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Klimarisikomanagement

Sturmschäden auf der Karibikinsel St. Lucia

Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits heute deutlich spürbar und beeinträchtigen die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. Extreme Wetterereignisse, die inzwischen deutlich häufiger vorkommen und intensiver sind, sowie langsam einsetzende Veränderungen als Folge des Klimawandels verursachen jedes Jahr hohe Schäden. Schätzungen zufolge haben sich die klimabedingten Schäden seit 1992 vervierfacht.

Im Jahr 2017 haben extreme Wetterereignisse zu Schäden von geschätzten 320 Milliarden US-Dollar weltweit geführt. Entwicklungs- und Schwellenländer sind besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und am wenigsten darauf vorbereitet, die Folgen zu bewältigen. So drohen die klimatischen Veränderungen, ihre Entwicklungserfolge zunichte zu machen und zukünftige Entwicklungschancen zu gefährden.

Wirtschaftlich nicht direkt messbare Folgen, wie der Verlust von Menschenleben oder von Kulturgütern, sind in diesen Rechnungen nicht einmal enthalten. Kaum abschätzbar sind die langfristigen Folgen des Klimawandels, zum Beispiel die Schädigung von Ökosystemen, der Anstieg des Meeresspiegels oder die Versauerung der Ozeane. Wertvoller Lebensraum und Ackerflächen, aber auch Fischressourcen, die für eine wachsende Weltbevölkerung dringend benötigt werden, drohen dadurch verloren zu gehen.

Ansätze und Methoden, die bislang zur Bewertung und zum Management von Klimarisiken angewendet werden, berücksichtigen entsprechende Schäden und damit verbundene (nicht-)ökonomische Kosten nicht. Deshalb ist es wichtig, umfassende Methoden und Maßnahmen zur Bewertung und vor allem zum Umgang mit Klimarisiken zu entwickeln und umzusetzen.

Infografik zum Thema "Klimarisikomanagement"
Deutsches Engagement

Umfassendes Klimarisikomanagement fördern

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich weltweit für ein umfassendes Klimarisikomanagement, um so den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels entgegenzutreten. Das BMZ setzt dabei auf einen Ansatz, der sich mit Klimarisiken in ihrer Gesamtheit beschäftigt und neben extremen Wetterereignissen auch schleichende Veränderungen, wie den Anstieg des Meeresspiegels, berücksichtigt.

Umfassendes Klimarisikomanagement ist ein ganzheitlicher Ansatz, um die Folgen des Klimawandels im gesamten Risikospektrum zu minimieren. Die Bandbreite reicht von kurzfristigen extremen Wettereignissen bis zu langfristigen Änderungen wie Bodendegradierung, Versalzung oder Meeresspiegelanstieg. Dabei kombiniert man bereits erprobte Instrumente aus den Bereichen Treibhausgasminderung, Anpassung an den Klimawandel und Katastrophenrisikomanagement. Sie werden durch innovative Anpassungsmaßnahmen wie  Klimarisikoversicherungen ergänzt.

Ziel ist es, Entscheidungsträger aus öffentlichem und privatem Sektor auf dem Weg zu mehr Klimaresilienz zu unterstützen und eine vorausschauende Planung zu ermöglichen.

Reisfelder in Banda Aceh, Indonesien

Prävention

Die Basis bildet eine umfassende und kontinuierliche Risikoanalyse sowie das Identifizieren risikominimierender, -reduzierender beziehungsweise -transferierender Maßnahmen.

Bei der Risikobewertung werden Sektoren untersucht, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind, zum Beispiel Landwirtschaft, Fischerei oder der Wassersektor, um potenzielle Schäden abschätzen zu können. Weiterhin schließt Klimarisikomanagement vorbeugende Maßnahmen des Katastrophenrisikomanagements ein, wie angepasste, risikosensitive Bau- und Landnutzungsplanung, "klimaresiliente" Infrastruktur, Frühwarnsysteme und Notfallpläne.

Auch der Klimaschutz selbst spielt eine bedeutende Rolle, da der gewählte Entwicklungspfad und das Ausmaß von Treibhausgas-Emissionen erheblichen Einfluss auf das Entstehen von graduellen Veränderungen und Extremwetterereignissen haben.

Schiffe am Ufer nahe des weltgrössten Mangrovenwaldes (Sundarbans) nahe der Stadt Mongla, im Südwesten von Bangladesch

Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel beinhalten beispielsweise den Schutz und die Aufforstung von Mangrovenwäldern. Dadurch können küstennahe Gemeinden und landwirtschaftliche Flächen vor den negativen Auswirkungen des Klimawandels geschützt werden. Zu Anpassungsmaßnahmen können auch Umsiedlungen für betroffene Personen gehören.

Anpassung umfasst ferner innovative Maßnahmen, die Risiken finanziell abfedern, etwa in Form von Klimarisikoversicherungen. Solche Versicherungen bieten finanziellen Schutz gegen die negativen Folgen von extremen Wetterereignissen.

Bei direkten Versicherungen sichern sich Privatpersonen oder kleine Unternehmen gegen Risiken wie etwa Ernteausfälle und Viehverluste ab. Im Schadensfall erhalten die Betroffenen direkt Hilfe. Bei indirekten Versicherungen sind es Staaten, die sich in sogenannten Risikopools gegenseitig absichern. Im Schadensfall erhalten sie schnell Auszahlungen, die sie dann für die betroffene Bevölkerung einsetzen.

Das BMZ engagiert sich in verschiedenen Partnerländern und Regionen bei Klimarisikobewertungen und -management. Dabei werden neue Methoden der Risikobewertung getestet und weiterentwickelt. Dadurch haben Partnerländer eine bessere Grundlage für Entscheidungen über notwendige Maßnahmen. Die Anpassungsplanung in Partnerländern unterstützt das BMZ über den Aufbau von Kapazitäten und über Beratungsleistungen.

Eröffnung der Klimakonferenz COP19 in Warschau, 2013

Internationale Kooperation

Darüber hinaus beteiligt sich Deutschland an internationalen Prozessen:

Das BMZ ist aktiv im Warschau-Mechanismus (Warsaw International Mechanism for Loss and Damage associated with Climate Change Impacts, WIM) und in seinem Exekutivkomitee (ExCom) vertreten. Das WIM ExCom wurde während der 19. Weltklimakonferenz im polnischen Warschau gegründet. Der WIM beabsichtigt, die "Implementierung von Ansätzen zum Umgang mit klimawandelbedingten Schäden und Verlusten in einer umfassenden, integrativen und kohärenten Art" voranzubringen.

Das BMZ unterstützt auch die Umsetzung des Sendai-Frameworks for Disaster Risk Reduction – sowohl auf politischer Ebene, als auch über Vorhaben des Katastrophenrisikomanagements im Rahmen der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit.

Anlässlich der Klimakonferenz in Cancún 2010 vereinbarten die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention ferner den NAP (National Adaptation Plan)-Prozess. Dieser definiert mittel- und langfristige Anpassungsnotwendigkeiten, um die Anfälligkeit der Staaten und deren Bevölkerung gegenüber dem Klimawandel zu verringern. Mit dem NAP-Prozess fügen die Staaten das Thema Anpassung in ihre nationale Entwicklungsplanung ein. Häufig fehlen jedoch Strukturen und Know-how, um Anpassungen an den Klimawandel umzusetzen.

Das BMZ unterstützt vor diesem Hintergrund das sogenannte NAP Global Network, das Unterstützungsmaßnahmen koordiniert und den internationalen Austausch und das gemeinsame Lernen fördert. Viele Länder haben mittlerweile nationale Anpassungspläne entwickelt und teilweise damit begonnen, diese umzusetzen.

  • Ein Fischer vor der Insel Bunaken
    Pazifische Inseln: Zusammenarbeit konkret

    Klimawandel in der pazifischen Inselregion

    Die pazifischen Inselstaaten sind aufgrund ihrer geringen Größe und Höhenlage besonders anfällig gegenüber den Folgen des Klimawandels. Extreme Wetterereignisse und der Anstieg des Meeresspiegels gefährden die Region, die stark von ihren natürlichen Ressourcen abhängig ist.

  • Die Küstendörfer im Mekong-Delta sind infolge des Klimawandels immer häufiger Überschwemmungen ausgesetzt – vor allem dort, wo es keine Mangrovenwälder mehr gibt.
    Vietnam: Zusammenarbeit konkret

    Klimaresilientes Management

    Das Mekongdelta gehört zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen. Küstenerosion, Versalzung, Süßwasserknappheit und zunehmende Extremwetterereignisse bedrohen die Lebensgrundlage von mehr als 17 Millionen Menschen im Delta, das ist knapp ein Fünftel der Bevölkerung Vietnams.

Ein Fischer vor der Insel Bunaken
Pazifische Inseln: Zusammenarbeit konkret

Klimawandel in der pazifischen Inselregion

Die pazifischen Inselstaaten sind aufgrund ihrer geringen Größe und Höhenlage besonders anfällig gegenüber den Folgen des Klimawandels. Extreme Wetterereignisse (Stürme, Fluten und Dürren) und der Anstieg des Meeresspiegels gefährden die Region, die stark von ihren natürlichen Ressourcen abhängig ist.

Bedroht sind insbesondere die Infrastruktur, Siedlungen, landwirtschaftliche Flächen und Süßwasserressourcen. Temperaturanstieg und Niederschlagsmangel wirken sich unmittelbar auf landwirtschaftliche Erträge, menschliche Gesundheit und Biodiversität aus. Hier treffen geringe Anpassungskapazitäten und intensive Klimafolgen aufeinander und gefährden die nachhaltige Entwicklung der Region.

Das BMZ engagiert sich dort, indem es 15 Inselstaaten, darunter Fidschi, Kiribati, Papua-Neuguinea, Samoa, die Salomonen, Tuvalu und Vanuatu, seit 2009 durch deutsche Expertinnen und Experten berät.

Zudem werden die Regionalorganisationen "Secretariat of the Pacific Community" (SPC), "Secretariat of the Pacific Regional Environment Programme" (SPREP) und "Melanesian Spearhead Group" (MSG) dabei unterstützt, ihre Informationsangebote, Beratungsleistungen und Fortbildungen zum Thema Klimawandel zu verbessern. Damit möchte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Kapazitäten in der Region so stärken, dass die Staaten den Folgen des Klimawandels besser begegnen können.

Schwerpunkte sind die Bereiche Klimaanpassung, REDD+ (Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern), Klima und Bildung, nachhaltige Energie sowie Klima und Tourismus. Das BMZ-Engagement umfasst darüber hinaus Vorhaben zu Risikobewertung und -management.

Ziel ist, durch ein umfassendes Klimarisikomanagement die Widerstandsfähigkeit kleiner Inselstaaten in der Pilotregion Pazifik gegenüber klimabedingten Schäden und Verlusten zu steigern.

Die Küstendörfer im Mekong-Delta sind infolge des Klimawandels immer häufiger Überschwemmungen ausgesetzt – vor allem dort, wo es keine Mangrovenwälder mehr gibt.
Vietnam: Zusammenarbeit konkret

Klimaresilientes Management: Höhere Widerstandsfähigkeit gegen Auswirkungen des Klimawandels verbessert die nachhaltige Entwicklung der Region

Das Mekongdelta gehört zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen. Küstenerosion, Versalzung, Süßwasserknappheit und zunehmende Extremwetterereignisse bedrohen die Lebensgrundlage von mehr als 17 Millionen Menschen im Delta, das ist knapp ein Fünftel der Bevölkerung Vietnams. Das komplexe und sensible Ökosystem wird durch intensive Land- und Wasserbewirtschaftung, den Bau von Deichen zum Hochwasserschutz und dem stetigen Ausbau von Talsperren belastet. Besonders im oberen Flusslauf, etwa in China, Laos oder Kambodscha, werden Talsperren erbaut.

In dem Projekt wird die Anwendung von innovativen und an den Klimawandel angepassten Technologien gefördert. Der Fokus liegt auf dem Management von Land und Wasser. Diese Ressourcen müssen auch über die Grenzen von Provinzen hinweg verwaltet werden. Zudem befasst sich das Projekt mit Küstenschutz.

Ein Beispiel für die Nutzung innovativer Technologien ist die Fernerkundung mit Drohnen in Erosionsgebieten an Küsten, Kanälen und in Mangrovenwäldern. Im Zusammenspiel mit Datenverarbeitung und kombiniert mit satellitengestützt gewonnenen Massendaten zu Klimaprognosen oder Küsten- und Uferlinien lassen sich Entscheidungen für Infrastrukturinvestitionen treffen.

Das Vorhaben baut auf einem ganzheitlichen Ansatz zur Küstenraumplanung auf, der auch die Regionen im Mekongdelta berücksichtigt. Der Ansatz hat sich durch ein Vorgängerprojekt zum integrierten Küstenmanagement in Vietnam, das Integrated Coastal Management Programme (ICMP), entwickelt.

Der die Grenzen von Provinzen übergreifende Fokus, welcher sich auf Küsten bezieht, wird derzeit auf alle 13 Provinzen des Mekongdeltas ausgeweitet. Dazu beteiligt das Vorhaben alle relevanten staatlichen Akteure auf nationaler Ebene und in den Provinzen. Gemeinsam mit dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft entwickeln diese Akteure Wertschöpfungsketten und Technologien. Die dadurch entstandenen Lösungen sollen zu widerstandsfähigeren Küstenregionen in Vietnam beitragen.

Klimarisikomanagement

BMZ-Publikationen

Inhaltsverzeichnis

Themendossier "Klimawandel und Entwicklung"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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