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Hintergrund

Ein Aufgabenkatalog für die nächsten Jahre

Das Pariser Klimaabkommen und die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Windrad bei Sonnenaufgang

Nur wenige Monate vor der Pariser Klimakonferenz hat die Staatengemeinschaft im September 2015 in New York die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 "Sustainable Development Goals" (SDGs) verabschiedet. Diese nachhaltigen Entwicklungsziele lösten die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) aus dem Jahr 2000 ab und berücksichtigen – anders als die MDGs – neben der sozialen auch die ökonomische und ökologische Dimension nachhaltiger Entwicklung. Auch gelten sie erstmals für alle Länder dieser Welt: Mit der Agenda 2030 hat die Staatengemeinschaft einen Weltzukunftsvertrag geschaffen, der von Industrie- und Entwicklungsländern gleichermaßen umzusetzen ist.

Das Pariser Klimaabkommen nimmt ausdrücklich Bezug auf die Agenda 2030 – und erkennt damit die enge Verknüpfung der beiden Übereinkünfte an. Dass der Klimawandel innerhalb der Agenda 2030 mit SDG 13 ein eigenes Ziel erhalten hat, zeigt ebenfalls, wie eng verbunden beide Bereiche sind.

Die Agenda 2030 umfasst viele Ziele, die über den Klimabereich hinausgehen. Gleichzeitig fördern mehrere SDGs auch die Ziele des Klimaschutzes und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. So geht nachhaltige Stadtentwicklung (SDG 11) beispielsweise beim Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs mit niedrigeren Emissionen einher. Umgekehrt wirken sich zum Beispiel Maßnahmen zur Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel meist auch positiv auf Ernährungssicherheit (SDG 2) und Armutsbekämpfung (SDG 1) aus.

Die Agenda 2030 und das Pariser Klimaabkommen unterstreichen somit, dass nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel eine Agenda bilden: Nachhaltige Entwicklung macht Gesellschaften widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel und ermöglicht den klimafreundlichen Umbau von Volkswirtschaften. Ohne Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel wiederum würden bereits erreichte und zukünftige Entwicklungsfortschritte gefährdet.

Globale Partnerschaft zur Umsetzung der nationalen Klimabeiträge

Konkret bedeutet das: Entwicklung muss "klima-kompatibel" sein. Die meisten Länder haben sich dazu mittlerweile Ziele gesetzt, die als sogenannte "Nationale Klimabeiträge" (Nationally Determined Contributions, NDCs) das Kernstück des Pariser Vertrags bilden. Aus diesem Grund hat Deutschland zusammen mit zahlreichen anderen Industrie- und Entwicklungsländern, den Vereinten Nationen, der Weltbank und dem World Resources Institute im Jahr 2016 eine globale "NDC-Partnerschaft" ins Leben gerufen.

Diese Partnerschaft dient als "Umsetzungsmotor" des Pariser Abkommens und unterstützt ärmere Staaten dabei, ihre Klima- und Entwicklungsziele aufeinander abzustimmen, in geeignete Maßnahmen zu übersetzen und dafür Möglichkeiten der Klima- und Entwicklungsfinanzierung zu nutzen.


Das Ziel: eine kohlenstoffarme Wirtschaft

Damit die Staatengemeinschaft ihre Klimaziele erreicht, braucht es entschlossene Maßnahmen – zu allererst einen Wandel hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ("Dekarbonisierung"). Dies gilt insbesondere für den Energiesektor, der für den größten Teil des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich ist. Die globale Energiewende muss einen stufenweisen Ausstieg aus der Verwendung fossiler Energieträger bis 2050, eine massive Steigerung der Nutzung erneuerbarer Energien sowie eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz umfassen. Und das Beispiel Deutschland zeigt: Die Energiewende ist möglich und bringt positive Effekte für Wachstum und Beschäftigung mit sich.

Dies bestätigt auch eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die für die G20-Länder errechnet hat, dass umfangreiche Investitionen in den Klimaschutz sowohl kurz- als auch langfristig zu einem höheren Bruttoinlandsprodukt führen können.

Im Rahmen der Energiewende muss auch die globale Verkehrswende gestaltet werden. Dies kann nur durch die konsequente Förderung von nachhaltigen Verkehrsmitteln, wie dem öffentlichen Personennahverkehr und dem Rad- und Fußverkehr, sowie durch den Umstieg auf alternative Antriebe gelingen. Auch Land- und Forstwirtschaft verursachen einen erheblichen Teil der klimaschädlichen Emissionen, vor allem durch die Umwandlung von Wäldern in Felder, aber auch durch Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft selbst.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt seine Partnerländer intensiv dabei, den Ausstoß von Treibhausgasen in den Bereichen Energie, Stadtentwicklung, Verkehr sowie Land- und Forstwirtschaft zu verringern. Konkret bedeutet dies vor allem, die Energieversorgung schrittweise auf erneuerbare Quellen wie Sonne, Wasserkraft, Wind und Geothermie umzustellen und den effizienteren Einsatz von Energie voranzutreiben. Zusätzlich lassen sich Emissionen durch eine klimafreundliche Stadtentwicklung und eine innovative Infrastrukturplanung in urbanen Zentren vermeiden. Gleichzeitig gilt es, durch den systematischen Erhalt von Wäldern Kohlendioxid zu binden.

Das alles muss vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung geschehen, von der immer noch fast jeder zehnte Mensch von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag leben muss – trotz aller bisherigen Anstrengungen.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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