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Standards

FLO-Standards für fair gehandelte Produkte

Mable Matetsu, von der Fairtrade-Bananen-Organisation Volta River Estates in Ghana, bei der Bananenernte

Die Fairtrade Labelling Organi­za­tions Inter­national (kurz: Fairtrade Inter­national, FLO) wurde 1997 mit Sitz in Bonn gegründet. In dem Dach­verband sind zurzeit 25 nationale Siegel­organisationen zusammen­geschlossen.

Die FLO hat Standards für Produ­zenten und Händler entwickelt. Diese bestehen aus Kern­anforderungen und so­genannten Entwicklungs-Indikatoren.

Die Kern­anforderungen müssen vom Produ­zenten zwingend erfüllt werden, um die Fairtrade-Zerti­fi­zie­rung zu erhalten. Nach der ersten Zer­ti­fi­zie­rung muss der Pro­du­zent auch den weiter­gehenden Entwicklungs-Indikatoren entsprechen. Ziel ist unter anderem, die Orga­ni­sa­tion und die Arbeits­bedingungen der Produ­zenten zu verbessern und lang­fristig wirkende Maß­nahmen zum Schutz der Umwelt umzusetzen.

Neben den Händler-Standards gibt es Fairtrade-Standards für Klein­bauern, für den Vertrags­anbau und für Beschäftigte von Plantagen. Diese werden wiederum produkt­spezifisch konkre­tisiert, zum Beispiel für Kaffee, Tee, Bananen, Gewürze, Blumen oder Baum­wolle.

Standards für die Händler

Die Richt­linien für die Händler legen fest, dass ein fairer Preis an den Produ­zenten gezahlt werden muss. Hinzu kommt ein Mehr­preis, die so­genannte Fairtrade-Prämie, für Ent­wick­lungs­maßnahmen. Auch ver­pflichten sich die Händler, Möglich­keiten zur Vor­finan­zierung bereit­zu­stellen und ihre Handels­beziehungen möglichst lang­fristig aus­zu­gestalten.


Standards für Kleinbauern, Vertragsanbau und Plantagenarbeiter

Teepflückerin in Indien

Die Händler-Standards werden ergänzt durch spezielle An­for­de­rungen an die ver­schie­denen Fairtrade-Produ­zenten. Die meisten von ihnen sind Klein­bauern, die größten­teils ohne Hilfe von Ange­stellten wirt­schaften. Sie betreiben ihre Pro­duk­tion aus eigener Kraft oder mit Hilfe ihrer Familien. Um am Fairen Handel teil­nehmen zu können, schließen sie sich zu Or­ga­ni­sa­tio­nen zusammen. Diese müssen laut FLO-Standards demo­kra­tisch orga­ni­siert sein: Der Erlös aus dem Fairen Handel muss gleich­berechtigt unter den Mit­gliedern auf­geteilt werden. Und jedes Mitglied muss die Möglich­keit haben, an Ent­schei­dungs­prozessen inner­halb der Orga­ni­sa­tion mit­zu­wirken.

Auch Klein­bauern, die noch nicht aus­reichend orga­ni­siert sind und somit die Ein­stiegs­kriterien der FLO nicht erfüllen, sollen am Fairen Handel teil­nehmen können. Für sie wurden daher Standards für den Vertrags­anbau entwickelt. Voraus­setzung ist, dass die Bauern eine Partner­schaft mit einer größeren Farm, Plantage, Fabrik oder auch mit einer Nicht­re­gierungs­orga­ni­sa­tion eingehen. Dieser Partner muss sich ver­pflichten, die Ent­wick­lung der Klein­bauern voran­zutreiben, so dass sie mittel­fristig in der Lage sind, selbst eine un­ab­hän­gige Orga­ni­sa­tion mit­auf­zu­bauen.

Bei den Standards für Plantagen­arbeiter geht es darum, die Achtung sozialer Rechte und die Sicher­heit am Arbeits­platz zu gewähr­leisten. Auf der Plantage müssen Mindest­löhne gezahlt und Maß­nahmen zum Gesund­heits­schutz ergriffen werden, und es muss es eine un­ab­hän­gige Ver­tretung der Beschäf­tigten geben. Außerdem muss ein gemein­sames Gremium von Arbeiter­schaft und Manage­ment gegründet werden, das die Fairtrade-Prämie verwaltet. So soll gewähr­leistet werden, dass mit ihr Maß­nahmen finanziert werden, die allen Arbeite­rinnen und Arbeitern zugute­kommen.


Fairtrade-Siegel

Logo: Fairtrade International. Urheberrecht: FLOSeit dem Jahr 2003 verwenden alle FLO-Orga­ni­sa­tio­nen ein ein­heit­liches Fairtrade-Siegel. Um Produkte mit dem Fairtrade-Siegel verkaufen zu dürfen, müssen die Händler und Im­por­teure eine Lizenz erwerben. In Deutsch­land wird das Siegel von der un­ab­hän­gigen Orga­ni­sa­tion TransFair vergeben, die zu den Gründungs­mitgliedern der FLO gehörte.

Wer das Fairtrade-Siegel nutzen will, muss nicht zwingend öko­lo­gi­schen Land­bau betreiben – im Fairen Handel stehen die sozialen Aspekte im Vorder­grund. Die Fairtrade-Prämie wird jedoch häufig dazu verwendet, die lang­wierige Um­stellung auf Bio­anbau zu finan­zieren. Mehr als 70 Prozent aller in Deutsch­land verkauften Produkte aus Fairem Handel tragen mittler­weile auch ein Bio-Siegel.

Die unabhängige Zer­ti­fi­zie­rungs­orga­ni­sa­tion FLOCERT kontrolliert, ob die Lizenz­nehmer, die das·​Fairtrade-Siegel verwenden, die vor­ge­gebenen Standards einhalten. Alle an der Fairtrade-Handels­kette beteiligten Orga­ni­sa­tio­nen und Firmen müssen sich dieser strengen Über­prüfung unterziehen.


Weitere Informationen

Informationen

Siehe auch

Externe Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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