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Deutsche Politik

Ein Leben in Frieden und Sicherheit, Schutz auf der Flucht

Kinder spielen neben Wassertanks in der Flüchtlingsunterkunft 'Hasansham U3' nahe Hasansham im Irak

Von einem Leben in Frieden und Sicherheit können viele Mädchen und Jungen nur träumen. UNICEF zufolge leben 535 Millionen Kinder – fast ein Viertel der Kinder weltweit – in Gebieten, die von Konflikten oder Katastrophen betroffen sind. Dabei sind sie oft schwerwiegenden Risiken ausgesetzt, erfahren Gewalt und Ausbeutung und werden zwangsweise zu Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden, aber auch Kämpfenden oder Hilfskräften von bewaffneten Truppen.

Kindersoldaten

Kinder im Hilfsprojekt "Kinderrepublik Benposta" für ehemalige Kindersoldaten und misshandelte Kinder in Bogota, Kolumbien

Ein Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention legt fest, dass Kinder unter 18 Jahren nicht unmittelbar an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt werden dürfen. Doch weltweit werden etwa 250.000 Kinder von staatlichen und nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen als Kämpfer missbraucht. Entweder werden sie zwangsrekrutiert oder sie schließen sich den Truppen aufgrund von Armut und Perspektivlosigkeit freiwillig an. Mädchen leiden besonders, sie werden häufig Opfer sexueller Gewalt, viele müssen Zwangsehen mit Kämpfern eingehen. Mit dem achten globalen Entwicklungsziel (SDG 8.7) hat sich die Staatengemeinschaft dazu verpflichtet, den Missbrauch von Kindern als Soldatinnen oder Soldaten zu beenden.


Kinder auf der Flucht

Eine syrische Familie in einem Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze bei Nizip

Etwa die Hälfte der Flüchtlinge weltweit ist jünger als 18 Jahre. Im Jahr 2015 lebten 31 Millionen Kinder außerhalb ihres Geburtslandes und weitere 17 Millionen waren vor Krieg und Gewalt innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht (Binnenvertriebene). Insbesondere dann, wenn sie von ihren Familien getrennt wurden, sind Kinder und Jugendliche in hohem Maße schutzbedürftig. Darauf wird auch in den Empfehlungen der Genfer Flüchtlingskonvention hingewiesen. Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge und Migranten hat sich seit 2010 fast verfünffacht.

Während der Flucht, aber auch wenn sie in Aufnahmeländern Zuflucht gefunden haben, sind Kinder und Jugendliche besonders gefährdet, Opfer von Missbrauch oder Ausbeutung wie etwa Kinderarbeit, Menschenhandel oder Zwangsrekrutierung zu werden. Häufig bestehen zusätzliche Risiken für Mädchen, wie sexuelle und geschlechterbasierte Gewalt oder Zwangsheirat. Oftmals wurden Kinder Zeugen oder Opfer von Gewalt und sind daher bereits durch physische und psychische Folgen (etwa Traumata oder Behinderungen verschiedener Art) in ihrer Entwicklung beeinträchtigt.

Die in der UN-Kinderrechtskonvention verbrieften Rechte bleiben bei zu vielen geflüchteten Kindern unerfüllt. So können beispielweise nur 50 Prozent der Flüchtlingskinder eine Grundschule besuchen, nur 22 Prozent eine Sekundarschule. Mädchen und Kindern mit Behinderungen wird der Schulbesuch sogar überdurchschnittlich oft verwehrt (Mehrfachdiskriminierung). Die physischen und psychischen Folgen, die Kinder und Jugendliche durch Gewalt, Flucht und Vertreibung davontragen, sind fatal. Durch Traumatisierung, den Zusammenbruch von Familien- und Sozialstrukturen sowie die Zerstörung des Gesundheits- und Schulsystems drohen diese Kinder zu "verlorenen Generationen" heranzuwachsen.

Kinder verfügen allerdings auch über eine große Widerstandsfähigkeit und das Potenzial, sich an veränderte Umstände anzupassen und sie positiv zu gestalten. Als Akteure des Wandels können sie auch im Hinblick auf langfristige krisenpräventive Ansätze, gewaltfreie Konfliktbearbeitung und (Re-) Integration eine positive Rolle spielen. Dies erkennt auch die UN-Sicherheitsresolution 2250 zu Jugend, Frieden und Sicherheit ausdrücklich an.


Deutsches Engagement

Deutschland fördert gezielt die Rechte und Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen auf der Flucht, in Aufnahmeländern und in Konfliktgebieten. In den Maßnahmen der Sonderinitiative "Fluchtursachen mindern, Flüchtlinge (re)integrieren" stellen Kinder und Jugendliche eine Hauptzielgruppe dar.

Zu den geförderten Ansätzen zählen unter anderem psychosoziale Betreuung und Gesundheitsversorgung für Kinder, Instandsetzung und Aufbau schulischer Kapazitäten in Aufnahmeländern, Förderung einkommensschaffender Maßnahmen für junge Menschen, Einrichtung kinderfreundlicher Orte in Flüchtlingslagern und Schulen oder Impfungen von Kleinkindern. Der Schutz junger Menschen und die Stärkung ihrer Rechte stellen zudem einen wichtigen Beitrag zur Friedensförderung und zur Stabilisierung guter Regierungsführung dar.

Auch die entwicklungsfördernde und strukturbildende Übergangshilfe berücksichtigt in besonderem Maße Kinder und Jugendliche. Sie soll die Folgewirkungen von Krisen, Konflikten und Katastrophen lindern und eine Brücke zwischen humanitärer Hilfe und der nachfolgenden nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit schlagen. In erster Linie geht es dabei um die Wiederherstellung einer Basisinfrastruktur und sozialer Grundleistungen, die besonders auch Kindern und Jugendlichen zugutekommen.

Zudem hat der Bundestag am 1. Juni 2017 das Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen beschlossen, welches das Ehemündigkeitsalter von 16 Jahren auf 18 Jahre heraufsetzt. Eine Ehe ist durch richterliche Entscheidung aufzuheben, wenn ein Ehepartner zum Zeitpunkt der Eheschließung das 16., aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet hatte. Ehen, bei denen einer der Ehegatten zum Zeitpunkt der Eheschließung das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte, sind grundsätzlich unwirksam. Diese Grundsätze gelten auch für Ehen mit Minderjährigen, die nach ausländischem Recht wirksam geschlossen wurden. Das entsprechende Gesetz ist am 22. Juli 2017 in Kraft getreten.

Weiterführende Informationen finden Sie im Themenfeld Flucht sowie im Themenfeld Frieden.


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