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Klimarisikomanagement

Sturmschäden auf der Karibikinsel St. Lucia

Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits heute deutlich spürbar und beeinträchtigen die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. Extreme Wetterereignisse wie Wirbelstürme und Fluten, deren Intensität und Häufigkeit seit Mitte des letzten Jahrhunderts teilweise deutlich zugenommen haben, verursachen jedes Jahr hohe Schäden. Im Zeitraum von 1998 bis 2017 sind die Schäden durch extreme Wetterereignisse gemessen an deren finanziellen Verlusten nach Schätzungen des Büros der Vereinten Nationen für die Verringerung des Katastrophenrisikos (United Nations Office for Disaster Risk Reduction, UNISDR) um rund 150 Prozent angestiegen. Der Weltklimarat geht in seinem Sonderbericht aus dem Jahr 2018 davon aus, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels auch bei einer Erwärmung von nur 1,5 Grad Celsius in Zukunft noch verstärken werden.

Extreme Wetterereignisse haben beispielsweise im Jahr 2017 schon zu Schäden von geschätzten 320 Milliarden US-Dollar weltweit geführt. Entwicklungs- und Schwellenländer sind besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und am wenigsten darauf vorbereitet, die Folgen zu bewältigen. So drohen die klimatischen Veränderungen, ihre Entwicklungserfolge zunichte zu machen und zukünftige Entwicklungschancen zu gefährden.

Wirtschaftlich nicht direkt messbare Folgen wie der Verlust von Menschenleben oder von Kulturgütern sind in diesen Rechnungen nicht einmal enthalten. Kaum abschätzbar sind zudem die schleichenden Veränderungen des Klimas, wie der Anstieg des Meeresspiegels und die Ausbreitung von Wüsten (Desertifikation) in Gebiete mit Nutzflächen. Diese Veränderungen haben teils unumkehrbare Folgen, wie die irreversible Schädigung von Ökosystemen und die Versauerung der Ozeane. Wertvoller Lebensraum und Ackerflächen drohen dadurch unwiederbringlich verloren zu gehen. In der Folge wird auch die Nahrungssicherheit einer wachsenden Weltbevölkerung gefährdet, zum Beispiel, indem Fischpopulationen zurückgehen, weil sie ihren Lebensraum verlieren.

Die Ansätze und Methoden, welche bislang zur Bewertung und zum Management von Klimarisiken angewendet werden, berücksichtigen entsprechende Schäden und damit verbundene ökonomische Kosten nicht oder nur unzureichend. Deshalb ist es wichtig, diese Kosten in Zukunft mit abzubilden und in die Bewertungen einfließen zu lassen.

Schiffe am Ufer nahe des weltgrössten Mangrovenwaldes (Sundarbans) nahe der Stadt Mongla, im Südwesten von Bangladesch
Deutsches Engagement

Katastrophen- und Klimarisiken begegnen – umfassendes Risikomanagement fördern

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich weltweit für ein umfassendes Risikomanagement. Ein solches Risikomanagement verbindet Strategien und Maßnahmen zur Reduzierung von Katastrophen- und Klimarisiken. Es trägt dazu bei, den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen.

Ziel ist es, Maßnahmen zu kombinieren, die sowohl zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung beitragen als auch die Beteiligung verschiedener Interessengruppen berücksichtigen. Besonders die Anliegen der betroffenen und marginalisierten Bevölkerung sollen Beachtung finden.

Um die negativen Folgen des Klimawandels im gesamten Risikospektrum zu minimieren, setzt das BMZ auf einen Ansatz, der sich mit Klimarisiken in ihrer Gesamtheit beschäftigt. Neben extremen Wetterereignissen wie Wirbelstürmen und Fluten, berücksichtigt es auch schleichende Veränderungen wie den Anstieg des Meeresspiegels oder Desertifikation.

Anpassungsmaßnahmen

Anpassungsmaßnahmen im Rahmen eines umfassenden Risikomanagements sind vielfältig und variieren regional und lokal. Sie reichen von der Aufforstung in Mangrovenwäldern über Klimarisikoversicherungen und soziale Sicherungssysteme bis hin zum Aufbau klimaresilienter Infrastruktur und Agrarwirtschaft.

Durch den Schutz und die Aufforstung von Mangrovenwäldern können beispielweise küstennahe Gemeinden und landwirtschaftliche Flächen vor den negativen Auswirkungen des Klimawandels geschützt werden; dadurch bleibt Biodiversität erhalten und die Qualität des Wassers wird verbessert. Auch die lokale Bevölkerung profitiert, weil ihre Lebensumstände verbessert werden. Dennoch können zu den Anpassungsmaßnahmen auch durch den Klimawandel verursachte Umsiedlungen für betroffene Personen gehören.

Bereits erprobte Instrumente aus den Bereichen Anpassung an den Klimawandel, Reduzierung von Treibhausgasen, Katastrophenrisikomanagement und Übergangshilfe/Wiederaufbau werden kombiniert und durch innovative Anpassungsmaßnahmen ergänzt, die Risiken finanziell abfedern, zum Beispiel durch Klimarisikoversicherungen. Solche Versicherungen bieten finanziellen Schutz gegen die negativen Folgen von extremen Wetterereignissen für Individuen oder ganze Länder.

Die Anpassungsplanung in Partnerländern unterstützt das BMZ durch den Aufbau von Kapazitäten und Beratungsleistungen. Eines der Kernziele ist es, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus dem öffentlichen und privaten Sektor auf dem Weg zu mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu unterstützen und eine vorausschauende Planung zu ermöglichen.

Infografik: Ansatz für ein umfassendes Klimarisikomanagement

Der Prozess des Klimarisikomanagements

Risikoanalyse

Die Basis des Klimarisikomanagements bilden umfassende und kontinuierliche Risikoanalysen. Im Fokus steht hier die Untersuchung eines Ereignisses, zum Beispiel eines Wirbelsturms. Durch die Identifizierung von Risiken sowie die Bewertung des Ausmaßes der Auswirkungen auf Menschen, Güter und Ökosysteme können mögliche Handlungsoptionen ermittelt werden. Diese Maßnahmen sollen dazu dienen, das Risiko zu minimieren, reduzieren oder sogar zu transferieren. So hilft Klimarisikomanagement dabei, die Frage zu beantworten: Wie könnten Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger auf das Ereignis reagieren?

Unter anderem werden dafür Sektoren untersucht, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind, zum Beispiel die Landwirtschaft, die Fischerei oder der Wassersektor. Hier sollen potenzielle Schäden abgeschätzt werden können. Viele wichtige Aspekte, die gegebenenfalls erhebliche Auswirkungen haben, können nicht quantifiziert und/oder monetarisiert werden. Besonders betroffen sind häufig arme und besonders vulnerable Menschen. Eine Bewertung muss daher kontextspezifisch erfolgen.

Maßnahmen für ein umfassendes Risikomanagement

Der Kontext ist auch für die möglichst effektive Kombination von Maßnahmen für ein umfassendes Risikomanagement entscheidend. Dabei sollten die organisatorische und wirtschaftliche Fähigkeit von Ländern, Gemeinden und des Privatsektors berücksichtigt werden. Hier gilt es, sich anzupassen und auf Risiken zu reagieren. Die gewählten Maßnahmen sollten klimabeständige Entwicklungspfade für die jeweiligen Länder sicherstellen und kontextspezifisch sein.

Umfassendes Risikomanagement umfasst eine Bandbreite von Anpassungsmaßnahmen, darunter auch vorbeugende Maßnahmen des Katastrophenrisikomanagements, wie gemeindebasierte, partizipative Risikoanalysen, angepasste, risikosensitive Bau- und Landnutzungsplanung sowie Frühwarnsysteme mit institutionalisierten Notfallplänen.

Das BMZ engagiert sich in verschiedenen Partnerländern und Regionen bei Klimarisikobewertungen und -management. Dabei werden neue Methoden der Risikobewertung getestet und weiterentwickelt, um mit Partnerländern eine bessere Grundlage für Entscheidungen über notwendige Maßnahmen zu erarbeiten.

Entscheidungsfindung und Umsetzung

Basierend auf den identifizierten Maßnahmen für ein umfassendes Risikomanagement und unter Berücksichtigung der damit verbundenen Kosten, können Entscheidungsträgerinnen und -träger aus dem öffentlichen und privaten Sektor Optionen besser gewichten, finanzieren und umsetzen.

Sie können also besser auf die Frage antworten: Wie werden wir auf zukünftige Klimarisiken reagieren? Die Überprüfung und Bewertung der umgesetzten Maßnahmen führt zu kontinuierlichem Lernen und kann für zukünftige Entscheidungen genutzt werden.

Sturmschäden an der Infrastruktur in St. Lucia nach Hurrikan Matthew

Internationale Kooperation

Darüber hinaus beteiligt sich Deutschland an internationalen Prozessen:

Warschau-Mechanismus

Das BMZ ist aktiv im Warschau-Mechanismus (Warsaw International Mechanism for Loss and Damage associated with Climate Change Impacts, WIM) und in seinem Exekutivkomitee (ExCom) vertreten. Das WIM ExCom wurde während der 19. Weltklimakonferenz im polnischen Warschau gegründet.

Der WIM beabsichtigt, die Ansätze zum Umgang mit klimawandelbedingten Schäden und Verlusten in einer "umfassenden, integrativen und kohärenten Art" voranzubringen. Als Teil einer Expertinnen- und Expertengruppe zu umfassenden Risikomanagementansätzen setzt sich das BMZ hier intensiv für eine bessere Zusammenarbeit ein, um die Widerstandsfähigkeit vulnerabler Bevölkerungsgruppen und Nationen gegen den Klimawandel zu stärken.

Sendai-Framework for Disaster Risk Reduction

Das BMZ unterstützt auch die Umsetzung des Sendai-Frameworks for Disaster Risk Reduction – sowohl auf politischer Ebene, als auch über Vorhaben des Katastrophenrisikomanagements im Rahmen der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit. Ziel des Rahmenwerks ist es, Katastrophen vorzubeugen und vorhandene Katastrophenrisiken zu minimieren.

NAP Global Network

Anlässlich der Klimakonferenz in Cancún 2010 vereinbarten die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention ferner den NAP (National Adaptation Plan)-Prozess. Dieser definiert mittel- und langfristige Anpassungsnotwendigkeiten, um die Anfälligkeit der Staaten und deren Bevölkerung gegenüber dem Klimawandel zu verringern. Mit dem NAP-Prozess fügen die Staaten das Thema Anpassung in ihre nationale Entwicklungsplanung ein. Häufig fehlen jedoch Strukturen und Know-how, um Anpassungen an den Klimawandel umzusetzen.

Das BMZ unterstützt vor diesem Hintergrund das sogenannte NAP Global Network, das Unterstützungsmaßnahmen koordiniert und den internationalen Austausch und das gemeinsame Lernen fördert. Viele Länder haben mittlerweile nationale Anpassungspläne entwickelt und teilweise damit begonnen, diese umzusetzen.

Eröffnung der Klimakonferenz COP19 in Warschau, 2013
  • Ein Fischer vor der Insel Bunaken
    Pazifische Inseln: Zusammenarbeit konkret

    Klimawandel in der pazifischen Inselregion

    Die pazifischen Inselstaaten sind aufgrund ihrer geringen Größe und Höhenlage besonders anfällig gegenüber den Folgen des Klimawandels. Extreme Wetterereignisse und der Anstieg des Meeresspiegels gefährden die Region, die stark von ihren natürlichen Ressourcen abhängig ist.

  • Landwirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel im Tschadseebecken
    Tschad: Zusammenarbeit konkret

    Anpassung an den Klimawandel im Tschadseebecken

    Der Tschad ist dem Risiko von Dürren und Überschwemmungen ausgesetzt und infolgedessen von Ernährungsunsicherheit betroffen. Eine instabile Sicherheitslage, fragile Staatlichkeit und mangelnde Infrastruktur erschweren die Verteilung und Nutzung knapper Ressourcen.

Ein Fischer vor der Insel Bunaken
Pazifische Inseln: Zusammenarbeit konkret

Klimawandel in der pazifischen Inselregion

Die pazifischen Inselstaaten sind aufgrund ihrer geringen Größe und Höhenlage besonders anfällig gegenüber den Folgen des Klimawandels. Extreme Wetterereignisse (Stürme, Fluten und Dürren) und der Anstieg des Meeresspiegels gefährden die Region, die stark von ihren natürlichen Ressourcen abhängig ist.

Bedroht sind insbesondere die Infrastruktur, Siedlungen, landwirtschaftliche Flächen und Süßwasserressourcen. Temperaturanstieg und Niederschlagsmangel wirken sich unmittelbar auf landwirtschaftliche Erträge, menschliche Gesundheit und Biodiversität aus. Hier treffen geringe Anpassungskapazitäten und intensive Klimafolgen aufeinander und gefährden die nachhaltige Entwicklung der Region.

Das BMZ engagiert sich dort, indem es 15 Inselstaaten, darunter Fidschi, Kiribati, Papua-Neuguinea, Samoa, die Salomonen, Tuvalu und Vanuatu, seit 2009 durch deutsche Expertinnen und Experten berät.

Zudem werden die Regionalorganisationen "Secretariat of the Pacific Community" (SPC), "Secretariat of the Pacific Regional Environment Programme" (SPREP) und "Melanesian Spearhead Group" (MSG) dabei unterstützt, ihre Informationsangebote, Beratungsleistungen und Fortbildungen zum Thema Klimawandel zu verbessern. Damit möchte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Kapazitäten in der Region so stärken, dass die Staaten den Folgen des Klimawandels besser begegnen können.

Schwerpunkte sind die Bereiche Klimaanpassung, REDD+ (Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern), Klima und Bildung, nachhaltige Energie sowie Klima und Tourismus. Das BMZ-Engagement umfasst darüber hinaus Vorhaben zu Risikobewertung und -management.

Ziel ist, durch ein umfassendes Klimarisikomanagement die Widerstandsfähigkeit kleiner Inselstaaten in der Pilotregion Pazifik gegenüber klimabedingten Schäden und Verlusten zu steigern.

Landwirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel im Tschadseebecken
Tschad: Zusammenarbeit konkret

Anpassung an den Klimawandel im Tschadseebecken

Der Tschad ist dem Risiko von Dürren und Überschwemmungen ausgesetzt und infolgedessen von Ernährungsunsicherheit betroffen. Eine instabile Sicherheitslage, fragile Staatlichkeit und mangelnde Infrastruktur erschweren zudem die Verteilung und Nutzung knapper Ressourcen. Dies birgt ein zusätzliches Konfliktpotenzial.

Zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit ländlicher Bevölkerungsgruppen unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unter anderem den Aufbau lokaler Risikomanagementsysteme. Dies umfasst auch die Bildung lokaler Gremien und die Unterstützung bei der Umsetzung risikoreduzierender Aktivitäten und Sensibilisierungsmaßnahmen sowie den effektiven Aufbau und Austausch von Informationen über den Klimawandel.

Dies wird durch dezentrales Engagement auf lokaler wie auch grenzüberschreitender Ebene und Vorhaben mit der Tschadseebeckenkommission umgesetzt. Die Förderung klimaangepasster Strategien und Anbaumethoden erhöht gezielt die Resilienz der lokalen Bevölkerung.

Klimarisikomanagement

BMZ-Publikationen

Inhaltsverzeichnis

Themendossier "Klimawandel und Entwicklung"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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