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Hintergrund

Klimawandel – Zeit zu handeln

Blick auf die Erde

Ban Ki-moon, UN-Generalsekretär von 2007 bis 2016, bezeichnete den Klimawandel als die größte Herausforderung in der Geschichte der Menschheit, weil er "das Leben und unsere Existenz bedroht". Deshalb müsse die Welt zusammenstehen und handeln – und zwar schnell und tatkräftig. Jede Verzögerung beim Klimaschutz schränke spätere Handlungsmöglichkeiten ein und treibe die Kosten in die Höhe, mahnt auch der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC). Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und dem Pariser Klimaabkommen hat die Staatengemeinschaft 2015 den politischen Rahmen für dieses Handeln geschaffen.

Deutlich unter zwei Grad als Ziel

Der Klimawandel ist weitgehend menschengemacht. Er lässt sich nur durch eine konsequente Minderung von Treibhausgasen auf ein erträgliches Maß beschränken. Basierend auf wissenschaftlichen Berechnungen lautete das politische Ziel in den vergangenen Jahren, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Jenseits dieser Grenze drohen die Folgen des Klimawandels unumkehrbar und für den Menschen unkontrollierbar zu werden.

Im Klimaabkommen von Paris ist die Staatengemeinschaft nun noch einen Schritt weitergegangen und hat sich vorgenommen, den weltweiten Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius, möglichst sogar auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Diese striktere Zielsetzung berücksichtigt besonders die Interessen kleiner Inselstaaten, die durch die globale Erwärmung in ihrer Existenz akut bedroht sind.

Das neue Ziel kann erreicht werden. Dazu muss schnellstmöglich der Trend zu immer weiter wachsenden Treibhausgasemissionen umgekehrt werden. Außerdem müssen vom Menschen erzeugte Emissionen in Form sogenannter Kohlenstoffsenken (zum Beispiel Wald und Ozeane) neutralisiert werden. Doch dafür braucht es rasch einen tiefgreifenden technologischen, wirtschaftlichen und institutionellen Wandel.


Klimapolitik ist immer auch Entwicklungspolitik

Werden die Ziele verfehlt, wären die Konsequenzen verheerend: Je nach Szenario könnten sie zu einem Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter führen und auch die Meerestemperatur würde sich erhöhen. Das wiederum würde die Ozeane versauern lassen, in einzelnen Meeresgebieten würde die Tier- und Pflanzenwelt weitgehend vernichtet. Ganze Landstriche wären von Austrocknung bedroht oder könnten wegen zu großer Hitze unbewohnbar werden. Die Nahrungsmittelproduktion würde dort stark zurückgehen.

Und selbst wenn es gelingt, den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad Celsius, wenn möglich 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, wird die Welt anders aussehen: Manche Regionen werden unter Wassermangel leiden, andere unter Überflutungen. Dies gilt vor allem für viele Entwicklungs- und Schwellenländer, die besonders stark von der Erderwärmung betroffen sein werden.

Mühsam errungene wirtschaftliche und soziale Fortschritte gehen dann womöglich wieder verloren, Errungenschaften im Kampf gegen Armut, Hunger, Krankheiten und für mehr Bildung stehen auf dem Spiel. Klimaschutz ist daher immer auch Entwicklungspolitik. Denn der Klimawandel macht nicht halt vor Ländergrenzen. Seine Auswirkungen beschränken sich nicht auf einzelne Politikfelder, Wirtschaftszweige oder soziale Gruppen – arme Bevölkerungsgruppen sind allerdings besonders betroffen. Deshalb ist es wichtig, dass der Kampf gegen den Klimawandel die sich ergebenden Wechselwirkungen im Blick hat.

So ist etwa die Landwirtschaft für viele Menschen in Entwicklungsländern eine wichtige Erwerbsquelle, die durch die Folgen des Klimawandels zunehmend unter Druck gerät. Andererseits trägt gerade die Landwirtschaft selbst, etwa durch die Rodung von Wäldern oder den Ausstoß von Methan in der Viehhaltung, erheblich zum Klimawandel bei. Städtische Räume konkurrieren mit der Landwirtschaft um Wasser und Nahrung. Eine zuwandernde Landbevölkerung lässt den Bevölkerungsdruck in den Städten stark steigen: Die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen muss dort mit der Schaffung von Arbeitsplätzen und wachsender Motorisierung vereinbart werden.

Hier gilt es, unterschiedliche Bedürfnisse in Einklang zu bringen, Anreize für klimafreundliches Verhalten zu schaffen und Optionen für die Anpassung an den Klimawandel zu öffnen. Zu all dem trägt die deutsche Entwicklungspolitik bei – und fügt sich mit ihrem Engagement in die leitenden Beschlüsse der internationalen Gemeinschaft ein.


Aktiv auf vielen Ebenen – neue Initiativen

Die Bundesregierung hat seit dem Pariser Abkommen einige große Initiativen auf den Weg gebracht und unterstützt. Dazu zählen:

  • die "African Renewable Energy Initiative" zum Ausbau von erneuerbaren Energien in Afrika,
  • die Klimarisikoversicherungsinitiative "InsuResilience" der G7-Staaten zur besseren Absicherung von 400 Millionen armen, besonders verwundbaren Menschen gegen die Folgen des Klimawandels,
  • Wiederaufforstung in Afrika und Finanzierung des REDD+-Ansatzes (Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern) sowie
  • die NDC-Partnerschaft zur Umsetzung der nationalen Klimaschutzbeiträge in Entwicklungsländern.

Auf der Habitat-III-Konferenz im Oktober 2016 in Quito stellte das BMZ außerdem die Initiative für transformative urbane Mobilität vor – für einen nachhaltigen Stadtverkehr in Entwicklungs- und Schwellenländern.


Zeit der Umsetzung hat begonnen

Die Zeit der Verhandlungen ist erst einmal vorbei. Der politische Rahmen ist auf Jahre hinaus geschaffen, die ersten Ziele sind formuliert. Nun hat die Phase der Umsetzung begonnen. Es ist Zeit, die eigenen Anstrengungen zu verstärken, um diese Ziele zu erreichen und sich neue, ehrgeizigere zu setzen.


Weitere Informationen

Video

Standbild aus dem Video über die klimapolitische Reise von Entwicklungsminister Gerd Müller nach Kolumbien und Peru Video starten

Bericht über die klimapolitische Reise von Entwicklungsminister Müller nach Kolumbien und Peru

Informationen

Siehe auch

Externe Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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