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Stärkung der Widerstandsfähigkeit in Somalia

Wie Menschen lernen, die Folgen von Naturkatastrophen abzufedern


Somalia: Bauern forsten nach der FMNR-Methode (Farmer Managed Natural Reforestation) auf

Deeqa Elmi Hande ist zuversichtlich. Die 35-Jährige hat wieder ein Auskommen gefunden, nachdem 2011 während der großen Dürre am Horn von Afrika ihr Viehbestand verhungert war. Kein Vieh, das bedeutete kein Einkommen, kein Essen, kein Schulgeld für die Kinder. Und keine staatliche Hilfe, denn obwohl die Sicherheitslage im Nordwesten Somalias als halbwegs stabil gilt, fehlt es an staatlichen Strukturen und einer funktionierenden Verwaltung. In einer der heißesten Regionen Afrikas sind die Menschen auf sich gestellt und müssen allein mit wiederholten Ernteausfällen fertig werden. Dürren und anschließende Überschwemmungen durch sintflutartige Regenfälle – auch Folgen des Klimawandels – haben immer wieder Tiere getötet, Ernten vernichtet und die Menschen zu Binnenflüchtlingen gemacht. Auch die Familie von Deeqa Elmi Hande musste ihre Farm verlassen.

In den Jahren 2011 und 2012 leistete die Kinderhilfsorganisation World Vision Nothilfe für akut unterernährte Kinder und Mütter in der Region. Inzwischen arbeitet sie mit Unterstützung des BMZ daran, die Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit der Gemeinden zu stärken. Die Menschen sollen sich selbst besser gegen Dürren und Überflutungen wappnen können. Dazu gehören viele kleine Schritte: Im Zentrum stehen die Renaturierung von Flächen und Aufforstungen nach der FMNR-Methode (Farmer Managed Natural Reforestation). Dabei werden die Reste alter Baumbestände und -wurzeln von Bauern wieder zum Leben erweckt.

Hier hat Deeqa Elmi Hande im Rahmen eines "Cash for Work"-Programms Arbeit gefunden. Mit dem Lohn ernährt sie die Familie und schickt die Kinder weiter zur Schule. Und sie nutzt ihr neues Wissen über Techniken der Renaturierung: Gemeinsam mit anderen Frauen nimmt sie weitere Flächen in Angriff, auf denen zukünftig zum Klima passende Nahrungsmittel wie Zwiebeln oder Sesam angepflanzt werden können. Auch als Weiden für die Viehzucht sind die aufgewerteten Flächen verwendbar.

Andere Bauerngruppen wurden mit Saatgut und Ochsengespannen versorgt oder in der Bienenzucht geschult. Die Bienen liefern nicht nur Honig, sondern bestäuben auch die Felder und fördern so die Produktivität der Landwirtschaft. In einigen Dörfern wurden Brunnen und Wassertanks angelegt, um die Versorgung der Menschen zu verbessern. Brennholz sparende Öfen sollen weitere Abholzung verhindern. Neue Frühwarnsysteme und örtliche Katastrophenschutzkomitees warnen die Gemeinden per Mobiltelefon frühzeitig vor Flutwellen, so dass sie Ernten und Vieh rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Zudem errichten die Dorfbewohner Dämme gegen Flutregen. Von den vielen kleinen Schritten zu mehr Widerstandsfähigkeit profitieren in der Region rund 75.000 Menschen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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