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Frieden

Friedensförderung: Versöhnung und Wiederaufbau

Zeitzeuginnen des ruandischen Genozids tanzen und singen bei einer Veranstaltung zur Trauma- und Konfliktverarbeitung.

Um langfristig Frieden zu schaf­fen, reicht es nicht, die Gewalt zu be­en­den. Wenn die Ur­sa­chen eines Kon­flik­tes nicht be­sei­tigt werden, kann er immer wieder aus­bre­chen. Maß­nah­men des Wieder­auf­baus müssen von Ver­söh­nungs­prozessen begleitet werden, um eine Grund­lage für stabile soziale Struk­tu­ren zu schaffen.

Es gilt, den be­trof­fe­nen Staat in die Lage zu ver­set­zen, seine Aufgaben wieder wahr­zu­neh­men. Dazu fördert das BMZ die Ent­wick­lung von per­so­nel­len und insti­tu­tio­nel­len Kapa­zitäten. Gleichzeitig unter­stützt es die Arbeit von Wahr­heits- und Menschen­rechts­kom­mis­sio­nen, die juristische Auf­ar­bei­tung von Kriegs­ver­bre­chen sowie Ver­söh­nungs­projekte und Programme zur psycho­lo­gi­schen Be­treu­ung von Kriegs­opfern. Deutsch­land engagiert sich dazu sowohl im Rahmen der bilateralen Zu­sam­men­ar­beit, etwa mit dem Zivilen Friedens­dienst in Kambodscha und Ruanda, als auch über multi­laterale Ini­ti­a­ti­ven der EU oder der Vereinten Nationen wie zum Beispiel in Kolumbien.

Wenn ein Konflikt beendet ist, haben die be­tei­lig­ten Kämpfer oft keine Pers­pek­tive und keine Be­schäf­ti­gung mehr. Vielen fällt es schwer, wieder in ein ziviles Leben zurück­zu­finden. In Wieder­ein­glie­de­rungs­pro­gram­men, die im Rahmen der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit unter­stützt werden, können sie nach der Ent­waff­nung über ihre Er­fah­run­gen sprechen, psycho­lo­gi­sche Hilfe in Anspruch nehmen, sich beruf­lich weiter­bilden und in das zivile Leben zurück­finden. Eine besondere He­raus­for­de­rung in diesem Bereich ist die Re­in­te­gra­tion von weib­lichen Kämpfern und zwangs­re­kru­tier­ten Frauen und Kindern in die Ge­sell­schaft.

Neuanfang ermöglichen

Aber auch der Wiederaufbau der zerstörten Infra­struk­tur hilft, den Frieden zu sichern. Straßen und Versorgungs­anlagen, Schulen und Behörden müssen instand gesetzt werden, um dem Land einen Neu­an­fang zu er­mög­lichen. In Absprache mit anderen in­ter­na­ti­o­nalen Gebern unter­stützt Deutsch­land seine Ko­ope­ra­tions­länder dabei durch Finanzielle und Technische Zu­sam­men­ar­beit.

Dabei ist es nur selten sinnvoll, die alten Strukturen un­ver­än­dert wieder ein­zu­richten. Meistens muss ein Neu­an­fang gelingen, denn die alte Infra­struk­tur und die alten In­sti­tu­tionen re­flek­tieren oft die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Macht, die über­wunden werden soll.

Die Bun­des­re­pu­blik engagiert sich daher auch im politischen Rahmen, zum Beispiel indem sie Regierungen bei lang­fristigen Reformen von Staat und Justiz berät. Auf der recht­lichen Ebene unter­stützt sie unter anderem Wahr­heits­kom­mis­sio­nen bei der Auf­ar­bei­tung von Men­schen­rechts­verletzungen. Entscheidend ist die Beteiligung aller Konflikt­parteien, um stabile Friedens­allianzen her­zu­stellen.

Frieden langfristig sichern

Fortschritte bei der Friedens­förderung sind nur schwer zu erfassen, da es um lang­fris­tige Pro­zesse in einem sehr kom­plexen Umfeld geht. Um die Vor­aus­set­zun­gen für eine fried­liche Zukunft zu schaffen, sind tief­grei­fen­de gesell­schaft­liche Ver­än­de­run­gen notwendig, die Jahrzehnte dauern können.

Die nach­hal­tige Gestaltung friedlicher Ent­wick­lungs­prozesse erfordert eine genaue Analyse der besonderen Bedingungen in Nach­kriegs­situationen und fragilen Staaten. Das Duisburger Institut für Frieden und Ent­wick­lung (INEF) untersucht deshalb im Auftrag des BMZ, wie ent­wick­lungs­po­litische Maß­nah­men in einem instabilen Umfeld besser und wirk­samer um­ge­setzt werden können. Bei dem For­schungs­vorhaben "Instru­mente und Ver­fah­ren der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit in Post-Konflikt-Situationen" werden auch die Wechsel­wir­kun­gen mit Bereichen wie Umwelt- und Ressourcen­schutz berücksichtigt.

Die Bun­des­re­gie­rung versteht nach­hal­tige Friedens­sicherung als ressort­über­grei­fende Aufgabe. Im September 2012 haben das BMZ, das Auswärtige Amt und das Bundes­ver­tei­di­gungs­ministerium das Strategie­papier "Für eine ko­härente Politik der Bun­des­re­gie­rung gegen­über fragilen Staaten – Ressort­über­grei­fende Leitlinien" ver­ab­schiedet. Darin wird betont, dass das deutsche En­gage­ment für den Frieden den gesamten Prozess von der Krisen­prävention über eventuelle Maß­nahmen der Konflikt­bei­le­gung bis zur För­de­rung nach­haltiger Ent­wick­lung umfasst.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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