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Deutsches Engagement für den Erhalt natürlicher Ressourcen

Nachhaltige und ressourcenschonende Produktionsweisen fördern

Terrassierte Anbauflächen in Mali

  • Wertvolle Anbau- und Weideflächen verschwinden. In den vergangenen 25 Jahren wurden bereits auf rund einem Viertel der weltweiten Landoberfläche Böden geschädigt. Jährlich gehen nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bis zu 10 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren und ein Drittel der globalen Böden sind von schwerer oder mittlerer Degradation durch Erosion, Nährstoffauszehrung, Versalzung, Versiegelung oder Vergiftung betroffen.
  • 70 Prozent der Trockengebiete sind von Desertifikation bedroht. Sie sind Lebensraum und Existenzgrundlage für zwei Milliarden Menschen, 90 Prozent davon in Entwicklungsländern. Außerdem zeichnen sie sich durch eine große Artenvielfalt aus.
  • Schon heute ist die Landwirtschaft mit 70 Prozent des Frischwasserverbrauchs der größte Wasserverbraucher weltweit. Bedingt durch steigende Nachfrage und den Klimawandel könnte Wasser künftig noch knapper werden. Schätzungen zufolge drohen Einbußen von bis zu 30 Prozent gegenüber heutigen Getreideernten.
  • Nachhaltige Bewässerung ist effizient: Obwohl nur knapp 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bewässert werden, entstehen dort 40 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte.
  • 2050 benötigt eine wachsende Weltbevölkerung 60 Prozent mehr Lebensmittel als heute. Rund 80 Prozent der zusätzlichen Nahrungsmittelproduktion müssen über eine dauerhafte Steigerung der Erträge pro Hektar erbracht werden.

Mit weniger Einsatz mehr produzieren

Mit nachhaltigen landwirtschaftlichen Methoden kann die Produktion auf den vorhandenen Flächen so gesteigert werden, dass auch in Zukunft genügend Lebensmittel erzeugt werden, um die wachsende Weltbevölkerung zu versorgen. Geeignete Praktiken tragen erheblich dazu bei, Treibhausgasemissionen zu mindern und Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und stabile Wasserkreisläufen zu erhalten.

Grundlage dafür ist ein nachhaltiges Management der natürlichen Ressourcen. Nur wenn es gelingt, Boden, Wasser, Wald und Biodiversität dauerhaft zu sichern, bleiben sie als Lebensgrundlagen der Bevölkerung und als Produktionsgrundlagen der Wirtschaft erhalten.

Ressourcenmanagement ist dann erfolgreich und nachhaltig, wenn es zugleich konfliktsensibel gehandhabt wird. Das heißt, dass soziale Spannungen aufgrund ungeklärter Besitzfragen vermieden werden, dass zwischen konkurrierenden Nutzergruppen vermittelt wird und alle Betroffenen, also auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen, einbezogen werden.


Bodenfruchtbarkeit erhalten

Ausgetrockneter Boden in Beira (Mosambik)

Gesunde Böden sind eine weltweit bedrohte, jedoch überlebenswichtige Ressource, die in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbar ist. Sehr viele Formen der Landnutzung schädigen die Bodengesundheit und damit die Leistungsfähigkeit der Böden: In vielen Ländern wird Ackerbau ohne angemessene Düngung und teils auf ungeeigneten Hangflächen betrieben. Andernorts wird durch intensive maschinelle Bodenbearbeitung und übermäßige Düngung die Struktur der Böden beeinträchtigt, das Bodenleben geschädigt und der Abbau organischer Materie beschleunigt. Das führt auch dazu, dass verstärkt Treibhausgase freigesetzt werden.

Dabei existiert eine Vielzahl bewährter Praktiken, mit denen Landwirte die Böden nachhaltig bewirtschaften könnten. Die Bearbeitung ohne Pflug, der Erhalt dauerhafter Bodenbedeckung, Fruchtwechsel, Mischkulturen, Erosionsschutz an Hanglagen, Waldfeldbau sowie die Bewahrung von Feldrainen tragen alle zum langfristigen Erhalt der Bodenfruchtbarkeit bei. Zugleich verbessern sie den Wasserhaushalt. Vielerorts sind zudem Alternativen zu einem intensiven Einsatz von Mineraldüngern möglich – dadurch sinkt der Ausstoß von Treibhausgasen.

Was wir tun

Die deutsche Entwicklungspolitik engagiert sich intensiv für die Erhaltung und die Wiederherstellung von Böden. Sie unterstützt die Menschen in den Kooperationsländern dabei, ihr Land nachhaltig zu bewirtschaften, und macht sich zugleich für den Schutz von Böden im Rahmen von internationalen Initiativen stark. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

In zahlreichen Projekten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) werden nachhaltige und klimaintelligente Ansätze der Landnutzung verbreitet. Die Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" hat ein umfassendes Programm zum Bodenschutz für Ernährungssicherung aufgelegt. In fünf Ländern verbindet es Maßnahmen zum Erhalt und zur Erneuerung der Bodenfruchtbarkeit mit der Schaffung dauerhafter Anreize für eine nachhaltige Landnutzung. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Gemeinsam mit dem UN-Sekretariat der Konvention zur Desertifikationsbekämpfung (UNCCD) und der EU-Kommission hat das BMZ die Initiative zur ökonomischen Bewertung der Folgen von Landdegradierung geschaffen. Die sogenannte ELD-Initiative (Economics of Land Degradation) sensilibiert Entscheidungsträger und ihre Partner für den wirtschaftlichen Nutzen von Investitionen in nachhaltiges Landmanagement. Sie zeigt die Folgekosten des Nicht-Handelns auf und stellt Informationen für verschiedene Zielgruppen bereit. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Deutschland unterstützt die Arbeit des UNCCD-Sekretariats, das seinen Sitz in Bonn hat, auch direkt. Neben den regulären Mitgliedsbeiträgen fördert das BMZ den internationalen Politikdialog sowie die Entwicklung von innovativen Konzepten und Instrumenten zur Umsetzung der Konvention. Das BMZ arbeitet mit dem Global Mechanism zusammen, der Entwicklungsländer dabei unterstützt, die Konvention umzusetzen, und leistet wichtige finanzielle Unterstützung für die Globale Umweltfazilität (GEF), die Finanzierungseinrichtung der UNCCD.

Ein weiteres Einsatzfeld des BMZ besteht darin, die Öffentlichkeit, Fachwelt und Politik auf die Problematik der Landdegradierung und auf die Notwendigkeit eines nachhaltigen Landmanagements aufmerksam zu machen. Im Internationalen Jahr des Bodens 2015 wurde zusammen mit einem Partnernetzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen die deutschsprachige Kampagne "Boden. Grund zum Leben" durchgeführt. Das BMZ ist zudem offizieller Partner der Global Soil Week, einer international ausgerichteten Dialogplattform, die regelmäßig den Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis organisiert. Die Global Soil Week bietet den geeigneten Raum, um die globalen nachhaltigen Entwicklungsziele, die im Zusammenhang mit Bodenschutz stehen, gemeinsam zu verfolgen.


Nachhaltiger Umgang mit Wasser

Infografik: Nachhaltig und ressourcenschonend produzieren
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Infografik: Nachhaltig und ressourcenschonend produzieren

Fest steht: Soll der wachsende Hunger einer steigenden Weltbevölkerung befriedigt werden, muss das vorhandene Wasser effizienter genutzt werden. Dabei darf nicht eine einzelne Möglichkeit isoliert betrachtet werden. Neben einer effizienteren Nutzung des vorhandenen Wassers – etwa durch Reduktion von Bewässerungsverlusten – müssen auch alternative Quellen wie Brauchwasser erschlossen werden. Agrarökologische Anbauverfahren können die Bindung von Wasser im Boden erhöhen.

Was wir tun

Das Bundesentwicklungsministerium integriert Ressourcenschonung und Klimaverträglichkeit in alle Handlungsfelder des Landwirtschaftssektors. Denn nachhaltiges Ressourcenmanagement, Klima- und Umweltschutz tragen unmittelbar zur Armuts- und Hungerbekämpfung bei.

Ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit beim Ressourcenmanagement liegt auf der Förderung einer nachhaltigen Bewässerungslandwirtschaft. Denn hier lassen sich durch Beratung und schon mit geringen Investitionen die Erträge der kleinbäuerlichen Landwirtschaft unmittelbar steigern. Das BMZ unterstützt beispielsweise Maßnahmen zur Sammlung von Wasser (Water Harvesting): Wenn die Böden Wasser besser speichern können und das Regenwasser daran gehindert wird, zu schnell abzufließen, erhöht das die Produktivität und die Erträge. Neben Beratungen wird in Systeme zur Bewässerung und zur effizienteren Verwendung von Wasser investiert – von kleinen Wasserrückhaltebecken und Flussschwellen über Kleinbewässerungsanlagen bis hin zu mittleren und großen Staudämmen und Verteilungssystemen.

Anreize zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von Ökosystemen werden ebenfalls unterstützt, zum Beispiel die Einführung von Zahlungen für Ökosystemleistungen (Payments for Ecosystem Services – PES), von Zertifizierungsverfahren sowie der Abbau von Agrarsubventionen, die die Biodiversität gefährden.

Nur Landwirte, die über das notwendige Fachwissen verfügen, können die Betriebsmittel und nachhaltigen Produktionsmethoden wirksam einsetzen. Das BMZ unterstützt die Schulung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in nachhaltigen Anbaumethoden. Dabei sollen innovative landwirtschaftliche Kenntnisse vermittelt, aber auch gute traditionelle Praktiken übernommen werden und mögliche Synergien genutzt werden.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt zum Beispiel auch eine nachhaltige Tierhaltung –  etwa durch verbesserte Weidewirtschaft und Zucht lokal angepasster Rassen –, da sie die Widerstandsfähigkeit der Herden gegen Dürren oder Krankheiten erhöht. Gefördert werden auch der Erhalt von Sortenvielfalt und die Nutzung lokaler Arten, denn sie kommen der kleinbäuerlichen Produktion direkt zugute und stärken sie gegenüber Ertragsschwankungen.


Biologische Vielfalt sichern

Ruanda: Blick durch Eukalyptusbäume auf Dorfbewohner

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts geht biologische Vielfalt in der Landwirtschaft – die Agrobiodiversität – stark zurück. Monokulturen verdrängen vielerorts die traditionelle Landwirtschaft, oft fehlen ökonomische Anreize, biologische Vielfalt zu sichern. Für die Produktivität der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Entwicklungsländern und für die Ernährungssicherung spielt Agrobiodiversität eine bedeutende Rolle. Wo die Bodenfruchtbarkeit niedrig ist und es an Wasser mangelt, erbringen regionale Pflanzensorten oft bessere Ernten als Hochertragssorten. Mischkulturen mindern das Risiko von Ertragsausfällen. Traditionelle Sorten sind zudem wichtiges Ausgangsmaterial für die Züchtung ertragreicher Pflanzen.

Was wir tun

Deutschland unterstützt daher die Umsetzung des Internationalen Saatgutvertrages der Vereinten Nationen. Sein Ziel ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen. Zudem wird der Welttreuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt (Global Crop Diversity Trust) vom BMZ mit 25 Millionen Euro unterstützt. Dieser stellt eines der wichtigsten Instrumente zur langfristigen Sicherung der Welternährung dar. Das Bundesentwicklungsministerium setzt sich besonders für die traditionellen Rechte der Bauern ein: Sie müssen ihr Saatgut weiterhin selbst aufbewahren, vermehren, austauschen und weiterentwickeln dürfen. Das BMZ berät die Partnerländer bei entsprechenden Gesetzgebungen.


Tank, Trog oder Teller?

Auf landwirtschaftlichen Flächen werden nicht nur Nahrungsmittel für die wachsende Weltbevölkerung produziert, sondern auch industrielle Rohstoffe, Viehfutter und zunehmend Biomasse zur Energiegewinnung oder zur Herstellung von Biokraftstoffen. Mit der wachsenden Nachfrage nimmt auch die Nutzungskonkurrenz um fruchtbare Böden und Wasser zu.

Was wir tun

Für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat dabei die Ernährungssicherung klaren Vorrang. Wo Partner eine Kooperation zur Produktion von Biomasse für stoffliche oder energetische Nutzung vorschlagen, ist eine nachweisbare direkte positive Wirkung auf Ernährungssicherung eine Voraussetzung für eine Zusammenarbeit. Gleichzeitig sollen die Chancen genutzt werden, mit einem nachhaltigen Anbau nachwachsender Rohstoffe für die Entwicklungsländer und besonders für die Landbevölkerung Einnahmen und Devisen zu erwirtschaften.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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