FRIEDENSENTWICKLUNG
Friedensentwicklung – eine Aufgabe der Entwicklungspolitik
Die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen verdeutlicht: Entwicklung und Frieden sind untrennbar miteinander verbunden. Im Kampf gegen Armut, Gewalt und Unrecht ist es Aufgabe der Entwicklungspolitik, die Partnerländer bei der Friedensentwicklung zu unterstützen: durch Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und Friedensförderung. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hilft, strukturelle Ursachen von Konflikten zu reduzieren und eine Kriseneskalation frühzeitig zu verhindern. Sie unterstützt staatliche und gesellschaftliche Akteure bei der gewaltfreien Konfliktbearbeitung. Und sie trägt dazu bei, nach Beendigung von bewaffneten Konflikten Frieden zu fördern und einen Rückfall in die Gewalt zu verhindern. Bei ihrem Handeln ist Entwicklungspolitik stets dem Konzept der menschlichen Sicherheit verpflichtet. mehr
KRISENPRÄVENTION
Gewalt verhindern, bevor sie ausbricht
Im Jahr 2008 wurden nach Untersuchungen der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) weltweit 40 Kriege und bewaffnete Konflikte gezählt. Hunderttausende Tote sowie Millionen Verwundete und Flüchtlinge sind die Folge. Ein Krieg kann ein Land oder eine Region um Jahrzehnte zurückwerfen. Die Kosten für den Wiederaufbau der Infrastruktur sind enorm. Soziale Strukturen werden zerstört, Versöhnung fällt umso schwerer, je mehr menschliches Leid erfahren wurde. Gewalt zu verhindern, bevor sie ausbricht, ist daher das Ziel der zivilen Krisenprävention. Voraussetzung ist, die Faktoren zu erkennen, die in den Partnerländern zu Konflikten führen können: zum Beispiel große Unterschiede zwischen Arm und Reich, die ungerechte Verteilung knapper Ressourcen oder die Missachtung der Menschenrechte. mehr
KONFLIKTBEARBEITUNG
Gewaltfreie Lösungen entwickeln
Ein wichtiges Ziel der Entwicklungszusammenarbeit ist es, den Partnerländern im Krisenfall zu helfen, Konflikte gewaltfrei zu beenden. Zielgerichtete Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Lage zu entschärfen und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort eine friedliche Lösung zu entwickeln. Der politische Dialog auf Regierungsebene und die Stärkung der Fähigkeiten von Entscheidungsträgern in Politik, Staat und Gesellschaft, kooperative Lösungen zu entwickeln, sind zentrale Ansatzpunkte der Entwicklungszusammenarbeit. Durch flankierende Maßnahmen kann sie darüber hinaus den Handlungsspielraum für politische Lösungen erweitern helfen. mehr
FRIEDENSFÖRDERUNG
Versöhnung und Wiederaufbau
Um langfristig Frieden zu schaffen, reicht es nicht, die sichtbare Gewalt zu beenden. Wenn die Ursachen eines Konfliktes nicht beseitigt werden, kann er immer wieder ausbrechen – der Wiederaufbau muss in den Köpfen der Menschen beginnen. Das BMZ fördert die Wiederherstellung von zerstörter Infrastruktur und den Aufbau staatlicher Strukturen. Der Entwicklung von personellen und institutionellen Kapazitäten kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Es gilt, den Staat in die Lage zu versetzen, seine Funktion gegenüber den Bürgern wieder wahrzunehmen. Gleichzeitig unterstützt das BMZ die Arbeit von Wahrheitskommissionen, Menschenrechtskommissionen, die juristische Aufarbeitung von Kriegsverbrechen sowie Versöhnungsprojekte und Programme zur psychischen Betreuung von Kriegsopfern. mehr
REFORM DES SICHERHEITSSEKTORS
Sicherheit – Voraussetzung für Frieden und Entwicklung
In der Internationalen Gemeinschaft hat sich in den letzten Jahren zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass Reformen des Sicherheitssektors (SSR) eine Schlüsselvoraussetzung für Frieden, Achtung und Schutz der Menschenrechte und eine nachhaltige Entwicklung sind. Ziel ist die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols und die demokratische Kontrolle des Sicherheitssektors. Akteure im Sicherheitssektor sind in erster Linie das Justizsystem sowie die Polizei, Streitkräfte und die Nachrichtendienste als Vollzugsorgane. mehr
KINDER IN BEWAFFNETEN KONFLIKTEN
Opfer und Täter zugleich
Rund zwei Millionen Kinder haben in den letzten zehn Jahren im Zuge gewaltsam ausgetragener Konflikte ihr Leben verloren. Die Zahl der verletzten und versehrten Kinder liegt noch um ein vielfaches höher. Anders als früher sind Zivilisten, allen voran Kinder, die Hauptleidtragenden gewaltsamer Auseinandersetzungen. Exzessive Gewalterfahrungen, Flucht und Vertreibung und das Zerreißen von Familienbanden traumatisieren Kinder schwer. Nicht selten sind sie durch die Folgen des Krieges auf sich allein gestellt. Die Zerstörung von Schulen und Krankenhäusern treffen Kinder besonders hart, sie stellt eine schwere Hypothek für ihre Zukunft dar. Allzu oft werden Kinder auch zu Soldaten gemacht. 250.000 Minderjährige werden schätzungsweise weltweit von Armeen und bewaffneten Gruppen als Kämpfer und Arbeitskräfte, aber auch sexuell missbraucht, viele von ihnen werden zu Gräueltaten gezwungen. mehr
ZIVILER FRIEDENSDIENST
Fachleute im Einsatz für den Frieden
Mit dem Zivilen Friedensdienst (ZFD) hat die Bundesregierung 1999 ein neues Instrument zur Friedenssicherung und Krisenprävention geschaffen. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Instruments, wird es 2009 einer gründlichen Evaluierung unterzogen. Speziell ausgebildete Fachleute vermitteln im Konflikt, bringen Anliegen benachteiligter Menschen an die Öffentlichkeit, begleiten ehemalige Soldaten auf ihrem Weg ins zivile Leben, arbeiten mit traumatisierten Opfern von Gewalt oder ermöglichen Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat. Sie arbeiten dabei immer mit lokalen Organisationen und Initiativen zusammen. Der ZFD ist ein Erfolgsmodell staatlicher und nichtstaatlicher Träger der Entwicklungs- und Friedensarbeit. mehr
Fragile Staatlichkeit
Fragile Staaten – eine Herausforderung für die Entwicklungspolitik
Um Frieden langfristig zu sichern, müssen weltweit die Menschenrechte geachtet, geschützt und aktiv verwirklicht werden. Stabile demokratische Verhältnisse müssen geschaffen und Konflikte konstruktiv und gewaltfrei gelöst werden. Zu den Prinzipien eines gut regierten Staates zählen außerdem eine unabhängige Justiz, eine soziale Grundversorgung, transparente öffentliche Finanzen und ein Wirtschaftssystem, das der Bevölkerung ein ausreichendes Einkommen sichert. Doch in vielen Ländern sind die staatlichen Akteure nicht willens oder in der Lage, diese Prinzipien umzusetzen. mehr
DOKUMENTE UND LINKS
Weiterführende Informationen
Hier finden Sie eine Auswahl von Links auf Dokumente und Internetseiten, die ergänzende Informationen zu den Themen Friedensentwicklung, Krisenprävention, Konfliktbearbeitung, Friedensförderung, Reform des Sicherheitssektors, Kinder in bewaffneten Konflikten, Ziviler Friedensdienst und fragile Staatlichkeit bieten. mehr
Beispiele
Täter und Opfer engagieren sich für den Wiederaufbau
Seit mehr als 40 Jahren prägt Gewalt das Leben der Menschen in der Demokratischen Republik Kongo. Das Land kommt vor allem im Osten, an der Grenze zu Ruanda und Burundi, nicht zur Ruhe. Zwar zählt das nationale Demobilisierungsprogramm allein in der Provinz Maniema 4.650 entwaffnete Soldaten. Doch tatsächlich dürften es rund 16.000 Kämpfer sein, die in dieser Region unvorstellbares Leid unter der Zivilbevölkerung angerichtet haben. Opfer waren vor allem Frauen und Mädchen. Massenvergewaltigungen und barbarische Verstümmelungen gehörten zum Alltag.

Projektname: Unterstützung der Reintegration von Ex-Kombattanten und Flüchtlingen
Ziel: Sozioökonomische Reintegration von Ex-Kombattanten und Kriegsopfern in die Gemeinden, Abbau von Konfliktpotenzialen, Hilfe für vergewaltigte Frauen und Mädchen
Strategie: Schaffung von Einkommen und Stärkung lokaler Wirtschaftskreisläufe durch Straßenbau und Mikroprojekte sowie Bewältigung entstandener Traumata und Abbau von Konfliktpotenzialen durch psychosoziale Begleitung
Deutscher Beitrag: 14,4 Millionen Euro
Geplante Laufzeit: 2005 bis Oktober 2009
Beispiele
Perspektiven schaffen, Kriminalität eindämmen
Südafrika ist ein Land mit hoher Kriminalitätsrate. Besonders schlimm ist die Situation in den urbanen Zentren sowie – als Nachwirkung der Apartheid – in den früher als Townships bezeichneten Gebieten. Dort wachsen viele junge Menschen unter schwierigen sozialen Bedingungen in einem von Armut geprägten Umfeld auf, in dem Gewalt als alltägliches Mittel der Konfliktlösung gilt. Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums wurde ein Pilotkonzept zur Prävention von Kriminalität in den städtischen Zentren Südafrikas entwickelt.

Projektname: Konfliktmanagement in urbanen Zentren, Südafrika
Ziel: Stärkung der Konfliktmanagement-
kapazitäten innerhalb der Zivilgesellschaft, Reduzierung der Kriminalität an sozialen Brennpunkten
Strategie: Beratung der lokalen Regierung, Verwaltung und Zivilgesellschaft, Ausbildung von Jugendlichen zu freiwilligen Friedensarbeitern in den Gemeinden, berufsbezogene Schulungen
Deutscher Beitrag: 3,5 Millionen Euro
Geplante Laufzeit: 1997 bis 2010
Informationen
Siehe auch
Publikationen
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Krisenpräventive Wirkungen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Zentralasien:
Aktuelle Debatten über Instrumente und Optionen
BMZ Spezial 143
(PDF 1,7 MB) -

Förderung von Good Governance in der
deutschen Entwicklungspolitik
BMZ Konzepte 172
(PDF 336 KB, barrierefrei) -
Entwicklungspolitischer Aktionsplan für Menschen-
rechte 2008–2010
BMZ Konzepte 155
(PDF 878 KB, barrierefrei) -
Entwicklungsorientierte Transformation bei fragiler Staatlichkeit und schlechter Regierungsführung
BMZ Konzepte 149
(PDF 718 KB, barrierefrei)


