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Deutsches Engagement

InsuResilience: Ziel und Erfolge


Auf Betreiben der Bundesregierung gründeten die G7-Staaten im Juni 2015 in Elmau die Initiative InsuResilience. Ihr Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 zusätzlich 400 Millionen armen und gefährdeten Menschen in Entwicklungsländern Versicherungsschutz gegen Klimarisiken zu ermöglichen.

Zum Zeitpunkt der Gründung der Initiative waren nur etwa 100 Millionen Menschen in Entwicklungsländern gegen klimabedingte Risiken versichert. Die Initiative InsuResilience wird in enger Zusammenarbeit mit den Partnerländern umgesetzt. Weitere wichtige Partner sind die Zivilgesellschaft, die Versicherungswirtschaft, internationale Organisationen und die Entwicklungsbanken.

Bei den Klimaverhandlungen in Paris im Dezember 2015 (COP21) sagten die G7-Staaten eine erste Unterstützung von 420 Millionen US-Dollar für InsuResilience zu. Bei der Klimakonferenz in Marrakesch im November 2016 (COP22) bekräftigten die G7 sowie zwei neue Partner (die EU-Kommission und die Niederlande) ihr Engagement und sagten zusätzliche Mittel zu: Das Fördervolumen der Initiative erhöhte sich von 420 auf 550 Millionen US-Dollar. Das BMZ stellt davon insgesamt 190 Millionen Euro zur Verfügung.


Was ist eine Klimarisikoversicherung?

Klimarisikoversicherungen bieten finanziellen Schutz gegen die negativen Folgen von Extremwetterereignissen, die durch den Klimawandel immer häufiger und intensiver werden. Bei direkten Versicherungen sichern sich Privatpersonen oder kleine Unternehmen gegen Risiken ab – zum Beispiel gegen Ernteausfälle. Im Schadensfall erhalten sie direkt Hilfe.

Bei indirekten Versicherungen sind es Staaten, die sich in sogenannten Risikopools gegenseitig gegen Klimarisiken absichern. Im Schadensfall erhalten sie schnell Auszahlungen, die sie an die betroffene Bevölkerung weiterleiten.


Warum wird eine Initiative zu Klimarisikoversicherungen gebraucht?

Versicherungen ermöglichen schnelle Nothilfe und zeitnahen Wiederaufbau nach Katastrophen. Während die internationale Staatengemeinschaft und Hilfsorganisationen nach einer Katastrophe mühsam Geld einsammeln, verstreicht wertvolle Zeit. Oft dauert es Wochen oder gar Monate, bis die Betroffenen Hilfe erhalten. Klimarisikoversicherungen können schon nach einigen Tagen auszahlen. Das rettet Leben und Besitz und sichert Entwicklungserfolge ab. Versicherungen sind somit ein Beitrag zu Armutsminderung, nachhaltiger Entwicklung und auch zur Bekämpfung von ökonomischen Fluchtursachen.

Klimarisikoversicherungen geben den Versicherungsnehmern Sicherheit, nach einer Katastrophe auch wirklich Hilfe zu bekommen: Mit dem Abschluss einer solchen Versicherung erwerben sie Rechtsansprüche auf den Ersatz erlittener Schäden. Die Betroffenen sind dadurch nicht mehr länger in der Rolle eines Bittstellers und können selbst dazu beitragen, ihre Existenzgrundlage zu sichern.

Versicherungen schaffen darüber hinaus Anreize für vorbeugendes und risikominderndes Verhalten. Durch risikomindernde Maßnahmen, wie zum Beispiel die Befestigung der Küstenlinie durch Deiche, kann die Höhe der Versicherungsprämie reduziert werden. Der Abschluss einer Versicherung erfolgt auf Basis einer systematischen Risikobewertung. Das fördert die Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen und entsprechender Katastrophenrisikovorsorge. Zudem fordern beziehungsweise fördern regionale Risikopools die Entwicklung von Notfallplänen. Diese Pläne helfen bei der wirksamen Bewältigung im Katastrophenfall und sorgen dafür, dass die ausgezahlten Mittel effektiv eingesetzt werden. Im Schadensfall können Auszahlungen so rasch der notleidenden Bevölkerung zugutekommen.

Über öffentlich-private Partnerschaften können auch Ressourcen der Versicherungswirtschaft in den Dienst von Klimaanpassung und Entwicklung gestellt werden. So kann die Privatwirtschaft ihre Expertise sowie ihren Zugang zu Daten, Risikomodellen und Kapital für die Förderung von Klimarisikoversicherung für arme und verwundbare Menschen nutzbar machen. Instrumente für Fernerkundung ermöglichen beispielweise eine rasche und flächendeckende Ermittlung von Schäden nach einem Extremwetterereignis.


Welche Vorhaben unterstützt InsuResilience?

Das ehrgeizige Ziel der Initiative soll durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen in unterschiedlichen Regionen erreicht werden: Im Fokus steht die Ausweitung bereits etablierter indirekter Risikoversicherungen und die Entwicklung neuer Versicherungsansätze in gefährdeten Regionen. Ergänzt wird dies durch Maßnahmen zur Entwicklung von Versicherungsmärkten in armen und gefährdeten Ländern.

Weitere Informationen zu den von InsuResilience geförderten Projekten finden sich auch auf der Internetseite der Initiative: www.insuresilience.org (englisch)


Was wurde bisher erreicht?

InsuResilience hat seit seiner Gründung große Fortschritte erzielt: Auf Basis von Finanzierungszusagen von 550 Millionen US-Dollar konnten vorhandene Versicherungsansätze ausgeweitet und neue Ansätze entwickelt werden.

Indirekte Versicherungsansätze

Die mit Unterstützung von Deutschland und Großbritannien gegründete afrikanische Dürreversicherung African Risk Capacity (ARC) wird unter InsuResilience systematisch ausgebaut. Eine Besonderheit der ARC liegt darin, dass jede Regierung einen Notfallplan ausarbeitet und darin im Vorhinein festlegt, wie Versicherungszahlungen im Katastrophenfall eingesetzt werden. Auf diese Weise kann der betroffenen Bevölkerung besonders schnell und gezielt geholfen werden. Mithilfe von InsuResilience werden aktuell neue Versicherungsprodukte gegen Überflutungen und Starkwinde entwickelt.

Mit InsuResilience unterstützt das BMZ zudem humanitäre Akteure wie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) oder das Start Network dabei, selbst Versicherungsnehmer bei der African Risk Capacity zu werden. So können im Schadensfall zusätzlich Mittel ausgeschüttet werden, die vom WFP oder anderen humanitären Organisationen eingesetzt werden können (sogenannte ARC Replica). Klimarisikoversicherungen können dadurch ein wichtiger Baustein der Reform des humanitären Systems sein, in deren Zentrum eine vorausschauende Planung und die Mobilisierung zusätzlicher Mittel zum Schutz bedürftiger Menschen steht.

Im Pazifik gründeten die G7-Staaten Deutschland, Großbritannien, USA und Japan gemeinsam mit den pazifischen Inselstaaten und der Weltbank im Juni 2016 eine neue Risikoversicherungsgesellschaft, die Pacific Catastrophe Risk Assessment and Financing Initiative (PCRAFI). Sie bietet Versicherungsprodukte gegen tropische Wirbelstürme und Erdbeben an. Versicherungsnehmer sind bereits fünf Inselstaaten: Cookinseln, Vanuatu, Tonga, Marshallinseln und Samoa. Es wird erwartet, dass weitere Länder in naher Zukunft hinzukommen.

Die Versicherungsfazilität Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) in der Karibik wurde mithilfe von InsuResilience auf Zentralamerika ausgeweitet. Mit Nicaragua trat 2016 das erste zentralamerikanische Land bei. Die CCRIF bietet Absicherung gegen Wirbelstürme und Erdbeben und konnte ihr Angebot mithilfe von InsuResilience um Versicherungen gegen Starkregen erweitern. Nach dem Wirbelsturm "Matthew" im Oktober 2016 erhielt Haiti dadurch mehr als 23,4 Millionen US-Dollar innerhalb von 14 Tagen nach Schadenseintritt. Hiermit konnten unter anderem Nahrungsmittel und Notunterkünfte für 1,4 Millionen Menschen bereitgestellt werden, Medikamente für Kinder gekauft und Dächer von Schulen, Kirchen und Gerichten erneuert werden.

Zuletzt wurden im September 2017 nach den verheerenden Auswirkungen der Wirbelstürme "Irma" und "Maria" in der Karibik mehr als 50 Millionen US-Dollar an Antigua und Barbuda, Anguilla, St. Kitts und Nevis, Turks- und Caicosinseln, Haiti, die Bahamas und Dominica ausgezahlt. Damit hat die CCRIF seit ihrer Gründung im Jahr 2007 bereits mehr als 100 Millionen US-Dollar zur raschen Bewältigung der Folgen von Extremwetter an 12 der 17 Mitgliedsstaaten ausgezahlt.

Direkte Versicherungsansätze

Mit deutscher Unterstützung werden im Rahmen von InsuResilience Politikempfehlungen für die Ausgestaltung von Rahmenbedingungen für Versicherungsmärkte in Entwicklungsländern erarbeitet. Private Unternehmen sind dabei wichtige Partner – nicht nur, weil sie Risikokapital bereitstellen können, sondern auch, weil sie über Wissen und Daten sowie innovative Technologien verfügen.

Die Initiative fördert zudem die Entwicklung nachhaltiger Klimarisikoversicherungslösungen für private Marktteilnehmer wie Versicherer oder für Regierungsinstitutionen, indem sie Informationskampagnen für die breite Bevölkerung erarbeitet und innovative Ansätze (wie mobile Technologien) zur Absicherung der armen und verwundbaren Bevölkerung unterstützt. Dabei liegt ein aktueller Fokus auf Sambia, Indien und Paraguay:

  • In Sambia unterstützt InsuResilience die Nachhaltigkeit der von der Baumwollfirma NWK Agri-Services angebotenen Versicherungsmodelle, die Kleinbauern im Vertragsanbau Wetter- und Beerdigungskostenversicherungen anbietet. Im Jahr 2015/16 entschieden sich rund 52.000 Landwirte, die Versicherung auf Kredit zu kaufen. Nach einer großflächigen Dürre im Jahr 2016 erhielten mehr als 23.000 Landwirte Auszahlungen von insgesamt über 200.000 US-Dollar.
  • In Indien soll eine neue Klimarisikoversicherungskomponente gekoppelt an eine einfache Krankenversicherung und ein Sparprodukt angeboten werden. Diese Lösung zielt auf Arbeiter, Kleinstunternehmer und Bauern ab. Die Absicherung umfasst dabei nicht nur Vermögensgegenstände wie zum Beispiel Häuser, sondern auch Einkommensausfälle.
  • In Paraguay wurde im Juli 2017 eine Vereinbarung mit einer lokalen Mikrofinanzinstitution abgeschlossen, die die Entwicklung eines Agrar- und Lebensversicherungsmodells gebündelt mit Krediten vorsieht. Zielgruppe sind Kleinbauern, die in der Landwirtschaft und Viehzucht in Ost-Paraguay tätig sind.

Eine Übersicht aller von InsuResilience unterstützten Projekte finden Sie hier (englisch).


Weitere Informationen

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BMZ-Video über die Folgen des Klimawandels und Klimarisikoversicherungen

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Der Klimawandel ist in Bangladesch bereits deutlich spürbar. Deutschland unterstützt das Land gemeinsam mit der Asiatischen Entwicklungsbank dabei, die Folgen des Klimawandels zu mildern, zum Beispiel durch den Bau von Brücken, Dämmen und Uferbefestigungen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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