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Migration und Klima

Deutsches Engagement

Äthiopische Nomaden, die sich wegen der anhaltenden Dürre in einem Dorf in der Somali Region in Äthiopien angesiedelt haben.

Menschen, die durch die Auswirkungen des Klimawandels zusätzlich unter Migrationsdruck geraten, müssen besondere Unterstützung erfahren – unabhängig davon, ob sie migrieren oder dies nicht können beziehungsweise wollen ("trapped populations").

Daraus ergeben sich folgende Ansatzpunkte für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit:

  • Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasen führen langfristig zu einer Minderung von Extremwetterereignissen und mildern die Effekte der langsam einsetzenden Klimaveränderungen. Diese ganzheitliche Betrachtung eines "umfassenden Klimarisikomanagements" wird über die deutsche Entwicklungszusammenarbeit gefördert.
  • Anpassungsmaßnahmen, Katastrophenrisikomanagement sowie Umgang mit Schäden und Verlusten (zum Beispiel durch Klimarisikoversicherungen) führen zur Stärkung der Resilienz, also der Fähigkeit, die Veränderungen durch den Klimawandel zu verkraften. Somit werden Möglichkeiten zu bleiben, beziehungsweise die Voraussetzungen für eine schnelle Rückkehr geschaffen.
  • Stärkung der Resilienz von Städten, denn der Klimawandel führt voranging zu landesinternen oder regionalen Migrationsbewegungen, bei dem Städte häufig Ziele von Zuwanderern sind. Migranten und Vertriebene müssen daher besonders im städtischen Umfeld geschützt werden.
  • Besonders klimasensible Sektoren, wie zum Beispiel Landwirtschaft, Fischerei oder der Wassersektor, bedürfen besonderer Aufmerksamkeit bei der Umsetzung von Gegenmaßnahmen. Dabei können Maßnahmen wie eine nachhaltige Landnutzungsplanung oder der ressourcenschonende Umgang mit Wasser den Migrationsdruck verringern.
  • Voraussetzungen schaffen für informierte Migrationsentscheidungen der betroffenen Bevölkerungsgruppen. Migration kann hierbei als Anpassungs- und Überlebensstrategie gesehen werden, wenn zum Beispiel einzelne abgewanderte Familienmitglieder durch Geldtransfers zum Familieneinkommen in der Herkunftsregion beitragen.
  • Reguläre internationale Migration ermöglichen (zum Beispiel saisonale Arbeitsmigration), insbesondere aus Regionen, die durch die Auswirkungen des Klimawandels unter Druck geraten.
  • Besondere Unterstützung der "trapped populations", also der Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, zu migrieren. Dies kann durch die Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort oder die Ermöglichung einer informierten Migrationsentscheidung (sowohl innerhalb des Landes als auch international) erfolgen.
  • In einigen Fällen ist absehbar, dass Anpassungsmaßnahmen nicht greifen und Gebiete durch den Klimawandel unbewohnbar werden. Die Entwicklungszusammenarbeit kann dort helfen, die freiwillige und geplante Umsiedlung von Menschen als "ultima ratio" sozialverträglich und gemeinsam mit den Betroffenen zu gestalten und den Menschen einen Neuanfang an neuem Ort zu ermöglichen. Umsiedlungen können, wenn keine andere Lösung gefunden wird, Risiken reduzieren und Menschenleben retten.

Internationale Prozesse

Darüber hinaus unterstützt Deutschland auch relevante internationale Prozesse:

  • ​Deutschland hat sich auf der 21. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP21) in Paris dafür eingesetzt, dass eine Arbeitsgruppe zu klimabedingter Vertreibung, Migration und menschlicher Mobilität ins Leben gerufen wird, in der die damit verbundenen Herausforderungen bearbeitet werden. Daraufhin wurde im Pariser Abkommen von 2015 der internationale Warschau-Mechanismus (Warsaw International Mechanism for Loss and Damage) mandatiert, eine "Task Force on Displacement" zu etablieren, welche zu Beginn des Jahres 2017 ihre Arbeit aufnahm. Deutschland ist über das BMZ im Exekutivkomitee des internationalen Warschau-Mechanismus vertreten.
  • ​Das BMZ fördert die Umsetzung des Sendai-Frameworks for Disaster Risk Reduction des United Nations Office for Disaster Risk Reduction (UNISDR) sowohl auf politischer Ebene, als auch über bilaterale und globale Vorhaben des Katastrophenrisikomanagements im Rahmen der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit. Das BMZ ist ferner in der Consultative Group der Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR) der Weltbank vertreten und unterstützt deren Treuhandfonds sowie weitere Klimarisikoinitiativen finanziell (beispielsweise das Climate Risk Early Warning Systems, CREWS). Zum besseren Katastrophenrisikomanagement trägt vor allem auch die InsuResilience-Initiative bei, die Deutschland unter seiner G7-Präsidentschaft 2015 initiiert hat.
  • Das BMZ unterstützt die Vorschläge der Schutzagenda, die von der früheren Nansen-Initiative im Oktober 2015 beschlossen wurden. Sie umfassen die folgenden prioritären Maßnahmen: den verbesserten Umgang mit Vertreibungsrisiken innerhalb betroffener Länder, die Verbesserung von humanitären Schutzmaßnahmen bei grenzüberschreitender Migration sowie die Stärkung der Daten- und Wissensbasis. Zur Umsetzung der Schutzagenda wurde eine Plattform zum Thema Vertreibung durch Naturkatastrophen (Platform on Disaster Displacement) geschaffen. Deutschland hat für die ersten anderthalb Jahre bis Ende 2017 deren Vorsitz übernommen.
  • Deutschland unterstützt die Umsetzung der New York Declaration for Refugees and Migrants von 2016 inklusive der Entwicklung eines Globalen Pakts für sichere, geordnete und reguläre Migration ("Global Compact on Migration"), in dessen Rahmen auch die nachteiligen Auswirkungen des Klimawandels als Einflussfaktor auf Migration behandelt werden sollen.
  • 2017 und 2018 haben Deutschland und Marokko den gemeinsamen Vorsitz des Global Forum on Migration and Development (GFMD) inne. Das GFMD ist aufgefordert, einen Beitrag zur inhaltlichen Ausgestaltung des Globalen Pakts für sichere, geordnete und reguläre Migration zu leisten.

Weitere Informationen

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Externe Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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