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Deutsches Engagement

Nachhaltige Energie für alle

Windpark bei Zafarana, Ägypten

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt den Ausbau nachhaltiger Energiesysteme weltweit. In mehr als 40 Partnerländern fördert das BMZ derzeit Energievorhaben, in 26 davon bildet Energie sogar einen Schwerpunkt der Zusammenarbeit. Allein in den Jahren 2014 und 2015 hat das BMZ mit mehr als vier Milliarden Euro den weltweiten Aufbau nachhaltiger und klimafreundlicher Energiesysteme gefördert. Damit ist Energie, gemessen am Fördervolumen, einer der größten Einzelposten in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit – mit steigender Tendenz.

Bedarfsgerechte, verlässliche und nachhaltige Energieversorgung für alle

Deutschland unterstützt insbesondere Ansätze, die das gesamte Energiesystem eines Partnerlandes betrachten und den Dreiklang aus erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Zugang zu nachhaltiger Energie fördern. Mit Hilfe von erneuerbaren Energie- und Energieeffizienztechnologien soll Energiearmut gemindert und eine "Dekarbonisierung" des Energiesektors eingeläutet werden.

Im Fokus der Zusammenarbeit im Energiesektor steht die Schaffung einer bedarfsgerechten, verlässlichen und nachhaltigen Energieversorgung für alle. Dies bedeutet, dass nachhaltig erzeugte Energie zur richtigen Zeit und am richtigen Ort in der entsprechenden Menge und Qualität erhältlich ist.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bietet maßgeschneiderte Lösungsansätze zur Schaffung und Verbesserung des Energiezugangs auf Haushaltsniveau, für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) und soziale Einrichtungen, bis hin zum Bedarf im Industriesektor. Um dies zu ermöglichen, unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ihre Partner dabei, die erforderlichen administrativen, legislativen, politischen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen. Das entspricht einerseits dem Bedarf der Partnerländer nach mehr Energie und senkt zugleich den Ausstoß an Treibhausgasen.

Um Partnerländer beim Übergang zu einer klimafreundlichen Energieversorgung zu unterstützen, greift das BMZ auch auf Erfahrungen aus der deutschen Energiewende zurück: Welche Techniken haben sich bewährt? Wie sollten rechtliche Rahmenbedingungen gestaltet sein? Welche Faktoren führen zum Erfolg oder eben gerade nicht? Solche Erkenntnisse sind auch anderswo gefragt. Daher bleibt Deutschland in Sachen nachhaltiger Energie auch künftig ein engagierter und verlässlicher Partner.


Bilaterales Engagement: Wechsel zu nachhaltiger Energieversorgung begleiten

Durch bilaterale Zusammenarbeit unterstützt das BMZ seine Partner dabei, förderliche Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Energieversorgung zu schaffen und den Markt für erneuerbare Energien und Energieeffizienzprodukte zu öffnen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit berät zu neuen Gesetzen, Strategien, Einspeisetarifen, Steuersätzen und Subventionsreformen. Sie hilft beim Aufbau von Energieagenturen und trainiert lokale Fachkräfte. Sie sensibilisiert durch Aufklärungskampagnen und stärkt den Dialog zwischen Regierungsvertretern, Unternehmen und der Zivilgesellschaft.

Damit der Markt für nachhaltige Energie in Gang kommt, stellt das BMZ zahlreichen Ländern neben Know-how auch Kapital zur Verfügung. So werden zum Beispiel über nationale Entwicklungsbanken Kreditlinien für klimafreundliche Produkte aufgelegt. Die Gelder fließen etwa in energieeffiziente Haushaltsgeräte in Mexiko oder energiesparende Neubauten in Indien und verschiedenen Ländern Osteuropas. Da die Banken in vielen Ländern bei der Kreditvergabe für erneuerbare Energien oder Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz noch zögern, können solche Kreditlinien einen entscheidenden Anreiz für den weiteren Ausbau schaffen.


Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern

Mitarbeiter der Solarkraftanlage in Ouarzazate, dem zurzeit größten Solarkraftwerk der Welt
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Mitarbeiter der Solarkraftanlage in Ouarzazate, dem zurzeit größten Solarkraftwerk der Welt

Im marokkanischen Ouarzazate ist einer der größten Solarparks der Welt in Betrieb und wird kontinuierlich weiter ausgebaut. Ziel ist, mit der Anlage mindestens 1,3 Millionen Menschen mit klimafreundlichem Strom zu versorgen. Gegenüber konventioneller Stromerzeugung werden dadurch jährlich mindestens 800.000 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß vermieden. Deutschland ist mit zinsverbilligten Darlehen in Höhe von mehr als 800 Millionen Euro der größte Unterstützer des Vorhabens. Zusätzlich werden Mittel des Fonds für saubere Technologie (Clean Technology Fund, CTF), der Afrikanischen Entwicklungsbank und weiterer Geber eingesetzt.

Auch Indien wird dabei unterstützt, seine ehrgeizigen Ausbauziele für erneuerbare Energien zu verwirklichen. Im Rahmen eines deutsch-indischen Energieprogramms werden die indischen Partner etwa zu der Frage beraten, wie die wachsenden Strommengen aus sauberen Energiequellen in das nationale Netz integriert werden können. Denn die größten Potenziale für erneuerbare Energie hat Indien abseits seiner wirtschaftlichen Zentren. Der Strom muss also dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird. Dafür baut Indien – ebenfalls mit deutscher Unterstützung – sogenannte "grüne Korridore" kontinuierlich aus. Sie sollen die bisherigen Energienetze ergänzen und regionale Unterschiede ausgleichen.

Brasilien hat ein riesiges und bisher noch nicht erschlossenes Potenzial für die Nutzung von erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne. Die Nachfrage nach Energie im Schwellenland Brasilien ist groß. Gleichzeitig hat das Ausbaupotenzial von Großwasserkraft in den vergangenen Jahren enorm abgenommen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt brasilianische Partner dabei, ein Winddatensystem aufzubauen, um das Potenzial von Windenergie an unterschiedlichen Standorten besser einschätzen zu können. Weiterhin wurden mit deutscher Unterstützung Einspeiseregelungen für dezentral produzierten Strom auf den Weg gebracht. Landesweit wurden neun Windparks mit einer Leistung von insgesamt 450 Megawatt finanziert. Das entspricht rund 10 Prozent der in Brasilien installierten Windkraft-Kapazität. Die im Rahmen der verschiedenen Programme finanzierten Windparks führen zu Kohlendioxid-Einsparungen von insgesamt über acht Millionen Tonnen im Jahr.

In Südafrika unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ebenfalls den Ausbau erneuerbarer Energien. Mit einem ehrgeizigen Programm werden die entsprechenden Rahmenbedingungen verbessert. Deutschland beteiligt sich darüber hinaus mit 300 Millionen Euro am Ausbau der Stromnetze und berät den nationalen Energieversorger ESKOM bei der Integration von Elektrizität aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz. Mittlerweile sind in Südafrika Anlagen zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen mit einer Gesamtleistung von über 3.300 Megawatt am Netz.

Strom aus erneuerbaren Quellen spielt außerdem eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Zugang zu Energie in ländlichen Regionen zu gewährleisten. Unter anderem fördert Deutschland die Versorgung der abgelegenen West-Nile-Region Ugandas: Dort beziehen mittlerweile mehr als 60.000 Menschen und viele Unternehmen ihren gesamten Strom aus einem kleinen Wasserkraftwerk. Ein zweites ist in Planung. Weitergeleitet wird der Strom über ein neues sogenanntes "Inselnetz", das mit deutschen Fördermitteln erheblich erweitert wurde. Das verbessert die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort und bringt die lokale Wirtschaft auf klimafreundliche Weise voran.


Initiative für Erneuerbare Energien in Afrika

Logo: Initiative für Erneuerbare Energien in Afrika (Africa Renewable Energy Initiative, AREI)

Deutschland unterstützt zusammen mit anderen Industrieländern die Initiative für Erneuerbare Energien in Afrika (Africa Renewable Energy Initiative, AREI). Diese wurde im Juni 2015 auf dem G7-Gipfel in Deutschland mit den afrikanischen Partnern auf den Weg gebracht und sechs Monate später auf der Weltklimakonferenz in Paris gegründet.

Die AREI ist eine rein afrikanisch geführte Initiative. Sie hat das Ziel, bis zum Jahr 2020 in Afrika zehn Gigawatt zusätzliche Leistung zur Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Quellen zu installieren. Bis 2030 wird ein Ausbau dieser Stromerzeugungskapazitäten von insgesamt 300 Gigawatt angestrebt.

Die G7, Schweden, die Niederlande und die EU-Kommission haben auf der Weltklimakonferenz in Paris für den Zeitraum bis 2020 zehn Milliarden US-Dollar zur Förderung von erneuerbaren Energien in Afrika und damit zur Unterstützung der AREI-Ziele zugesagt. Sie soll im Rahmen der bereits existierenden bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit erfolgen. Deutschland und Frankreich haben mit je drei Milliarden Euro die größten Unterstützungsankündigungen gemacht.

2016 war Deutschland mit 1,2 Milliarden Euro größter bilateraler Geber für erneuerbare Energien in Afrika. Diese Mittel wurden in den Ausbau klimafreundlicher Energiesysteme in Afrika, die Übertragung und Verteilung des nachhaltig produzierten Stroms sowie in die technische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet investiert. Derzeit werden über die bilaterale Zusammenarbeit Energievorhaben in mehr als 20 afrikanischen Ländern unterstützt.


Infografik: Initiative für Erneuerbare Energien in Afrika (AREI)
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Infografik: Initiative für Erneuerbare Energien in Afrika (AREI)


Multilaterales Engagement: gemeinsam für eine nachhaltige Energiezukunft

Auch auf multilateraler Ebene setzt sich Deutschland für nachhaltige, klimafreundliche Energiesysteme ein. Ein besonderes Augenmerk gilt hier der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und Initiativen wie etwa der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (International Renewable Energy Agency, IRENA), dem Politiknetzwerk REN21 und der SEforAll-Initiative (Sustainable Energy for All, deutsch: Nachhaltige Energie für alle).

Über das Renewable Energy Cooperation Programme (RECP) engagiert sich das BMZ für den Aufbau von Märkten für erneuerbare Energien in Afrika. Der übergeordnete Austausch und die Kooperation zwischen energiepolitischen Akteuren aus Afrika und Europa wird mit Hilfe der Afrikanisch-Europäischen Energiepartnerschaft (Africa-EU Energy Partnership, AEEP) gefördert. Sie trägt dazu bei, Herausforderungen im europäischen und afrikanischen Energiesektor gemeinsam zu überwinden.

Eine wichtige Rolle spielt das Thema Energie zudem bei der Zusammenarbeit mit multilateralen Entwicklungsbanken. Das BMZ unterstützt die Ausrichtung ihrer Förderpolitik am Pariser Klimaabkommen. Dieses fordert, dass internationale Finanzflüsse einer Entwicklung zugutekommen sollen, die darauf ausgerichtet ist, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaänderungen zu erhöhen.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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