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Energie und Klima

Ulan Bator, Mongolei: Neubausiedlung mit Solaranlage zur Wassererwärmung. Im Hintergrund ein Kohlekraftwerk.

Die Sektoren Klima und Energie sind eng miteinander verzahnt. Das Energieziel (SDG 7) der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sieht vor, den allgemeinen Zugang zu bezahlbaren, verlässlichen, nachhaltigen und modernen Energiedienstleistungen bis 2030 zu sichern. Zudem soll sich der Anteil erneuerbarer Energie am globalen Energiemix bis dahin deutlich erhöhen und die weltweite Steigerungsrate der Energieeffizienz bis zu diesem Zeitpunkt verdoppeln.

Der Zugang zu bedarfsgerechter Energie ist Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum, Beschäftigung und Armutsminderung und bildet die Basis für gute Bildung und Gesundheitsversorgung.

Neben den privaten Haushalten muss auch eine größere Anzahl an landwirtschaftlichen, industriellen und gewerblichen Nutzern ausreichend mit Energie versorgt werden als bisher. Die Energieversorgung dieser Nutzer sicherzustellen ist zentral, um wirtschaftliche Entwicklungsperspektiven für unsere Partnerländer zu gewährleisten. Unternehmen benötigen verlässlich Energie, um Güter herzustellen, zu lagern, zu transportieren und um Dienstleistungen anbieten zu können. Auch in Industrie und Bergbau, Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie ist die Energieversorgung entscheidende Voraussetzung für Wertschöpfung.

Private Haushalte und öffentliche Einrichtungen sind ebenfalls auf eine verlässliche und erschwingliche Energieversorgung angewiesen. Die Energie wird beispielsweise gebraucht, um Essen zuzubereiten, Wohnungen und Schulen zu heizen und zu beleuchten, Krankenhäuser zu betreiben und sauberes Trinkwasser bereitzustellen.

Die Energiegewinnung und -versorgung hat einen großen Einfluss auf das Klima. Ungefähr zwei Drittel aller klimaschädlichen Treibhausgase kommen aus dem Energiesektor. Sie entstehen zum Beispiel bei der Stromproduktion, beim Heizen oder Kühlen von Gebäuden oder beim Transport von Gütern. Zugleich steigt die globale Energienachfrage rasant: Der weltweite Bedarf an Primärenergie wird sich nach Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) bis zum Jahr 2040 um ein Drittel erhöhen.

Das Klimaziel (SDG 13) der Agenda 2030 ist daher nur zu erreichen, wenn die Weltgemeinschaft konsequent auf erneuerbare Energien umsteigt und die Energieeffizienz deutlich verbessert. Deshalb gilt Energie auch im Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2015 als ein zentraler Baustein, um die Erderwärmung zu begrenzen. Erneuerbare Energien sind der Schlüssel für die Schaffung von Energiezugang und nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung. Entsprechend haben mehr als 90 Prozent der Staaten in ihren nationalen Klimabeiträgen (Nationally Determined Contributions, NDCs) Maßnahmen im Energiesektor vorgesehen.

Infografik zum Thema "Energie und Klima"

Deutsches Engagement

Eine zukunftsfähige Energieversorgung muss klimaverträglich sein. Es gilt, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Erdöl und Kohle zu überwinden und gleichzeitig Energiesysteme aufzubauen, die den Menschen bedarfsgerechte Energie klimaneutral zur Verfügung stellen. Um Haushalte, staatliche Einrichtungen und Unternehmen mit Energie zu versorgen und gleichzeitig die Erderwärmung langfristig zu begrenzen, muss der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix gesteigert und der Energiesektor insgesamt transformiert werden.

Es ist eine Herausforderung, bei steigenden Anteilen erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung eine stabile und zuverlässige Energieversorgung zu gewährleisten. Der Grund dafür liegt darin, dass es bei erneuerbaren Energiequellen wie Sonne und Wind zu wetter- und tageszeitenbedingten Schwankungen in der Energiegewinnung kommt. Daher ist es notwendig, Lösungen für die Netz- und Systemintegration zu erarbeiten. Innovative Strategien und ganzheitliche Planungsansätze sind erforderlich.

Dies umfasst die Anpassung des regulatorischen Rahmens, den adäquaten Ausbau erneuerbarer Energien, die Modernisierung und Digitalisierung der Stromnetze sowie die grenzüberschreitende Integration der Strommärkte. Die Einführung innovativer Technologien (zum Beispiel virtuelle Kraftwerke, Elektromobilität, Batteriespeicher) und Geschäftsmodelle können die Umgestaltung des Energiesektors beschleunigen.

Elizabeth Mukwimba, eine 62-jährige tansanische Frau, die dank der internationalen Energiepartnerschaft Energising Development (EnDev) Solarbeleuchtung und Strom in ihrem Haus hat.

Entwicklungszusammenarbeit

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt rund 50 Partnerländer auf dem Weg zu klimafreundlicher Energie. In 23 davon bildet Energie einen besonderen Schwerpunkt der Zusammenarbeit. Allein im Jahr 2018 stellte Deutschland rund 2,9 Milliarden Euro für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Entwicklungs- und Schwellenländern bereit. Damit ist Energie, gemessen am Fördervolumen, einer der größten Einzelposten in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, beauftragt das BMZ die Durchführungsorganisation Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Zudem arbeitet das BMZ mit der Wirtschaft zusammen und greift auf bewährte globale Instrumente sowie multilaterales Engagement zurück.

Die KfW unterstützt ihre Partner finanziell beim kosteneffizienten Ausbau der Stromversorgung in den Bereichen Erzeugung, Übertragung, Verteilung sowie bei geeigneten Energieeffizienzmaßnahmen. Dazu stellt die Bank den Projekt- und Programmpartnern Kredite und Zuschüsse zur Verfügung. Die GIZ legt das Fundament für die Transformation von Energiesystemen, indem sie technisch und politisch berät. Dadurch werden förderliche politische, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen und lokale Kapazitäten aufgebaut.

Im Schulterschluss mit der internationalen Gemeinschaft engagiert sich das BMZ im Rahmen von globalen oder überregionalen Vorhaben, unter anderem als führender Geber in der Partnerschaft Energising Development (EnDev). Diese verbessert den Zugang zu Strom und moderner Kochenergie in 25 Partnerländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens. Seit 2005 hat EnDev 21,3 Millionen Menschen, 46.500 Unternehmen und 21.150 sozialen Einrichtungen Zugang zu Elektrizität oder moderner Kochenergie verschafft.

Das mit der EU und anderen internationalen Gebern aufgesetzte Programm Globale Energiewende (GET.pro) fördert die Mobilisierung privater Investitionen in die dezentrale Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien, berät Partnerregierungen zu Energiewendethemen und stellt das Sekretariat der Afrikanisch-Europäischen Energiepartnerschaft.

Solaranlage in Namibia

Grüne Bürgerenergie für Afrika

Auf dem afrikanischen Kontinent ist das Potenzial für erneuerbare Energien besonders groß: Insbesondere Sonnenenergie ist ein Schlüssel zur Entwicklung Afrikas. Aber auch die Wasserkraft ist dort erst zu rund 20 Prozent ausgeschöpft; Erdwärme und Windkraft bieten ebenfalls große Chancen.

Dennoch haben in Afrika rund 573 Millionen Menschen keinen hinreichenden Zugang zu elektrischer Energie. Besonders die Bevölkerung in ländlichen Regionen kann nicht auf den Anschluss an ein nationales Stromnetz warten. Der Netzausbau ist teuer und langwierig und es ist ungewiss, wen er letztendlich erreichen wird. Hier setzt die BMZ-Initiative "Grüne Bürgerenergie für Afrika" an. Sie trägt dazu bei, mit Hilfe von Bürgerinnen und Bürgern, Genossenschaften, Kommunen sowie kleinen und mittleren Unternehmen eine dezentrale Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien aufzubauen.

Die Entwicklungszusammenarbeit greift dabei auf Erfahrungen aus Deutschland zurück. Auch hier hat die Elektrifizierung nicht mit dem Bau von Großkraftwerken und Stromtrassen begonnen. Treiber waren vielmehr Energiegenossenschaften; mittlerweile sind sie das Rückgrat der Energiewende. Die meisten deutschen Windräder, Solaranlagen und Biomasse-Kraftwerke gehören heute Genossenschaften, Einzelpersonen oder Kommunen: 183.000 Menschen in Deutschland engagieren sich in 855 Projekten für erneuerbare Energien. Diesen großen Erfahrungsschatz will die Initiative den Menschen in den Partnerländern zur Verfügung stellen.

Die Initiative "Grüne Bürgerenergie für Afrika" ergänzt die bisherige deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit einem integrierten Ansatz. Die Rahmenbedingungen für Investitionen in erneuerbare Energien sollen verbessert, der Ausbau bedarfsgerechter, dezentraler Versorgungslösungen für die produktive Nutzung von Energie soll gefördert werden. Dies geschieht beispielsweise im Kleingewerbe und in sozialen Institutionen wie Schulen und Gesundheitszentren. Durch diese Lösungen kann die lokale Wertschöpfung gesteigert und die Wirtschaftsentwicklung vor Ort angekurbelt werden.

Energiebedarf und Klimaschutz in Einklang bringen

Rohstoffreiche Entwicklungs- und Schwellenländer mit großen Vorkommen an fossilen Brennstoffen (Erdöl, Erdgas und Kohle) nutzen diese – neben dem Export – oft auch selbst, um ihre steigende Nachfrage nach Energie zu decken. Hier gilt es, nachhaltige und bedarfsgerechte Alternativen für Haushalte, soziale Einrichtungen, kleine und mittelständische Unternehmen sowie die Industrie zu schaffen. Denn nur durch eine Transformation des Energiesektors hin zu erneuerbaren Energien kann die einseitige Abhängigkeit von fossilen Energieträgern beendet werden. Sie ist eine Voraussetzung, um Energie- und Klimaziele in Einklang zu bringen.

Um das SDG 12 (Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen) der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, muss der Einsatz fossiler Energieträger beim Aufbau neuer Energiesysteme weitgehend vermieden werden. Zudem müssen bestehende Energiesysteme so umgewandelt werden, dass sie dem Endverbraucher zuverlässig, bedarfsgerecht und erschwinglich einen möglichst hohen Anteil an erneuerbaren Energien liefern.

Forscher am Energieforschungszentrum (Centre of Research in Energy and Energy Conservation) an der Universität Makerere in Kampala, Uganda. Hier testen die Forscher die Energieeffizienz von Holzfeueröfen.

Bedarfsgerechte, verlässliche und nachhaltige Energie für alle

Deutschland unterstützt insbesondere Ansätze, die das gesamte Energiesystem eines Partnerlandes betrachten und den Dreiklang aus erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Zugang zu nachhaltiger Energie fördern. Mit Hilfe moderner Technologien soll Energiearmut gemindert und eine "Dekarbonisierung" des Energiesektors erreicht werden.

Im Fokus der Zusammenarbeit steht dabei eine bedarfsgerechte, verlässliche und nachhaltige Energieversorgung für alle. Dies bedeutet, dass nachhaltige Energie zur richtigen Zeit und am richtigen Ort in der entsprechenden Menge und Qualität erhältlich ist.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bietet maßgeschneiderte Lösungen, um den Zugang zu Energie zu schaffen und zu verbessern. Dies gilt für Haushalte, für soziale Einrichtungen sowie kleine und mittelständische Unternehmen. Auch der im Vergleich höhere Energiebedarf in der Industrie spielt dabei eine Rolle. Dafür unterstützt Deutschland seine Partner dabei, die erforderlichen politischen, rechtlichen, behördlichen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen. Das entspricht einerseits dem Bedarf der Partnerländer nach mehr Energie und senkt zugleich den Ausstoß an Treibhausgasen.

Dabei greift das BMZ auch auf Erfahrungen aus der deutschen Energiewende zurück: Welche Techniken haben sich bewährt? Wie sollten rechtliche Rahmenbedingungen aussehen? Welche Faktoren führen zum Erfolg und welche zum Misserfolg? Solche Erkenntnisse sind auch anderswo gefragt.

Mitarbeiter der Solarkraftanlage in Ouarzazate, dem zurzeit größten Solarkraftwerk der Welt
Bilaterales Engagement

Den Wechsel zu nachhaltiger Energie begleiten

Durch bilaterale Zusammenarbeit unterstützt das BMZ seine Partner dabei, förderliche Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Energieversorgung zu schaffen und den Markt für erneuerbare Energien und Energieeffizienzprodukte zu öffnen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit berät zu neuen Gesetzen, Strategien, Einspeisetarifen, Steuersätzen und Subventionsreformen. Sie hilft beim Aufbau von Energieagenturen und schult lokale Fachkräfte. Sie sensibilisiert durch Aufklärungskampagnen und stärkt den Dialog zwischen Regierungsvertreterinnen und -vertretern, Unternehmen und der Zivilgesellschaft.

Damit der Markt für nachhaltige Energie in Gang kommt, stellt das BMZ zahlreichen Ländern neben Know-how auch Kapital zur Verfügung. So werden zum Beispiel über nationale Entwicklungsbanken Kreditlinien für klimafreundliche Produkte aufgelegt. Die Gelder fließen zum Beispiel in energieeffiziente Haushaltsgeräte in Mexiko oder energiesparende Neubauten in Indien und verschiedene Länder Osteuropas. Da die Banken in vielen Staaten bei der Kreditvergabe für erneuerbare Energien oder Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz noch zögern, können solche Kreditlinien einen entscheidenden Anreiz für den weiteren Ausbau schaffen.

Männer befüllen eine Biogasanlage im Grünen Innovationszentrum am Bukura Agricultural College in Kenia.

Potenziale in Entwicklungs- und Schwellenländern nutzen

Uganda

Versorgung abgelegener Gebiete

Strom aus erneuerbaren Quellen spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Zugang zu Energie in ländlichen Regionen zu schaffen.

Unter anderem fördert Deutschland die Versorgung der abgelegenen West-Nile-Region Ugandas: Dort beziehen mittlerweile mehr als 60.000 Menschen und viele Unternehmen ihren gesamten Strom aus einem kleinen Wasserkraftwerk. Ein zweites ist in Planung.

Weitergeleitet wird der Strom über ein sogenanntes Inselnetz, das mit deutschen Fördermitteln erheblich erweitert wurde. Die neue Stromversorgung verbessert die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort und bringt die lokale Wirtschaft auf klimafreundliche Weise voran.

Wasserkraftwerk in Uganda
Marokko

Solarpark für 1,3 Millionen Menschen

Im marokkanischen Ouarzazate ist einer der größten Solarparks der Welt in Betrieb und wird kontinuierlich weiter ausgebaut. Zukünftig soll die Anlage mindestens 1,3 Millionen Menschen mit klimafreundlichem Strom versorgen. Gegenüber konventioneller Stromerzeugung werden dadurch jährlich mindestens 800.000 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß vermieden.

Deutschland ist mit zinsverbilligten Darlehen in Höhe von mehr als 800 Millionen Euro der größte Unterstützer des Vorhabens. Zusätzlich werden Mittel des Fonds für saubere Technologie (Clean Technology Fund, CTF), der Afrikanischen Entwicklungsbank und weiterer Geber eingesetzt.

Das Solarkraftwerk in Ouarzazate in Marokko versorgt schon jetzt 350.000 Menschen mit sauberem Strom, schafft Arbeitsplätze und Unabhängigkeit von Energieimporten und schützt das Klima.
Indien

Grüne Energiekorridore

Deutschland unterstützt auch Indien dabei, seine ehrgeizigen Ausbauziele für erneuerbare Energien zu verwirklichen. Im Rahmen eines deutsch-indischen Energieprogramms werden die indischen Partner unter anderem zu der Frage beraten, wie die wachsenden Strommengen aus sauberen Energiequellen in das nationale Netz integriert werden können. Dies ist dringend notwendig, da in Indien das größte Potenzial für erneuerbare Energien abseits der wirtschaftlichen Zentren liegt.

Der Strom muss also dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird. Dafür baut Indien – ebenfalls mit deutscher Unterstützung – sogenannte "grüne Energiekorridore" kontinuierlich aus. Sie sollen die bisherigen Energienetze ergänzen und regionale Unterschiede ausgleichen.

Windräder in Indien
Brasilien

Energie aus Wind und Sonne

Brasiliens Energieversorgung verfügt bereits über einen hohen Anteil erneuerbarer Energien: Weit über die Hälfte des erzeugten Stroms stammt aus Wasserkraft. Weitere 15 Prozent werden aus anderen erneuerbaren Quellen gewonnen. Doch eine – unter anderem durch den Klimawandel bedingte – Wasserknappheit führt dazu, dass Wasserkraft nicht immer verfügbar ist. Der Ausbau anderer erneuerbarer Energienquellen und der Energieeffizienz hat in Brasilien daher hohe Priorität. Laut Prognosen wird sich bis 2024 die installierte Kapazität der Windenergie verdoppeln, die Kapazität an Solarenergie versiebenfachen.

Durch zinsgünstige Finanzierungen und technische Unterstützung hat Deutschland den Bau zahlreicher Windparks und Photovoltaikanlagen in Brasilien ermöglicht und damit diesen Technologien zum Durchbruch verholfen. Mit einer installierten Leistung von rund 16.200 Megawatt betrug der Anteil von Wind- und Solarkraftwerken am brasilianischen Kraftwerkspark im Jahr 2018 rund zehn Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 lag dieser Anteil noch bei unter einem Prozent.

Die brasilianische Regulierungsbehörde ANEEL hat nach Beratung durch die GIZ landesweit das Vergütungsmodell Net-Metering eingeführt: Brasilianerinnen und Brasilianer können nun mit einer eigenen Photovoltaik-, Kleinwind- oder Biogasanlage Energie erzeugen und ins Netz einspeisen. Net-Metering macht private Investitionen, vor allem in Photovoltaikanlagen, attraktiv und fördert so eine dezentrale, klimafreundliche, sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung. Mit dem Energieministerium, der Energieplanungsbehörde sowie dem nationalen Betreiber des Verbundnetzes wurden zudem in einer Leitstudie neue Mechanismen und technische Handlungsoptionen zur Integration von erneuerbaren Energien in den Strommarkt erarbeitet.

Windenergiepark in Brasilien
Südafrika

Ausbau der Stromnetze

In Südafrika unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ebenfalls den Ausbau erneuerbarer Energien, indem sie dazu beiträgt, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu verbessern.

Zudem beteiligt sich Deutschland mit 400 Millionen Euro am Ausbau der Stromnetze und berät südafrikanische Akteure bei der Integration von Elektrizität aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz. Mittlerweile sind dort Anlagen für nachhaltigen Strom mit einer Gesamtleistung von über 3.900 Megawatt am Netz. Hinzu kommen Photovoltaik-Dachanlagen mit einer Leistung von insgesamt mehr als 300 Megawatt.

Solaranlage in Südafrika

Initiative für Erneuerbare Energien in Afrika

Deutschland unterstützt zusammen mit anderen Industrieländern die Initiative für erneuerbare Energien in Afrika (Africa Renewable Energy Initiative, AREI). Diese wurde 2015 auf dem G7-Gipfel in Deutschland mit den afrikanischen Partnern auf den Weg gebracht und sechs Monate später auf der Weltklimakonferenz in Paris gegründet.

Die AREI ist eine ausschließlich afrikanisch geführte Initiative. Sie hat das Ziel, in Afrika bis zum Jahr 2020 zehn Gigawatt zusätzliche Leistung aus erneuerbaren Energiequellen zu installieren. Bis 2030 wird ein Ausbau dieser Stromerzeugungskapazitäten von insgesamt 300 Gigawatt angestrebt.

Die G7, Schweden, die Niederlande und die EU-Kommission haben auf der Weltklimakonferenz in Paris für den Zeitraum bis 2020 zehn Milliarden US-Dollar zur Förderung von erneuerbaren Energien in Afrika und damit zur Unterstützung der AREI-Ziele zugesagt. Sie soll im Rahmen der bereits existierenden bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit erfolgen. Deutschland und Frankreich haben mit je drei Milliarden Euro die größten Summen angekündigt.

2016 war Deutschland mit 1,2 Milliarden Euro größter bilateraler Geber für erneuerbare Energien in Afrika. Diese Mittel wurden in den Ausbau klimafreundlicher Energiesysteme, in die Übertragung und Verteilung nachhaltig produzierten Stroms und in die technische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet investiert. Derzeit unterstützt Deutschland über die bilaterale Zusammenarbeit Energievorhaben in mehr als 20 afrikanischen Ländern.

Logo: Initiative für Erneuerbare Energien in Afrika (Africa Renewable Energy Initiative, AREI)
Infografik: Initiative für Erneuerbare Energien in Afrika (AREI)
Multilaterales Engagement

Gemeinsam für eine nachhaltige Energiezukunft

Auch auf multilateraler Ebene setzt sich Deutschland für nachhaltige und klimafreundliche Energiesysteme ein. Besonderes Augenmerk gilt hier der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und Initiativen wie etwa der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (International Renewable Energy Agency, IRENA), dem Politiknetzwerk REN21 oder dem Energieunterstützungsprogramm der Weltbank (Energy Sector Management Assistance Program, ESMAP). Außerdem arbeitet Deutschland mit der SEforALL-Initiative (Sustainable Energy for All, deutsch: Nachhaltige Energie für alle) zusammen. Innerhalb der EU Energy Initiative (EUEI) koordinieren die europäischen Partner energie- und klimarelevante Aktivitäten der Entwicklungszusammenarbeit.

Programm Globale Energiewende (GET.pro)

Mit dem Multi-Geber-Programm Globale Energiewende (GET.pro) bündelt das BMZ europäische Kräfte (Europäische Kommission, Schweden, Niederlande, Österreich), um zu den internationalen Energie- und Klimazielen beizutragen. Dazu setzt GET.pro mit abgestimmten Instrumenten an den Eckpfeilern einer Energiewende – Privatsektor, öffentliche Akteure und internationaler Dialog – an.

Über GET.invest engagiert sich das BMZ für die Mobilisierung privater Investitionen in dezentrale Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie. GET.invest unterstützt vor allem private Entwicklerinnen und Entwickler sowie Betreiberinnen und Betreiber dezentraler Energieprojekte. Mit GET.transform unterstützt das BMZ die beteiligten Länder bei der Gestaltung ihrer Energiewende und berät unter anderem zu den Themen integrierte Energie-und Klimaplanung sowie Netzintegration.

Über die Afrikanisch-Europäische Energiepartnerschaft (Africa-EU Energy Partnership, AEEP) fördert das BMZ zusätzlich eine enge Zusammenarbeit europäischer Akteure mit dem Chancenkontinent Afrika für eine afrikanische Energiewende.

Eine wichtige Rolle spielt das Thema Energie zudem bei der Zusammenarbeit mit multilateralen Entwicklungsbanken. Das BMZ trägt durch seine Förderpolitik zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens bei. Demnach sollen internationale Finanzflüsse den Ausstoß von Treibhausgasen senken und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaänderungen erhöhen.

Arbeiten an einer Windturbine
  • Das Azeba Krankenzentrum im Ganta Afeshum-Distrikt in Äthiopien erhielt mithilfe von EnDev verlässliche Stromversorgung durch ein Solarsystem. Seit der Elektrifizierung ist das Personal nicht mehr auf Paraffin oder Taschenlampen während der Abendstunden angewiesen. Die Zahl der vom medizinischen Personal begleiteten Geburten stieg von fünf pro Jahr auf über zweihundert.
    Zusammenarbeit konkret

    Energising Development: Zugang zu Energie für Millionen

    "Energising Development" (EnDev) ist das größte Globalvorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Es soll bis 2021 für insgesamt 22 Millionen Menschen Zugang zu moderner, klimafreundlicher und bezahlbarer Energie zu schaffen.

  • Übersicht über das Erdwärmekraftwerk Olkaria, Kenia.
    Ostafrika: Zusammenarbeit konkret

    Klimafreundliche Energie aus der Erde

    Ostafrikas Stromzukunft liegt in der Erde: Das geothermische Potenzial entlang des ostafrikanischen Rift Valley ist riesig. Dennoch haben dort derzeit nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Strom.

  • Der Solarpark Soroti in Uganda
    Uganda: Zusammenarbeit konkret

    Bessere Stromversorgung, mehr Klimaschutz

    Um der steigenden Nachfrage nach Strom auf klimafreundliche Weise gerecht zu werden, setzt die ugandische Regierung auf die Nutzung erneuerbarer Energien und auf eine Steigerung der Energieeffizienz.

  • Das Programm Energising Development fördert in Afrika die Verbreitung von Kleinstsolargeräten.
    Malawi: Zusammenarbeit konkret

    Solarbetriebene Lampen verbessern das Leben vieler Familien

    In Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt, sind nur zwölf Prozent der rund 18 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner an ein Stromnetz angeschlossen. Die restliche Bevölkerung ist zum Kochen und Heizen auf Feuerholz, Holzkohle oder Pflanzenreste angewiesen.

  • Das Dorf Jalpa im Distrikt Khotang in Nepal wurde durch die Energiepartnerschaft Energising Development (EnDev) elektrifiziert.
    Nepal: Zusammenarbeit konkret

    Kleinwasserkraft verbessert das Leben in ländlichen Gebieten

    In Nepal haben etwa 20 Prozent der Bevölkerung in den ländlichen Regionen des Landes keinen Zugang zu Strom. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Jalpa im Distrikt Khotang waren vor vier Jahren noch auf Kerosin und Feuerholz als Lichtquelle angewiesen.

  • Im Norden von Ruanda entsteht das Kleinwasserkraftwerk Rwaza.
    Ruanda: Zusammenarbeit konkret

    Rwaza-Kleinwasserkraftwerk liefert saubere Energie

     Dem Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 fielen nach Schätzungen bis zu eine Million Menschen zum Opfer. Durch den Bürgerkrieg wurde auch ein Großteil der Infrastruktur zerstört. Die Anlagen für die Energieerzeugung und -versorgung waren davon stark betroffen.
     

Das Azeba Krankenzentrum im Ganta Afeshum-Distrikt in Äthiopien erhielt mithilfe von EnDev verlässliche Stromversorgung durch ein Solarsystem. Seit der Elektrifizierung ist das Personal nicht mehr auf Paraffin oder Taschenlampen während der Abendstunden angewiesen. Die Zahl der vom medizinischen Personal begleiteten Geburten stieg von fünf pro Jahr auf über zweihundert.
Zusammenarbeit konkret

Energising Development: Zugang zu Energie für Millionen

"Energising Development" (EnDev) ist das größte Globalvorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das BMZ als führender Geber hat sich zusammen mit den Niederlanden, Norwegen, Großbritannien, der Schweiz und Schweden das Ziel gesetzt, über das Programm bis 2021 für insgesamt 22 Millionen Menschen Zugang zu moderner, klimafreundlicher und bezahlbarer Energie zu schaffen. Derzeit wird EnDev in 25 Staaten umgesetzt, der Fokus liegt auf den am wenigsten entwickelten Ländern in Afrika.

Bis Ende 2018 hat EnDev weltweit 21,3 Millionen Menschen, 21.150 sozialen Einrichtungen (wie zum Beispiel Gesundheitszentren und Schulen) und rund 46.500 kleinen Unternehmen Zugang zu moderner Energie geschaffen.

Als Folge dieser Maßnahmen werden jährlich mehr als zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid sowie weitere klima- und umweltschädliche Gase und Rußpartikel vermieden. Das entspricht dem jährlichen Kohlendioxidausstoß einer Stadt wie Potsdam oder dem Anpflanzen von 5,5 Millionen Bäumen.

EnDev unterstützt die Neugestaltung des Energiesektors der Partnerländer im Sinne einer globalen Energiewende. Erneuerbare Energien und Energieeffizienztechnologien sollen Energiearmut mindern und eine "Dekarbonisierung" des Sektors einleiten.

EnDev unterstützt das Bereitstellen von:

  • Energie für Haushalte in Form von Lampen und kleinen elektronischen Geräten (zum Beispiel Mobiltelefone) sowie fürs Kochen, Backen und Heizen
  • Energie für Schulen, Krankenhäuser und Gemeindezentren (soziale Infrastruktur) in Form von Lampen, elektrischen Geräten sowie für Herde und Öfen
  • Energie für kleine und mittelständische Unternehmen, damit sie ihre Produktivität steigern, Güter leichter weiterverarbeiten und bessere Dienstleistungen anbieten können

Mit seinen Aktivitäten zielt EnDev nicht nur darauf ab, Menschen mit moderner, nachhaltiger Energie zu versorgen. Der Ansatz geht darüber hinaus: Der Zugang zu Energie und deren effiziente Nutzung sind ausschlaggebend, um weitreichende Wirkungen zu erzielen. Das gilt besonders für bessere soziale Dienstleistungen und für höhere Produktivität durch mehr nachhaltige Energie. Zudem werden Chancen für neue Arbeitsplätze und zusätzliches Einkommen geschaffen.

So nutzen Handwerkerinnen und Handwerker nun zum Beispiel elektrisch betriebene Maschinen wie Schweißgeräte, Einzelhändlerinnen und -händler verlängern ihre Öffnungszeiten und bieten gekühlte Produkte an und Kleinbäuerinnen und -bauern verarbeiten ihre Ernte selbst weiter, um auf den Märkten höhere Preise für ihre veredelten Güter zu erzielen.

Effiziente Kochherde

Weltweit haben über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Strom, drei Milliarden Menschen sind beim Kochen und Heizen auf Feuerholz, Holzkohle und Pflanzenreste angewiesen.

EnDev fördert neben dem Ausbau erneuerbarer Energien im ländlichen Raum auch die Verbreitung von effizienten und klimafreundlichen Energietechnologien, zum Beispiel effiziente Herde. Das Kochen auf solchen Herden verbraucht weniger Ressourcen; sie tragen zum Waldschutz bei, weil der Bedarf an Feuerholz sinkt. Gleichzeitig gelangen weniger Rußpartikel und andere Klimaschadstoffe in die Luft – ein wichtiger Beitrag für eine bessere Gesundheit, besonders von Frauen.

Zwei Männer in Ouagadougou/Burkina Faso bauen einen brennstoffarmen Herd.
Übersicht über das Erdwärmekraftwerk Olkaria, Kenia.
Ostafrika: Zusammenarbeit konkret

Klimafreundliche Energie aus der Erde

Ostafrikas Stromzukunft liegt in der Erde: Das geothermische Potenzial entlang des ostafrikanischen Rift Valley ist riesig. Dennoch haben dort derzeit nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Strom.

Bisher nutzen lediglich Kenia und Äthiopien Geothermie, um Elektrizität zu erzeugen. Die Probebohrungen sind teuer. Zudem ist das Risiko hoch, bei den Bohrungen trotz intensiver geologischer Voruntersuchungen nicht auf geeignete Ressourcen zu stoßen. Viele Investoren scheuen deshalb entsprechende Investitionen, obwohl Geothermie – einmal erschlossen – eine konstante, saubere und kostengünstige Energiequelle ist.

Aus diesem Grund hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit eine Geothermie-Fazilität (Geothermal Risk Mitigation Facility, GRMF) entwickelt, die auch von der EU und Großbritannien unterstützt wird. Dieser Fonds fördert geologische Untersuchungen von Geothermiefeldern durch Zuschüsse für die ersten Erkundungsbohrungen. Auf diese Weise verringert sich das finanzielle Risiko von Investitionen. Zudem finanziert die GRMF geologische Studien, um Erkundungsbohrungen vorzubereiten.

Öffentliche und private Geothermie-Projekte aus elf ostafrikanischen Ländern können sich bei der GRMF um Zuschüsse bewerben. Im Jahr 2016 wurden die ersten von der GRMF unterstützten Erkundungsbohrungen durchgeführt.

Insgesamt haben sich in den ersten fünf Bewerbungsrunden der GRMF 30 Projekte für eine Förderung qualifiziert, darunter sind Zuschüsse für 14 Studien und 16 Explorationsbohrungen. Das Interesse ist weiterhin hoch: Aktuell wird die Durchführung einer sechsten Bewerbungsrunde geprüft.

Erdwärmekraftwerk Olkaria, Kenia.

Kenia: Vorreiter bei erneuerbaren Energien

Kenia hat sich ein ehrgeiziges Ziel für seine Energieversorgung gesteckt. Um es zu erreichen, setzt man dort mit deutscher Unterstützung zunehmend auf Geothermie.

Der Solarpark Soroti in Uganda
Uganda: Zusammenarbeit konkret

Bessere Stromversorgung, mehr Klimaschutz

Da die Bevölkerung und die Wirtschaft wachsen, ist der Bedarf an Energie in Uganda hoch. Jedoch gibt es Defizite in der Energieversorgung, die unter anderem zu häufigen Stromausfällen in den Städten führen. Zudem ist der Anteil der ländlichen Bevölkerung mit Zugang zu Elektrizität noch sehr niedrig.

Erneuerbare Energien sowie die Förderung von Energieeffizienz bieten eine klimafreundliche Alternative, um dem Energiebedarf von Haushalten und Unternehmen gerecht zu werden. Auch setzt Uganda auf die Ausschöpfung von erneuerbare Energien, um die Klimaziele im Rahmen des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Förderung einer neuen Energiepolitik

Im Auftrag des BMZ hat die GIZ ein Programm zur Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz aufgelegt. Mit Unterstützung des Programms werden derzeit in enger Zusammenarbeit mit Ugandas Energieministerium die neuen politischen Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien definiert. Ziel der neuen Energiepolitik ist die Schaffung eines günstigen Umfelds für lokale und ausländische Investitionen in klimafreundliche erneuerbare Energien. Ein weiteres Ziel ist, die Energieverschwendung durch effiziente Nutzung von Energie, zum Beispiel in der Wirtschaft sowie in öffentlichen Institutionen, zu verringern.

Um die Energieeffizienz im privaten und öffentlichen Sektor zu verbessern, wurden im Rahmen des Programms 50 Auditoren professionell geschult. Diese führten bereits in mehr als 200 kleinen und mittleren Unternehmen und Schulen Audits zum Energiemanagement von Industrieenergie durch. Des Weiteren wurde in 17 Pilotdistrikten in Uganda das Thema Energiemanagement in die Planung und in das Budget der Kommunalverwaltungen einbezogen.

Das Programm hat auch den Kapazitätsaufbau für Händlerinnen und Händler im Bereich erneuerbare Energien und energieeffiziente Technologien ermöglicht. Dies zeigt sich an der Gründung von fünf Unternehmensverbänden im Energiesektor mit über 400 Mitgliedern aus den Bereichen Biomasse, Biogas, Solarenergie und Energieeffizienz.

Zugang zu klimafreundlichen Technologien

In Uganda haben nur zehn Prozent der ländlichen Bevölkerung Zugang zu Elektrizität. Als Brennstoff zum Kochen werden in den Städten und auf dem Land überwiegend Feuerholz und Holzkohle eingesetzt. Ein Großteil der Bevölkerung ist weder über die negativen Klimaauswirkungen des intensiven Einsatzes dieser Brennstoffe informiert, noch über die Notwendigkeit, klimafreundliche erneuerbare Energien zu verwenden.

Über das Programm Energising Development (EnDev), das durch das BMZ sowie die Regierungen der Niederlande, Norwegens, Großbritanniens, der Schweiz und Schwedens finanziert wird, wurde der Zugang zu innovativen Energietechnologien in ländlichen und städtischen Gebieten verbessert. Dies beinhaltet den marktbasierten Zugang zu verbesserten Kochherden für mehr als 680.000 Menschen. 537 soziale Einrichtungen und 525 kleine und mittlere Unternehmen wurden zudem mit modernen Solarsystemen für Licht und mit energieeffizienten Elektrogeräten ausgestattet. Durch die Aktivitäten von EnDev Uganda werden nach einer Einschätzung aus dem Jahr 2018 jährlich 61.737 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Das Programm Energising Development fördert in Afrika die Verbreitung von Kleinstsolargeräten.
Malawi: Zusammenarbeit konkret

Solarbetriebene Lampen verbessern das Leben vieler Familien

In Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt, sind nur zwölf Prozent der rund 18 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner an ein Stromnetz angeschlossen. Die restliche Bevölkerung ist zum Kochen und Heizen auf Feuerholz, Holzkohle oder Pflanzenreste angewiesen. Zur Beleuchtung werden kleine Kerosin- oder batteriebetriebene Lampen genutzt - gefährliche und umweltschädliche Energielieferanten.

Hier setzt die Energiepartnerschaft Energising Development (EnDev) an, die gemeinsam von Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Großbritannien, der Schweiz und Schweden finanziert wird: Sie fördert den Zugang zu moderner Energie in insgesamt 25 Ländern in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Unterstützt durch EnDev haben seit Mitte 2015 rund 65.800 Menschen in Malawi Kleinstsolargeräte gekauft, mit denen sie ihre Häuser beleuchten und einige zusätzlich auch ihre Mobiltelefone laden können. Eine von ihnen ist Clara Sayineti aus dem Dorf Mwadenje. Sie spart durch die Solarlampen pro Woche umgerechnet 4,80 Euro, da sie auf teures und klimaschädliches Kerosin verzichten kann. Die Beleuchtung erleichtert ihren Kindern das abendliche Erledigen der Hausaufgaben. Sie selbst kann abends im hellen Licht der Solarleuchte nähen sowie ihren kleinen Lebensmittelstand vor dem Haus der Familie betreiben und so zusätzlich Geld verdienen.

Die durch EnDev in Malawi verbreiteten Kleinstsolargeräte sparen bereits jetzt 2.200 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ein. Das entspricht mehr als 1.000 Hin- und Rückflügen einer Person in der Economy Class von Berlin nach Lilongwe, der Hauptstadt Malawis. Und die Nachfrage nach den Geräten steigt.

Der Markt für Solarprodukte wächst

Schätzungen zufolge wurden bis Ende 2017 etwa 125.000 Solarlampen im Land verkauft, womit nur ein Prozent der in Energiearmut lebenden Bevölkerung erreicht werden konnte. EnDev hat innerhalb der letzten vier Jahre maßgeblich zum Aufbau eines nachhaltigen Marktes für Solarprodukte entlang der gesamten Wertschöpfungskette beigetragen.

Dafür hat die Energiepartnerschaft Aufklärungskampagnen unterstützt und Firmen beim Vertrieb von über 74.000 Solargeräten gefördert. In der Bevölkerung steigt dadurch das Bewusstsein für den wirtschaftlichen Vorteil von hochwertigen Solarprodukten.

Dank des wachsenden malawischen Marktes werden in den kommenden Jahren noch viel mehr Menschen solarbetriebene Produkte nutzen, die klimafreundlicher und günstiger sind als traditionelle Brennstoffe.

Das Dorf Jalpa im Distrikt Khotang in Nepal wurde durch die Energiepartnerschaft Energising Development (EnDev) elektrifiziert.
Nepal: Zusammenarbeit konkret

Kleinwasserkraft verbessert das Leben in ländlichen Gebieten

In Nepal haben etwa 20 Prozent der Bevölkerung in den ländlichen Regionen des Landes keinen Zugang zu Strom. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Jalpa im Distrikt Khotang waren vor vier Jahren noch auf Kerosin und Feuerholz als Lichtquelle angewiesen. Sie mussten sechs Stunden laufen, um in Diktel, der nächstgelegenen Stadt, Kerosin zu kaufen. Ein Liter Kerosin kostete umgerechnet 85 Cent und war nach einer Woche verbraucht.

Durch das Globalvorhaben Energising Development (EnDev), das von Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Großbritannien, der Schweiz und Schweden finanziert wird, haben sich die Lebensbedingungen der Bewohnerinnen und Bewohner von Jalpa verbessert. In Nepal wird unter anderem der Bau von Kleinwasserkraftwerken gefördert, so auch im Distrikt Khotang.

Komitee verwaltet und betreibt das Kraftwerk

Zurzeit profitieren 195 Familien von dem klimafreundlichen Strom aus dem Lumju-Khola-Kleinwasserkraftprojekt. Purna Bahadur Rai aus Jalpa bezahlt für den nachhaltig erzeugten Strom jetzt umgerechnet 88 Cent pro Monat – und spart somit monatlich 2,80 Euro: "Es war früher sehr schwierig, besonders für Frauen und Kinder, weil sie viele Stunden in dunklen und verrauchten Räumen verbringen mussten. Das hat ihrer Gesundheit sehr geschadet. Heute ist unser Zuhause nicht mehr so verrußt und wir bleiben gesund. Wir verbrauchen auch weniger Feuerholz und das rettet unseren Wald", erklärt Rai und zeigt auf eine LED-Lampe, die er in seinem Haus installiert hat.

Er ist der Vorsitzende des Komitees, welches das Kraftwerk verwaltet und betreibt. Mit einem ordnungsgemäßen Abrechnungssystem und Verbrauchsverzeichnis der Haushalte hat das Verwaltungskomitee das Vertrauen der Dorfgemeinschaft gewonnen. Eine Finanzkooperative zahlt die Stromrechnung. Die Einwohnerinnen und Einwohner kennen die Betriebs- und Instandhaltungskosten ihres Wasserkraftwerks und planen vorausschauend. Unter anderem haben sie einen Reparaturfonds eingerichtet, der sich nach den starken Erdbeben im Jahr 2015 schon bewährt hat.

Strom für mehr als 34.000 Menschen

Mehr als 34.000 Menschen in ländlichen Regionen Nepals haben mithilfe von EnDev Zugang zu Strom durch Kleinwasserkraft erhalten. Die Familien in Jalpa und anderen Gemeinden profitieren sogar mehrfach: Die Stromversorgung ist zuverlässig und sie benötigen kein teures und klimaschädliches Kerosin mehr. Außerdem wird im Wald weniger Brennholz geschlagen. Die in Nepal durch EnDev geförderte Wasserkraft spart pro Jahr 861 Tonnen Kohlendioxid ein, so viel wie durchschnittlich 169 Autos pro Jahr produzieren.

Das Dorf Jalpa im Distrikt Khotang in Nepal wurde durch die Energiepartnerschaft Energising Development (EnDev) elektrifiziert.
Im Norden von Ruanda entsteht das Kleinwasserkraftwerk Rwaza.
Ruanda: Zusammenarbeit konkret

Rwaza-Kleinwasserkraftwerk liefert saubere Energie

Dem Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 fielen nach Schätzungen bis zu eine Million Menschen zum Opfer. Durch den Bürgerkrieg wurde auch ein Großteil der Infrastruktur zerstört. Die Anlagen für die Energieerzeugung und -versorgung waren davon stark betroffen. In Ruanda hat daher heute nur etwa ein Viertel der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität.

Die Regierung arbeitet daran, die Energieinfrastruktur wiederaufzubauen und dabei unter anderem Wasserkraft, Methangas, Solarenergie und geothermische Energiequellen zu nutzen.

Ihr Ziel: Bis 2020 sollen 70 Prozent der Bevölkerung einen stabilen Zugang zu Elektrizität erhalten.

Strom für 20.000 Haushalte

Deutschland unterstützt Ruanda bei der Umsetzung seiner Energiestrategie: Im Norden des Landes, in der Nähe der Stadt Musanze, entsteht mit deutscher Unterstützung am Fluss Mukungwa das Kleinwasserkraftwerk Rwaza.

Das Rwaza-Kraftwerk versorgt seit dem dritten Quartal 2018 das ruandische Stromnetz mit Elektrizität und wird jährlich 20 Gigawattstunden Strom produzieren. Das entspricht zwei Prozent der im Land produzierten Elektrizität und deckt den jährlichen Strombedarf von 20.000 ruandischen Haushalten.

Da das Kraftwerk seinen Strom in das lokale Elektrizitätsnetz einspeist, werden auch die Unternehmen und Industriebetriebe vor Ort zukünftig von einer stabileren Stromversorgung profitieren.

Finanzierungsgesellschaft für Energievorhaben in Afrika

Um Energieprojekte wie den Bau des Kleinwasserkraftwerks Rwaza in Afrika zu fördern, hat die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums 2014 eine Projektentwicklungs- und Finanzierungsgesellschaft gegründet, die responsAbility Renewable Energy Holding (rAREH). Sie ist eine privat-öffentliche Gesellschaft, die in den Ländern südlich der Sahara kleine bis mittlere Energieanlagen mitentwickelt, mitfinanziert und betreibt. Privater Partner in dieser Holding ist die Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft responsAbility. Die KfW Entwicklungsbank hat für die Holding 20,5 Millionen Euro bereitgestellt.

Den Bau des ruandischen Kleinwasserkraftwerks Rwaza unterstützt die rAREH seit Mitte 2014 als Investor, gemeinsam mit dem dänischen Investor Frontier Energy. Für die Umsetzung des Projekts ist der lokale Entwickler DC Hydropower verantwortlich. Er wird durch die amerikanische Power Africa Initiative unterstützt.

Im Norden von Ruanda entsteht das Kleinwasserkraftwerk Rwaza.
Energie und Klima

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Themendossier "Klimawandel und Entwicklung"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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