dass sich langfristig angelegte Krisenprävention auszahlt, zeigt die Studie Pathways for Peace, die mit Unterstützung des Bundesentwicklungsministeriums  und des Auswärtigen Amts von der Weltbank und den Vereinten Nationen Anfang 2018 veröffentlicht wurde: Krisenprävention ist wirksam, rettet Leben, schützt Entwicklungserfolge und ist deutlich kostengünstiger als das spätere Eingreifen in gewaltsame Konflikte. Die Studie hebt die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit für die Krisenprävention hervor. Politischer Anspruch müsse sein, politisch instabile Staaten vor dem Ausbruch einer Krise stärker und wirksamer zu unterstützen und strukturelle Ursachen von Konflikten zu beseitigen.


Frühwarnsystem des BMZ

Als Grundlage für entwicklungspolitische Programme zur Krisenprävention sind genaue Erkenntnisse über die Krisen- und Konfliktpotenziale notwendig. Seit Ende der 1990er Jahre verfügt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) darum über ein eigenes Frühwarnsystem: Im Auftrag des Ministeriums wurde ein Indikatorenkatalog entwickelt, der dazu dient, krisenrelevante Informationen zu erfassen. Mit Hilfe dieser Indikatoren analysieren Länderexperten einmal im Jahr, in welchen Kooperationsländern Präventionsbedarf besteht. Auf Grundlage dieser Analysen werden dann angepasste entwicklungspolitische Strategien entworfen.

Im Jahr 2018 wurden 65 der 94 ausgewerteten Staaten als fragil eingestuft. 43 Prozent wiesen ein "akutes", weitere 27 Prozent ein "erhöhtes Eskalationspotenzial" auf.

Verschlechtert hat sich die Lage im Vergleich zu 2017 unter anderem in Liberia, Sierra Leone, Uganda und Kambodscha. Vor dem Hintergrund des Anstiegs fragiler Staatlichkeit strebt das BMZ einen Ausbau seiner auf Friedensförderung ausgerichteten Entwicklungszusammenarbeit an.


Arbeitsfelder

Projekte zur Vorbeugung gegen Krisen können in allen thematischen Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit Wirkung entfalten. Wichtige Arbeitsfelder der Krisenprävention sind zum Beispiel:


Ein wirkungsvolles Instrument der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist die Entsendung von Fachkräften des Zivilen Friedensdienstes (ZFD). Mehr Informationen dazu finden Sie hier.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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