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Deutsches Engagement

Was wir gegen Hunger und Mangelernährung tun


Bundesentwicklungsminister Müller beim Besuch in der Landwirtschaftsakademie Green College in Rukka, Indien. Hier wenden Frauen ein neuartiges Pflanzverfahren für Reispflanzen an.

Hunger hat verschiedene Ursachen. Daher ist es nötig, ihm individuell zu begegnen – angepasst an die jeweilige Situation im Land. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt dabei auf einen Mix an Maßnahmen aus unterschiedlichen Bereichen wie Landwirtschaft, Gesundheit, Ernährungsberatung oder Wasser und Hygiene. Oft fehlt es nicht nur an Geld und anderen Ressourcen, sondern auch am Wissen über die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung und wie diese mit Gesundheit und Hygiene zusammenhängt.

Eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und Produktivität ist für eine nachhaltige Verbesserung der Einkommens- und Ernährungssituation zwar notwendig, aber nicht ausreichend. Damit die Menschen auch in den Zeiten zwischen den Ernten nicht hungern müssen, benötigen sie das Wissen, wie geeignete Nahrungsmittel angebaut, gelagert und haltbar gemacht werden können.

Politische Rahmenbedingungen verbessern

Ohne den entsprechenden politischen Willen ist es nicht möglich, Hunger nachhaltig zu bekämpfen und Ernährungssicherheit zu erreichen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit berät die Kooperationsländer daher bei der Verbesserung der Regierungsführung und beim Aufbau geeigneter Institutionen. Parallel dazu fördert das BMZ Produktionssteigerungen in der Landwirtschaft, aber auch bessere Rahmenbedingungen für Marktzugang und Handel, Infrastruktur, Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung, um die Verfügbarkeit von Nahrungsmittel zu erhöhen.

Um Ernährungsunsicherheit und Unterernährung effizient zu bekämpfen und ihre grundlegenden Ursachen dauerhaft zu reduzieren, müssen alle Akteure partnerschaftlich und koordiniert zusammenarbeiten: Vereinte Nationen, internationale Organisationen und Geber, die nationalen Regierungen der Partnerländer, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich auch auf der internationalen Ebene für Ernährungssicherung. Unter anderem fördert sie in diesem Rahmen die "Scaling Up Nutrition Initiative" (SUN). Die internationale Plattform verfolgt das Ziel, einen stärkeren Fokus auf das Thema Ernährung zu lenken und Ernährungsprogramme in den Partnerländern effektiver zu gestalten.


Nachhaltig und ressourcenschonend produzieren

Tröpfchenbewässerung auf einem Feld in Äthiopien
  • Bis 2050 muss die Nahrungsmittelproduktion um mindestens 60 Prozent steigen, um die Weltbevölkerung zu ernähren.
  • Allerdings kann die Anbaufläche nicht mehr unbegrenzt erweitert werden – im Gegenteil: Weltweit gehen Böden rasant verloren. Die Produktivität auf den bestehenden Flächen muss also auf verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Weise erhöht werden.
  • Wasserknappheit könnte zukünftig massive Einbußen von bis zu 30 Prozent gegenüber heutigen Getreideernten verursachen.
  • Nachhaltige Bewässerung ist effizient: Obwohl nur knapp 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bewässert werden, entstehen dort 40 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte.

Die bisher verbreiteten nicht nachhaltigen Formen der Land-, Wald-, Weide- und Fischereiwirtschaft tragen nicht zur langfristigen Ernährungssicherung bei. Sie vernichten wertvolle natürliche Ressourcen und führen zur Verarmung der ländlichen Bevölkerung.

Nur durch eine nachhaltige Landwirtschaft lassen sich die zukünftig notwendigen Ertragssteigerungen erzielen. Nachhaltige Methoden auf den vorhandenen Flächen einzusetzen bedeutet: Die Erträge steigen nicht nur kurz- und mittelfristig, sondern auch in Zukunft kann genügend erzeugt werden, um die Weltbevölkerung zu versorgen. Nachhaltige Landwirtschaft trägt dazu bei, den Ausstoß von Treibhausgasen zu vermindern und Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und stabile Wasserkreisläufe zu erhalten.

Grundlage ist ein nachhaltiges Management der natürlichen Ressourcen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.


Bodenfruchtbarkeit erhalten

Feldarbeit in den Anden, Bolivien

Der Bodenschutz und die Wiederherstellung der Bodenfruchtbarkeit spielen in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eine wichtige Rolle. Ein Beispiel ist die sogenannte konservierende Bodenbearbeitung. Dabei wird der Boden nicht oder nur minimal bearbeitet. Um Erosion zu verringern, bleibt er ständig von Pflanzen bedeckt und es wird eine weite Fruchtfolge eingehalten. Diese konservierende Bearbeitung erhält die Bodenfruchtbarkeit und ist in vielen Regionen eine Alternative zum Pflügen, das die Böden stärker belastet. Die konservierende Bodenbearbeitung stellt eine gute Basis für eine nachhaltige Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion dar.

Auch der Erosionsschutz bei Äckern in Hanglagen trägt zum langfristigen Erhalt der Bodenfruchtbarkeit bei und verbessert die Wasserspeicherung. Vielerorts sind zudem Alternativen zu einem intensiven Düngereinsatz möglich, etwa durch den Einsatz von Kompost. Alle diese Aktivitäten sind Teil des Schwerpunkts Bodenschutz in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mehr dazu erfahren Sie hier.


Übergangshilfe leisten, Strukturen entwickeln

Im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia werden Lebensmittel für die Versorgung der neu ankommenden Menschen abgefüllt

Hunger und Ernährungsunsicherheit sind die gravierendsten Folgen von wirtschaftlichen Krisen, gewaltsamen Konflikten, Naturkatastrophen, sich verändernden klimatischen Bedingungen und der Degradierung natürlicher Ressourcen in armen Ländern. Hunger ist jedoch keine zwangsläufige Folge von akuten Ereignissen oder langfristigen Veränderungen. Vielmehr verhindert meist die massive Armut, dass die Betroffenen die Herausforderungen ihrer Umwelt aktiv und wirksam bewältigen können.

Hunger und Ernährungsunsicherheit ihrerseits können wiederum Auslöser für gewaltsame Konflikte, politische Instabilität oder Flüchtlingsströme sein. Die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Krisen, Katastrophen, Klimaveränderungen und Konflikten sowie Hunger, Ernährungsunsicherheit und Armut erfordern es, dass die kurz- und mittelfristige Hilfe zur Überlebenssicherung mit langfristigen Maßnahmen verknüpft wird, die an Ursachen und Strukturen ansetzen. Der Übergang zwischen beiden Handlungsansätzen muss fließend und flexibel sein.

Maßnahmen zur Ernährungssicherung in der Übergangshilfe zielen darauf ab, den Ernährungszustand der betroffenen Bevölkerung kurz- und mittelfristig zu verbessern. Sie sollen gewährleisten, dass die Menschen ausreichende, nährstoffreiche Lebensmittel verzehren können. Gleichzeitig werden längerfristige Maßnahmen eingeleitet. Diese dienen dazu, die Lebensgrundlagen wiederherzustellen und zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung sowie der Gemeinden und Institutionen zu stärken.

Ernährungssicherung im Rahmen der Übergangshilfe orientiert sich an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der am meisten gefährdeten Personen und Gruppen wie Armen, Landlosen, Binnenflüchtlingen und Menschen, die nach einer Flucht in ihre Gemeinde zurückkehren. Frauen spielen in der Ernährungssicherung eine besonders wichtige Rolle. Sie sind in Krisensituationen besonders gefährdet und müssen häufig den Haushalt allein führen, weil ihre Männer auf der Suche nach Einkommensmöglichkeiten abwandern.

Die Ernährungssicherung in Übergangssituationen setzt daher auf drei Schwerpunkte:

  • Verbesserung des Zugangs zu Nahrungsmitteln (durch vorübergehende soziale Transferleistungen)
  • Reduzierung von Unterernährung
  • (Wieder-)Anschub der landwirtschaftlichen Produktion und Schaffung neuer Einkommensmöglichkeiten

Lexikon der Entwicklungspolitik

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