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Deutscher Beitrag

Soziale Sicherheit und faire Finanzierung


Medikamente in einem Gesundheitszentrum in Madagaskar.

Im Krankheitsfall müssen Patienten und ihre Familien in Ent­wick­lungs­ländern meist einen Großteil der Kosten selbst tragen. Dies führt häufig zu un­voll­stän­di­ger Be­hand­lung und bringt das Risiko von Ver­ar­mung durch hohe Ausgaben mit sich. Laut Angaben der Welt­gesund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) geraten weltweit jedes Jahr etwa 100 Millionen Menschen krank­heits­bedingt in finanzielle Not und fallen dadurch unter die Armuts­grenze. Finanzierungs­mechanismen wie Kranken­ver­sicherungen sind meist erst ansatzweise entwickelt.

Der Zugang zu gesundheitlicher Versorgung wird jedoch nicht nur von der Zahlungs­fähigkeit eines Menschen bestimmt, sondern hängt darüber hinaus oft auch vom Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Bildung, Wohnort und Behinderungen ab.

Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es, ihre Ko­ope­ra­tions­länder beim Aufbau eines sozial gerechten, solidarischen und effizienten Systems der Finanzierung von Gesund­heits­leistungen zu unter­stützen. Dies geschieht unter anderem durch

  • Beratung von Gesundheitsministerien, unter anderem bei der Weiter­ent­wick­lung von Fi­nan­zie­rungs­systemen für das Gesund­heits­wesen auf Basis von Steuern oder Krankenversicherungen;
  • Beratung der Kooperationsländer bei der Einführung in­no­va­ti­ver Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­keiten für das Gesund­heits­wesen wie zum Beispiel Gutschein-Systemen oder Sparfonds;
  • Beratung von Regierungen und nach­ge­ord­ne­ten Behörden bei der Stärkung der Finanz­ver­wal­tung und beim Aufbau von trans­pa­ren­ten Strukturen und Ent­schei­dungs­me­cha­nis­men für die Verwendung von Finanzmitteln;
  • Aus- und Weiterbildung von Fach- und Führungs­personal in den Arbeits­bereichen Gesund­heits­ökonomie und -finanzierung.

Beispiel Indien

Rund 400 Millionen Menschen arbeiten in Indien im informellen Sektor. Um ihnen den Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung zu eröffnen, entwickelte das indische Ministerium für Arbeit und Beschäftigung 2007 ein staat­liches Sozial­ver­si­che­rungs­modell. Heute hat das soziale Sicherungs­programm mehr als 60 Millionen Mitglieder, die über eine digitale Ver­si­cher­ten­karte in Kran­ken­häusern landes­weit kosten­frei behandelt werden können. Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit war an der Entwicklung des Modells beteiligt und etabliert Süd-Süd-Kooperationen zu diesem Thema.

Beispiel Kenia

In Kenia können viele arme Frauen keine an­ge­mes­se­nen Gesund­heits­dienst­leis­tun­gen in Anspruch nehmen. Darum werden die meisten Kinder zu Hause geboren und nur knapp 44 Prozent aller Geburten werden von medi­zi­ni­schem Fach­personal betreut. Durch gezielte Maßnahmen wie der Einführung von sub­ven­tio­nier­ten Gesund­heits­gut­schei­nen erhalten Frauen aus armen Be­völ­ke­rungs­schichten leichteren Zugang zu qualitativ hochwertigen Ge­sund­heits­dienst­leis­tun­gen von privaten und öf­fent­lichen Anbietern. In­zwi­schen wurden zehn­tau­sen­de Kinder unter fach­licher Be­treu­ung sicher zur Welt gebracht – und jeden Monat kommen mehr als 1.500 sicherer Geburten dazu.

Weltgesundheitsbericht

Ende November 2010 hat die Generaldirektorin der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO), Margaret Chan, in Berlin den Welt­ge­sund­heits­bericht 2010 vor­ge­stellt. Der Bericht trägt den Titel "Finanzierung von Gesund­heits­systemen – Der Weg zu universeller sozialer Absicherung im Krank­heits­fall". Er wurde von der WHO als Reaktion auf den von reichen und armen Ländern gleicher­maßen geäußerten Bedarf an einem prak­tischen Leitfaden zur Gesund­heits­finanzierung in Auftrag gegeben. Die Erarbeitung des Berichts haben das BMZ und das Bundes­ministerium für Gesundheit unterstützt.

Im August 2013 ist ein neuer Weltgesundheitsbericht erschienen. Er trägt den Titel "Research for Universal Health Coverage" (Forschung für universelle Gesundheitsversorgung).

Lexikon der Entwicklungspolitik

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