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Wald und Klima

Luftaufnahme vom Regenwald im Nationalpark Amazonas

Wälder sind wahre Schatzkammern der Natur. Sie bieten Nahrung, Wasser, Baumaterial und Rohstoffe, Brennstoff, Heilpflanzen und für mehr als 1,6 Milliarden Menschen auch Lebensraum. Außerdem beherbergen sie einen sehr großen Teil der bekannten Tier- und Pflanzenarten. Als die "Lungen der Welt" produzieren Wälder Sauerstoff, binden das klimaschädliche Kohlendioxid und haben deshalb entscheidenden Einfluss auf das Weltklima. Sie speichern Wasser und wirken regulierend auf Temperatur und Niederschlagsmengen. Kurz gesagt: Die Wälder sind für das Überleben der Menschheit unverzichtbar.

Doch jedes Jahr gehen – vor allem in den Tropen – mehr als sieben Millionen Hektar Wald verloren: Das ist eine Fläche von der Größe Bayerns. Zwar ist das, auch dank internationaler Anstrengungen, weniger als noch in den 1990er Jahren, doch gemessen an der Bedeutung des Waldes für Umwelt und Klima ist dieser Verlust immer noch besorgniserregend. Ein Großteil der Waldzerstörung wird durch den Anbau von Agrargütern und internationale Agrarlieferketten verursacht – auch für den Konsum in Deutschland.

Nach Angaben des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) gehen etwa elf Prozent der Treibhausgasemissionen allein auf den Verlust von Wäldern zurück. Deshalb ist Klimaschutz ohne Waldschutz nicht denkbar. Das Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius, wenn möglich 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, kann nur erreicht werden, wenn es gelingt, den Waldverlust zu stoppen.

Infografik zum Thema "Wald und Klima"
Deutsches Engagement

Wald schützen und schonend bewirtschaften

Das BMZ hat sich schon früh dem internationalen Waldschutz verschrieben und gehört auf diesem Gebiet zu den größten Gebern weltweit. Es unterstützt vor allem Konzepte, die den Schutz des Waldes mit seiner nachhaltigen Nutzung in Einklang bringen. Denn Waldzerstörung durch Holzeinschlag, Landwirtschaft und Raubbau an der Natur hat in der Regel wirtschaftliche Gründe. Ohne andere Formen der Waldnutzung, angemessene Einkommensalternativen für die ländliche Bevölkerung und ohne Einbindung der globalen Agrarindustrie wird sich der Wald auf Dauer nicht erhalten lassen.

Derzeit stellt das BMZ rund zwei Milliarden Euro für mehr als 200 Waldinitiativen bereit, womit es mehr als 30 Länder und zehn Regionen erreicht, darunter Programme in den drei großen "grünen Lungen" unseres Planeten: Amazonasbecken, Kongobecken und Indonesien. Die Förderung konzentriert sich auf den Aufbau neuer Wälder, sowie den Schutz und die nachhaltige Nutzung bestehender Wälder zur Minderung von Treibhausgasen (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation, REDD+) und zum Erhalt der Biodiversität.

Gleichzeitig dehnt das BMZ seine Aktivitäten auf weitere strategische Bereiche aus, etwa auf die Wiederherstellung von Waldlandschaften und den Aufbau entwaldungsfreier Lieferketten. Sie stellen sicher, dass keine Wälder für den Anbau eines Rohstoffes zerstört werden.

Einwohnerin Borneos in traditioneller Kleidung in einem Boot im Urwald von Borneo. Alternativer Tourismus soll als Einnahmequelle dienen, um die Abholzung von Urwald fuer Palmoelplantagen zu stoppen.

Belohnung für die Bewahrung von Waldflächen

Seit einigen Jahren verfolgt die internationale Gemeinschaft den sogenannten "REDD+"-Ansatz, der den Schutz von Wäldern und biologischer Vielfalt um den Aspekt des Klimaschutzes ergänzt. REDD+ steht für "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation", übersetzt: "Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern". Das "+" bezieht sich auf den Erhalt bestehender und den Aufbau neuer Wälder.

Die Grundidee von REDD+ ist es, Regierungen und die lokale Bevölkerung dafür zu belohnen, dass sie Entwaldung vermeiden und Emissionen nachweislich mindern. Das Regelwerk zu REDD+ wurde über viele Jahre hinweg bei den Klimaverhandlungen unter der UN-Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) entwickelt und im Klimaabkommen von Paris in einem eigenen Artikel bestätigt. Auch die Aufforstung oder eine bessere Bewirtschaftung des Waldes wird honoriert, weil der Wald dadurch seine Funktion als Kohlenstoffspeicher besser erfüllen kann.

Die Gelder fließen allerdings erst nach konkreten Gegenleistungen in Form von messbar reduzierten Entwaldungsraten. Dazu braucht es ein Überwachungs- und Buchführungssystem. Deutschland unterstützt viele Länder bei der Einführung eines solchen Systems, zum Beispiel über die multilaterale Waldkohlenstoffpartnerschaft (Forest Carbon Partnership Facility, FCPF).

Das BMZ ist der größte Geber der FCPF. Von den bisherigen Gesamtzusagen in Höhe von 1,4 Milliarden US-Dollar stammen rund 350 Millionen Euro aus dem Haushalt des BMZ und zehn Millionen Euro aus dem Haushalt des Bundesumweltministeriums (BMU). Die FCPF unterstützt fast 50 Länder dabei, die Voraussetzungen für REDD+ zu schaffen. Über einen eigenen Kohlenstofffonds (Carbon Fund) kann sie Gelder für nachgewiesene Emissionsminderungen durch vermiedene Entwaldung auszahlen. Zudem kann sie mögliche REDD+-Finanzierungen aus dem Grünen Klimafonds (Green Climate Fund, GCF) vorbereiten. Die Fazilität wirkt außerdem als Lernplattform und setzt Maßstäbe für globale Qualitätsstandards für ergebnisbasierte Finanzierung.

Wald und Klima

BMZ-Publikationen

Internationale Zusammenarbeit beim Waldschutz

Um die Ziele beim Walderhalt noch besser zu erreichen, arbeitet Deutschland eng mit europäischen Regierungen und internationalen Partnern zusammen. Eine besonders wichtige Rolle spielt die Zusammenarbeit mit den Regierungen Großbritanniens und Norwegens (Germany, Norway, United Kingdom, GNU). Gemeinsam setzen die GNU-Länder die Zusage von der Pariser Klimakonferenz um, fünf Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2015 bis 2020 für REDD+ zur Verfügung zu stellen.

Ein Teil davon fließt in das Programm REDD Early Movers (REM). Mit REM hat Deutschland ein Leuchtturmprojekt geschaffen: Länder werden finanziell belohnt, wenn sie Entwaldung erfolgreich begrenzen und Treibhausgase einsparen. Rund 70 Prozent der Zahlungen gehen dabei an indigene Völker und lokale Gemeinden. Die Bilanz: Bis heute haben die GNU-Länder mit REM gut 16 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid vergütet. Das entspricht dem jährlichen Ausstoß von knapp 20 Prozent aller PKW in Deutschland.

Zwei Mitarbeiter einer Mangrovenbaumschule in Beira, Mosambik, kontrollieren die Setzlinge.

Wälder wiederherstellen

Neben dem Schutz bestehender Wälder trägt auch die Wiederherstellung von beschädigten oder zerstörten Wäldern zu baumreichen, produktiven Landschaften (Forest Landscape Restoration, FLR) erheblich zur Minderung des globalen Treibhausgasausstoßes bei.

In Kooperation mit dem Entwicklungsprogramm der Afrikanischen Union (New Partnership for Africa's Development, NEPAD), der Weltbank und dem World Resources Institute (WRI) hat das BMZ daher bei der Klimakonferenz in Paris 2015 die African Forest Landscape Restoration Initiative (AFR100) ins Leben gerufen. Die Initiative verfolgt das Ziel, bis 2030 rund 100 Millionen Hektar Waldlandschaften in Afrika wiederherzustellen. Bislang haben 27 afrikanische Länder ihre Teilnahme an der Initiative verkündet: Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Burundi, Côte d'Ivoire, Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Ghana, Guinea, Kenia, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mosambik, Niger, Nigeria, die Republik Kongo, Ruanda, Senegal, Sudan, Südafrika, Swasiland, Tansania, Togo, Tschad, Uganda und die Zentralafrikanische Republik wollen insgesamt rund 111 Millionen Hektar Waldfläche wiederherstellen.

Deutschland unterstützt unter anderem das AFR100-Sekretariat und eine Reihe von Ländern bei der Umsetzung dieser ambitionierten Ziele. Gleichzeitig fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Vernetzung mit potenziellen Investoren und Gebern und den Austausch der AFR100-Partnerländer untereinander. Auch internationale Geber wie die Weltbank, private Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen tragen die Initiative mit.

Ein mit Moos bewachsener Baumstamm, der mit Farbe gekennzeichnet ist

Internationale Abkommen

Die AFR100 fügt sich in bedeutsame internationale Übereinkünfte zur Wiederherstellung von Waldlandschaften ein: In der sogenannten "Bonn Challenge" wurde 2011 beschlossen, bis 2020 rund 150 Millionen Hektar degradierten Waldes wiederherzustellen. 2014 hat die internationale Gemeinschaft in der New York Declaration on Forests die Zahl noch einmal erhöht: Das Ziel lautet nun, bis zum Jahr 2030 350 Millionen Hektar Wald wiederherzustellen. Das entspricht fast der Fläche Indiens.

Außerdem einigte man sich in New York auf das Ziel, die globale Entwaldung bis 2020 zu halbieren und bis zum Jahr 2030 komplett zu stoppen. Die Bundesregierung unterstützt beide Übereinkünfte ausdrücklich. Die Bundesministerien für Entwicklung und Umwelt (BMZ und BMU) arbeiten hier Hand in Hand.

Fachlicher Ansatz der vom BMZ geförderten Forest-Landscape-Restoration-Initiativen zum Wiederaufbau von Wäldern ist die Betrachtung und Nutzungsplanung größerer Landschaftsräume. Dabei sollen die Ziele Wiederbewaldung, Ernährungssicherung und die Entwicklung ländlicher Räume in Einklang gebracht werden. Partnerländer erhalten Unterstützung, um Ziele zur Wiederbewaldung in ihren nationalen Strategien zu verankern und umzusetzen.

Das BMZ setzt sich besonders dafür ein, dass sich die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen verbessern und dass die betroffene Bevölkerung in nationale Planungsprozesse eingebunden ist. Nur dann sind die Maßnahmen auch nachhaltig.

Sortieren von Holzfurnieren für die Möbelproduktion

Entwaldungsfreie Lieferketten

Neben der Holznutzung ist die Landwirtschaft für bis zu 80 Prozent der Waldzerstörung in den Tropen verantwortlich. Oft wird übersehen, dass nicht nur Regenwälder, sondern auch andere Waldökosysteme für den Anbau landwirtschaftlicher Rohstoffe zerstört werden, wie zum Beispiel die Trockenwälder und Savannen Südamerikas.

Haupttreiber der globalen Entwaldung sind die Palmöl-, Soja-, Rindfleisch- und Holzproduktion. Aber auch für Kakao, Kaffee, Kautschuk und Zuckerrohr muss Wald weichen. Diese Produkte gelangen über internationale Lieferketten als Rohstoffe oder bereits verarbeitete Produkte nach Deutschland. Damit tragen auch deutsche Konsumenten Verantwortung für den Wald und das Klima weltweit.

Vor diesem Hintergrund arbeitet das BMZ daran, Lieferketten entwaldungsfrei zu gestalten. Dabei soll sichergestellt werden, dass bei der Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe Wälder und andere schützenswerte Ökosysteme weder in ihrer Gesamtfläche noch in ihrer Qualität negativ beeinträchtigt werden.

Entlang globaler Lieferketten braucht es Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und entwaldungsfreie Produktion, belastbare Systeme zur Rückverfolgung und moderne Monitoringsysteme für den Waldschutz in den Anbauregionen.

Palmölfrüchte in Indonesien

Unterstützung durch das BMZ

In den vergangenen Jahren haben sich internationale Unternehmen verstärkt verpflichtet, Entwaldung zu stoppen sowie Produkte entwaldungsfrei zu produzieren. Das BMZ unterstützt dies auf mehreren Ebenen:

  • In Deutschland und Europa informiert das BMZ Verbraucher über entwaldungsfreie Lieferketten.
  • Das BMZ arbeitet an einer Veränderung der Rahmenbedingungen, um den Marktanteil nachhaltiger und entwaldungsfreier Produkte in Deutschland zu erhöhen, zum Beispiel in Multi-Akteurs-Partnerschaften wie dem Forum Nachhaltiger Kakao oder durch die Nachhaltigkeitsstandards in Freihandelsabkommen der EU.
  • In ausgewählten Gegenden Indonesiens und Côte d'Ivoires unterstützt das BMZ die Einrichtung von nachhaltigen entwaldungsfreien Produktionsregionen. In diesen "nachhaltigen Regionen" dürfen keine Wälder mehr für den Anbau von Agrarrohstoffen zerstört, die Produktionslandschaften sollen mit der Privatwirtschaft wiederbewaldet werden und die Anbauweise der Agrarrohstoffe muss transparent und zurückverfolgbar sein.

Ziel ist es, dass global arbeitende deutsche Unternehmen in den nächsten Jahren auf dem deutschen Markt Produkte anbieten, die zu 100 Prozent aus nachprüfbaren entwaldungsfreien Lieferketten stammen.

Entladung von Tropenholz im Hafen von Jakarta, Indonesien

Anreize für ökologisches Umdenken schaffen

Der große Reichtum an Biodiversität und natürlichen Ressourcen in Lateinamerika wird zunehmend durch menschliche Aktivitäten wie Waldrodungen für Weide- und Ackerland bedroht.

Der Finanzsektor kann Anreize für ein ökologisches Umdenken schaffen. Zu diesem Zweck hat die KfW im Auftrag des BMZ Ende 2014 den eco.business Fund gegründet – gemeinsam mit dem Fondsmanager Finance-in-Motion und der NRO Conservation International. Die innovative Fondsstruktur erlaubt es, mithilfe öffentlicher Gelder Marktbarrieren abzubauen und zusätzlich privates Kapital für den Erhalt der natürlichen Ressourcen zu mobilisieren. Mit dem eco.business Fund können Unternehmen und Kooperativen in Lateinamerika und der Karibik Investitionen tätigen, die zum Erhalt der Biodiversität oder zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen beitragen.

Im Jahr 2016 entschloss sich die KfW zu einer Beteiligung aus Eigenmitteln am Fonds über umgerechnet mehr als 22 Millionen Euro, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Zusammen mit dem Fondsmanager konnte die KfW weitere Investoren wie die niederländische FMO, die Europäische Union, die ASN Bank und die GLS-Bank einwerben.

Der eco.business Fund unterstützt nachhaltig wirtschaftende Firmen in Lateinamerika und der Karibik dabei, neue Absatzmärkte in Europa und den USA zu erschließen. Bis 2019 sollen 1,2 Millionen Hektar ökologisch wertvolle Flächen geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden. Gleichzeitig sollen 600 Unternehmen gefördert und 288.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten werden.

Mangoverkäuferinnen in Cuenca, Ecuador
  • Regenwald in Brasilien
    Brasilien: Zusammenarbeit konkret

    Vorreiter beim Waldschutz belohnen

    Der brasilianische Bundesstaat Acre hat in den vergangenen Jahren fortlaufend Instrumente zum Schutz des Waldes aufgebaut und in Landesgesetzen verankert. Und das mit Erfolg: Seit 2006 ist die Entwaldung rückläufig.

  • Arbeiter bei der Ernte von Palmölfrüchten
    Indonesien: Zusammenarbeit konkret

    Das Verständnis für nachhaltige Waldwirtschaft soll wachsen

    Indonesien besitzt einige der größten Regenwälder der Erde. Etwa eine Million Hektar fallen jedoch jedes Jahr der Ausdehnung von Plantagen, ganz besonders dem Anbau von Ölpalmen, zum Opfer.

  • Kakaofrüchte auf einer Plantage
    Côte d’Ivoire und Indonesien: Zusammenarbeit konkret

    Entwaldungsfreie Lieferketten

    Der westafrikanische Staat Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) ist weltgrößter Kakaoproduzent und Hauptlieferant dieser wichtigsten Schokoladenzutat nach Deutschland. Allerdings wurden für den Kakaokonsum schon bis zu drei Millionen Hektar Regenwald in Westafrika vernichtet.

  • Urwald in Togo
    Togo: Zusammenarbeit konkret

    Nachhaltige Waldbewirtschaftung

    Das westafrikanische Land Togo verzeichnete über Jahre hinweg Afrikas höchste Entwaldungsrate mit einem dramatischen Rückgang der Waldfläche auf nur noch geschätzte sechs Prozent der Landesfläche im Jahr 2010.

  • Urwald in Laos
    Laos: Zusammenarbeit konkret

    Nachhaltige Waldnutzung

    Wälder sind für die Bevölkerung von Khangkao, einem Bergdorf im Norden von Laos, seit Generationen eine Nahrungs- und Einkommensquelle. Dennoch werden dort immer mehr Waldflächen niedergebrannt, um die steilen Hänge für den Anbau von Trockenreis oder Mais nutzen zu können.

Regenwald in Brasilien
Brasilien: Zusammenarbeit konkret

REDD Early Movers: Vorreiter beim Waldschutz belohnen

Der brasilianische Bundesstaat Acre geht voran – als "Early Mover" im REDD+-Programm, dem seit 2005 bestehenden Konzept zum internationalen Waldschutz.

Die Landesregierung von Acre hat in den vergangenen Jahren fortlaufend Instrumente zum Schutz des Waldes aufgebaut und in Landesgesetzen verankert. Und das mit Erfolg: Seit 2006 ist die Entwaldung rückläufig. Acre hat seine Rate zwischenzeitlich um 60 Prozent gesenkt und im Jahr 2017 nur noch etwa vier Prozent zur Abholzung im gesamten brasilianischen Amazonasgebiet beigetragen.

An Pioniere wie den Bundesstaat Acre leistet das Programm REDD Early Movers (REM) Zahlungen für den nachweislich gesenkten Ausstoß von Treibhausgasen. Erfolge bei der vermiedenen Entwaldung werden mit einem detaillierten Buchführungssystem erfasst und vergütet.

Aus dem Energie- und Klimafonds der Bundesregierung und aus der Internationalen Klimaschutzinitiative wurden insgesamt 25 Millionen Euro an den Bundesstaat ausgezahlt. Mit Beteiligung Deutschlands und des Vereinigten Königreichs stehen weitere 30 Millionen Euro für ergebnisbasierte Zahlungen bereit. Der Großteil der Mittel geht direkt an Kleinbauern, lokale Waldgemeinden und Indigene, der Rest wird in Maßnahmen der Regierung für Walderhalt und Verminderung von Entwaldung investiert. So profitiert auch die ansässige Bevölkerung von diesem Vorteilsausgleich besonderer Art.

Gleichzeitig zeigt der Anstieg der Entwaldung in Brasilien im Jahr 2016 aber auch, dass der Kampf gegen Entwaldung  kein Selbstläufer ist und weiterer Anstrengungen bedarf.

REDD+: Warum Deutschland sich engagiert

REDD+ ist ein Konzept für Klimaschutz durch Walderhalt. Dieser Animationsfilm des BMZ erklärt anschaulich wie REDD+ funktioniert, warum Walderhalt so wichtig ist und warum sich Deutschland dafür engagiert.

Arbeiter bei der Ernte von Palmölfrüchten
Indonesien: Zusammenarbeit konkret

Das Verständnis für nachhaltige Waldwirtschaft soll wachsen

Indonesien besitzt einige der größten Regenwälder der Erde. Etwa eine Million Hektar fallen jedoch jedes Jahr der Ausdehnung von Plantagen, ganz besonders dem Anbau von Ölpalmen, zum Opfer.

Das Programm FORCLIME (Forests and Climate Change), das die deutsche Entwicklungszusammenarbeit gemeinsam mit dem indonesischen Umwelt- und Forstministerium durchführt, soll unter anderem dazu beitragen, die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen für ein Umdenken zu schaffen.

Neben der Überarbeitung von Politiken, Gesetzen und Richtlinien sieht das Programm vor, Forstämter nach deutschem Vorbild aufzubauen. Sie erhalten die Kontrolle über ein bestimmtes Stück Wald, müssen an dessen nachhaltiger Bewirtschaftung aber auch die Einheimischen, den Privatsektor und Nichtregierungsorganisationen beteiligen.

Die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern der Forstbehörden bilden die Grundlage für die Arbeit der Verwaltungseinheiten. Gefördert werden außerdem private Forstbetriebe, die Wälder nach internationalen Zertifizierungsstandards bewirtschaften. Insgesamt soll durch FORCLIME das Verständnis für die nachhaltige Waldwirtschaft wachsen.

Inzwischen gibt es in ganz Indonesien 590 neue Forstämter, die eine Fläche von fast 100  Millionen Hektar Wald betreuen, das sind bereits 80 Prozent des Staatswaldes (Stand: Dezember 2016).

Bis 2020 soll der gesamte Staatswald in das Forstamtssystem überführt werden. In drei Distrikten setzen Forstverwaltungen gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung Pilotmaßnahmen im Rahmen von REDD+ um, die sich auf rund 380.000 Hektar Wald erstrecken. Mit rund 84 Millionen Euro ist FORCLIME eines der größten von außen finanzierten Programme für Waldschutz und Biodiversität in Indonesien.

Kakaofrüchte auf einer Plantage
Côte d’Ivoire und Indonesien: Zusammenarbeit konkret

Entwaldungsfreie Lieferketten

Der westafrikanische Staat Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) ist weltgrößter Kakaoproduzent und Hauptlieferant dieser wichtigsten Schokoladenzutat nach Deutschland. Allerdings wurden für den Kakaokonsum – pro Kopf essen die Menschen in Deutschland jährlich fast zehn Kilogramm Schokolade – schon bis zu drei Millionen Hektar Regenwald in Westafrika vernichtet.

Entwaldung ist ein übergreifendes Problem und von einzelnen Akteuren nicht zu stoppen. Deshalb unterstützt das BMZ die ivorische Region San Pedro dabei, Multi-Akteurs-Plattformen aufzubauen. In Zusammenarbeit mit dem Privatsektor sollen so gemeinschaftliche Lösungen zum Stopp der Entwaldung und zur Erhöhung des Baumbestandes erarbeitet werden. Beim Aufbau entwaldungsfreier Produktionsregionen kommt es besonders auf die Landnutzungsplanung und die Kartierung von schützenswerten Gebieten an. Beides unterstützt das BMZ.

Zusammen mit Unternehmen und Kleinbauern wird aktiv aufgeforstet, um Kakaoanbau in Agroforstsystemen ökologisch nachhaltiger zu gestalten und um wirtschaftliche Anreize für Kakaobauern durch die Holzvermarktung zu erschließen. Dabei werden auch die Akteure des Palmölsektors und des Kautschukanbaus miteinbezogen.

Indonesien

Neben effizienteren Forstbehörden muss auch ein Umdenken im Agrarsektor stattfinden, um die fortschreitende Entwaldung zu stoppen. Mittlerweile haben zum Beispiel alle großen Palmölunternehmen Selbstverpflichtungen gegen Entwaldung veröffentlicht. Allerdings ist deren Umsetzung aufgrund komplexer Lieferketten, politischer Rahmenbedingungen vor Ort, der Beteiligung von Zivilgesellschaft und Zulieferer-Netzwerken schwierig und zeitaufwendig.

Das Konzept der "entwaldungsfreien Lieferketten", wie es das BMZ fördert, setzt deshalb auf mehreren Ebenen an. Als Partnerregion wurde der Distrikt Kapuas Hulu in der indonesischen Provinz West-Kalimantan ausgewählt. Diese Region liegt gewissermaßen an der "Entwaldungsfront", weil dort exportrelevante Agrarrohstoffe wie Palmöl und Naturkautschuk produziert werden, zugleich aber auch noch ausgedehnte Naturwälder und Torfmoore vorhanden sind. Mit der Distriktbehörde wurde 2017 eine Absichtserklärung zur Förderung von "Maßnahmen für verifizierbar nachhaltige Agrarlieferketten und Waldschutz" unterzeichnet. Ein Steuerungskreis zur Einrichtung einer nachhaltigen Beschaffungsregion, bestehend aus Behörden, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft, ist im Aufbau.

Mit der lokalen Planungs- und Forstbehörde werden Maßnahmen erarbeitet, wie die international anerkannten Schutzkonzepte der High-Conservation-Value-Gebiete und der High-Carbon-Stock-Gebiete in die Landnutzungsplanung integriert werden können. Eine Kartierung dieser Gebiete wird vorbereitet.

Urwald in Togo
Togo: Zusammenarbeit konkret

Nachhaltige Waldbewirtschaftung

Das westafrikanische Land Togo verzeichnete über Jahre hinweg Afrikas höchste Entwaldungsrate: Im Jahr 2010 waren seine Wälder auf nur noch geschätzte sechs Prozent der Landesfläche geschrumpft.

Doch 2014 hat sich die Regierung das Ziel gesetzt, die Waldfläche durch nachhaltige Bewirtschaftung bis 2050 wieder auf 30 Prozent der Landesfläche zu erhöhen. Dafür unterzeichnete sie die REDD+-Initiative (Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern) und begann mit der Vorbereitungsphase (Readiness).

Seit 2014 arbeitet das deutsche Programm zur Unterstützung (REDD+-Readiness) und Wiederherstellung der Wälder in Togo (ProREDD) zusammen mit dem togoischen Partner, dem Ministerium für Umwelt und Forsten, daran, die technischen und institutionellen Rahmenbedingungen für die Umsetzung der nationalen REDD+-Strategie zu verbessern.

Mit den Ergebnissen der ersten nationalen Wald- und Kohlenstoffbestandsaufnahme in Togo 2016 liegen zuverlässige Daten über die Waldressourcen des Landes vor. Sie bilden die Grundlage für die weiteren politischen, strategischen und technischen Prozesse. Ein Schwerpunkt der Maßnahmen liegt auf dem nachhaltigen Management  bestehender Wälder, um diese im Sinne der Armutsbekämpfung nachhaltig zu nutzen und den Kohlenstoffspeicher weiter auszubauen.

So wurden 2017, mit Unterstützung des Vorhabens ProREDD circa 450.000 Hektar oder rund acht Prozent der Landesfläche (dies entspricht der Größe von über 600.000 Fußballfeldern) unter nachhaltige Waldbewirtschaftung bestellt. Das geschah größtenteils im Rahmen eines FLR-Landschaftsansatzes (Forest Landscape Restoration).

Urwald in Laos
Laos: Zusammenarbeit konkret

Nachhaltige Waldnutzung

Wälder sind für die Bevölkerung von Khangkao, einem Bergdorf im Norden von Laos, seit Generationen eine Nahrungs- und Einkommensquelle. Sie liefern Bau- und Brennholz, Pilze, Wurzeln und Medizinpflanzen.

Dennoch werden in Khangkao immer mehr Waldflächen niedergebrannt, um die steilen Hänge für den Anbau von Trockenreis oder Mais nutzen zu können. Die steigende internationale Nachfrage nach Mais verstärkt diesen Trend und führt zudem zur Übernutzung großer Anbauflächen.

Wälder sind aber nicht nur eine Existenzgrundlage für Menschen in Dörfern wie Khangkao, sie spielen auch eine sehr wichtige Rolle beim internationalen Klimaschutz, denn sie speichern Kohlendioxid und mildern dadurch den globalen Treibhauseffekt ab.

Klimaschutz durch Walderhalt

Das Programm "Klimaschutz durch Walderhalt" des BMZ setzt an dieser Stelle an: Die Bewohner von Khangkao erarbeiten einen Plan zum Erhalt des Waldes und zu seiner nachhaltigen Nutzung. Das Projekt soll den Weg für ergebnisbasierte Zahlungen im Rahmen von REDD+ ebnen. Diese Abkürzung steht für "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation", übersetzt "Minderung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern". Die Grundidee von REDD+ ist, Regierungen und die lokale Bevölkerung für vermiedene Entwaldung zu belohnen und Emissionen nachweislich zu mindern. Laos wurde 2015 in die dafür eingerichtete multilaterale Waldkohlenstoffpartnerschaft (Forest Carbon Partnership Facility, FCPF) der Weltbank aufgenommen.

Ziel des Projekts in Khangkao ist, die wirtschaftliche Situation der Dorfbewohner mit Einnahmen aus nachhaltiger Waldnutzung sowie technischer und finanzieller Unterstützung so zu verbessern, dass sie die Rodung in lang existierende Waldgebiete nicht mehr ausweiten müssen.

Die Dorfbewohner sind eng in das Projekt eingebunden. Am Anfang wurden sie über die Möglichkeiten und Risiken der Waldnutzung aufgeklärt. In einem zweiten Schritt analysierten sie die verschiedenen Waldtypen und ihre Nutzung. Mit Hilfe dieser Ergebnisse erstellten sie einen Waldmanagement-Plan.

Ein Waldmanagement-Vertrag mit der Distriktregierung stellt nun sicher, dass die Dorfbewohner finanzielle Unterstützung erhalten, wenn sie sich für den Erhalt des Waldes einsetzen und ihn nachhaltig nutzen. Sie beteiligen sich zum Beispiel, indem sie Grenzmarkierungen anlegen, den Wald durchforsten und Verantwortung für das Feuermanagement übernehmen.

Die bereits geschädigten Wälder sollen sich regenerieren, damit man sie auch in Zukunft nachhaltig nutzen kann. Das Projekt unterstützt die Dorfbewohner zudem dabei, alternative Einkommensquellen zu erschließen: durch Diversifizierung, durch Nischenprodukte sowie klimafreundliche Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und Tierhaltung. Aus Dorfentwicklungs-Fonds erhalten sie finanzielle Mittel  und technische Beratung.

70 Dörfer werden unterstützt

Das Projekt ist erfolgreich, weil die Dorfbevölkerung an den Neuerungen teilhat und internationale Klima-Instrumente wie REDD+ zum Einsatz kommen. So wird Khangkao auch nach Abschluss des Projekts Gelder für den Waldschutz erhalten.

Das Projekt fördert die langfristige und nachhaltige Entwicklung in insgesamt 70 Dörfern in zwei nördlichen Distrikten von Laos und leistet einen wichtigen Beitrag zum internationalen Klimaschutz entsprechend dem Pariser Abkommen.

Urwald in Laos

Videos zum Thema "Wald und Klima"

Funktionen des Waldes

Der tropische Regenwald in 360 Grad

Der 360-Grad Film zeigt die zahlreichen Funktionen des Waldes, besonders des tropischen Regenwaldes, für das Weltklima, aber auch die Vielzahl der wertvollen Ökosystemleistungen der Wälder für die Gesellschaft (Ernährung, Medizin, Wasser, Sauerstoff) sowie das Engagement des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Waldbereich.

(Bitte beachten Sie, dass die 360-Grad-Funktionalität bei der Nutzung des Internet Explorer 11 oder älterer Versionen nicht gegeben ist.)

REDD+: Warum Deutschland sich engagiert

REDD+ ist ein Konzept für Klimaschutz durch Walderhalt. Dieser Animationsfilm des BMZ erklärt anschaulich wie REDD+ funktioniert, warum Walderhalt so wichtig ist und warum sich Deutschland dafür engagiert.

Forest Landscape Restoration (FLR) – leicht erklärt

Der Film "FLR - einfach erklärt" beschreibt den Ansatz der Forest Landscape Restoration (FLR). Die FLR hat die nachhaltige Wiederherstellung baumreicher Landschaften und Wälder zum Ziel.

Tropenwald nutzen – einfach erklärt

Der Klimawandel zeigt, wie wichtig es ist, verantwortungsvoll mit globalen Ressourcen umzugehen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Wälder: Ihre nachhaltige Bewirtschaftung macht es möglich, sie zu erhalten und gleichzeitig zu nutzen.

Wälder schützen und nachhaltig nutzen

Um den Regenwald zu schützen, werden mit den Menschen, die vom Wald leben, alternative Bewirtschaftungsmethoden entwickelt, damit sie Pflanzen in guter Qualität anbauen können, aber dafür nicht noch mehr Wald roden müssen. (Video in englischer Sprache)

Die Zukunft, die wir wollen, braucht Wald

Der Wald schrumpft pro Minute um 35 Fußballfelder. Das hat gravierende Folgen für uns alle. Daher wollen die Bundesregierung und 180 weitere Regierungen und Nichtregierungsorganisationen bis 2030 die Rodung von Waldflächen komplett unterbinden.

Inhaltsverzeichnis

Themendossier "Klimawandel und Entwicklung"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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