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Straßenbau in Khulna, Bangladesch
Bangladesch: Zusammenarbeit konkret

Anpassung von Städten an den Klimawandel

Bangladesch gehört zu den Ländern, die weltweit am meisten vom Klimawandel betroffen sind. Durch den steigenden Meeresspiegel droht ein Fünftel der Landesfläche dauerhaft überflutet zu werden. Zugleich weist das Land mit 1.265 Einwohnerinnen und Einwohnern pro Quadratkilometer schon heute eine Bevölkerungsdichte auf, die zu den höchsten der Welt zählt.

Im Rahmen einer gemeinsamen Initiative zur ökologischen Stadtentwicklung für Asien (Cities Development Initiative for Asia, CDIA) unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zusammen mit der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) mittelgroße Städte in Bangladesch und weiteren Ländern Asiens bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Ein zentraler Teil ist dabei die Erstellung von Projekt-Machbarkeitsstudien: Sie sind eine wichtige Grundlage, um eine Finanzierung für Investitionen in städtische Infrastruktur zu erhalten. Viele Städte in Bangladesch können solche Studien jedoch nicht selbst anfertigen, da ihnen das technische Know-how fehlt.

Beispiel Khulna

Eine Stadt, die bereits vom deutschen Engagement in Bangladesch profitieren konnte, ist Khulna. Sie liegt im Südwesten von Bangladesch, umgeben von den Flüssen Bhairab und Rupsha, nur zwei bis vier Meter über dem Meeresspiegel. Aufgrund ihrer Lage wird sie in Monsunzeiten meist stark überschwemmt. Darunter leiden die 1,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, von denen rund 40 Prozent von Armut betroffen sind. Auf den Straßen fahren zu 80 Prozent Fahrzeuge ohne Motor, wie Rikschas. Weil jedoch selbst diese für arme Bevölkerungsschichten oft zu teuer sind, gehen viele Menschen zu Fuß. Das ist in Bangladesch ein Risiko, denn Bürgersteige oder angemessene Fußwege gibt es meist nicht. Gleichzeitig dienen die Straßen in Bangladesch häufig als Dämme und spielen eine zentrale Rolle im Hochwasserschutz der Städte.

Mit Hilfe der CDIA konnte Khulna zehn Kilometer Zugangsstraßen in den ärmeren Stadtteilen bauen und so rund 200.000 Menschen dauerhaft an das Verkehrsnetz anbinden. Einen Teil der Kosten dafür trägt die Regierung Bangladeschs, die vollständige Finanzierung wurde jedoch erst durch die ADB und die KfW Entwicklungsbank möglich. Darüber hinaus wurden die Straßen mit Drainagen und Entwässerungskanälen versehen, sodass die Stadtgebiete während der Monsunzeit nicht mehr wochenlang unter Wasser stehen. Die Flutgefahr ist nun deutlich geringer, die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung stark gestiegen. Ein Anwohner berichtete, dass die Straßen früher bis zu sechs Monate im Jahr überschwemmt gewesen seien, die neuen Zugangsstraßen jedoch noch nicht ein einziges Mal. Die Straßen eröffnen so auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten.

Teil des Projekts waren zudem Maßnahmen wie die Erhöhung der Böschungsstraßen, der Ausbau des Uferschutzes und die großflächige Begrünung der Stadt. Abir ul Jabbar, Leiter des Planungsbüros von Khulna, sagt: "Das Projekt entspricht den Verkehrs- und Mobilitätsbedürfnissen der Stadt und hat dazu beigetragen, unsere Straßeninfrastruktur klimaschonend und umweltfreundlich zu gestalten."

Beispiel Barisal

Auch Barisal, die zweitgrößte Küstenstadt Bangladeschs, wird durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt. Die Region leidet unter regelmäßigen Überschwemmungen wegen starker Regenfälle und Sturmfluten, welche die Elendsviertel Barisals als erstes treffen. Um sie als wichtige Notfallwege bei extremen Wetterereignissen nutzen zu können, wurden daher mit deutscher Unterstützung tiefgelegene Hauptstraßen erneuert und erhöht.

Die Bevölkerung in Barisal stieg in den letzten Jahrzehnten rasant an und Schätzungen zufolge leben rund 110.000 Menschen in Slums. Der zunehmende Bedarf an Wohnraum wirkt sich unmittelbar auf das Entwässerungsnetz aus. Dieses ist bereits heute überlastet, nicht zuletzt durch Müll und Geröll, was zur Verstopfung der Kanäle auf rund 150 Kilometern führt.

Mit deutscher Unterstützung wird das Entwässerungsnetz erweitert und das Fassungsvermögen der Kanäle erhöht. Entwässerungs- und Flutschutzsysteme können die klimabedingten Probleme Barisals entschärfen und Überflutungszeiten auf wenige Tage verkürzen. Straßen und Schulen sind somit weniger gefährdet, infrastrukturschwache Stadtteile weniger anfällig.

Überschwemmung in der Stadt Barisal in Bangladesch

Khulna

Überschwemmung in der Stadt Barisal in Bangladesch
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch
Dammstraße zum Schutz eines Wohnviertels am Hafen von Khulna in Bangladesch
Zwei Arbeiter auf einer Baustelle am Ufer des Mayur River in der Stadt Khulna an einer Uferbefestigung.
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch
Rikscha-Fahrer auf der fertiggestellten Umgehungsstraße in Khulna, Bangladesch

Lexikon der Entwicklungspolitik

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