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Stadt, Verkehr und Klima

Sonnenaufgang im Smog über Manila, Philippinen

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts lebte nur etwa jeder dritte Mensch in einer Stadt. Derzeit ist es schon mehr als jeder zweite und bis 2050 werden es mehr als zwei Drittel sein – bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung. Kein Zweifel: Wir befinden uns im Zeitalter der Urbanisierung.

Es gibt viele Gründe dafür, warum es immer mehr Menschen in die Städte zieht und warum sie Motoren für wirtschaftliche Entwicklung sind. Doch Städte heizen die Erderwärmung an. Bereits jetzt sind sie für rund drei Viertel des Energie- und Ressourcenverbrauchs und des Ausstoßes energiebezogener Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Angesichts der Tatsache, dass bis 2050 über zwei Milliarden mehr Menschen in Städten leben werden als heute, können die globalen Klimaziele nur erreicht werden, wenn Nachhaltigkeit ins Zentrum städtischer Entwicklung rückt.

Dies gilt insbesondere für die Bereiche städtischer Verkehr und Infrastruktur. Denn der Verkehrssektor ist weltweit für rund ein Viertel aller energiebezogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

 Wohnhaus in Tirana, Albanien

Nachhaltige städtische Planung

Mehr Menschen brauchen mehr Wohnraum. Das Wachstum urbaner Bevölkerungen wird in noch nie dagewesenem Umfang den Neubau von Wohnraum und Infrastruktur erfordern. Wenn die Städte der Zukunft wie bisher vor allem aus Zement, Stahl und Glas gebaut würden, würden die Ziele des Pariser Klimaabkommens – die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf deutlicher unter 2 Grad und möglichst nicht mehr als 1,5 Grad – verfehlt.

Es muss daher effizienter und klima- und ressourcenfreundlicher gebaut werden. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, dass Gebäude in Städten weniger Energie verbrauchen. Im Jahr 2010 waren Gebäude für rund ein Drittel der globalen Energienachfrage und etwa ein Fünftel der energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Durch Nachrüstungen und energieeffiziente Neubauten ist Analysen zufolge eine Senkung der globalen Energienachfrage von Gebäuden um fast die Hälfte bis 2050 möglich.

Städte sind allerdings nicht nur Treiber des Klimawandels, sondern auch besonders von seinen Folgen betroffen. Sie liegen häufig an Küsten, Flüssen, Deltas oder Berghängen und sind dadurch großen Risiken ausgesetzt: Wirtschaftliche Schäden durch Naturereignisse fallen in Städten besonders hoch aus und vor allem arme Menschen sind Wetterextremen meist schutzlos ausgeliefert. Nachhaltige städtische Planung und Investitionen in widerstandsfähige – klimaresiliente – Infrastruktur, aber auch einfache Maßnahmen, wie etwa das Anlegen städtischer Grünflächen, können hier einen wertvollen Beitrag leisten und die Folgen extremer Wetterereignisse spürbar abmildern.

Menschenmenge in der Innenstadt von Jakarta, Indonesien, an einem autofreien Sonntag

Städte als Vorreiter

Die globalen Klima- und Entwicklungsziele, auf die sich die Staatengemeinschaft mit der Agenda 2030 und dem Pariser Klimaabkommen geeinigt hat, können nur gemeinsam mit den Städten erreicht werden. Auf internationaler Ebene, wie zum Beispiel beim Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York und im Rahmen der Globalen Anpassungskommission (GCA), wird deshalb die entscheidende Bedeutung der Städte für die Anpassung an den Klimawandel sowie für die Minderung von Treibhausgasen hervorgehoben. Oder, wie es der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon formulierte: "Städte sind die Orte, an denen der Kampf für nachhaltige Entwicklung gewonnen oder verloren wird."

Eine Studie von UN-Habitat zeigt zudem, dass zwei Drittel aller nationalen Klimabeiträge (Nationally Determined Contributions, NDCs) urbane Ansatzpunkte aufweisen. Die NDCs werden auf nationaler Ebene festgelegt, meist ohne die Städte miteinzubeziehen.

Auf dem Klimagipfel 2017 in Bonn wurde daher der sogenannte Talanoa-Dialog ins Leben gerufen. Dieser ermöglicht es nichtstaatlichen und lokalen Akteuren Vorschläge zu machen, wie man den globalen Klimaherausforderungen begegnen kann. Er bietet nationalen Regierungen einen Rahmen, gemeinsam mit ihren Städten und Kommunen an Lösungen zu arbeiten. Welche Vorteile das hat und wie es geht, zeigt die Publikation "Talanoa and Beyond: Raising Ambition with Cities and Regions" sowie die Talanoa-Serie auf dem Blog URBANET.

Verkehr in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

Chancen für Städte

Städte können aufgrund ihrer großen Bevölkerungsdichte eine große Hebelwirkung im Kampf gegen Armut, Ungleichheit und den übermäßigen Ressourcenverbrauch entfalten: Hohe Einwohnerzahlen und intensive wirtschaftliche Aktivitäten machen es möglich, durch relativ kleine Veränderungen große Wirkungen zu erzielen und zum Beispiel Ressourcen in großem Maßstab zu sparen. Durch geeignete Strategien können Ressourcenflüsse zwischen Stadt und Umland effizienter genutzt und gesteuert werden.

Schon heute gehen viele Städte und Metropolregionen beim Klima- und Ressourcenschutz voran, etwa durch flächensparende, kompakte Stadtstrukturen, emissionsarme Verkehrssysteme, energieeffiziente Gebäude oder eine effiziente Abfallentsorgung. Dadurch haben es Städte wie Kopenhagen, Stockholm und Tokio geschafft, ihren Kohlendioxid-Ausstoß pro Kopf zu senken – bei gleichzeitig steigendem Wohlstand und Einkommen.

Um Städte in Entwicklungs- und Schwellenländern dabei zu unterstützen, frühzeitig den Pfad zu nachhaltiger städtischer Entwicklung einzuschlagen, setzt die deutsche Entwicklungspolitik unter anderem auf klimafreundliche, sichere und erschwingliche städtische Mobilität. Denn Mobilität ist Voraussetzung für Wirtschaftswachstum, Handel und Kreativität – aber auch für persönliches Wohlbefinden.

Viele Städte weltweit werden weiterhin unter Staus, schlechter Luft und Lärm leiden, wenn sie keine nachhaltigen Verkehrskonzepte anwenden und die Anzahl der Fahrzeuge pro Einwohner weiter zunimmt.

Im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung gilt es, den öffentlichen Nahverkehr genauso zu fördern wie den nicht-motorisierten Verkehr, die Armen genauso einzubeziehen wie die Wohlhabenden und neue umweltfreundliche Mobilitätsformen, wie zum Beispiel Carsharing oder Fahrgemeinschaften in den Blick zu nehmen.

Das BMZ hat daher Ende 2016 auf dem Städtegipfel der Vereinten Nationen in Quito die Initiative für Transformative Urbane Mobilität (Englisch: Transformative Urban Mobility Initiative, kurz "TUMI") ins Leben gerufen. Gemeinsam mit seinen Partnern fördert Deutschland nachhaltige und innovative Mobilitätsansätze in Entwicklungs- und Schwellenländern – für klimafreundliche und lebenswerte Städte weltweit.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Habitat III-Konferenz in Quito, Ecuador
Deutsches Engagement

Nachhaltige städtische Infrastruktur finanzieren

Investitionen in eine nachhaltige städtische Infrastruktur sind unerlässlich, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. In den kommenden 15 Jahren müssen schätzungsweise 93 Billionen US-Dollar in nachhaltige Infrastruktur – davon über 70 Prozent in städtischen Gebieten – investiert werden: Das sind mehr als das 4,5-fache Bruttoinlandsprodukt der USA. Um Städte dabei zu unterstützen, diesen massiven Investitionsbedarf zu bewältigen, hat Deutschland zusammen mit Partnern aus aller Welt die Initiative Leadership for Urban Climate Investments (LUCI) ins Leben gerufen.

LUCI wird Städte und Kommunen in Entwicklungs- und Schwellenländern bei der Entwicklung von bankfähigen und klimagerechten Infrastrukturprojekten unterstützen, unter anderem durch einen neuen City Climate Finance Gap Fund, mit dem bis zu vier Milliarden Euro für klimafreundliche Infrastruktur in Städten mobilisiert werden soll. Darüber hinaus unterstützt das BMZ bereits seit längerem mit dem Städtenetzwerk C40 und der Asiatischen Entwicklungsbank Städte bei der Vorbereitung von nachhaltigen Infrastrukturprojekten.

Ein Elektroauto wird in Berlin an einer Ladestation geladen.
Deutsches Engagement

Klimafreundliche Stadtentwicklung und Mobilität

Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind lebenswerte und klimafreundliche Städte durch eine Wende hin zu nachhaltiger Mobilität. Da die Emissionen aus städtischem Verkehr weiterhin steigen, fördert Deutschland beispielsweise auf kommunaler und nationaler Ebene Stadtentwicklungs- und Mobilitätsstrategien, mit denen der Klimaschutz und die Anpassungsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels gestärkt werden.

Diese Konzepte konzentrieren sich darauf, Verkehr zu vermeiden und den Umstieg von motorisiertem Individualverkehr auf öffentliche Verkehrsmittel (ÖPNV) und nicht-motorisierten Verkehr zu beschleunigen. Auch eine höhere Umweltverträglichkeit von Verkehrssystemen, zum Beispiel durch die Förderung von Elektromobilität, gehört dazu.

Zusätzlich fördert die Bundesregierung den Ausbau moderner und leistungsfähiger ÖPNV-Systeme wie U-Bahnen, Straßenbahnen, Schnellbus-Systeme und den Bau integrierter Fuß- und Radwege. Dies soll allen Menschen den Zugang zu bezahlbarer, sicherer und umweltfreundlicher Mobilität ermöglichen.

Einen weiteren Schwerpunkt legt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf den Aufbau von Infrastruktur, die den Auswirkungen des Klimawandels standhält. Im Förderbereich "Anpassung an den Klimawandel" werden über die Hälfte der Mittel der deutschen finanziellen Zusammenarbeit in Städten eingesetzt. Im Bereich "Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes" sind es sogar knapp zwei Drittel der deutschen Kredite und Zuschüsse.

Der Wandel zu nachhaltiger, klimafreundlicher Mobilität weltweit bedarf breiter Bündnisse. Durch die auf dem UN Klimagipfel in New York 2019 gegründete und vom BMZ unterstützte Action towards Climate friendly Transport Initiative (ACT) wird der Umstieg auf klimafreundlichen Verkehr beschleunigt. Der Zusammenschluss von über 100 Akteuren – nationale und lokale Regierungen, Stadtverbände, multilaterale Organisationen, NGOs, Unternehmen – trägt somit zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele und des Pariser Klimaabkommens bei. Mit deutscher Unterstützung soll in diesem Rahmen zum Beispiel die Beschaffung von 100.000 Elektro-Bussen in Entwicklungs- und Schwellenländern vorbereitet werden.

Urbane Mobilität
Urbane Mobilität | Strategien für lebenswerte Städte

08/2016 | pdf | 5,8 MB | 24 S. | barrierefrei Sammelmappe

Titelseite: Städte nachhaltig gestalten
Städte nachhaltig gestalten

05/2016 | pdf | 2,5 MB | 24 S. | barrierefrei Sammelmappe

Open Streets 2018 in Kapstadt, Südafrika

Initiative für Transformative Urbane Mobilität (TUMI)

Das rasante Wachstum der Städte und das steigende Verkehrsaufkommen tragen immer stärker zum Klimawandel bei. Der Verkehrssektor ist für 23 Prozent der weltweiten energiebezogenen Treibhausgase verantwortlich und gleichzeitig der Sektor mit dem am schnellsten wachsenden Emissionsausstoß. Ohne eine weltweite Verkehrswende lassen sich die Ziele des Pariser Klimaabkommens und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung nicht erreichen.

Daher hat das BMZ gemeinsam mit acht Partnerinstitutionen die Initiative für Transformative Urbane Mobilität (Transformative Urban Mobility Initiative, TUMI) ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt dieser Mobilitätsoffensive steht die Förderung einer klimafreundlichen, sicheren und erschwinglichen städtischen Mobilität. Ziel ist es, das Klima zu schützen und gleichzeitig den ärmsten Bevölkerungsschichten Zugang zu Arbeit, Gesundheitsfürsorge und Bildung zu ermöglichen. Für Menschen, die am Stadtrand oder in Slums leben, sind ohne funktionierende Nahverkehrssysteme oder sichere Fuß- und Radwege die besser erschlossenen Stadtbezirke kaum erreichbar und damit soziale und wirtschaftliche Teilhabe nicht möglich.

Seit 2016 fördert die Initiative nachhaltige Mobilitätssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern in drei Schwerpunkten:

  • TUMI mobilisiert finanzielle und technische Unterstützung zum Auf- und Ausbau sowie zur Modernisierung einer nachhaltigen städtischen Mobilitätsinfrastruktur. So konnten bisher fast zwei Milliarden Euro in Projekte wie die ÖPNV-Infrastruktur in Rio de Janeiro, Tunis und Nagpur investiert werden.
  • TUMI hat innerhalb von zwei Jahren bereits über 2.000 Stadtverantwortliche, Entscheidungsträgerinnen und -träger, Planerinnen und Planer sowie Studentinnen und Studenten aus- und weitergebildet, damit Projekte nachhaltiger Mobilität qualifiziert umgesetzt werden können.
  • TUMI fördert innovative Lösungen, zum Beispiel durch die Global Urban Mobility Challenge. Mit diesem weltweit ausgeschriebenen Wettbewerb werden aktuell 20 Städte ermutigt, lokale Mobilitätsherausforderungen anzugehen und ambitionierte Pilotprojekte wie Bike-Sharing, die Einrichtung von Fußgängerzonen, elektrisch betriebene Transportfahrzeuge und digitale Integration von ÖPNV umzusetzen.
Baustelle für eine neue U-Bahnlinie in Delhi, Indien

TUMI als Wegbereiter: Weltweites deutsches Engagement bei städtischer Mobilität

Indien, einer der größten Emittenten von Treibhausgasen überhaupt, steht gerade erst am Anfang des Urbanisierungsbooms, hat aber bereits mit einem enormen Bevölkerungswachstum und einer sehr hohen Motorisierungsrate zu kämpfen.

In Nagpur, im Zentrum Indiens, fördert TUMI über die KfW Entwicklungsbank den Bau einer Hochbahn, die nach Fertigstellung eine halbe Million Passagiere täglich befördern wird. Durch Solarpanels auf den Stationsdächern, das Recycling von Abwässern und die Nutzung von Regenwasser wird der Betrieb der Hochbahn besonders umweltfreundlich. Im Umfeld der Stationen werden Geh- und Radwege gebaut und Bike-Sharing-Systeme installiert. Ein Bus-Zubringersystem ist geplant, sodass die Hochbahn mit anderen Verkehrsträgern verbunden wird. So entsteht ein nutzerfreundliches, integriertes ÖPNV-System.

In Bogotá, Kolumbien, fördert TUMI die Entwicklung einer App namens "SafetiPin", die Mobilitätsdaten in der Stadt sammelt, um die Sicherheit von Frauen und Mädchen zu erhöhen.

Darüber hinaus führte TUMI zahlreiche Workshops und Trainingsmaßnahmen in verschiedenen Ländern durch. Diese fanden zum Beispiel in Namibia, Kolumbien, Thailand und in China statt. Bisher konnten über 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vornehmlich aus Verkehrsministerien oder städtischen Verkehrsbehörden, erreicht werden.

GIZ-Veranstaltung "Open Streets Exchange" in Kapstadt, Südafrika

TUMI Women Mobilize Women

Mit TUMI Women Mobilize Women ist es gelungen, eine internationale Debatte anzustoßen, in der es um Rolle und Potenzial von Frauen im Bereich urbaner Mobilität geht.

Im Mai 2018 wurde mit der Konferenz Women Mobilize Women ein Stein ins Rollen gebracht: Als Vorveranstaltung des Weltverkehrsforums in Leipzig hat es die TUMI-Konferenz geschafft, Frauen aus aller Welt an der Diskussion zur Situation, zu den Chancen und Herausforderungen von Frauen im Transportsektor zu beteiligen und ihnen eine Stimme zu geben. Mit einem für den Verkehrssektor wohl einmaligen, ausschließlich weiblich besetztem Panel diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Fragen zur Sicherheit im öffentlichen Raum, Empowerment von Entscheidungstragenden sowie sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von ambitionierter, gendersensibler Verkehrsplanung.

Die Konferenz hat die internationale Debatte zur Rolle von Frauen aus dem Mobilitätsbereich stark geprägt und Women Mobilize Women ist aus der Konferenz zu einer Marke erwachsen: TUMI Women Mobilize Women ist heute ein Netzwerk, stellt Wissen zur Verfügung und fördert Women Empowerment durch weitere Regionalkonferenzen und Netzwerke in Afrika und Lateinamerika.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der "Women Mobilize Women Conference 2018", Leipzig
  • Stadtansicht von Beira, Mosambik
    Mosambik: Zusammenarbeit konkret

    Wiederaufbau von Beira nach Zyklon Idai

    In einer Bucht im Zentrum Mosambiks liegt die Stadt Beira. Den Klimawandel spürt die lokale Bevölkerung dort durch die unmittelbare Lage zum Indischen Ozean schon heute. So stand die Stadt erst im März 2019 vor der Herausforderung, ihre städtische Infrastruktur nach Zyklon Idai wieder aufzubauen.

  • Straßenbau in Khulna, Bangladesch
    Bangladesch: Zusammenarbeit konkret

    Anpassung von Städten an den Klimawandel

    Der Klimawandel stellt Bangladesch vor besonders große Herausforderungen: Durch den steigenden Meeresspiegel droht ein Fünftel der Landesfläche dauerhaft überflutet zu werden.

  • EcoCasas in Mexiko
    Mexiko: Zusammenarbeit konkret

    Besser wohnen und Energie sparen

    In Mexiko entstehen jedes Jahr eine halbe Million neue Wohnungen, acht Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Bauwirtschaft. Auch der Energieverbrauch im Land steigt kontinuierlich, etwa 17 Prozent davon entfallen auf private Haushalte.

  • Tram in Rio
    Brasilien: Zusammenarbeit konkret

    Neue Bahnen für Rio de Janeiro und Salvador da Bahía

    Die Städte Brasiliens wachsen unaufhörlich: Im Jahr 2010 lebten 84 Prozent aller Brasilianerinnen und Brasilianer in Stadtgebieten, 1940 waren es nur rund 30 Prozent. Auch wenn das Angebot an öffentlichem Nahverkehr steigt, kann es den Bedarf bei weitem nicht decken.

  • Bus in der Stadt Windhoek in Namibia
    Namibia: Zusammenarbeit konkret

    Experten für nachhaltige Verkehrsplanung gesucht

    Um den Verkehrssektor in Namibia weiter auszubauen, benötigt das Land dringend qualifizierte Fachkräfte. Der junge Namibier Immanuel Johannes hat einen Hochschulabschluss in Bauingenieurwesen und arbeitet seit kurzem als Junior-Verkehrsplaner in Windhoek.

Stadtansicht von Beira, Mosambik
Mosambik: Zusammenarbeit konkret

Beira: Wiederaufbau der grünen städtischen Infrastruktur nach Zyklon Idai

Zwischen einer Bucht am Indischen Ozean und der Mündung des Pungwe River im Zentrum Mosambiks liegt die Stadt Beira. Die ansässige Bevölkerung profitiert von der Wassernähe: Der große Hafen und die Fischerei sind ein Gewinn für die lokale Wirtschaft. Die unmittelbare Meereslage birgt aber auch Gefahren. So ist Beira häufigen Überschwemmungen durch starke Regenfälle und Sturmfluten ausgesetzt.

Besonders gefährdet sind die an das historische Stadtzentrum angrenzenden informellen Siedlungen. Eine davon ist Goto am Ufer des Chiveve-Flusses.

Der 18-jährige Lehrling Chaimel Calido erzählt, dass die Regenfälle, die das Viertel regelmäßig überschwemmen, in den vergangenen Jahren immer schlimmer geworden seien: "Zur Arbeit müssen wir durch den Schlamm waten, Gummistiefel haben wir nicht. Die Kinder werden krank, bekommen Durchfall, Kopfweh und Malaria." Denn neben der Zerstörung von Häusern und Infrastruktur begünstigen die immer wiederkehrenden starken Regenfälle auch die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria und Cholera.

Um das Überflutungsrisiko und weitere Auswirkungen des Klimawandels in Beira zu senken, finanziert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit seit 2013 über die KfW Entwicklungsbank und die Weltbank die Verbesserung und den Ausbau des Regenwassersystems von Beira. Hierfür wurden die Hauptentwässerungskanäle umfassend saniert und neue gebaut. Des Weiteren wurden Anlagen zum Hochwasserschutz errichtet und ein Rückhaltebecken angelegt.

Natürlichen Flusslauf wiederherstellen

Der 3,7 Kilometer lange Lauf des Gezeiten-Flusses Chiveve im Zentrum Beiras wurde vergrößert, von Abfall und Sedimenten befreit und wieder mit Mangroven bepflanzt, um das natürliche Entwässerungssystem der Stadt zu stärken. So konnte der ursprüngliche Flusslauf wiederhergestellt werden. Zudem wurde ein Gezeitenbauwerk errichtet, das den Fluss wieder zum Indischen Ozean hin öffnet. Damit konnte erreicht werden, dass Regenwasser im Oberlauf und somit auch in der Goto-Siedlung schneller ins Meer abfließen kann.

Das natürliche Entwässerungssystem des Chiveve trägt langfristig dazu bei, die Stadt Beira an klimatische Veränderungen wie Starkregen und den Anstieg des Meeresspiegels anzupassen. Damit schafft das Projekt wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung des gesamten innerstädtischen Gebiets. Die Maßnahme wirkt zudem der Verbreitung von Krankheiten entgegen, da es stehende und verschmutzte Gewässer verhindert.

Grünflächen in Parks verwandeln

In einer zweiten Phase werden nun gemeinsam mit der Weltbank die meist verwahrlosten Grünflächen entlang des Chiveve aufgewertet. Aus den Flächen sollen öffentliche und wirtschaftlich nutzbare Parkanlagen entstehen, unter anderem mit Spiel- und Sportplätzen, einem Freilufttheater, einem Veranstaltungszentrum, einem Restaurant sowie sanitären Anlagen.

Um die Einkaufsmöglichkeiten der lokalen Bevölkerung zu erweitern, wird im Rahmen des Projekts zudem ein Markt in unmittelbarer Lage zum Stadtzentrum und zum Busbahnhof geplant. Gleichzeitig soll auch die Mobilität der Stadtbewohner verbessert werden: Seit Mitte 2018 wurden rund 5,5 Kilometer Rad- und Fußwege sowie mehrere Brücken gebaut, um eine bessere Anbindung an das Stadtzentrum entlang des Flusslaufes zu ermöglichen.

Im März 2019 wurde Beira von Zyklon Idai erschüttert. Das BMZ hat Mosambik daher zusätzliche 26 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die Bevölkerung zu unterstützen und zerstörte Infrastruktur im Stadtgebiet wiederaufzubauen. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometern pro Stunde wurden damals weite Teile der Innenstadt vollständig zerstört und tagelang unter Wasser gesetzt. Insgesamt kamen bei der Katastrophe mindestens 446 Menschen ums Leben. Mehr als 100.000 Menschen mussten ihre überschwemmten Häuser verlassen und in Notunterkünfte ausweichen - viele von ihnen stammten aus Beira.
Die bereits erfolgreich durchgeführte Wiederherstellung des Flusslaufes konnte jedoch verhindern, dass noch schlimmere Schäden durch Überschwemmungen im Einzugsgebiet des Chiveve entstanden. Denn so konnten Wassermassen in den Stadtvierteln entlang des Flusslaufes schneller abfließen und weniger Häuser und Straßen zerstören. Auch gesundheitliche Risiken durch stehende Gewässer konnten reduziert werden.

Die Wohnhäuser der informellen Siedlungen in Beira sind durch ihre einfache Bauweise und die Nähe zum Gewässer besonders durch den Klimawandel gefährdet.

Video: Mosambik – Küstenschutz in Beira

Mosambik ist schon jetzt von den Folgen des Klimawandels betroffen. Deutschland unterstützt das Land, um sich gegen Überschwemmungen und weitere Auswirkungen zu schützen.

Straßenbau in Khulna, Bangladesch
Bangladesch: Zusammenarbeit konkret

Anpassung von Städten an den Klimawandel

Bangladesch gehört zu den Ländern, die weltweit am meisten vom Klimawandel betroffen sind. Durch den steigenden Meeresspiegel droht ein Fünftel der Landesfläche dauerhaft überflutet zu werden. Zugleich weist das Land mit 1.265 Einwohnerinnen und Einwohnern pro Quadratkilometer schon heute eine Bevölkerungsdichte auf, die zu den höchsten der Welt zählt.

Im Rahmen einer gemeinsamen Initiative zur ökologischen Stadtentwicklung für Asien (Cities Development Initiative for Asia, CDIA) unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zusammen mit der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) mittelgroße Städte in Bangladesch und weiteren Ländern Asiens bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Ein zentraler Teil ist dabei die Erstellung von Projekt-Machbarkeitsstudien: Sie sind eine wichtige Grundlage, um eine Finanzierung für Investitionen in städtische Infrastruktur zu erhalten. Viele Städte in Bangladesch können solche Studien jedoch nicht selbst anfertigen, da ihnen das technische Know-how fehlt.

Beispiel Khulna

Eine Stadt, die bereits vom deutschen Engagement in Bangladesch profitieren konnte, ist Khulna. Sie liegt im Südwesten von Bangladesch, umgeben von den Flüssen Bhairab und Rupsha, nur zwei bis vier Meter über dem Meeresspiegel. Aufgrund ihrer Lage wird sie in Monsunzeiten meist stark überschwemmt. Darunter leiden die 1,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, von denen rund 40 Prozent von Armut betroffen sind. Auf den Straßen fahren zu 80 Prozent Fahrzeuge ohne Motor, wie Rikschas. Weil jedoch selbst diese für arme Bevölkerungsschichten oft zu teuer sind, gehen viele Menschen zu Fuß. Das ist in Bangladesch ein Risiko, denn Bürgersteige oder angemessene Fußwege gibt es meist nicht. Gleichzeitig dienen die Straßen in Bangladesch häufig als Dämme und spielen eine zentrale Rolle im Hochwasserschutz der Städte.

Mit Hilfe der CDIA konnte Khulna zehn Kilometer Zugangsstraßen in den ärmeren Stadtteilen bauen und so rund 200.000 Menschen dauerhaft an das Verkehrsnetz anbinden. Einen Teil der Kosten dafür trägt die Regierung Bangladeschs, die vollständige Finanzierung wurde jedoch erst durch die ADB und die KfW Entwicklungsbank möglich. Darüber hinaus wurden die Straßen mit Drainagen und Entwässerungskanälen versehen, sodass die Stadtgebiete während der Monsunzeit nicht mehr wochenlang unter Wasser stehen. Die Flutgefahr ist nun deutlich geringer, die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung stark gestiegen. Ein Anwohner berichtete, dass die Straßen früher bis zu sechs Monate im Jahr überschwemmt gewesen seien, die neuen Zugangsstraßen jedoch noch nicht ein einziges Mal. Die Straßen eröffnen so auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten.

Teil des Projekts waren zudem Maßnahmen wie die Erhöhung der Böschungsstraßen, der Ausbau des Uferschutzes und die großflächige Begrünung der Stadt. Abir ul Jabbar, Leiter des Planungsbüros von Khulna, sagt: "Das Projekt entspricht den Verkehrs- und Mobilitätsbedürfnissen der Stadt und hat dazu beigetragen, unsere Straßeninfrastruktur klimaschonend und umweltfreundlich zu gestalten."

Beispiel Barisal

Auch Barisal, die zweitgrößte Küstenstadt Bangladeschs, wird durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt. Die Region leidet unter regelmäßigen Überschwemmungen wegen starker Regenfälle und Sturmfluten, welche die Elendsviertel Barisals als erstes treffen. Um sie als wichtige Notfallwege bei extremen Wetterereignissen nutzen zu können, wurden daher mit deutscher Unterstützung tiefgelegene Hauptstraßen erneuert und erhöht.

Die Bevölkerung in Barisal stieg in den letzten Jahrzehnten rasant an und Schätzungen zufolge leben rund 110.000 Menschen in Slums. Der zunehmende Bedarf an Wohnraum wirkt sich unmittelbar auf das Entwässerungsnetz aus. Dieses ist bereits heute überlastet, nicht zuletzt durch Müll und Geröll, was zur Verstopfung der Kanäle auf rund 150 Kilometern führt.

Mit deutscher Unterstützung wird das Entwässerungsnetz erweitert und das Fassungsvermögen der Kanäle erhöht. Entwässerungs- und Flutschutzsysteme können die klimabedingten Probleme Barisals entschärfen und Überflutungszeiten auf wenige Tage verkürzen. Straßen und Schulen sind somit weniger gefährdet, infrastrukturschwache Stadtteile weniger anfällig.

Überschwemmung in der Stadt Barisal in Bangladesch

Khulna

Überschwemmung in der Stadt Barisal in Bangladesch
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch
Dammstraße zum Schutz eines Wohnviertels am Hafen von Khulna in Bangladesch
Zwei Arbeiter auf einer Baustelle am Ufer des Mayur River in der Stadt Khulna an einer Uferbefestigung.
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch
EcoCasas in Mexiko
Mexiko: Zusammenarbeit konkret

Besser wohnen und Energie sparen: Energieeffizientes Bauen und Emissionsminderung in Mexikos Verkehrssektor

In Mexiko entstehen jedes Jahr eine halbe Million neue Wohnungen, acht Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Bauwirtschaft. Auch der Energieverbrauch im Land steigt kontinuierlich, etwa 17 Prozent davon entfallen auf private Haushalte. Angesichts dieser Entwicklungen ist ein energieeffizienter Wohnungsbau von besonderer Bedeutung.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt gemeinsam mit der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank das EcoCasa-Wohnungsbauprogramm der mexikanischen Entwicklungsbank. Bei der Finanzierung werden verschiedene internationale Fonds kombiniert: Eingesetzt werden unter anderem Mittel des Clean Technology Fund (CTF) und der Investitionsfazilität für Lateinamerika (Latin America Investment Facility, LAIF) der Europäischen Kommission. Deutschland beteiligt sich seit 2013 mit zinsverbilligten Darlehen und Investitionszuschüssen und hat dafür über die KfW insgesamt 326 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Ökohäuser

Das Programm soll bis 2022 rund eine halbe Milliarde US-Dollar an privaten Investitionen mobilisieren. Bisher wurden bereits über 45.000 energieeffiziente Häuser für mehr als 130.000 Mexikanerinnen und Mexikaner in allen vier Klimazonen des Landes finanziert. Diese "Ökohäuser" verbrauchen im Schnitt rund 20 Prozent weniger Energie als herkömmliche Bauten. Einige Ökohäuser erreichen sogar Einsparungen von bis zu 80 Prozent.

"EcoCasa" spart damit mehr als eine Million Tonnen Kohlendioxid über die gesamte Bestandsdauer der Häuser ein. Zugleich verbessert das Programm die Lebenssituation vieler Mexikanerinnen und Mexikaner, die nun eine höhere Wohnqualität genießen. Es trägt auch dazu bei, neue umweltfreundliche und energieeffiziente Standards im Wohnungsbau zu setzen, an denen sich der mexikanische Immobilienmarkt künftig ausrichten soll.

Elektromobilität und emissionsarme Fahrzeuge

Darüber hinaus unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die C40 Cities Finance Facility (CFF), gemeinsam mit dem britischen Ministerium für Wirtschaft, Energie und Industrielle Strategie (BEIS), der US-amerikanischen Entwicklungsagentur USAID und der Kinder- & Jugendstiftung Children's Investment Fund Foundation. Ziel der CFF ist es, Städte in die Lage zu versetzen, eigenständig finanzierungsfähige Infrastrukturprojekte zu entwickeln, um die Emissionen von Treibhausgasen zu verringern und die Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel zu stärken.

Um die Elektromobilität mit E-Bussen in Mexiko weiter zu verbreiten, unterstützt die CFF den Erfahrungsaustausch zwischen Guadalajara, Monterrey, Hermosillo und weiteren Städten. Mit dieser Unterstützung soll die Elektrifizierung vorangetrieben werden und Schnellbus-Linien von insgesamt mehr als 120 Kilometern Länge sollen künftig elektrisch betrieben werden. Dabei stützt sich die CFF unter anderem auf Erfahrungen in Mexiko-Stadt. Durch die Größe der Städte – mit insgesamt über 29 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern – können Treibhausgasemissionen deutlich verringert werden: Schätzungen zufolge um etwa 150.000 Tonnen Kohlendioxid. Dies entspricht dem Jahresausstoß von circa 31.000 Pkws.

Für den Straßengüterverkehr ist die Elektrifizierung in Mexiko aktuell noch nicht möglich. Die Emissionen konnten jedoch bereits signifikant verringert werden, indem bis zu 40 Jahre alte Lastkraftwagen gegen deutlich emissionsärmere neue Fahrzeuge ausgetauscht wurden. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bereitet derzeit in Zusammenarbeit mit der mexikanischen Entwicklungsbank Nacional Financiera eine Initiative zum Flottenaustausch im Straßengüterverkehr vor, bei der bis zu 120.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr gespart werden können.

Elektrotaxis in einer Ladestation in Mexiko-Stadt, Mexiko
Tram in Rio
Brasilien: Zusammenarbeit konkret

Neue Bahnen für Rio de Janeiro und Salvador da Bahía

Die Städte Brasiliens wachsen unaufhörlich: Im Jahr 2010 lebten 84 Prozent aller Brasilianerinnen und Brasilianer in Stadtgebieten, 1940 waren es nur rund 30 Prozent. Auch wenn das Angebot an öffentlichem Nahverkehr steigt, kann es den Bedarf bei weitem nicht decken. Zugleich erhöht sich das Verkehrsaufkommen durch Autos und Motorräder; doch gerade das ist mit Staus, Luftverschmutzung und Stress verbunden. Auch steigt der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen. Dem brasilianischen Klimaobservatorium zufolge gingen im Jahr 2015 mehr als 200 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente und damit knapp elf Prozent der gesamten Emissionen in Brasilien auf den Transportsektor zurück.

Der Transportsektor ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasemissionen weltweit. Nach Angaben des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) ist dieser Sektor für fast ein Viertel des weltweiten Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes verantwortlich, davon mehr als drei Viertel aufgrund des Individualverkehrs. Brasilien hat zur Senkung von Treibhausgasemissionen im Transportsektor Richtlinien erarbeitet. Diese sehen unter anderem vor, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, da Schienennetze pro Personenkilometer im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr weniger Energie verbrauchen. Die Bundesregierung unterstützt zwei Städte dabei, ihre Verkehrssysteme zu modernisieren und deren Nachhaltigkeit zu verbessern. Dafür stellte die KfW der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES Kredite zur Verfügung.

Diese Mittel dienen dazu, besonders klimafreundliche und nachhaltige öffentliche Nahverkehrssysteme mitzufinanzieren: eine Straßenbahn in Rio de Janeiro und eine U-Bahnstrecke – Ausbau Linie 1 und Neubau von Linie 2 – in Salvador da Bahía. Die Auswahl der Projekte erfolgte unter anderem anhand eines CO2-Eignungskriteriums.

Darüber hinaus unterstützte die Bundesregierung die BNDES dabei, ihr eigenes Programm zur Berechnung von CO2-Emissionen für den Transportsektor zu verbessern und einen Leitfaden zur Auswahl geeigneter Technologien für den öffentlichen Nahverkehr zu erstellen.

Mit der Fertigstellung der Straßenbahn in Rio de Janeiro und der U-Bahn-Linien in Salvador werden jährlich etwa 18 Millionen Personen vom Individualverkehr mit seinem hohen CO2-Ausstoß auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Das verringert die Treibhausgasemissionen insgesamt voraussichtlich um rund 530.000 Tonnen CO2-Äquivalente. Durch dieses Engagement unterstützt die Bundesregierung Brasilien dabei, den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr weiter voranzutreiben und seine nationalen Klimaziele zu erreichen.

Bus in der Stadt Windhoek in Namibia
Namibia: Zusammenarbeit konkret

Expertinnen und Experten für nachhaltige Verkehrsplanung gesucht

Um den Verkehrssektor in Namibia weiter auszubauen, benötigt das Land dringend qualifizierte Fachkräfte. Der junge Namibier Immanuel Johannes hat einen Hochschulabschluss in Bauingenieurwesen und arbeitet seit kurzem als Junior-Verkehrsplaner in Windhoek.

Während seines Studiums konnte er im Transport-Projekt "Verkehr, Mobilität, Logistik" der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erste praktische Erfahrungen in seinem Berufsumfeld sammeln. Als studentische Hilfskraft arbeitete er später bei Verkehrszählungen mit, die im Rahmen des "Sustainable Urban Transport Master Plan for Windhoek" durchgeführt und von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt wurden.

Nach seinem Hochschulabschluss fing Immanuel Johannes zunächst als Praktikant in der Abteilung für öffentlichen Verkehr bei der Stadt Windhoek an. Kurz darauf erhielt er ein Angebot als Junior-Verkehrsplaner. Die GIZ-CIM-Expertin Silja Fieblinger schulte den jungen Verkehrsexperten. Heute ist Johannes dafür zuständig, den Öffentlichen Nahverkehr in Windhoek zu optimieren und die Organisation des Busbetriebs zu planen.

"In Windhoek hat das Programm zum nachhaltigen Stadtverkehr eine wirkliche Mentalitätsveränderung in die Wege geleitet. Heutzutage spielt das Thema in der Stadtplanung eine große Rolle. 2016 wurde eine neue Busroute eingeführt mit 14 neuen Linien und 26 modernen Bussen. Zum ersten Mal gibt es hier eine Linie, die mehrere Nachbarschaften abdeckt", so Prof. Dr. Heinrich Semar, Projektmanager des GIZ-Projekts "Transport, Mobilität und Logistik".

Videos zum Thema "Stadt und Klima"

Leben mit dem Klimawandel

Deutschland unterstützt Bangladesch dabei, die Folgen des Klimawandels zu mildern, zum Beispiel durch den Bau von Brücken, Dämmen und Uferbefestigungen.

Hochwassermanagement in Naga City

Die Stadt Naga auf den Philippinen liegt im Zentrum eines Taifun-Gebietes, regelmäßig kommt es zu Überschwemmungen. Mit Hilfe der "Initiative Stadtentwicklung für Asien" (CDIA) wurden in Naga Maßnahmen zur Hochwasserbekämpfung finanziert.

Luftverschmutzung reduzieren durch E-Trikes

In Naga City auf den Philippinen hat sich ein Betrieb auf den Bau von E-Trikes spezialisiert. Durch die Elektrofahrzeuge soll die Luftverschmutzung reduziert werden. 90 Prozent der benötigten Materialien werden aus der direkten Umgebung geliefert, nur zehn bis 15 Prozent müssen importiert werden.

Städte für eine bessere Welt

Städte bieten Lösungen für eine nachhaltige Welt: Sei es Klimaschutz, Armutsbekämpfung oder Wohlstand für alle. Eine bessere Welt erreichen wir nur mit unseren Städten.

Stadt und Klima

BMZ-Publikationen

Inhaltsverzeichnis

Themendossier "Klimawandel und Entwicklung"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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