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Arbeitsfeld

Stadt und Klima

Sonnenaufgang im Smog über Manila, Philippinen

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts wohnte nur etwa jeder dritte Mensch in einer Stadt. Derzeit ist es schon mehr als jeder zweite und bis 2050 werden es mehr als zwei Drittel sein – bei gleichzeitig wachsender Gesamtbevölkerung. Kein Zweifel: Das Zeitalter der Städte ist angebrochen.

Doch Städte heizen die Erderwärmung an. Bereits jetzt sind sie für rund drei Viertel des Energie- und Ressourcenverbrauchs und des Ausstoßes energiebezogener Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Angesichts der Tatsache, dass bis 2050 über zwei Milliarden mehr Menschen in Städten leben werden als heute, können die globalen Klimaziele nur erreicht werden, wenn Nachhaltigkeit ins Zentrum städtischer Entwicklung rückt. Dies gilt insbesondere für die Bereiche städtischer Verkehr und Infrastruktur. Der Verkehrssektor ist weltweit für rund ein Viertel aller energiebezogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Für das erwartete Städtewachstum ist zudem die Herstellung von Zement und Stahl erforderlich. Dies allein würde – wenn die Städte der Zukunft wie bisher gebaut würden – das Kohlendioxid-Budget des vereinbarten 2- beziehungsweise 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens weitgehend aufzehren.

Städte sind allerdings nicht nur Treiber, sondern auch Leidtragende des Klimawandels. Sie befinden sich häufig an Küsten, Flüssen, Deltas oder Berghängen, wodurch sie besonderen Risiken ausgesetzt sind: Wirtschaftliche Schäden fallen in Städten besonders hoch aus, und vor allem arme Menschen sind Wetterextremen meist schutzlos ausgeliefert. Nachhaltige städtische Planung und Investitionen in widerstandsfähige ("resiliente") Infrastruktur, aber auch einfache Maßnahmen wie die Bereitstellung städtischer Grünflächen, können einen wertvollen Beitrag leisten und die Folgen extremer Wetterereignisse spürbar abmildern.


Städte als Vorreiter

Die globalen Klima- und Entwicklungsziele, auf die sich die Staatengemeinschaft mit der Agenda 2030 und dem Pariser Klimaabkommen geeinigt hat, können nur gemeinsam mit den Städten erreicht werden. Oder, wie es der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon formulierte: "Städte sind die Orte, an denen der Kampf für nachhaltige Entwicklung gewonnen oder verloren wird."

Städte bieten aufgrund ihrer großen Bevölkerungsdichte ideale Ansatzpunkte für den Kampf gegen Armut, Ungleichheit und den maßlosen Verbrauch von Ressourcen. Im Hinblick auf ökologisch nachhaltige Entwicklung und den Kampf gegen den Klimawandel machen die hohen Einwohnerzahlen und die wirtschaftlichen Aktivitäten Ressourceneinsparungen in großem Maßstab möglich. Durch geeignete Strategien können Ressourcenflüsse zwischen Stadt und Umland effizienter genutzt und gesteuert werden. Schon heute gehen viele Städte und Metropolregionen beim Klimaschutz voran, etwa durch flächensparende, kompakte Stadtstrukturen, emissionsarme Verkehrssysteme, energieeffiziente Gebäude und einen schonenden Umgang mit Ressourcen, beispielsweise durch eine effiziente Abfallentsorgung. Dadurch haben es Städte wie Kopenhagen, Stockholm und Tokio geschafft, ihren Kohlendioxid-Ausstoß pro Kopf zu senken – bei gleichzeitig steigendem Wohlstand und Einkommen.

Um Städte in Entwicklungs- und Schwellenländern dabei zu unterstützen, frühzeitig den Pfad zu nachhaltiger städtischer Entwicklung einzuschlagen, setzt die deutsche Entwicklungspolitik unter anderem auf klimafreundliche, sichere und erschwingliche städtische Mobilität. Denn Mobilität ist Voraussetzung für Wirtschaftswachstum, Handel und Kreativität, aber auch für persönliches Wohlbefinden.

Städte versinken jedoch in Staus, schlechter Luft und Lärm, wenn sie keine nachhaltigen Verkehrskonzepte anwenden. Solche Konzepte müssen den öffentlichen Nahverkehr genauso fördern wie den nicht-motorisierten Verkehr, die Armen genauso einbeziehen wie die Wohlhabenden und die umweltfreundlichen individuellen Verkehrsmittel genauso in Betracht ziehen wie die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen.

Das BMZ hat daher Ende 2016 auf dem Städtegipfel der Vereinten Nationen die Initiative für Transformative Urbane Mobilität (englisch: Transformative Urban Mobility Initiative, TUMI) vorgestellt: Gemeinsam mit seinen Partnern fördert Deutschland nachhaltige und innovative Mobilitätsansätze in Entwicklungs- und Schwellenländern – für klimafreundliche und lebenswerte Städte weltweit.


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