Hauptinhalt

Arbeitsfelder und Instrumente

Erwerbsarbeit und wirtschaftliches Empowerment von Frauen

Technische Angestellte in der Schaltzentrale der Pumpstation eines Wasserprojekts der KfW Entwicklungsbank in Bujumbura in Burundi

Die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen am Wirtschafts- und Erwerbsleben trägt zur nachhaltigen Entwicklung eines Landes bei. Wenn Frauen sich wirtschaftlich beteiligen und Zugang zu menschenwürdiger Beschäftigung haben, kommt dies nicht nur den Frauen selbst zugute. Frauen investieren 90 Prozent ihres Einkommens in die Bildung, Gesundheit und Versorgung ihrer Familien (Männer: 30 Prozent). Daher kommt eine Stärkung ihrer ökonomischen Teilhabe der nächsten Generation unmittelbar zugute.

Wirtschaftliche Benachteiligung von Frauen verstößt also nicht nur gegen ihre Grundrechte, sondern ist auch volkswirtschaftlich kurzsichtig. Durch die gleichberechtigte wirtschaftliche Beteiligung von Frauen können Armut und Ungleichheit reduziert und das Wirtschaftswachstum gefördert werden.

Rechtlich und sozial benachteiligt

Die Teilnahme von Frauen am Arbeitsmarkt ist weltweit erheblich niedriger als die von Männern. Frauen stehen beim Zugang zum formellen Arbeitsmarkt zahlreichen rechtlichen und sozialen Hürden gegenüber. So werden Frauen in 128 Ländern beim Zugang zum Beruf in mindestens einem Punkt rechtlich diskriminiert (zum Beispiel Zugang zu Landrechten, zu Eigentum, zu Finanzen, im Erbrecht, in der Berufsausübung). Frauen sind darüber hinaus mit weiteren Benachteiligungen konfrontiert: Sie werden für gleiche Tätigkeiten sehr häufig schlechter bezahlt als Männer und arbeiten öfter in ungesicherten Verhältnissen.

Um ein eigenständiges Einkommen zu erwirtschaften, arbeiten Frauen öfter als Männer im sogenannten informellen Sektor. Sie arbeiten beispielsweise als Haushaltshilfen, Kleinunternehmerinnen, Straßenverkäuferinnen, für kleine "Hinterhoffirmen" oder in kleinbäuerlichen Betrieben. Ihre Arbeit wird volkswirtschaftlich nicht erfasst und ist rechtlich und sozial nicht abgesichert, etwa in Bezug auf maximal zulässige Arbeitszeiten und den gesetzlichen Mindestlohn. Darüber hinaus haben Frauen in der informellen Wirtschaft keinen Anspruch auf staatliche soziale Absicherung wie beispielsweise Mutterschutz.

Doch auch wenn ihre produktiven Tätigkeiten nur im geringen Umfang von der offiziellen Wachstumsdefinition und -statistik erfasst werden, sind Frauen in vielen Bereichen Leistungsträgerinnen ihrer Gesellschaft. In den meisten Entwicklungsländern produzieren sie beispielsweise den Großteil der Grundnahrungsmittel. Darüber hinaus verrichten sie weltweit fast die gesamte Fürsorge- und Hausarbeit, die privat in den Familien anfällt – und die nirgendwo bezahlt wird.


Finanzielle Unabhängigkeit bietet Schutz

Laos: Am monatlichen Banktag zahlen Mikrofinanzkunden Geld beim Dorfbankenkomitee der Dorfbank in Pung ein.

Der gleichberechtigte Zugang von Frauen und Männern zu wirtschaftlicher Betätigung ist ein Menschenrecht und die Basis für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft.

Ein wichtiger Grundpfeiler für die Gleichberechtigung der Geschlechter ist finanzielle Unabhängigkeit. Sie bietet Frauen einen besseren Schutz vor Ausbeutung, Unterdrückung und Missachtung ihrer Rechte. Auch aus gewaltsamen Beziehungen können sich Frauen besser befreien, wenn sie sich und ihre Kinder selbst ernähren können.


Deutsches Engagement

Deutschland engagiert sich weltweit und intensiv für das wirtschaftliche Empowerment von Frauen, um kulturelle, gesellschaftliche und rechtliche Hürden für die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen zu überwinden. Das BMZ hat dazu in allen Konzepten der Entwicklungszusammenarbeit geschlechtsspezifische Aspekte fest verankert, zum Beispiel in den Bereichen Privatwirtschaftsförderung, Wirtschaftspolitik, Bildung und Berufsbildung sowie Informations- und Kommunikationstechnik.

In ihren Kooperationsländern fördert die Bundesrepublik Rechtsreformen, die zum Abbau von geschlechtsspezifischen Benachteiligungen von Frauen im Wirtschaftssektor führen. Um Frauen den Weg in die Selbstständigkeit zu erleichtern, fördert das BMZ zum Beispiel auch ihren Zugang zu Finanzprodukten. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt sich außerdem intensiv für den Aufbau von sozialen Sicherungssystemen für Frauen und die Verbesserung ihrer Arbeitsplatzbedingungen ein.

Ein besonderer Schwerpunkt der deutschen Maßnahmen ist die Verbesserung der beruflichen Bildung von Frauen. Im Rahmen der G7-Präsidentschaft im Jahr 2015 hat Deutschland eine Initiative zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen gestartet (Initiative on women’s economic empowerment). Der Schwerpunkt der Initiative liegt auf beruflicher Bildung als Schlüssel für eine stärkere wirtschaftliche Teilhabe von Mädchen und Frauen und als wichtiges Mittel, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu schaffen. Ziel ist, den Zugang zu beruflicher Bildung für Frauen und Mädchen bis 2030 um ein Drittel zu erhöhen. Gemeinsam mit Partnerländern sollen rechtliche, soziale und kulturelle Diskriminierungen abgebaut und die Bedingungen für die Beschäftigung von Frauen sowie die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft verbessert werden.

Umfassende Informationen über das deutsche entwicklungspolitische Engagement im Bereich Wirtschaft, Wachstum und Beschäftigung finden Sie ​hier.


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen