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Klimarisikoversicherungen

Überschwemmung in der Regenzeit in Bentiu, Südsudan

Der Klimawandel beeinflusst die Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse weltweit. Besonders betroffen sind Entwicklungs- und Schwellenländer, denn die Veränderungen des Klimas drohen, bereits erreichte Entwicklungserfolge zunichtezumachen.

So verursachte der Tropensturm "Irma" im September 2017 schwere Verwüstungen: Auf der Karibikinsel Barbuda wurden 95 Prozent der Gebäude zerstört, tausende Menschen in der Region obdachlos. Auch die finanziellen Schäden solcher Ereignisse sind oftmals enorm: Die wirtschaftlichen Verluste infolge des Wirbelsturms "Matthew" im Jahr 2016 beliefen sich auf ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts von Haiti – Geld, das dann für Investitionen in Gesundheit, Bildung oder ländlicher Entwicklung fehlte.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich weltweit für Klimarisikomanagement. Doch auch gute Risikoanalysen und Präventionsmaßnahmen können Schäden durch Extremwetterereignisse nicht völlig verhindern. Zu einem umfassenden Klimarisikomanagement gehören daher auch Strategien für den Umgang mit Risiken wie beispielsweise Viehverluste oder beschädigte Infrastruktur, die durch den Klimawandel häufiger auftreten können. Klimarisikoversicherungen sind ein solches Instrument, das betroffene Menschen im Umgang mit den Folgen extremer Wetterereignisse unterstützt.

InsuResilience Global Partnership – A platform for action

InsuResilience Global Partnership für Risikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen

Zwischen 1980 und 2012 entstanden in Schwellen- und Entwicklungsländern zehn Prozent der gesamten, aber nur ein Prozent der versicherten Schäden weltweit. Jedes Jahr rutschen 26 Millionen Menschen durch Extremwetter in die Armut ab. Viele verlieren nicht nur ihr Hab und Gut, sondern durch ausbleibende Ernten oder Viehsterben auch ihre Einkommensgrundlage. Krankheiten, Mangelernährung und erzwungene Migration können die Folge sein.

Hier setzt die von der Bundesregierung unterstützte "Globale Partnerschaft für Risikofinanzierung und Versicherungen für Klima- und Katastrophenrisiken", die InsuResilience Global Partnership, an. Dort sitzen Vertreter der G20, der 20 einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer, zusammen mit Vertretern der V20, der knapp 50 ärmsten und verwundbarsten Länder der Welt, sowie Vertreter internationaler Organisationen, der Privatwirtschaft, der Zivilgesellschaft und der Forschung an einem Tisch. Gemeinsam entwickeln und realisieren sie Lösungen für Risiken, die durch den Klimawandel und Naturkatastrophen entstehen.

Die Globale Partnerschaft basiert auf der 2015 in Elmau gegründeten G7-Initiative "InsuResilience", die zum Ziel hat, zusätzlich 400 Millionen arme und verwundbare Menschen bis 2020 gegen Klimarisiken zu versichern. Die Globale Partnerschaft arbeitet außerdem dafür, die Resilienz der Länder insgesamt zu stärken und neue Lösungen für Klimarisikofinanzierung und Versicherungen anzubieten.

Seit 2015 wurden für die Umsetzung der InsuResilience-Initiative 700 Millionen US-Dollar bereitgestellt. Im Oktober 2018 hat die Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien und der Weltbank ein neues Finanzierungsinstrument gegründet, die Global Risk Financing Facility (GRiF). Sie soll mit 145 Millionen US-Dollar einen zentralen Beitrag zur Umsetzung der InsuResilience Global Partnership leisten.

Logo: InsuResilience Global Partnership
Infografik zum Thema "InsuResilience"
  • Sturmschäden auf der Karibikinsel Dominica nach dem Hurrikan "Maria" im September 2017
    Im Detail: InsuResilience Global Partnership

    Eine globale Partnerschaft im Rahmen der G20 und der V20

    Während der deutschen G20-Präsidentschaft nahm das Thema Klimarisikofinanzierung und Versicherungen einen prominenten Platz auf der Agenda der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ein.

  • Sturmschäden auf der Karibikinsel St. Lucia
    Entstehungsgeschichte

    Die InsuResilience-Initiative

    Auf Vorschlag des BMZ gründeten die G7-Staaten 2015 in Elmau die InsuResilience-Initiative. Bei der Klimakonferenz in Bonn 2017 (COP23) ist sie in die umfassendere InsuResilience Global Partnership übergegangen.

Sturmschäden auf der Karibikinsel Dominica nach dem Hurrikan "Maria" im September 2017
Im Detail: InsuResilience Global Partnership

Eine globale Partnerschaft im Rahmen der G20 und der V20

Während der deutschen G20-Präsidentschaft nahm das Thema Klimarisikofinanzierung und Versicherungen einen prominenten Platz auf der Agenda der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ein. Zentrales Anliegen des Aktionsplans für Klima und Energie vom G20-Gipfel 2017 in Hamburg ist die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der ärmsten und gefährdetsten Menschen. Dazu gehört auch der weitere Ausbau von Finanzierungs- und Versicherungslösungen gegen Klimarisiken.

Die G20-Staaten befürworteten deshalb die Gründung einer "Globalen Partnerschaft für Finanzierungs- und Versicherungslösungen für Klima- und Katastrophenrisiken", die auf die 2015 in Elmau gegründete G7-Initiative "InsuResilience" aufbauen sollte. Gleichzeitig äußerten die V20, die Gruppe der knapp 50 verwundbarsten Entwicklungsländer, ihr Interesse einer verstärkten Zusammenarbeit mit den G20 bei diesem Thema.

Bei der Klimakonferenz 2017 in Bonn startete das BMZ dann gemeinsam mit Fidschi, Äthiopien, der Weltbank und Großbritannien offiziell die Globale Partnerschaft für Finanzierungs- und Versicherungslösungen für Klima- und Katastrophenrisiken – die InsuResilience Global Partnership – als gemeinsame Initiative von G20 und V20.

Resilienz gegen Klimarisiken stärken

Die Globale Partnerschaft hat das Ziel, die Resilienz der ärmsten und verwundbarsten Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern gegen Klimarisiken zu stärken: Regierungen und Haushalte sollen durch den Ausbau von Instrumenten der Klimarisikofinanzierung und Versicherung in die Lage versetzt werden, schneller und gezielter nach einer Naturkatastrophe reagieren zu können und so mögliche Folgekosten zu minimieren. Zum anderen sollen die Regierungen mit den richtigen Anreizen dabei unterstützt werden, sich besser auf Risiken durch den Klimawandel vorzubereiten, indem Notfallpläne erstellt und beispielsweise Saatgutvorräte angelegt werden.

Expertise und Erfahrungen aller wichtigen Akteure bündeln

Dafür soll die Globale Partnerschaft unter ihrem Dach Expertise und Erfahrungen aller wichtigen Akteure bündeln. Die Partnerschaft bringt deshalb Vertreter aus Entwicklungs- und Industrieländern, internationalen Organisationen und Entwicklungsbanken, dem Privatsektor, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Ansätze zur finanziellen Absicherung von Klima- und Naturkatastrophenrisiken und setzen sie um – jeweils zugeschnitten auf landesspezifische Bedürfnisse und Herausforderungen der besonders armen Bevölkerung.

Mehr als 50 Partner wie Nationalstaaten, internationale und zivilgesellschaftliche Organisationen, Vertreter aus Privatwirtschaft und Wissenschaft, Durchführungsorganisationen, Initiativen und Entwicklungsprogramme haben sich der InsuResilience Global Partnership bereits angeschlossen.

Mit der Partnerschaft erhält InsuResilience eine breitere Basis: Angestrebt wird, über das InsuResilience-Ziel von 400 Millionen Versicherten bis 2020 hinaus die Resilienz der Länder insgesamt zu stärken und die Schutzlücke weiter zu schließen.

Die Globale Partnerschaft wird durch ein hochrangiges Steuerungsgremium strategisch geleitet. Umgesetzt wird sie zum einen durch das "Partnership Forum", einem Expertennetzwerk zum Erfahrungsaustausch, und zum anderen durch die "Program Alliance" zur Finanzierung und Beratung von Entwicklungsländern und zur Koordinierung der Geberprogramme.

Detaillierte Informationen zur Partnerschaft sind im Joint Statement InsuResilience Global Partnership und in der entsprechenden Concept Note enthalten.

Welche Vorhaben unterstützt die InsuResilience Global Partnership?

Das ehrgeizige Ziel der Globalen Partnerschaft soll durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen in unterschiedlichen Regionen erreicht werden: Im Fokus steht zum einen die Ausweitung bereits etablierter indirekter Risikoversicherungen sowie die Entwicklung neuer Versicherungsansätze und zum anderen die Ausweitung von Risikofinanzierung durch Nationalstaaten in gefährdeten Regionen. Ergänzt wird dies durch Maßnahmen zur Entwicklung von Versicherungsmärkten, Anpassungsmaßnahmen und Kapazitätsaufbau in armen und verwundbaren Ländern.

Weitere Informationen zu den von InsuResilience geförderten Projekten finden Sie auch auf der Internetseite der Initiative: www.insuresilience.org (englisch)

Was wurde bisher erreicht?

Die G7-InsuResilience-Initiative hat seit ihrer Gründung große Fortschritte erzielt: Auf Basis von 700 Millionen US-Dollar an Zusagen bis 2018 konnten vorhandene Versicherungsansätze ausgeweitet und neue entwickelt werden.

Durch neue Mittel sollen Nationalstaaten dabei unterstützt werden, ihre Risikofinanzierungen auszuweiten, damit sie mit umfassenden Strategien zum Risikomanagement besser gegen Naturkatastrophen und die negativen Auswirkungen des Klimawandels gewappnet sind.

Im Oktober 2018 hat die Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien und der Weltbank ein neues Finanzierungsinstrument gegründet, die Global Risk Financing Facility (GRiF). Sie soll einen zentralen Beitrag zur Umsetzung der InsuResilience Global Partnership leisten.

Sturmschäden auf der Karibikinsel St. Lucia
Entstehungsgeschichte

Die InsuResilience-Initiative

Auf Vorschlag des BMZ gründeten die G7-Staaten 2015 in Elmau die InsuResilience-Initiative. Ihr Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 zusätzlich 400 Millionen armen und verwundbaren Menschen in Entwicklungsländern Versicherungsschutz gegen Klimarisiken zu ermöglichen. Bei der Klimakonferenz in Bonn 2017 (COP23) ist sie in die umfassendere InsuResilience Global Partnership übergegangen.

So wie die InsuResilience-Initiative wird auch die InsuResilience Global Partnership in enger Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern umgesetzt, insbesondere mit der V20-Gruppe, den knapp 50 verwundbarsten Entwicklungsländern weltweit. Weitere wichtige Partner sind die Zivilgesellschaft, die Versicherungswirtschaft, internationale Organisationen, Entwicklungsbanken und die Wissenschaft.

Bei den Klimaverhandlungen in Paris 2015 (COP21) sagten die G7-Staaten eine erste Unterstützung von 420 Millionen US-Dollar für InsuResilience zu. Das Fördervolumen der Initiative erhöhte sich seither auf etwa 700 Millionen US-Dollar.

Logo von InsuResilience

Was ist eine Klimarisikoversicherung?

Klimarisikoversicherungen bieten finanziellen Schutz gegen die negativen Folgen von Extremwetterereignissen, die durch den Klimawandel immer häufiger und intensiver werden. Bei direkten Versicherungen sichern sich Privatpersonen oder Unternehmen gegen Risiken ab – zum Beispiel gegen Ernteausfälle. Im Schadensfall erhalten sie direkt Hilfe.

Bei indirekten Versicherungen sind es Staaten, die sich einzeln oder in sogenannten Risikopools gegen Klimarisiken absichern. Im Schadensfall erhalten sie schnell finanziellen Ausgleich, den sie für die betroffene Bevölkerung einsetzen, besonders für arme und verwundbare Menschen.

Überschwemmung in Mosambik. Menschen auf dem Weg zu einer Sammelstelle am Save-Fluss.

Was versteht man unter Risikofinanzierung?

Eine wirksame Risikofinanzierung umfasst eine Reihe verschiedener Instrumente, die den Finanzierungsbedarf unterschiedlich starker und häufiger Extremwetterereignisse abdecken können. Klimarisikofinanzierung ist dann am wirksamsten, wenn sie in eine umfassende Risikomanagementstrategie eines Landes eingebettet und in die Budget- und Kreditlinien eines Staatshaushaltes einkalkuliert ist.

Über Klimarisikofinanzierung haben Regierungen im Falle einer Katastrophe schnellen Zugriff auf finanzielle Mittel. Das entlastet den Staatshaushalt und schafft Sicherheit und Planbarkeit. Dabei ist es zentral, dass vorab definiert wird, wie im Katastrophenfall die Auszahlung der Mittel erfolgen soll, damit die ärmsten und verwundbarsten Bevölkerungsgruppen auch davon profitieren.

Eine Bäuerin mit ihrer Ziegenherde im Nordwesten Kenias, der von Dürre betroffen ist

Wozu werden Risikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen gebraucht?

Schnelle Nothilfe und rascher Wiederaufbau

Versicherungen und Risikofinanzierung ermöglichen schnelle Nothilfe und raschen Wiederaufbau nach einer Katastrophe. Während die Staatengemeinschaft und Hilfsorganisationen nach einer Katastrophe mühsam Geld einsammeln, verstreicht wertvolle Zeit. Oft dauert es Wochen oder gar Monate, bis die Betroffenen Hilfe erhalten. Immer mehr Regierungen erkennen den Vorteil von vorsorgendem und somit kosteneffizienterem Handeln, weil Naturereignisse im Zuge des Klimawandels häufiger und intensiver werden. Sie beziehen diese Risiken vorab in ihre Finanzplanung ein, um Menschenleben, Existenzen, aber auch den nationalen Haushalt vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen.

Durch den vorausschauenden Charakter von Risikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen kann so in Notsituationen schon nach wenigen Tagen Geld an Betroffene ausgezahlt werden. Das rettet Leben und Besitz und sichert Entwicklungserfolge ab. Risikofinanzierung und Versicherungen tragen somit zu Armutsminderung, nachhaltiger Entwicklung und auch zur Bekämpfung von ökonomischen Fluchtursachen bei.

Anspruch auf Ersatz erlittener Schäden

Klimarisikoversicherungen geben Versicherungsnehmern Sicherheit, dass sie nach einer Katastrophe auch wirklich Hilfe bekommen: Dadurch erwerben sie Ansprüche auf den Ersatz erlittener Schäden. Die Betroffenen sind dann nicht mehr länger in der Rolle eines Bittstellers und können selbst dazu beitragen, ihre Existenzgrundlage zu sichern.

Anreize für vorbeugendes und risikominderndes Verhalten

Risikofinanzierung und Versicherungen schaffen darüber hinaus Anreize für vorbeugendes und risikominderndes Verhalten – auf Regierungs- und auf individueller Ebene: So erfolgt der Abschluss einer Dürreversicherung beispielsweise auf Basis einer systematischen Risikobewertung. Durch risikomindernde Maßnahmen, wie zum Beispiel Anbau einer dürreresistenteren Frucht, kann die Höhe der Versicherungsprämie reduziert werden. Das fördert das Bewusstsein für die Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen und Risikovorsorge für den Fall einer Katastrophe. Zudem verlangen regionale Risikopools die Entwicklung von Notfallplänen als Vorbedingung für einen Versicherungsabschluss. Die Notfallpläne sorgen dafür, dass ausgezahlte Mittel effektiv eingesetzt werden. Im Schadensfall können Auszahlungen rasch der notleidenden Bevölkerung zugutekommen.

Öffentlich-private Partnerschaften

Auch über öffentlich-private Partnerschaften können Ressourcen der Versicherungswirtschaft in den Dienst von Klimaanpassung und Entwicklung gestellt werden. So kann die Privatwirtschaft ihre Expertise sowie ihren Zugang zu Daten, Risikomodellen und Kapital für Klimarisikoversicherungen zugunsten von armen und verwundbaren Menschen nutzbar machen. Instrumente zur Fernerkundung ermöglichen beispielweise eine rasche und flächendeckende Ermittlung von Schäden nach einem Extremwetterereignis. Die Entwicklung von lokalen Versicherungsmärkten wird dadurch ebenso unterstützt.

Indirekte Versicherungsansätze

African Risk Capacity (ARC)

Deutschland hat beim Aufbau von drei regionalen Risikopools in Afrika, in der Karibik und im Pazifik wesentlich mit gewirkt. In Afrika gibt es die Dürreversicherung African Risk Capacity (ARC). Eine Besonderheit der ARC liegt darin, dass jede Regierung einen Notfallplan ausarbeitet und darin im Vorhinein festlegt, wie Versicherungszahlungen im Katastrophenfall eingesetzt werden. Auf diese Weise kann der betroffenen Bevölkerung besonders schnell und gezielt geholfen werden. Perspektivisch werden neue Versicherungsprodukte für Flut und Starkwinde für die afrikanischen Länder entwickelt.

Das BMZ unterstützt zudem Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) oder das Start Network dabei, selbst Versicherungsnehmer bei der African Risk Capacity zu werden. So lassen sich im Schadensfall zusätzlich Mittel ausschütten, die das WFP oder andere Organisationen dann einsetzen können (sogenannte ARC Replica). Dadurch werden Klimarisikoversicherungen zu einem wichtigen Baustein bei der Reform des humanitären Nothilfesystems hin zu einer vorausschauenderen Handlungsweise unterstützt.

Pacific Catastrophe Risk Assessment and Financing Initiative (PCRAFI)

Im Jahr 2016 gründeten die G7-Staaten Deutschland, Großbritannien, USA und Japan gemeinsam mit den pazifischen Inselstaaten und der Weltbank eine neue Risikoversicherungsgesellschaft, die Pacific Catastrophe Risk Assessment and Financing Initiative (PCRAFI). Sie bietet Versicherungsprodukte gegen tropische Wirbelstürme und Erdbeben an. Versicherungsnehmer sind derzeit fünf Inselstaaten: Cookinseln, Vanuatu, Tonga, Marshallinseln und Samoa. So erhielt beispielsweise Anfang 2018 Tonga über PCRAFI bereits sieben Tage nach Zyklon "Gita" eine Auszahlung von 3,5 Millionen US-Dollar.

Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF)

Die Versicherungsfazilität Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) in der Karibik wurde mithilfe von InsuResilience auf Mittelamerika ausgeweitet: 2016 trat Nicaragua als erstes mittelamerikanisches Land bei. Die CCRIF bietet Absicherung gegen Wirbelstürme, Erdbeben und Starkregen. Nach dem Wirbelsturm "Matthew" 2016 erhielt Haiti dadurch mehr als 23,4 Millionen US-Dollar innerhalb von 14 Tagen. Gelder, mit denen unter anderem Nahrungsmittel und Notunterkünfte für 1,4 Millionen Menschen bereitgestellt, Medikamente für Kinder gekauft und Dächer von Schulen, Kirchen und Gerichten erneuert wurden.

Zuletzt erhielten Antigua und Barbuda, Anguilla, St. Kitts und Nevis, Turks- und Caicosinseln, Haiti, die Bahamas und Dominica im September 2017 nach den verheerenden Wirbelstürmen "Irma" und "Maria" mehr als 50 Millionen US-Dollar. Damit hat die CCRIF seit ihrer Gründung im Jahr 2007 knapp 100 Millionen US-Dollar zur raschen Bewältigung der Folgen von Extremwetter ausgezahlt.

Vom Erdbeben zerstörtes Haus in Haiti

Direkte Versicherungsansätze

Im Rahmen der InsuResilience Global Partnership werden Politikempfehlungen für Versicherungsmärkte in Entwicklungsländern erarbeitet. Private Unternehmen sind dabei wichtige Partner – nicht nur, weil sie Risikokapital bereitstellen können, sondern auch, weil sie über Wissen und Daten sowie innovative Technologien verfügen.

Die Globale Partnerschaft fördert zudem die Entwicklung nachhaltiger Klimarisikoversicherungslösungen für private Marktteilnehmer wie Versicherer oder für Regierungsinstitutionen, indem sie Informationskampagnen für die breite Bevölkerung entwirft und innovative Ansätze (wie mobile Technologien) zur Absicherung der armen und verwundbaren Bevölkerung unterstützt.

Nomade mit Wasserkanister in Kenia
  • Dorf in der Somali-Region in Äthiopien, in dem sich wegen der anhaltenden Dürre Nomaden angesiedelt haben
    Afrika: Zusammenarbeit konkret

    Policen gegen Dürrefolgen

    Afrikanische Länder sind besonders von Dürren bedroht, die infolge des Klimawandels weiter zunehmen werden. Ansätze, die wirtschaftlichen Folgen zu mindern oder aufzufangen, gab es bisher kaum. Doch das ändert sich gerade.

  • Überschwemmung in der peruanischen Stadt Piura im März 2017
    Peru: Zusammenarbeit konkret

    InsuResilience Investment Fund

    Im Frühjahr 2017 wurde Peru von den schwersten Regenfällen und Erdrutschen seit 1998 heimgesucht. Öffentliche Einrichtungen, darunter auch Krankenhäuser, standen unter Wasser, Häuser wurden zerstört und kleine Dörfer waren teilweise komplett isoliert.

  • Sensibilisierungsmaßnahmen zu Wetterversicherungen in Mumbwa, Sambia
    Zusammenarbeit konkret

    Entwicklung von Versicherungsmärkten

    Im Rahmen der InsuResilience Global Partnership fördert das Bundesentwicklungsministerium Maßnahmen zur Entwicklung der Versicherungsmärkte in Indien, Sambia, Paraguay und Madagaskar.

  • Reisernte in Bangladesch
    Indien: Zusammenarbeit konkret

    Satellitentechnologie schützt Reisbauern vor Ernteausfällen

    Im Jahr 2017 erhielten mehr als 200.000 Kleinbauern und -bäuerinnen im indischen Bundesstaat Tamil Nadu nach einer extremen Dürre Kompensationszahlungen. Gemessen wurden die Schäden dabei schnell und präzise mittels Satellitentechnologie.

Dorf in der Somali-Region in Äthiopien, in dem sich wegen der anhaltenden Dürre Nomaden angesiedelt haben
Afrika: Zusammenarbeit konkret

Policen gegen Dürrefolgen

Afrikanische Länder sind besonders von Dürren bedroht, die infolge des Klimawandels weiter zunehmen werden. Ansätze, die wirtschaftlichen Folgen zu mindern oder aufzufangen, gab es bisher kaum. Doch das ändert sich gerade.

Im Rahmen der InsuResilience Global Partnership unterstützt die Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien die African Risk Capacity (ARC). Im Fall einer Dürre finanziert die ARC ein vorab mit dem Land vereinbartes und durch ein unabhängiges Expertengremium geprüftes Notfallprogramm. Die Versicherung ist außerdem so gestaltet, dass sie Anreize schafft, die Widerstandsfähigkeit gegen Dürren zu steigern und damit das Risiko künftiger Schäden zu senken.

Im Jahr 2015 trat der erste Schadensfall ein: 1,3 Millionen von Dürre betroffene Menschen in Niger, Mauretanien und Senegal erhielten dank der Auszahlung von ARC Hilfen für Nahrungsmittel und Viehfutter in Höhe von 26 Millionen US-Dollar. Etwa 500.000 Nutztiere konnten gerettet werden.

Alle Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union können sich über die ARC absichern. Zurzeit sind mit Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Senegal und Gambia fünf afrikanische Länder gegen Dürre versichert.

Neue Versicherungsprodukte, etwa gegen Überschwemmungen und Starkwinde, werden perspektivisch entwickelt. Sie helfen den Staaten, kurzfristig auf Extremwetterereignisse zu reagieren. Davon profitieren besonders die Kleinbauern, für die schon eine zerstörte Ernte zu einer Überlebensfrage werden kann.

Überschwemmung in der peruanischen Stadt Piura im März 2017
Peru: Zusammenarbeit konkret

InsuResilience Investment Fund

Der Klimawandel macht sich bemerkbar. So auch in Peru: Im Frühjahr 2017 wurde das Land von den schwersten Regenfällen und Erdrutschen seit 1998 heimgesucht. Öffentliche Einrichtungen, darunter auch Krankenhäuser, standen unter Wasser, Häuser wurden zerstört und kleine Dörfer waren teilweise komplett isoliert. Über eine halbe Millionen Menschen waren von den Überschwemmungen betroffen, mindestens 70 von ihnen sind dabei ums Leben gekommen. Unter den Langzeitfolgen leiden besonders Kleinbauern und kleinere Unternehmen, die durch die Katastrophe ihren Lebensunterhalt teilweise ganz verloren haben.

Gegen die Auswirkungen von Überflutungen, Starkwinden und Dürren sind die meisten Menschen in Entwicklungsländern nicht abgesichert, sondern dann schnell von Armut bedroht. Bei jedem Sturm und jedem Regenschauer fürchten sie um den Ausfall ihrer Ernte. Doch wer zahlt am Ende für gebrochene Dämme, zerstörte Gebäude und Ernten?

Der InsuResilience Investment Fund (IIF), von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit 2015 gegründet, unterstützt die Einführung und Weiterentwicklung von Versicherungsprodukten, die unter anderem in Peru Menschen vor Klimaschäden absichern. Der IIF investiert in Versicherungsunternehmen und Finanzinstitutionen vor Ort wie zum Beispiel in die lokale Mikrofinanzinstitution Caja Sullana und unterstützt diese mit technischer Expertise.

So hilft der IIF der Caja Sullana, Versicherungen gegen die Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren für Kleinbauern und kleine bis mittelgroße Unternehmen anzubieten. Insgesamt erhielten 466 Bauern und Kleinunternehmen in Folge von zwei Überflutungen, darunter auch die vom März 2017, und einer Dürre Versicherungsleistungen in Höhe von 630.000 US-Dollar. Die Kleinbauern konnten damit ihre Felder neu anlegen und erneut aussäen, Unternehmen konnten beschädigte Gebäude reparieren.

Bisher stellte der IIF 54 Millionen US-Dollar sowie technische Unterstützung für elf qualifizierte Versicherer und Unternehmen bereit, die armen und verwundbaren Haushalten und kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern Versicherungslösungen für Klimarisiken anbieten.

Um künftig noch mehr Versicherungsprodukte auf den Weg zu bringen, können seit Mitte 2017 auch private Anleger in den IIF investieren. 30 Millionen US-Dollar kamen seither von drei privaten Investoren. Perspektivisch sollen rund 100 Millionen arme und vulnerable Menschen in Entwicklungsländern durch heutige und zukünftigen Investitionen des IIF abgesichert werden.

Sensibilisierungsmaßnahmen zu Wetterversicherungen in Mumbwa, Sambia
Indien/Sambia/Paraguay/Madagaskar: Zusammenarbeit konkret

Entwicklung von Versicherungsmärkten

Im Rahmen der InsuResilience Global Partnership fördert das Bundesentwicklungsministerium Maßnahmen zur Entwicklung der Versicherungsmärkte in Indien, Sambia, Paraguay und Madagaskar.

Indien

Ein im Rahmen der InsuResilience Global Partnership gefördertes Projekt in Indien zielt darauf ab, den Markt durch die Einführung innovativer Klimarisikoversicherungen nachhaltiger zu gestalten. Innovation bedeutet in diesem Zusammenhang, Versicherungen für arme und verwundbare Menschen erschwinglicher und zugänglicher zu machen, indem etwa die Zielgruppe über Landwirte hinausreicht, indem neue Technologien eingeführt oder der Versicherungsschutz ausgeweitet wird.

Die Aktivitäten in Indien teilen sich in zwei Hauptstränge: Der erste konzentriert sich darauf, gleich ein ganzes Bündel an neuen Produkten einzuführen. Es umfasst einen individuellen Sparplan, eine Kreditkomponente und eine Naturkatastrophen-Versicherung. Dadurch können Kunden ihre langfristigen Sparziele erreichen, während die Naturkatastrophen-Versicherung nach Extremwetterereignissen finanzielle Schocks abfedert. Die Versicherung deckt monatliche Sparbeiträge und monatliche Kreditraten sowie optional den Verlust des Hauses ab – eine Neuheit in Indien. Als Kunden bieten sich in erster Linie Landwirte, in geringerem Umfang auch Arbeiter und Kleinstunternehmer an.

Der zweite Strang hat das Ziel, eine satellitenbasierte Flutindexversicherung zu entwickeln. Erste Arbeiten, um Hochwasserereignisse auf Basis von frei verfügbaren Satellitendaten zu kartieren, wurden gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt. Dabei soll eine automatisierte Hochwasserdetektion entstehen, auf deren Grundlage Versicherungszahlungen erfolgen können. Eine satellitenbasierte Flutindexversicherung ermöglicht es einkommensschwachen Haushalten in Entwicklungs- und Schwellenländern, sich kostengünstiger und umfassender abzusichern.

Sambia

In Sambia sind 53 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. Bei einem Großteil davon handelt es sich um Kleinbauern mit weniger als fünf Hektar Land, die oft kaum die Möglichkeit haben, ihre Produktivität zu steigern oder sich vor Produktionsrisiken zu schützen. Wetterereignisse wie ein verspäteter Beginn der Regenzeit, Dürreperioden, unzureichender und unregelmäßiger Regen, aber auch übermäßiger Regen können zu hohen Ernteverlusten führen, die die Kleinbauern nicht abfedern können.

Wetterversicherungen können dabei helfen, diese Risiken zu reduzieren und die Widerstandsfähigkeit der Landwirte zu stärken. Hier setzt ein im Rahmen der InsuResilience Global Partnership gefördertes Projekt an, um die nachhaltige Entwicklung des Agrarversicherungsmarktes in Sambia zu unterstützen.

Die Baumwollfirma NWK Agri-Services (NWK) bietet Kleinbauern seit einigen Jahren indexbasierte Wetterversicherungen bei Trockenperioden, Dürren und Starkniederschlägen an, die auf Satellitendaten basieren. Zusätzlich werden Lebensversicherungen angeboten.

Dieses freiwillige Versicherungsmodell erfordert keine Prämienzuschüsse. NWK finanziert die Versicherungsprämie zusammen mit anderen landwirtschaftlichen Betriebsmitteln wie Saatgut und Düngemittel im Rahmen des Vertragsanbaus für die Kleinbauern vor.

Diese stimmen im Gegenzug zu, ihre Baumwolle am Ende der Saison an NWK zu verkaufen. Der Verkaufserlös und die potenziellen Auszahlungen der Wetterversicherung werden verwendet, um den Kredit abzubezahlen; Überschüsse gehen direkt an die Kleinbauern.

Durch die Absicherung haben die Kleinbauern das Vertrauen, mehr zu investieren, was sich in einer größeren Ankaufsmenge von Baumwolle für NWK niederschlägt und somit das Geschäftsmodell des sambischen Agrarunternehmens stärkt.

Während der Saison 2015/2016 entschieden sich 52.000 von 70.000 Kleinbauern für das Versicherungsproduktbündel. Mehr als 23.000 Kleinbauern erhielten aufgrund einer Dürre eine Auszahlung.

Seit 2016 finanziert das BMZ Maßnahmen in Sambia, die darauf abzielen, das Versicherungsmodell der Baumwollfirma NWK zu stärken, deren Nachhaltigkeit zu sichern und Möglichkeiten für eine weitere Verbreitung im Land zu identifizieren. Ergänzende Schulungen, bessere Informationen für Bauern und mehr Aufmerksamkeit in der Bevölkerung sollen zusätzliches Vertrauen in den Markt schaffen.

Ziel ist es, dass andere dieses Versicherungsmodell nachahmen und so mehr Kleinbauern Zugang zu Wetterversicherungen erhalten. Das Beispiel NWK zeigt: Indexbasierte Wetterversicherungen können nachhaltige Geschäftsmodelle für Agrarunternehmen darstellen.

Paraguay

Für Paraguays rund sieben Millionen Einwohner ist die Landwirtschaft einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Land. Sie macht etwa 26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und bietet rund 40 Prozent der Bevölkerung Arbeit. Knapp ein Drittel der armen Bevölkerung des Landes lebt in ländlichen Gebieten und sieht sich zunehmend mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Laut der internationalen Desasterdatenbank EM-DAT sind Überschwemmungen, Stürme und Dürren die häufigsten Extremwetterereignisse in Paraguay – und ihre Häufigkeit nimmt genauso zu, wie die Schäden, die sie anrichten.

Um die Resilienz der ländlichen Bevölkerung gegenüber Katastrophen zu stärken, fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit dem Vorhaben "FortaleceRES" seit 2016 die Entwicklung von Agrar-, Klima- und Lebensversicherungen in Ostparaguay. Es richtet sich vornehmlich an kleine Betriebe, häufig an solche, die von Frauen oder indigenen Gemeinschaften bewirtschaftet werden.

Konkret entwickelt die staatliche Landwirtschaftsbank (Crédito Agrícola de Habilitación, CAH) indexbasierte Wetterversicherungen für ihre Kreditnehmer. Im Fall eines Extremwetterereignisses erhalten sie Auszahlungen und können dadurch schneller und gezielter auf die Katastrophe reagieren. Negative Bewältigungsstrategien, wie etwa der Verkauf von Vieh, bleiben dadurch aus.

Ein anderer Schlüsselpartner des Vorhabens ist das Ministerium für soziale Maßnahmen (Secretaría de Acción Social, SAS). Die 13.000 Begünstigten einer Lebens- und Invaliditätsversicherung sollen durch eine Katastrophenversicherung zusätzlich gegen Starkregen oder extreme Dürre abgesichert werden. Darüber hinaus erhält das Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht (Ministerio de Agricultura y Ganadería) sowie die nationale Versicherungsaufsichtsbehörde (Superintendencia de Seguros) Beratung zu verschiedenen Arten von landwirtschaftlichen Versicherungen.

Damit leistet FortaleceRES einen Beitrag zum Ausbau der InsuResilience Global Partnership, die auf der Weltklimakonferenz 2017 in Bonn ins Leben gerufen wurde und zum Ziel hat, bis 2020 zusätzlich 400 Millionen arme und besonders verletzbare Menschen gegen Klimarisiken in Entwicklungsländern zu versichern.

Madagaskar

Madagaskar ist aufgrund seiner geographischen Lage und der Abhängigkeit seiner Bevölkerung von natürlichen Ressourcen in hohem Maße anfällig gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Besonders betroffen ist die Landwirtschaft als wichtige Wirtschaftskraft des Inselstaates. Sie stellt zugleich eine bedeutende Lebensgrundlage für den Großteil der armen Bevölkerung dar.

Seit Anfang 2018 wird im Rahmen der InsuResilience Global Partnership im Vorhaben "Anpassung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten an den Klimawandel" (PrAda) auch die Verbreitung von Klimarisikoversicherungen gefördert.

Die Entwicklung dieser innovativen Klimarisikoversicherungsprodukte findet in den drei südlichen Regionen Androy, Anosy und Atsimo-Atsinanana statt. Hauptpartner sind Versicherungsregulierer sowie nationale Versicherungsfirmen.

Die Zusammenarbeit zwischen der InsuResilience Global Partnership und PrAda besteht darin, fachliche Unterstützung für die wichtigen Etappen der Umsetzung in Madagaskar zu leisten, Zugang zu Klimadaten-Tools zu gewährleisten sowie die Ergebnisse des Projektes international zu verbreiten.

Reisernte in Bangladesch
Indien: Zusammenarbeit konkret

Satellitentechnologie schützt Reisbauern vor Ernteausfällen

Im Jahr 2017 erhielten mehr als 200.000 Kleinbauern und -bäuerinnen im indischen Bundesstaat Tamil Nadu nach einer extremen Dürre Kompensationszahlungen aus dem nationalen Ernteversicherungsprogramm. Gemessen wurden die Schäden dabei schnell und präzise mittels Satellitentechnologie, so dass die Landwirte rasch für die ausgefallene Reisernte kompensiert wurden. Grundlage bildete dabei das Projekt "RIICE".

RIICE (Remote Sensing-based Information and Insurance for Crops in Emerging Economies) hilft seit 2012 Südostasien und Indien dabei, im Falle von drohenden Ernteausfällen schnell zu reagieren und die Einkommenssicherheit von Landwirten zu erhöhen. Die Initiative, bei der Reisanbaugebiete überwacht und gegen Extremwetterereignisse abgesichert werden, ging aus einer Partnerschaft zwischen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Swiss Re Rückversicherung, dem International Rice Research Institute (IRRI), dem Software-Unternehmen sarmap und der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hervor.

Etwa 90 Prozent der weltweiten Reisproduktion kommt aus in Asien. Reis sichert dort die Existenz vieler Landwirte. Allerdings hat die gesamte Region mit extremen Wetterbedingungen zu kämpfen: Überflutungen, Taifune und Dürreperioden sind an der Tagesordnung, immer wieder werden ganze Ernten vernichtet. RIICE ermöglicht effiziente Ernteausfallversicherungen für Kleinbäuerinnen und -bauern, um im Schadensfall schnell einen finanziellen Ausgleich zu leisten und Regierungen die notwendigen Informationen für Nothilfemaßnahmen an die Hand zu geben.

Im Jahr 2015 überfluteten heftige Regenfälle ganze Regionen im indischen Bundesstaat Tamil Nadu; dabei wurde die Saat von über 400 Reisbauern vernichtet. Mithilfe der Satellitendaten konnten die Schäden innerhalb weniger Tage geschätzt, die Bauern mit neuen Setzlingen versorgt werden.

Zwei Jahre später traf es Tamil Nadu noch härter: Wegen der schlimmsten Dürreperiode seit über 140 Jahren bestand die Region nur noch aus brachem Land. Mit Informationen von RIICE wurden mehr als 200.000 Reisbauern innerhalb von drei Monaten mit durchschnittlich 195 Euro für den Ernteausfall entschädigt, was sonst bis zu einem Jahr gedauert hätte.

Gagandeep Singh Bedi, ranghöchster Regierungsbeamter für Agrarangelegenheiten im indischen Südstaat, sagte dazu: "Die RIICE-Technologie ermöglicht es uns, Ernteverluste und Schäden transparenter und zeitnah zu bewerten. Das war besonders während der letzten Erntesaison nützlich, um von Dürre betroffene Dörfer in Rekordzeit zu identifizieren."

Inhaltsverzeichnis

Themendossier "Klimawandel und Entwicklung"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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