Hauptinhalt

Arbeitsfeld

Migration und Klima

Ein Mann blickt auf das Meer bei Nouakchott, Mauretanien.

Durch den Klimawandel ausgelöste oder verstärkte Extremwetterereignisse wie Stürme, Fluten und Dürren gefährden plötzlich und unmittelbar die Lebensgrundlage vieler Menschen: Die Infrastruktur und das sozioökonomische Gefüge können erheblich gestört werden. Schleichende Umweltveränderungen wie die Versalzung von Böden und der Anstieg des Meeresspiegels haben langfristige Folgen für die wirtschaftliche Situation, Gesundheit und Sicherheit der Menschen vor Ort. Und auch gewaltsame Konflikte können durch die Folgen des Klimawandels ausgelöst oder verschärft werden. Besonders stark davon betroffen sind viele Entwicklungsländer. Sie stehen vor der Herausforderung, trotz Ressourcen- und Kapazitätsmangel die direkten Folgen des Klimawandels abzuwehren oder zu verringern.

Klimawandelbedingte Mobilität

Die negativen Folgen der weltweiten Erwärmung erschweren die Lebensbedingungen vieler Menschen so sehr, dass sie zur Abwanderung gezwungen sind. Sie nutzen Migration, häufig auch vorübergehend, als Anpassungsstrategie. Diese Art von Migration – aber auch durch den Klimawandel verursachte Umsiedlungen – werden unter dem Begriff "klimawandelbedingte menschliche Mobilität" zusammengefasst.

Die Faktoren, die zu einer Migrationsentscheidung führen, sind dabei so vielschichtig wie die Folgen des Klimawandels selbst. Häufig stehen neben den klimatischen Veränderungen auch wirtschaftliche, politische, soziokulturelle oder demographische Gründe im Vordergrund; diese Faktoren können wiederum durch Umwelt- und Klimaeinflüsse verstärkt werden.


Prognosen sind schwierig

Präzise Prognosen der regionalen und lokalen Ausprägungen des Klimawandels sind auf Basis des aktuellen Wissensstands nicht möglich. Und auch wenn es solche präzisen Vorhersagen gäbe, so würden sie trotzdem nicht ausreichen, um klimainduzierte Migrationsbewegungen vorauszusagen.

Umfassende Klima- und Katastrophenrisikoanalysen können zwar auf lokaler Ebene Gebiete identifizieren, die in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit besonders schwer von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein werden. Jedoch lassen sich davon keine wissenschaftlich aussagekräftigen Zahlen ableiten, aus denen hervorgeht, wie viele der dort lebenden Menschen auf diese Situation mit Migration reagieren werden.

Die Anzahl derjenigen, die aufgrund des Klimawandels und seiner Folgen migrieren, ist ohnehin kein guter Gradmesser für das Ausmaß der Betroffenheit einer Gesellschaft von den negativen Folgen des Klimawandels: Viele Menschen haben gar keine (finanziellen) Möglichkeiten, abzuwandern.

Es ist davon auszugehen, dass auch künftig der größte Teil der durch den Klimawandel ausgelösten Migration innerhalb von Landesgrenzen stattfinden wird. Zusätzlich wird damit gerechnet, dass die meisten Menschen – sobald es ihnen möglich ist – wieder in ihre Herkunftsländer und -regionen zurückkehren. Dies gilt insbesondere im Falle von Extremwetterereignissen oder Naturkatastrophen. Zwischen 2008 und 2016 suchten beispielsweise rund 195 Millionen Menschen aufgrund von Extremwetterereignissen in einem anderen Teil ihres Heimatlandes Zuflucht. Der Einfluss längerfristiger Folgen des Klimawandels auf das Migrationsverhalten, wie etwa der Anstieg des Meeresspiegels, kann durch die vorliegenden Daten noch nicht abgeschätzt werden.


Minderung und Anpassung

Um den gefährdeten Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, ist es notwendig, durch entschlossene Maßnahmen zum Klimaschutz die weltweiten Treibhausgasemissionen zu mindern und dadurch den globalen Temperaturanstieg zu drosseln. Dort, wo die Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr abgewendet werden können, müssen die Menschen dabei unterstützt werden, sich auf die neue Situation einzustellen: Ihre Anpassungsfähigkeit gegenüber Extremwetterereignissen und langfristigen, klimabedingten Veränderungen muss erhöht werden und sie müssen dazu befähigt werden, mit deren negativen Folgen umzugehen.


Unterkapitel


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen