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WFTO-Standards für Organisationen des Fairen Handels


Logo: World Fair Trade Organization (WFTO)Um gemeinsam einen Beitrag zu Armuts­bekämpfung und nach­haltiger Wirt­schafts­ent­wick­lung zu leisten, haben sich mehr als 370 Orga­ni­sa­tio­nen zur World Fair Trade Orga­ni­za­tion (WFTO) zusammen­geschlossen.

Zu den Mitgliedern zählen sowohl Produ­zenten als auch Importeure und Händler. Sie decken damit die gesamte Wert­schöpfungs­kette des Fairen Handels ab. Alle Mitglieder bekennen sich zu den zehn WFTO-Prinzipien für Fairen Handel:

  • Chancen: Fairer Handel soll Chancen für Produ­zenten schaffen, die wirt­schaft­lich benach­teiligt sind oder vom bestehenden Handels­system an den Rand gedrängt worden sind. Fairer Handel ist eine Strategie zur Armuts­bekämpfung und Ein­kommens­sicherung und zur Förderung einer nach­haltigen Ent­wick­lung.
  • Trans­pa­renz und Verantwortlichkeit: Die Geschäfts­führung muss trans­pa­rent und der Umgang mit den Handels­partnern fair und respekt­voll sein. Mitglieder, Erzeuger und Angestellte werden in Ent­schei­dungs­prozesse der WFTO eingebunden.
  • Geschäftsbeziehungen: Fairer Handel dient nicht der Gewinn­maximierung. Die Geschäfts­beziehungen sollen auf Vertrauen und Solidarität basieren. Waren werden pünktlich und in vereinbarter Qualität geliefert und frist­gerecht bezahlt. Die Käufer leisten bei Bedarf Voraus­zahlungen, um die Produ­zenten vor Ver­schul­dung zu bewahren. Mit anderen·Orga­ni­sa­tio­nen des Fairen Handels wird kooperiert; unlauterer Wett­bewerb wird vermieden. Lang­fristige Liefer­beziehungen und Abnahme­verträge gewähr­leisten den Produzenten über einen größeren Zeit­raum ein sicheres Einkommen.
  • Faire Preise: Der Preis für die Ware wird zwischen den Handels­partnern gemeinsam fest­gelegt. Die Bezahlung muss vom Produ­zenten als fair und sozial­ver­träg­lich bewertet werden. Die Orga­ni­sa­tio­nen des Fairen Handels vermitteln den Produ­zenten die nötigen Kennt­nisse, um den Preis selbst­ständig aushandeln zu können. Es gilt der Grund­satz: gleiches Geld für gleiche Arbeit.
  • Kinder- und Zwangsarbeit: Die WFTO-Mitglieder respektieren die UN-Kinder­rechts­konvention. Sie gewähr­leisten, dass in der Produktion keine Zwangs­arbeiter eingesetzt werden.
  • Diskriminierungsverbot, Gleichstellung der Geschlechter und Vereinigungs­freiheit: Im Fairen Handel gilt, dass niemand aufgrund seines Geschlechts, seiner Herkunft, Religion, politischen Gesinnung oder sexuellen Orien­tie­rung oder aufgrund einer Behinderung oder HIV-Infektion benach­teiligt werden darf. Frauen werden ermutigt, sich auf freie Stellen und Führungs­positionen zu bewerben. Das Recht aller Angestellten und Arbeiter, sich gewerk­schaft­lich zu organisieren, wird respektiert.
  • Arbeitsbedingungen: Das Arbeits­umfeld muss sicher und gesund­heits­verträg­lich sein. Es muss mindestens den lokalen gesetz­lichen Anforderungen und den Konventionen der Inter­natio­nalen Arbeits­organisation (ILO) genügen.
  • Organisationsentwicklung und Personal­schulung: Fairer Handel soll vor allem kleine, benach­teiligte Produ­zenten fördern und un­abhängiger machen. Er soll helfen, ihre Quali­fi­ka­tion zu verbessern, damit sie sich auf dem Markt behaupten können.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Die Orga­ni­sa­tio­nen des Fairen Handels setzen sich öffentlich für einen gerechten Welt­handel ein. Sie schaffen ein Bewusst­sein für die Ziele des Fairen Handels und versorgen die Ver­brauche­rinnen und Ver­braucher mit umfassenden Informationen.
  • Umwelt­schutz: Die Herstellung fair gehandelter Produkte soll die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Angestrebt werden die nach­hal­tige Bewirt­schaftung der Ressourcen, die Nutzung erneuer­barer Energien, eine weitest­gehende Abfall­vermeidung und ein geringer Pestizid­einsatz. Produkte aus öko­lo­gischer Land­wirt­schaft werden bevor­zugt in den Handel aufgenommen.

Dreistufiges Garantiesystem

Die World Fair Trade Organization hat ein drei­stufiges Garantie­system ent­wickelt, um sicher­zu­stellen, dass diese Standards ein­gehalten werden. Stufe 1 des Kontroll­verfahrens umfasst eine Selbst­einschätzung: Das Mitglied muss umfang­reich über seine Geschäfts­tätig­keit Bericht erstatten und nach­weisen, dass diese den WFTO-Prinzipien entspricht.

Im nächsten Schritt werden diese Angaben von einem Branchen­experten mit der Wirk­lich­keit abgeglichen. Dieser "Peer Visit" ist als kolle­gialer Wissens­austausch angelegt – das Mitglied erhält wert­volle, praxis­nahe Tipps, die ihm dabei helfen sollen, seine Abläufe zu verbessern und die dritte Kontroll­stufe zu bewältigen. Diese besteht aus einer externen Betriebs­prüfung ("Monitoring Audit") durch die WFTO. Erst wenn diese erfolg­reich durch­laufen wurde, erhält das Mitglied den Status eines "WFTO Guaranteed member" und darf seine Produkte mit einem ent­sprechenden Siegel versehen.

Als weiterer Kontroll­mechanismus wurde ein Online-Melde­system ("Fair Trade Account­ability Watch") eingerichtet, dass es Ver­brauche­rinnen und Ver­brau­chern erlaubt, Verstöße eines Mitglieds gegen die WFTO-Prinzipien zu melden.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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