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Zusammenarbeit konkret

Versicherungsmarktentwicklung in Indien, Sambia und Paraguay

Tankstelle für Autos und Tuktuks in Neu-Delhi, Indien

Indien

Im Rahmen von InsuResilience ist ein innovatives Pilotprojekt im indischen Bundesstaat Tamil Nadu geplant, das eine Naturkatastrophenversicherung mit einer Sparplankomponente sowie einer Krankengrundversicherung bündelt. Die Attraktivität für die ländlichen Kunden liegt darin, dass das Produkt ihnen helfen kann, ihre Lebensziele (zum Beispiel Hausbau, Bildung ihrer Kinder) zu erreichen und abzusichern, indem sie sich gegen plötzliche Herausforderungen wie Krankheit und Naturkatastrophen schützen.

Die Naturkatastrophenversicherung sieht einen Schutz sowohl des Vermögens als auch des Einkommens vor, was eine Produktneuheit ist. Überwiegend Arbeiter und Kleinstunternehmer wie Ladenbesitzer und auch Bauern werden von diesem Produktkonzept profitieren. Eine Mikrofinanzinstitution mit einem breiten Netzwerk von Filialen in ganz Indien und einer großen Kundenbasis wird das Produkt verkaufen und verwalten. Zurzeit wird das Produktdesign mit indischen Erstversicherern diskutiert. Parallel wird mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammengearbeitet, um mit Hilfe von Fernerkundungstechnik Flutversicherungen für die arme ländliche Bevölkerung in Indien zu konzipieren. Diese nachhaltige Klimarisikoversicherungslösung soll nach erfolgreicher Testphase auch auf andere Regionen Indiens ausgeweitet werden.

Sambia

In Sambia sind etwa zwei Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung im Agrarsektor beschäftigt. Ein Großteil der Landwirte sind Kleinbauern, die über wenige Ressourcen verfügen, um ihre Produktivität zu steigern und sich vor Produktionsrisiken zu schützen. Mit Wetterversicherungen können die Kleinbauern ihr Risiko besser steuern. Hier setzt InsuResilience an, um die nachhaltige Entwicklung des Agrarversicherungsmarktes in Sambia zu unterstützen.

Seit 2016 finanziert das BMZ Maßnahmen in Sambia, die darauf abzielen, das Versicherungsmodell der Baumwollfirma NWK Agri-Services zu stärken, die Nachhaltigkeit zu sichern und Möglichkeiten für dessen weitere Verbreitung im Land zu identifizieren. Das NWK-Versicherungsmodell zeigt, dass indexbasierte Wetterversicherungen nachhaltige Geschäftsmodelle darstellen können. Das von der GIZ durchgeführte Vorhaben unterstützt die Weiterentwicklung, Verbreitung und Ausbreitung dieses Modells auf weitere Firmen: Durch Schulungen und bessere Information der Bauern sowie die Schaffung von Aufmerksamkeit in der Bevölkerung soll das Geschäftsmodell gestärkt und Vertrauen in den Markt geschaffen werden. Langfristig ist das Ziel, dass dieses Versicherungsmodell im Vertragsanbau von anderen Agrarunternehmen im Land, aber auch darüber hinaus, nachgeahmt wird.

Das Unternehmen NWK Agri-Services bietet seinen Kleinbauern seit 2013/14 indexbasierte Wetterversicherungen an. Auf Grundlage von Satellitendaten werden Risiken abgesichert, die durch Trockenperioden, Dürre und Starkniederschläge verursacht werden. Zusätzlich werden Lebensversicherungen angeboten. Dieses freiwillige Versicherungsmodell erfordert keine Prämienzuschüsse. NWK finanziert die Versicherungsprämie zusammen mit anderen landwirtschaftlichen Inputs im Rahmen eines "Vertragsbauernmodells" für die Kleinbauern vor. Diese stimmen im Gegenzug zu, ihre Baumwolle am Ende der Saison an NWK zu verkaufen. Der Verkaufserlös und die potenziellen Auszahlungen der Wetterversicherung werden verwendet, um das Darlehen abzubezahlen. Überschüsse werden direkt an die Kleinbauern gezahlt. Während der Saison 2015/2016 entschieden sich 52.000 von 70.000 Kleinbauern, das Versicherungsproduktbündel von NWK zu kaufen. Im Jahr 2016 erhielten mehr als 23.000 Kleinbauern Auszahlungen von insgesamt über 200.000 US-Dollar nach einer großen Dürre.

Versicherungen bieten die Möglichkeit einer aktiven Risikovorsorge, insbesondere wenn ein gutes Verständnis der Produkte vorhanden ist. Durch die Förderung des BMZ werden das Verständnis und das Vertrauen der Bevölkerung für und in die Versicherungsprodukte gestärkt und ein inklusives Finanzsystem befördert. Die Bauern sind zufrieden und schätzen die angebotenen Versi-cherungen. Das Produkt von NWK erlaubt den Kleinbauern, höhere Risiken einzugehen und mehr Baumwolle anzubauen. Dieses Vertrauen schlägt sich in einer größeren Ankaufsmenge von Baumwolle für NWK nieder und stärkt auch das Geschäftsmodell des sambischen Agrarunternehmens. Ziel der BMZ-Förderung ist eine stabile Marktentwicklung, die zu nachhaltigem Wachstum und Beschäftigung beiträgt.


Paraguay

InsuResilience unterstützt in Ost-Paraguay ein Projekt, das darauf abzielt, innovative indexbasierte Wetterversicherungsprodukte basierend auf Satellitendaten zu entwickeln.

Kunden einer paraguayischen Mikrofinanzinstitution sollen gegen extreme Wetterereignisse wie Dürre oder extremen Regen abgesichert werden. Die Versicherung wird an Kredite gekoppelt und an Mais- und Soja-Bauern verkauft. Die Mikrofinanzinstitution hat eine breite Kundenbasis und zahlreiche Mitarbeiter und Niederlassungen. Das Versicherungsmodell wird zusammen mit nationalen Institutionen und privaten Akteuren entwickelt. Das Versicherungsprodukt soll erst in ausgewählten Departamentos angeboten werden, um es in den folgenden Jahren auf weitere Regionen ausweiten zu können.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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