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Zusammenarbeit konkret

Südamerika: Gemeinsam den Frauen eine Stimme geben


30 bis 50 Prozent der Frauen in Bolivien, Peru und Ecuador sind laut Schätzungen körperlicher Gewalt durch ihre Partner ausgesetzt.

Alle Länder der Andenregion haben sich zur Vorbeugung, Bekämpfung und Bestrafung von Gewalt gegen Frauen verpflichtet: Sie haben die entsprechenden internationalen Konventionen ratifiziert und nationale Gesetze und Aktionspläne gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Kraft gesetzt. Doch die mangelnde Zusammenarbeit und der geringe Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen staatlichen, nichtstaatlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren erschweren die Umsetzung dieser Gesetze und Aktionspläne.

Regionaler Ansatz

Ein Vorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ("Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Peru, Ecuador, Bolivien und Paraguay, ComVoMujer") hat sich zum Ziel gesetzt, diese Situation zu verbessern. Es umfasst zwei Handlungsfelder:

  • Verbesserung des Erfahrungsaustausches und der Zusammenarbeit auf regionaler und nationaler Ebene
  • Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft

Durch Kampagnen, Dialogveranstaltungen und Studien werden soziokulturelle Denk- und Verhaltensmuster beeinflusst, die Gewalt gegen Frauen und die gesellschaftliche Ungleichheit der Geschlechter rechtfertigen. Verschiedene staatliche, nichtstaatliche und privatwirtschaftliche Akteure werden zielgruppenorientiert geschult und bei der Umsetzung von gewaltvorbeugenden Ansätzen unterstützt.


Wirkungen

​Voneinander lernen: In Peru wurde 2011 mit den Wasserversorgungsunternehmen die Präventionskampagne "Dreh der Gewalt an Frauen den Hahn zu" gestartet. Unter anderem wurden dabei Anti-Gewalt-Botschaften auf die Wasserrechnungen gedruckt. Die Kampagne erreichte 15 Millionen Menschen. Daraufhin wurde sie von Bolivien, Paraguay und Ecuador übernommen und inhaltlich ausgeweitet.

Neue regionale Dialoge: Die Regionalkonferenz "Vom Austausch zur Veränderung" 2012 in der peruanischen Hauptstadt Lima war ein wichtiger Meilenstein für den Ausbau der Kooperation zwischen den Programmbeteiligten. Beim Treffen eines hochrangig besetzten Beirats für Frauen und Chancengleichheit (Consejo Asesor Andino de Altas Autoridades de la Mujer e Igualdad de Oportunidades, CAAAMI) wurde eine gemeinsame Erklärung zum Thema Gewalt gegen Frauen abgegeben. Diese berücksichtigt ausdrücklich auch die Bedürfnisse indigener und afroamerikanischer Frauen in ländlichen Gegenden.

Recht auf ein gewaltfreies Leben: 2013 trafen sich indigene Führerinnen aus den Programmländern zum Regionaldialog "Stimmen der Würde". Es folgte eine Anhörung bei der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS). Die Erklärung für das Recht von Frauen auf ein gewaltfreies Leben wurde im Anschluss in die politischen Agenden der Organisationen aller Beteiligten aufgenommen.

​Gütesiegel für gewalt-und diskriminierungsfreie Unternehmen: Gemeinsam mit der peruanischen Universität San Martín de Porres erstellte Studien zeigten auf, dass häusliche Gewalt gegen Frauen auch wirtschaftliche Folgen hat und sich zum Beispiel negativ auf die Produktivität von Unternehmen auswirkt. Mit den alarmierenden Zahlen wurde das Interesse von Unternehmen in den beteiligten Ländern geweckt und eine Zusammenarbeit mit staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren angestoßen. Das peruanische Frauenministerium führte das Gütesiegel "Sicheres Unternehmen frei von Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen" ein, das erstmals im Dezember 2013 an sechs Firmen verliehen wurde.

Zusammenarbeit mit dem Privatsektor: Mehr als 100 Unternehmen und vier Unternehmensgremien setzten zahlreiche Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen um. Dazu zählten nationale Kampagnen mit dem ecuadorianischen Blumensektor, der Telefongesellschaft VIVA in Bolivien und dem Pharmaunternehmen Bagó in Peru. Schulungsmaßnahmen in Betrieben erreichten mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
​Öffentlichkeitsarbeit – das Schweigen brechen

Die Kampagne "Cartas de Mujeres" (Briefe von Frauen) war eine beispielhafte Zusammenarbeit aller gesellschaftlichen Gruppen: In Workshops, Informationsgesprächen und an "Schreibplätzen" in öffentlichen Räumen hatten Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Meinungen zum Thema Gewalt zum Ausdruck zu bringen – durch klassische Briefe, Zeichnungen, Videos oder Tonaufnahmen. In Ecuador, Peru und Bolivien wurden mehr als 43.000 "Briefe" geschrieben und ausgewertet. Ergebnisse und Forderungen wurden an die politisch Verantwortlichen übergeben. Guatemala hat die Kampagne übernommen.

Gewalt gegen Frauen als Thema der Gesetzgebung: In Bolivien erreichte das Vorhaben gemeinsam mit anderen Akteuren, dass zwei wichtige Gesetze verabschiedet und bekannt gemacht wurden: das integrierte Gewaltschutzgesetz für Frauen und das Gesetz gegen politische Verfolgung und Gewalt an Frauen in politischen Ämtern. Die Regionalregierung von Ica (Peru) hat zusammen mit ComVoMujer einen Gewaltschutzplan erarbeitet, der in den regionalen Entwicklungsplan aufgenommen wurde. In Ecuador unterstützte Deutschland verschiedene Frauenorganisationen bei der Präsentation eines Gesetzentwurfes zum Thema Gewalt an Frauen in politischen Ämtern.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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