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Deutsche Politik

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Bekämpfung von Kinderarbeit

Zwei Mädchen in Äthiopien waschen in einem Bach Wäsche.

Das Ziel 8.7 der Agenda 2030 verpflichtet die Weltgemeinschaft, gemeinsam Maßnahmen zu ergreifen, um Zwangsarbeit, moderne Sklaverei, Menschenhandel und alle Formen der Kinderarbeit zu bekämpfen. Bereits mit den Kernarbeitsnormen und den Konventionen 138 und 182 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gab es einen globalen Konsens hinsichtlich Mindestalter, internationaler Standards und Prinzipien zum Schutz von Kindern und dringend notwendiger Maßnahmen im Kampf gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit.

Dennoch arbeiten nach aktuellen Schätzungen der ILO immer noch rund 152 Millionen Kinder im Alter zwischen 5 und 17 Jahren unter Gegebenheiten, die als Kinderarbeit einzustufen sind, nahezu die Hälfte von ihnen unter ausbeuterischen und oft gesundheitsschädlichen und gefährlichen Bedingungen. Armut, Einkommensschwankungen durch Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen sowie eine fehlgeleitete Wirtschafts- und Sozialpolitik sind häufige Ursachen von Kinderarbeit.

Kinderarbeit findet in verschiedensten Formen statt: als Zwangsarbeit oder Schuldknechtschaft, in Privathaushalten und Industriebetrieben. Rund 60 Prozent der Kinderarbeiterinnen und -arbeiter sind in der Landwirtschaft beschäftigt, einem der unfallträchtigsten Wirtschaftssektoren.

Nur etwa ein Fünftel der arbeitenden Kinder erhält einen Lohn; der größte Teil der Kinderarbeit wird in familiären Betrieben geleistet. Viele Familien sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder zum Einkommen beitragen. Kinderarbeit ist oft verbunden mit Kinderhandel, auch zum Zweck der kommerziellen sexuellen Ausbeutung in Form von Kinderpornografie oder Kinderprostitution.

Die mit Kinderarbeit einhergehende mangelnde Schulbildung sowie langfristige physische und psychische Beeinträchtigungen stellen ein gravierendes Entwicklungshemmnis für Kinder dar und verstärken die Wahrscheinlichkeit für fortgesetzte Armut im Erwachsenenalter. So führt Kinderarbeit in vielen Fällen zur späteren Jugendarbeitslosigkeit, da nicht das nötige Wissen aufgebaut werden konnte, um auf dem Arbeitsmarkt Anschluss zu finden.

Der deutsche Beitrag

Eine Junge arbeitet als Lastenträger auf einer staubigen Straße in der Nähe der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu

Deutschland setzt sich maßgeblich für die Bekämpfung von ausbeuterischen und gefährlichen Formen der Kinderarbeit ein. Mit einem jährlichen Beitrag von derzeit rund 400.000 Euro unterstützt die Bundesregierung das Internationale Programm zur Abschaffung der Kinderarbeit (International Programme on the Elimination of Child Labour, IPEC), das seit 1992 von der ILO betrieben wird. Die Bundesregierung hat das Programm mit initiiert und seitdem mit einem Betrag von umgerechnet rund 73 Millionen US-Dollar finanziell unterstützt.

Zudem unterstützt die deutsche Entwicklungspolitik seit langem die Entwicklung und Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards und die Stärkung gesellschaftlich verantwortlichen unternehmerischen Handelns.

Beispielsweise unterstützt das vom BMZ finanzierte Informationsportal "Kompass Nachhaltigkeit" (www.oeffentlichebeschaffung.kompass-nachhaltigkeit.de) die für Beschaffung Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen beim Einkauf von Produkten, die unter Einhaltung aller relevanten sozialen Standards hergestellt wurden. Hierzu gehört auch die Beachtung der einschlägigen ILO-Konventionen zur Kinderarbeit.


Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft

Ein Junge in Indien verkauft Ballons.

Gemeinsam mit Unternehmen der Privatwirtschaft fördert das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) die Erarbeitung freiwilliger Verhaltenskodizes, zum Beispiel im Kaffeesektor. Diese Selbstverpflichtungen der Wirtschaft enthalten auch den Verzicht auf ausbeuterische Kinderarbeit. Im Rahmen von Multi-Stakeholder-Initiativen arbeitet das BMZ mit der Privatwirtschaft, den Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft zusammen, um das Ausmaß an Kinderarbeit zu reduzieren (zum Beispiel Forum Nachhaltiger Kakao, Bündnis für nachhaltige Textilien).

Durch seine Mitgliedschaft im "Forum Nachhaltiger Kakao" setzt sich das BMZ aktiv gegen missbräuchliche Kinderarbeit und Mangelernährung in Westafrika ein. Wesentliche Ursache für beides ist die extreme Armut der Kakaobauern in dieser Region. Ein vorrangiges Ziel des Forums ist es, die Lebensumstände und die Einkommenssituation der Kakaobäuerinnen und -bauern und ihrer Familien zu verbessern.

Außerdem wird in den von Deutschland geförderten Projekten berücksichtigt, dass Kinderarbeit oftmals mit fehlenden Arbeitsplätzen und mangelnder Bildung zusammenhängt. Nur wenn sie selbst Beschäftigung finden und existenzsichernde Einkommen erwirtschaften, können Väter und Mütter auf das Arbeitseinkommen ihrer Kinder verzichten und diese stattdessen zur Schule schicken.

Um das Recht auf Beteiligung von Kindern zu fördern, unterstützt das BMZ ein Projekt einer Nichtregierungsorganisation (NRO). Es sieht eine weltweite Befragung von etwa 2.000 arbeitenden Kindern zu ihrer Lebenssituation, den Ursachen von Kinderarbeit und ihren Lösungsvorschlägen vor. Die Ergebnisse der Befragung fließen in die Vorbereitung und die Debatten der IV. Globalen Konferenz zu Kinderarbeit 2017 in Buenos Aires (Argentinien) ein. So tragen sie dazu bei, langfristig nachhaltige Lösungsansätze für das Problem ausbeuterischer Kinderarbeit zu finden.


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