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Frieden

Friedensentwicklung: Eine Aufgabe der Entwicklungspolitik

Flüchtlinge in einem Lager im Südsudan warten auf die Zuteilung von Essen.

Kriege und gewaltsame Konflikte zählen zu den schlimmsten Entwicklungshemmnissen. Sie verursachen großes Leid, zerstören die wirtschaftliche und soziale Infrastruktur und schwächen staatliche Institutionen. Laut Weltentwicklungsbericht 2011 der Weltbank, der sich dem Thema "Konflikt, Sicherheit und Entwicklung" widmete, sind Menschen in Konflikt oder Post-Konfliktländern doppelt so häufig unterernährt und leben mit 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit unter der Armutsgrenze als Menschen in Entwicklungsländern ohne gewaltsame Konflikte.

Frieden und Stabilität sind Voraussetzungen für Ent­wick­lung. Im Kampf gegen Armut, Gewalt und Unrecht ist es deshalb Aufgabe der Ent­wick­lungs­po­li­tik, die Ko­ope­ra­tions­länder bei der Friedens­ent­wick­lung zu unterstützen: durch Krisen­prä­ven­tion, fried­liche Konflikt­bearbeitung und Friedensförderung.

Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit hilft, strukturelle Ursachen von Konflikten zu reduzieren und eine Krisen­eskalation frühzeitig zu verhindern. Sie unterstützt staatliche und gesell­schaft­liche Akteure bei der gewalt­freien Kon­flikt­bearbeitung. Und sie trägt dazu bei, nach Beendigung von bewaffneten Konflikten Frieden zu fördern und einen Rückfall in die Gewalt zu verhindern.

Das ent­wick­lungs­po­litische Handeln der Bun­des­re­pu­blik berück­sich­tigt die Erfahrung, dass Wandel und Ent­wick­lung fast immer zu Interessens­un­ter­schie­den führen und daraus Konflikte entstehen. Ziel ist es nicht, solche gesell­schaft­lichen Konflikte pauschal zu ver­mei­den, sondern zu verhindern, dass sie gewalt­sam ausgetragen werden und dadurch zu Krisen­situationen führen. In der Ent­wick­lungs­po­li­tik wird daher statt von Konflikt­prävention meist von Krisen­prävention gesprochen.

Zum Selbstverständnis der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik gehört auch, dass sie Bemühungen zur Friedens­ent­wick­lung in den Ko­ope­ra­tions­ländern lediglich fördern und eigen­ver­ant­wort­lich handelnde Menschen unter­stützen kann. Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit selbst kann keine Konflikte von außen lösen oder den Erhalt des Friedens sicherstellen.

Menschliche Sicherheit erhalten

Das UN-Flüchlingshilfswerk UNHCR transportiert Menschen, die vor Kämpfen in der Zentralafrikanischen Republik fliehen, in Lager in Kamerun.

Bei ihrem Handeln ist Ent­wick­lungs­po­li­tik stets dem Ziel verpflichtet, die mensch­liche Si­cher­heit zu erhalten oder zu erhöhen. Dazu gehören auch die "mensch­lichen Aspekte" von Si­cher­heit – also beispiels­weise die sozio­öko­no­mische Sicherheit, die Sicherheit vor Gesund­heits­gefährdungen sowie die Ernährungs- und Umwelt­sicherheit. Menschliche Sicher­heit ist weit mehr als der Schutz der Betroffenen vor Gewalt. Ziel ist es auch, die Betroffenen zur Selbst­hilfe zu befähigen. So ver­stan­dene Ent­wick­lung er­mög­licht den Menschen die Ent­fal­tung von Chancen. Sie trägt dazu bei, dass sie ihr Leben "frei von Furcht" und "Mangel" führen können – ent­sprechend der Definition von mensch­licher Sicherheit nach dem Welt­ent­wick­lungs­bericht des Ent­wick­lungs­programms der Vereinten Nationen (UNDP) von 1994.


Kooperation mit nichtstaatlichen Einrichtungen

Eine wichtige Rolle für die Krisen­prävention, Konflikt­bearbeitung und Friedens­förderung spielt die nichtstaatliche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Die auf diesem Feld tätigen Nicht­re­gierungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, politischen Stiftungen und kirch­lichen Ein­rich­tungen verfügen über lang­jährige Erfahrungen und haben eigene Konzepte der Friedens­arbeit entwickelt. Ihr En­gage­ment ist vor allem dann von er­heb­licher Bedeutung, wenn die staat­liche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit – zum Beispiel aus politischen Gründen – nicht direkt zum Einsatz kommen kann.


Maßnahmen konfliktsensibel gestalten (Do No Harm)

Eine syrische Frau mit ihren Kindern beim Arzt in einem Flüchtlingslager im Libanon

Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit kann in Einzelfällen ungewollte Wir­kungen haben, die – wenn Maß­nah­men in Kriegs- oder Konflikt­gebieten durchgeführt werden – auch zu einer Ver­schlech­te­rung oder Eskalation von Krisen bei­tra­gen können. Potenziell sind alle Or­ga­ni­sa­ti­on­en, die in Krisen­situationen engagiert sind, damit kon­fron­tiert, zum Beispiel durch die Ver­tei­lung von Ressourcen oder durch die eigene Außen­darstellung. Daher ist es gerade bei Programmen in Krisen­situationen besonders wichtig, sie möglichst "konflikt­sensibel" zu ge­stal­ten. In­ter­na­tional hat sich dafür der Begriff "Do No Harm" durch­gesetzt. Nach diesem Prinzip sollen nicht be­ab­sichtigte Folgen von Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit und ungewollte Konflikt­ver­schär­fungen erkannt, vermieden und ab­ge­fe­dert werden. Friedens­fördernde und die Gegen­sätze zwischen den Konflikt­parteien über­brückende Effekte werden gezielt verstärkt.


Friedensentwicklung als Querschnittsthema berücksichtigen

Um den komplexen Ursachen und Folgen be­waff­ne­ter Konflikte gerecht zu werden, berück­sichtigt die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit bei der Planung aller ent­wick­lungs­politischer Maß­nah­men auch das übergreifende Quer­schnitts­thema Friedens­entwicklung.

Zentrale Bedeutung hat dabei vor allem die Situation von Frauen und Kindern: Sie machen einen Großteil der Flüchtlinge und Vertriebenen aus, die aufgrund von Kriegen und Konflikten ihre Heimat verlassen. Frauen und Kinder müssen aber nicht nur in Extrem­situationen un­mittel­bar geschützt werden. Ihre be­son­de­ren Bedürf­nisse müssen auch in Friedens­verhandlungen oder bei Wieder­auf­bau­maß­nahmen be­rück­sich­tigt werden, um mittel- und lang­fristig ihr Recht auf gesell­schaft­liche Teilhabe zu ver­wirk­lichen und fried­liche gesell­schaft­liche Ent­wick­lungs­prozesse zu ermöglichen.

Weitere wichtige Quer­schnitt­sthemen sind die Aus­wir­kun­gen von Klima­wandel, Migration und natür­lichen Res­sourcen auf Konflikt­situationen sowie die Be­deu­tung privat­wirt­schaft­lichen Engage­ments für Wieder­aufbau, Be­schäf­ti­gung und Einkommen.


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