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Frieden

Gewalt gegen Kinder in bewaffneten Konflikten

Kinder im Hilfsprojekt "Kinderrepublik Benposta" für ehemalige Kindersoldaten und misshandelte Kinder in Bogota, Kolumbien

Anders als früher sind Zivilisten – und vor allem Kinder – inzwischen die Haupt­leid­tra­gen­den gewalt­samer Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Rund eine Mil­liar­de Kinder und Jugendliche leben nach Schätzung des Kinder­hilfs­werks der Vereinten Nationen (UNICEF) in Gebieten mit bewaffneten Konflikten.

Exzessive Gewalterfahrungen, Flucht, Vertreibung und das Zerreißen von Familien traumatisieren Kinder schwer. Viele sind durch die Folgen von Kriegen auf sich allein gestellt. Nach Angaben des Flücht­lings­hilfs­werks der Vereinten Nationen (UNHCR), das sich welt­weit um Flücht­linge, Staaten­lose, Asyl­su­chen­de und Binnen­ver­trie­bene kümmert, sind fast die Hälfte der rund 60 Millionen Flücht­linge Kinder.

Besonders hart trifft Kinder auch die Zerstörung von Schulen und Kranken­häusern, denn sie haben dadurch nur un­zu­rei­chen­den Zugang zu humanitärer Ver­sor­gung. Die Ent­wick­lungs­mög­lich­keiten von Kindern sind in diesen Si­tu­a­tio­nen stark ein­ge­schränkt. Die Folgen wirken sich lange nach Be­en­di­gung des Kon­flikts auf ihre Ent­wick­lung und den weiteren Lebensweg aus.

Kinder aus dem Slumgebiet Mathare Valley in Nairobi, Kenia. Urheberrecht: bpa, Bernd KühlerSchätzungsweise mehr als 250.000 Minder­jäh­ri­ge wer­den welt­weit von Armeen und be­waff­ne­ten Gruppen als aktive Kinder­sol­da­ten miss­braucht. Viele von ihnen werden zu Gräuel­taten ge­zwun­gen. Kinder sind an­spruchs­loser und billiger als er­wach­sene Soldaten, und sie sind leichter zu mani­pu­lie­ren. Oft werden die Kinder mit Gewalt dazu ge­zwun­gen, Soldat zu werden, viele schließen sich aber auch frei­willig einer Armee oder be­waff­ne­ten Gruppe an. Sie glauben, für sich und ihr Leben keine andere Perspektive zu haben.

Kindersoldaten werden ihres Rechts auf eine normale Ent­wick­lung beraubt. Gewalt, sexueller Miss­brauch, Ent­beh­run­gen und soziale Iso­la­tion trau­ma­ti­sie­ren die Kinder. Fast alle leiden unter großen see­li­schen Prob­lemen – oft für den Rest ihres Lebens.

Viele Kindersoldaten sind im Krieg auf­ge­wach­sen und kennen nichts anderes als Krieg. Die einzige Methode, die sie zur Lösung von Konflikten erlernen, ist Gewalt. Auch nach dem Ende der Kämpfe bleibt die Armee oft ihr einziger Bezugs­punkt. Die Rückkehr in ihre Heimat­gemeinden ist für viele ehe­ma­li­ge Kinder­soldaten un­mög­lich, weil sie dort nicht als Opfer, sondern als Täter an­ge­sehen werden. Diese Ablehnung treibt viele der Kinder erneut in die Arme von Soldaten, bewaffneten Gruppen oder Kriminellen.

Besonders schlimm ist die Situation der Mädchen. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Belastungen werden sie in den Armeen und Rebellen­gruppen häufig Opfer sexueller Gewalt. Daraus folgt ein stark erhöhtes Risiko der Ansteckung mit HIV oder anderen Erregern von Infektions­krankheiten. Opfer von Ver­ge­wal­ti­gun­gen werden oft aus ihrem familiären und heimat­lichen Umfeld aus­ge­schlos­sen. Mädchen benötigen darum besondere Hilfe, um sich aus der gesell­schaft­lichen Isolation zu befreien und wieder in ein nor­ma­les Leben zurück­zufinden.

Der Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten ist ein wichtiges Anliegen internationaler und deutscher Menschen­rechts­politik. Ent­wick­lungs­po­litische Maß­nah­men werden speziell auf ihre Bedürfnisse zu­ge­schnit­ten, um ihre Re­inte­gration in die Ge­sell­schaft zu erreichen. Die Wieder­ein­glie­de­rung von ehe­ma­ligen Kinder­soldaten und anderen von be­waff­ne­ten Konflikten be­trof­fe­nen Kindern ist eine wichtige Vor­aus­set­zung für das Gelingen von gesamt­ge­sell­schaft­lichen Versöhnungs- und Wieder­auf­bau­prozessen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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