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Hintergrund

Grüne Innovationszentren: Einkommen von Kleinbauern steigern


Entwicklungsminister Gerd Müller besichtigt die Milchproduktionsanlage im Grünen Innovationszentrum am Bukura Agricultural College in Kenia.

Noch nie wurden weltweit so viele Nahrungsmittel produziert wie heute – dennoch sind zwei Milliarden Menschen chronisch mangelernährt, etwa 800 Millionen von ihnen hungern. Am schlimmsten betroffen sind die ländlichen Gebiete und dort besonders die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Vielen von ihnen fehlen die Kenntnisse und Möglichkeiten, um ihre Ernten zu steigern und ihre Produkte erfolgreich zu vermarkten. Da sie nur wenig in die Absatzmärkte und in Wertschöpfungsketten eingebunden sind, profitieren sie kaum von der weltweit steigenden Nachfrage nach Agrarprodukten.

Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf voraussichtlich knapp 10 Milliarden Menschen anwachsen – und damit auch der Bedarf an Nahrungsmitteln. Gleichzeitig gehen immer mehr Ackerflächen durch falsche Nutzung der Böden verloren oder werden für die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen genutzt. Und auch auf die Auswirkungen des Klimawandels muss reagiert werden: Stark schwankende Regenmengen und eine zunehmende Zahl von Unwettern, Dürren und Überschwemmungen machen die Landwirtschaft schwieriger.

Um die Nahrungsmittelversorgung für die wachsende Weltbevölkerung nachhaltig zu sichern, sind langfristig ausgerichtete Strategien erforderlich. Die deutsche Entwicklungspolitik stellt sich dieser Herausforderung und engagiert sich umfassend für den Kampf gegen Hunger und Mangelernährung.

Kleinbauern als Zielgruppe

Damit sich die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln auf den lokalen Märkten erhöht, muss die Produktivität der kleinbäuerlichen Landwirtschaft gesteigert werden. Die Kleinbäuerinnen und -bauern brauchen Zugang zu Wissen, Märkten, Kapital und Betriebsmitteln. Produktion, Weiterverarbeitung und Vermarktung müssen eng miteinander verknüpft werden.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert deshalb eine lokal angepasste und nachhaltige Entwicklung der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Im Rahmen seiner Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" hat das BMZ in 14 Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit Grüne Innovationszentren ins Leben gerufen. Bis Ende 2021 stellt das Ministerium dafür 206 Millionen Euro bereit.

Die Innovationszenten werden die Einkommen von kleinbäuerlichen Betrieben steigern. Sie fördern Beschäftigung – insbesondere in der Weiterverarbeitung – und sie verbessern die regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln. Besonders im Fokus der Zentren stehen die Belange von Jugendlichen und von Frauen. Sie werden unter anderem durch spezielle Ausbildungs- und Beratungsangebote unterstützt. Bis 2021 sollen so die Lebensbedingungen von sieben Millionen Menschen verbessert werden.


Innovation konkret

Kernaufgabe der Grünen Innovationszentren ist die Weiterentwicklung der Agrar- und Ernährungswirtschaft durch innovative Methoden, Techniken und Organisationsformen. In vielen Fällen werden die Innovationen andernorts schon erfolgreich eingesetzt, sind aber in der entsprechenden Region noch nicht verbreitet.

Dabei handelt es sich zum einen um den Einsatz von hochwertigem Saatgut und Dünger oder um technische Neuerungen – etwa um moderne Anbau- und Erntemethoden. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist auch die Einführung effizienter Trocknungsmethoden und der Aufbau von Kühlsystemen für die Lagerung von landwirtschaftlichen Produkten. Weltweit verdirbt bislang ein großer Teil der Lebensmittel auf dem Weg vom Acker zum Verbraucher, weil sie unsachgemäß gelagert und transportiert werden.

Zum anderen sind aber auch neue Formen der Zusammenarbeit wichtige Arbeitsfelder der Grünen Innovationszentren – zum Beispiel der Aufbau von Erzeugergemeinschaften und bäuerlichen Interessenvertretungen. Die Zentren fördern zudem begleitende Dienstleistungen für Kleinbauern wie Beratungen, Schulungen und Fortbildungen sowie den Zugang zu Krediten und anderen Finanzprodukten.

In den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit kooperieren die Innovationszentren eng mit den Regierungen, mit privaten und öffentlichen Organisationen der Agrar- und Ernährungswirtschaft, mit Forschungseinrichtungen, Unternehmen sowie mit Nichtregierungsorganisationen.

Ebenso binden sie deutsches und internationales Know-how aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft aktiv für die Ernährungssicherung ein und können so auf viele bereits gesammelte Erfahrungen zurückgreifen.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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