Hauptinhalt

Deutsches Engagement

Wald schützen und schonend bewirtschaften

Brandrodung von afrikanischem Regenwald

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat sich schon früh dem internationalen Waldschutz und -erhalt verschrieben und gehört auf diesem Gebiet zu den größten Gebern weltweit. Es unterstützt vor allem Konzepte, die den Schutz des Waldes mit seiner nachhaltigen Nutzung in Einklang bringen. Denn Waldzerstörung durch Holzeinschlag, Landwirtschaft und Raubbau an der Natur hat in der Regel wirtschaftliche Gründe. Ohne andere Formen der Waldnutzung, angemessene Einkommensalternativen für die ländliche Bevölkerung und ohne Einbindung der globalen Agrarindustrie wird sich der Wald auf Dauer nicht erhalten lassen.

Derzeit stellt das BMZ rund zwei Milliarden Euro für mehr als 200 Waldinitiativen bereit, womit es mehr als 30 Länder in zehn Regionen erreicht, darunter Programme in den drei großen "grünen Lungen" unseres Planeten: Amazonasbecken, Kongobecken und Indonesien. Die Förderung konzentriert sich auf die nachhaltige Nutzung von Wäldern zum Klimaschutz (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation, REDD+) und zum Erhalt der Biodiversität. Gleichzeitig dehnt das BMZ seine Aktivitäten auf weitere strategische Bereiche aus, etwa auf die Wiederherstellung von Waldlandschaften und den Aufbau entwaldungsfreier Lieferketten. Sie stellen sicher, dass keine Wälder für den Anbau eines Rohstoffes zerstört werden.

Kompensation für die Bewahrung von Waldflächen

REDD: Einfach erklärt Video starten Video starten REDD: Einfach erklärt Video starten #vid_descr_18084655

21.03.2011 - Animationsfilm des BMZ über REDD – ein innovatives Modell zum Wald- und Klimaschutz.

21.03.2011

Animationsfilm des BMZ über REDD – ein innovatives Modell zum Wald- und Klimaschutz.

Seit einigen Jahren verfolgt die internationale Gemeinschaft den sogenannten "REDD+"-Ansatz, der den Schutz von Wäldern und biologischer Vielfalt um den Aspekt des Klimaschutzes ergänzt. REDD steht für "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation", übersetzt: "Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern".

Die Grundidee von REDD+ ist es, Regierungen und die lokale Bevölkerung dafür zu belohnen, dass sie Entwaldung vermeiden und Emissionen nachweislich mindern. Das Regelwerk zu REDD+ wurde über viele Jahre hinweg im Rahmen der Klimaverhandlungen unter der UN-Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) entwickelt und im Klimaabkommen von Paris in einem eigenen Artikel bestätigt.

Auch die Aufforstung oder eine bessere Bewirtschaftung des Waldes wird honoriert, weil der Wald dadurch seine Funktion als Kohlenstoffspeicher besser erfüllen kann.

Die Gelder fließen allerdings erst nach konkreten Gegenleistungen in Form von messbar niedrigeren Entwaldungsraten. Dazu braucht es ein Überwachungs- und Buchführungssystem. Deutschland unterstützt viele Länder bei der Einführung eines solchen Systems, zum Beispiel über die multilaterale Waldkohlenstoffpartnerschaft (Forest Carbon Partnership Facility, FCPF). Das BMZ zählt zu den drei größten Gebern der FCPF. Von den bisherigen Gesamtzusagen in Höhe von 1,05 Milliarden US-Dollar stammen über 200 Millionen Euro aus dem Haushalt des BMZ, zehn Millionen Euro aus dem Haushalt des Bundesumweltministeriums. Die FCPF unterstützt fast 50 Länder dabei, die Voraussetzungen für REDD+ zu schaffen. Über einen eigenen Kohlenstofffonds (Carbon Fund) kann sie Gelder für nachgewiesene Emissionsminderungen durch vermiedene Entwaldung auszahlen. Zudem kann sie mögliche REDD+-Finanzierungen aus dem Grünen Klimafonds (Green Climate Fund, GCF) vorbereiten. Die Fazilität wirkt außerdem als Lernplattform und setzt Maßstäbe für globale Qualitätsstandards für ergebnisbasierte Finanzierung.

Um die Ziele beim Walderhalt noch besser zu erreichen, arbeitet Deutschland eng mit europäischen Regierungen und internationalen Partnern zusammen. Eine besonders wichtige Rolle spielt die Zusammenarbeit mit den Regierungen Großbritanniens und Norwegens (Germany, Norway, United Kingdom, GNU). Gemeinsam setzen die GNU die im Dezember 2015 auf der Klimakonferenz in Paris angekündigte Zusage um, fünf Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2015 bis 2020 für REDD+ zur Verfügung zu stellen.


Pionierländer fördern

Insgesamt zählt die Bundesregierung bei REDD+ zu den wichtigsten Gebern weltweit: Mehr als eine halbe Milliarde Euro hat sie bereits in entsprechende Programme und Projekte investiert. Derzeit unterstützt sie unter anderem bilaterale Vorhaben in Brasilien, Indonesien und Kamerun. Auch in Vietnam ist die deutsche Entwicklungszusammenarbeit aktiv. Dort erhalten Bauern für jeden Hektar Wald, den sie schonend bewirtschaften oder wiederaufforsten, einen Geldbetrag auf ein "grünes Sparbuch". Mehr als 100.000 Familien beteiligen sich an dem Programm, mehr als 100.000 Hektar Wald wurden mittlerweile wiederaufgeforstet.

Für Pionierländer hat das BMZ den REDD+-Ansatz sogar noch weiterentwickelt und aufgewertet. Unter dem Titel "REDD Early Movers" (REM) fördert es Staaten, die sich besonders stark für den nachhaltigen Waldschutz engagieren, mit bislang fast 60 Millionen Euro aus dem BMZ-Haushalt. Das Programm unterstützt REDD+-Vorreiter, die bereits finanzielle und politische Anstrengungen unternommen haben, um Wald- und Klimaschutz zu verbinden. Das Programm soll in Zukunft auf eine größere Zahl von Ländern, vor allem in Lateinamerika, ausgeweitet werden.

Das REM-Programm ist eines der zentralen Programme zur Umsetzung der GNU-Initiative; in Kolumbien zum Beispiel stehen mit den Beiträgen von Norwegen und Großbritannien inzwischen rund 120 Millionen Euro für ergebnisbasierte REDD-Finanzierung zur Verfügung, 28 Millionen Euro (davon 6,5 Millionen Euro deutscher Beitrag) wurden bereits ausgezahlt. Bis Ende 2019 wird das REM-Programm fünf bis sechs Länderkomponenten unterstützen. Insgesamt konnte durch das deutsche REM-Engagement die Einsparung von rund acht Millionen Tonnen Kohlendioxid (Stand April 2017) vergütet werden. Das entspricht den jährlichen Emissionen von über vier Millionen Pkws in Deutschland. In Mexiko unterstützt das BMZ die Umsetzung des REDD-Ansatzes sowohl auf nationaler als auch auf subnationaler Ebene mit insgesamt 25 Millionen Euro zwischen 2018 und 2021.


Wälder wiederherstellen

Neben dem Schutz bestehender Wälder trägt auch die Wiederherstellung von beschädigten oder zerstörten Wäldern und baumreichen, produktiven Landschaften (Forest Landscape Restoration, FLR) erheblich zur Senkung des globalen Treibhausgasausstoßes bei.

In Kooperation mit dem Entwicklungsprogramm der Afrikanischen Union (New Partnership for Africa's Development, NEPAD), der Weltbank und dem World Resources Institute (WRI) hat das BMZ bei der Klimakonferenz in Paris 2015 die African Forest Landscape Restoration Initiative (AFR100) ins Leben gerufen. Die Initiative hat das Ziel, bis 2030 rund 100 Millionen Hektar Waldlandschaften in Afrika wiederherzustellen. Bislang haben 24 afrikanische Länder ihre Teilnahme an der Initiative verkündet: Äthiopien, Benin, Burundi, Côte d‘Ivoire, Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Ghana, Guinea, Kenia, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mosambik, Niger, Republik Kongo, Ruanda, Senegal, Sudan, Südafrika, Tansania, Togo, Tschad, Uganda und die Zentralafrikanische Republik wollen insgesamt mehr als 80 Millionen Hektar Waldfläche wiederherstellen.

Deutschland unterstützt unter anderem das AFR100-Sekretariat und eine Reihe von Ländern bei der Umsetzung dieser ambitionierten Ziele. Gleichzeitig unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Vernetzung mit potenziellen Investoren und Gebern und den Austausch der AFR100-Partnerländer untereinander.

Die Initiative wird auch von internationalen Gebern wie der Weltbank, privaten Wirtschaftsunternehmen und von Nichtregierungsorganisationen unterstützt.

Die AFR100 fügt sich in bedeutsame internationale Übereinkünfte zur Wiederherstellung von Waldlandschaften ein: In der sogenannten "Bonn Challenge" wurde 2011 beschlossen, bis 2020 rund 150 Millionen Hektar degradierten Waldes wiederherzustellen. 2014 hat die internationale Gemeinschaft in der "New York Declaration on Forests" die Zahl noch einmal erhöht: Das Ziel lautet nun, bis zum Jahr 2030 350 Millionen Hektar Wald wiederherzustellen. Das entspricht fast der Fläche Indiens. Außerdem einigte man sich in New York darauf, die globale Entwaldung bis 2020 zu halbieren und bis zum Jahr 2030 komplett zu stoppen. Die Bundesregierung unterstützt beide Übereinkünfte ausdrücklich. Die Bundesministerien für Entwicklung und Umwelt (BMZ und BMUB) arbeiten in dieser Thematik Hand in Hand.

Fachlicher Ansatz der vom BMZ geförderten Forst-Landscape-Restoration-Initiativen zum Wiederaufbau von Wäldern ist die Betrachtung und Nutzungsplanung größerer Landschaftsräume. Ziele der Wiederbewaldung, der Ernährungssicherung und der Entwicklung ländlicher Räume sollen dabei miteinander in Einklang gebracht werden. Partnerregierungen erhalten Unterstützung, um Ziele zur Wiederbewaldung in ihren nationalen Strategien zu verankern und sektorübergreifend umzusetzen. Das BMZ setzt sich insbesondere dafür ein, dass sich die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen verbessern und dass die im und vom Wald lebende Bevölkerung in die nationalen Planungsprozesse eingebunden wird. So kann die Nachhaltigkeit der Maßnahmen sichergestellt werden.


Entwaldungsfreie Lieferketten

Neben der Holznutzung ist die agrarische Produktion für bis zu 80 Prozent der Waldzerstörung in den Tropen verantwortlich. Oft wird übersehen, dass nicht nur Regenwälder, sondern auch andere Waldökosysteme für den Anbau von Agrarrohstoffen zerstört werden, wie zum Beispiel die Trockenwälder und Savannen Südamerikas.

Haupttreiber der globalen Entwaldung sind die Palmöl-, Soja-, Rindfleisch- und Holzproduktion. Aber auch für Kakao, Kaffee, Kautschuk und Zuckerrohr wird Wald gerodet. Diese Produkte gelangen über internationale Lieferketten als Rohstoffe oder bereits verarbeitete Produkte nach Deutschland. Damit tragen auch deutsche Konsumenten Verantwortung für den Wald und das Klima.

Vor diesem Hintergrund arbeitet das BMZ daran, Lieferketten entwaldungsfrei zu gestalten. Dabei soll sichergestellt werden, dass in einem Gebiet bei der Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe Wälder und andere schützenswerte Ökosysteme weder in ihrer Gesamtfläche noch in ihrer Qualität negativ beeinträchtigt werden.

Entlang globaler Lieferketten müssen Akteure Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und entwaldungsfreie Produktion schaffen, belastbare Rückverfolgbarkeitssysteme einführen und den Waldschutz in den Anbauregionen über ein modernes Monitoringsystem verifizieren.

In den vergangenen Jahren haben sich internationale Unternehmen verstärkt verpflichtet, Entwaldung zu stoppen, sowie Produkte entwaldungsfrei zu produzieren. Das BMZ unterstützt dies auf mehreren Ebenen:

  • In Deutschland und Europa informiert das BMZ Verbraucher über entwaldungsfreie Lieferketten.
  • Das BMZ arbeitet an einer Veränderung der Rahmenbedingungen zur Erhöhung des Marktanteils nachhaltiger und entwaldungsfreier Produkte in Deutschland, zum Beispiel in Multi-Akteurs-Partnerschaften wie dem "Forum Nachhaltiger Kakao" oder durch die Verankerung von Nachhaltigkeitsstandards in Freihandelsabkommen der EU.
  • In ausgewählten Produktionsregionen in Indonesien und Côte d'Ivoire unterstützt das BMZ die Einrichtung von nachhaltigen entwaldungsfreien Produktionsregionen. In diesen "nachhaltigen Regionen" dürfen keine Wälder mehr für den Anbau von Agrarrohstoffen zerstört werden, die Produktionslandschaften sollen mit der Privatwirtschaft wiederbewaldet werden und die Anbauweise der Agrarrohstoffe ist transparent und rückverfolgbar.

Ziel ist es, dass in den nächsten Jahren global arbeitende deutsche Unternehmen zusätzlich zu ihren Nachhaltigkeitsverpflichtungen sicherstellen, dass ihre Produkte für den deutschen Markt zu 100 Prozent aus nachprüfbaren entwaldungsfreien Lieferketten stammen.


Lateinamerika

Der große Reichtum an Biodiversität und natürlichen Ressourcen in Lateinamerika wird zunehmend durch menschliche Aktivitäten wie Waldrodungen für Weide- und Ackerland bedroht.

Der Finanzsektor kann Anreize für ein ökologisches Umdenken schaffen. Für diesen Zweck wurde im Auftrag des BMZ Ende 2014 von der KfW der eco.business Fund gegründet – gemeinsam mit dem Fondsmanager Finance-in-Motion und der NRO Conservation International. Die innovative Fondsstruktur erlaubt es, mithilfe öffentlicher Gelder Marktbarrieren abzubauen und zusätzlich privates Kapital für den Erhalt der natürlichen Ressourcen zu mobilisieren. Der eco.business Fund ermöglicht Unternehmen und Kooperativen in Lateinamerika und der Karibik die Finanzierung von Investitionen, die einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität oder zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen leisten.

Im Juni 2016 bewilligte die KfW eine Beteiligung aus Eigenmitteln am Fonds über umgerechnet mehr als 22,2 Millionen Euro, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Zusammen mit dem Fondsmanager konnte die KfW weitere Investoren wie die niederländische FMO, die Europäische Union, die ASN Bank und die GLS-Bank einwerben.

Der eco.business Fund unterstützt nachhaltig wirtschaftende Firmen in Lateinamerika und der Karibik dabei, neue Absatzmärkte in Europa und den USA zu erschließen. Bis 2019 sollen 1,2 Millionen Hektar ökologisch wertvolle Flächen geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden. Gleichzeitig sollen 600 Unternehmen gefördert und 288.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten werden.


Konkretes Beispiel: Terrafertil

Terrafertil ist ein kleines Unternehmen aus Ecuador, das 2015 von drei Brüdern und ihren zwei Cousins gegründet wurde und inzwischen weltweit exportiert. Die nachhaltige Produktion wurde mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet.

900 Produzenten in Ecuador und Kolumbien beliefern Terrafertil mit Andenbeeren, Bananen, Mangos, Ananas und Nüssen. Da die Früchte getrocknet vertrieben werden, können auch Exemplare mit leichten optischen Makeln verarbeitet werden – somit wird ein Nischenmarkt erschlossen.

Inzwischen hat das Unternehmen ein zweites Werk im Nachbarland Kolumbien eröffnet. Finanzmittel aus dem eco.business Fund ermöglichen solchen Unternehmen, ihr Expansionspotenzial auszuschöpfen.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen