Natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen
Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft können die wirtschaftliche Grundlage in ländlichen Gebieten nur so lange sichern, wie sie nachhaltig betrieben werden. Dazu ist ein schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen erforderlich: Boden und Wasser müssen geschützt, die biologische Vielfalt erhalten und das Gleichgewicht der Ökosysteme muss gesichert werden.
Boden
Ihre Armut zwingt die Menschen oft, Raubbau an den natürlichen Ressourcen zu betreiben. Durch Überweidung, Übernutzung, nicht angepasste Bewässerungsmethoden und ungeeignete Anbaumethoden versuchen sie, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dadurch verschlechtert sich die Bodenqualität immer weiter und fruchtbares Ackerland verödet. Wälder werden gerodet, um neue Ackerflächen zu schaffen oder dienen als Quelle für Brennholz.
Langfristige Investitionen, die zum Schutz des Bodens notwendig wären, sind für die arme ländliche Bevölkerung nicht finanzierbar. Experten gehen davon aus, dass sich die landwirtschaftlichen Nutzflächen in den nächsten zwanzig Jahren deutlich reduzieren werden – jährlich um rund fünf bis sieben Millionen Hektar. In den vergangenen 20 Jahren sind so mindestens eine Million Quadratkilometer zerstört worden. Laut Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wird in Afrika südlich der Sahara im Jahr 2025 zwei Drittel weniger Anbaufläche pro Einwohner zur Verfügung stehen als 1990. In Asien wird es ein Drittel weniger sein, in Südamerika etwa zwei Fünftel. Die Weltbank schätzt, dass bis 2080 die landwirtschaftliche Produktivität teilweise um mehr als ein Viertel sinken wird – fast alle afrikanischen, lateinamerikanischen, südasiatischen und pazifischen Länder sowie die Staaten des Nahen Ostens werden davon betroffen sein.
Um die Fruchtbarkeit der Böden in Trockengebieten zu erhalten, haben die Vereinten Nationen eine internationale Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (United Nations Convention to Combat Desertification, UNCCD) erarbeitet. Sie trat 1996 in Kraft und wurde bis heute von 193 Staaten ratifiziert. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt viele Länder bei der Umsetzung der Konvention. Deutschland fördert derzeit staatliche und nichtstaatliche Projekte und Programme in den Bereichen Erosionsschutz, Agroforstwirtschaft, Landressourcenmanagement, nachhaltige Wasserwirtschaft und ländliche Entwicklung in einem Gesamtumfang von 1,8 Milliarden Euro.
Agrobiodiversität
Besonders bedeutend für die heutige und zukünftige Welternährung ist die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft (Agrobiodiversität). Schon heute spielt sie für die Ernährungssicherung von Kleinbauern in Entwicklungs- und Transformationsländern eine herausragende Rolle. Etwa 75 Prozent der ärmsten Menschen der Welt leben in ländlichen Gebieten und sind von traditioneller Landwirtschaft abhängig. Bei niedriger Bodenfruchtbarkeit und mangelnder Wasserversorgung schneiden regionale Landsorten oft besser ab als Hochertragssorten. Vielfältige Mischkulturen mindern das Risiko völliger Ertragsausfälle erheblich. Auch beim Klimawandel und der Anpassung der Landwirtschaft an Umweltveränderungen spielt die genetische Vielfalt eine entscheidende Rolle. Außerdem ist sie eine wichtige Bedingung für eine ausgewogene Ernährung.
Für die Armutsbekämpfung ist die Agrobiodiversität in diesen Regionen damit eine strategische Ressource. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt daher die Umsetzung des Internationalen Saatgutvertrages der Vereinten Nationen. Sein Ziel ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen. Schwerpunkte sind dabei aus entwicklungspolitischer Sicht die Umsetzung der "Farmers' Rights", also die traditionellen Rechte der Bauern beim Umgang mit Saatgut (Saatgut aufbewahren, vermehren, austauschen, weiterentwickeln) und die Förderung der Wertschöpfung aus Agrobiodiversität.
Wasser
Wasser ist ein weiterer wichtiger Produktionsfaktor in der Landwirtschaft. So können kleinbäuerliche Betriebe ihre Produktion relativ gut absichern, wenn sie in kritischen Momenten des Anbauzyklus sicheren Zugang zu Wasser haben, entweder über die Niederschläge oder gezieltes Wassermanagement.
Mit steigendem Wasserangebot und verbessertem Wassermanagement nehmen die Möglichkeiten für eine diversifizierte und saisonal angepasste Produktion zu, was zur Ernährungssicherung beiträgt. Im gegenteiligen Fall sind sie auf eine geringe Anzahl an Kulturen angewiesen. Der Anbau ist dann in der Regel auf die Regenzeit beschränkt und birgt vielfältige Produktionsrisiken. Dies trifft insbesondere auf Länder zu, in denen sich der Klimawandel stark auswirkt wie in Nordafrika und Zentralasien.
Allein auf die Landwirtschaft gehen 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs zurück. Häufig sind jedoch Nutzungseffizienz und wirtschaftliche Bedeutung dabei gering: Die Wasserverluste liegen oft bei über 50 Prozent und der Anteil an der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung steht in keinem Verhältnis zum Anteil an den Wasserentnahmen. Hier setzt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit an, um durch die Förderung von Effizienz-, Produktivitäts- und Produktionssteigerungen im Ackerbau und in der Vieh- und Forstwirtschaft die natürliche Ressource Wasser nachhaltiger zu nutzen.
Dabei kommt insbesondere der Ansatz des Integrierten Wasserressourcenmanagements zum Tragen, bei dem darauf abgezielt wird, den Wasserbedarf verschiedener Sektoren (Landwirtschaft, Industrie, Tourismus, aber auch Ökologie) in einer Region nachhaltig zu decken und gleichzeitig die Wasserbilanz dieser Region über die Zeit hinweg nicht negativ zu beeinflussen. Dies bedeutet, dass eine ausgewogene Nutzung von Grundwasser, Oberflächenwasser aus Flüssen und Seen sowie von geklärtem Abwasser in der Landwirtschaft angestrebt wird. Auf die Nutzung nicht erneuerbarer Grundwasserressourcen in der Landwirtschaft sollte jedoch prinzipiell verzichtet werden, um diese Ressource einem akuten Trinkwasserbedarf vorzubehalten.
Für eine wasserarme Region kann es gegebenenfalls sinnvoller sein, die begrenzten Wasserressourcen außerhalb der Landwirtschaft einzusetzen und stattdessen Nahrungsmittel aus einer klimatisch begünstigteren Region zu importieren. In diesem Zusammenhang spricht man auch vom Konzept des virtuellen Wassers.
Informationen
Siehe auch
Externe Links
- United Nations Convention
to Combat Desertification (UNCCD)
(englisch) - Fachheft Ländliche Entwicklung und Ressourcenschutz
Eine Publikation des DED
(PDF 1,2 MB) - Zwischen Natur und Kultur: Mensch, Ernährung, biologische Vielfalt. Where nature and culture meet: people, food, and biodiversity
Eine Publikation der GTZ
(PDF 3,1 MB)


