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Arbeitsfeld

Landwirtschaft und Klima

Bauern bei der Kartoffelernte in den Anden in Bolivien

Landwirtschaft und Klimawandel hängen in doppeltem Sinne zusammen. Einerseits ist die Landwirtschaft durch den Klimawandel besonders gefährdet: Wenn Wasser knapper wird, zerstörerische Regenfälle zunehmen oder Pflanzen unter veränderten klimatischen Bedingungen schlechter gedeihen, hat das starken Einfluss auf Ernten und Erträge, Erosion und Landdegradation werden weiter verschärft.

Andererseits trägt die Landwirtschaft zum Ausstoß von Treibhausgasen bei: Bei der Rinderhaltung und bei bestimmten Produktionsmethoden wie dem Nassreisanbau entsteht zum Beispiel das Treibhausgas Methan. Auch ein überhöhter Einsatz von Düngern, bestimmte Methoden der Bodenbearbeitung und die Umwandlung von Grünland in Ackerflächen schaden dem Klima. Zudem ist die Landwirtschaft aufgrund der Gewinnung neuer Ackerflächen der mit Abstand gravierendste Grund für Entwaldung.

Landwirtschaft kann aber auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten: Nachhaltiger Anbau und gute landwirtschaftliche Praktiken, wie der Einsatz von organischem Dünger oder Fruchtfolgen, Einbeziehung von Obst- und anderen Nutzbäumen, sowie gezielte Bewässerung auf Ackerflächen schonen die knapper werdenden Ressourcen Boden und Wasser. Sie erhöhen gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit und haben das Potenzial, die Emission von Treibhausgasen zu mindern. Schonende Bodenbearbeitung, zum Beispiel der Verzicht auf Pflügen, und Maßnahmen zur Erhöhung des Humusgehalts können zu einer Speicherung von Kohlenstoff in Böden führen. Dies stellt eine bislang wenig genutzte Möglichkeit mit hohem Potenzial dar, Treibhausgase im Boden zu binden.

Die Herausforderungen verschärfen sich durch das Wachstum der Weltbevölkerung: Nach aktuellen Schätzungen der Vereinten Nationen wird die Zahl der Menschen von rund 7,5 Milliarden im Jahr 2017 auf 9,7 Milliarden im Jahr 2050 steigen. Der größte Teil dieses Zuwachses wird in den Entwicklungs- und Schwellenländern stattfinden, wo am Ende des Jahrhunderts geschätzte 87 Prozent aller Menschen leben werden.

Doch bereits heute hungern über 800 Millionen Menschen. Etwa zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt, sie leiden unter "verstecktem Hunger". Das heißt, sie nehmen zwar ausreichend Energie zu sich, aber nicht genügend Nährstoffe.

Um bis zur Mitte des Jahrhunderts die dann knapp zehn Milliarden Menschen ausreichend ernähren zu können, muss die landwirtschaftliche Produktion von Nahrungsmitteln weltweit um etwa 60 Prozent steigen. Gleichzeitig müssen auch die Nahrungsmittelverluste, zum Beispiel infolge von Schädlingsbefall oder Verschmutzungen, reduziert werden.

Der notwendige Produktionsanstieg kann nur durch ganzheitliche und nachhaltige Maßnahmen in der Landwirtschaft erreicht werden, die an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst sind und dabei die Umwelt schonen. Diese Maßnahmen müssen die besonderen Produktionsbedingungen beachten – zum Beispiel in Subsahara-Afrika. Dort werden 80 Prozent der Nahrungsmittel von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern produziert. Sie sind das Rückgrat der Ernährungssicherung und müssen beim Zugang zu Land durch gesicherte Landrechte unterstützt werden, benötigen aber auch Wissen darüber, wie nachhaltig produziert werden kann.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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