Hauptinhalt

Aprikosenernte in Tunesien

Landwirtschaftliche Wertschöpfungs- und Lieferketten

Die Mehrheit der extrem armen und chronisch unterernährten Menschen lebt auf dem Land. Um ihre Lebens- und Ernährungssituation dauerhaft zu verbessern, muss die Wirtschaft – und insbesondere der Agrar- und Ernährungssektor – in den betreffenden Ländern effizienter und wettbewerbsfähiger werden. Doch 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe weltweit werden von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern geführt. Die Globalisierung stellt diese, meist familiengeführten, Klein- oder Kleinstbetriebe vor immense Herausforderungen, denn auf dem Weltmarkt tätige Lebensmittel- und Handelsunternehmen erwarten von ihren Lieferanten planbare Produktmengen in konstant hoher, nach Möglichkeit standardisierter Qualität zu festen Lieferterminen.

Erfolgreich wirtschaften und im harten Wettbewerb bestehen können landwirtschaftliche Kleinbetriebe nur, wenn sie sich eng mit den Unternehmen abstimmen, die ihre Produkte weiterverarbeiten und vermarkten. Um mit diesen Unternehmen auf Augenhöhe verhandeln zu können, benötigen sie Unterstützung in verschiedenen Bereichen: Sie müssen ihre Produktionsmengen erhöhen und die Qualität ihrer Ware steigern, sie brauchen Zugang zu Marktinformationen und zu Krediten, um Investitionen tätigen zu können, Zugang zu Wissen und Training in Bezug auf nachhaltige Anbaupraktiken und unternehmerisches Handeln.

Sie brauchen ferner Organisationen und Verbände, die ihre Interessen vertreten und dringend benötigte Dienstleistungen erbringen. Zudem sollten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in ihren Anliegen und Aktivitäten von einer nachhaltigen Agrarpolitik auf nationaler Ebene unterstützt werden, die auch Investitionen in den Agrar- und Ernährungssektor in den betreffenden Ländern fördert.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die kleinbäuerlichen Betriebe in diesen Bereichen.

Marktszene in Mosambik
Das Konzept der Wertschöpfungskette

Kleinbauern stärken, damit sie im Markt bestehen können

Eine landwirtschaftliche Wertschöpfungskette umfasst alle Stufen der Inputbereitstellung, Erzeugung, der Verarbeitung und des Vertriebs oder Exports eines Agrarprodukts bis hin zum Konsum. Dazu zählen Frischprodukte wie Obst, Gemüse und Fleisch, Grundnahrungsmittel wie Getreide und Kartoffeln, verarbeitete Lebensmittel, Agrarrohstoffe wie Kakao, Baumwolle oder Pflanzenöl sowie handwerkliche Produkte.

Die Wettbewerbsposition der Bäuerinnen und Bauern hängt stark davon ab, wie verlässlich ihre Vertragsbeziehungen zu den anderen Beteiligten der Wertschöpfungskette sind, also vor allem zu verarbeitenden Betrieben und Handelsunternehmen, aber auch zu den Bereitstellern von Dienstleistungen wie Krediten oder Inputs. Eine entwicklungspolitische Förderung von Wertschöpfungsketten ist vor allem dort sinnvoll und notwendig, wo die staatlichen Strukturen schwach sind und ein Mangel an bedarfsgerechten Dienstleistungen und Qualitäts- und Produktstandards herrscht.

Die Förderung von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten gehört zu den Schwerpunkten der BMZ-Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger".

Deutsches Engagement

Förderung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten

Verarbeitete Produkte bringen mehr Geld als Rohstoffe. Wenn ein großer Teil der Wertschöpfung eines Agrarproduktes ins Erzeugerland verlagert wird, können dort dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen werden und damit Einkommensperspektiven für die Landbevölkerung.

Aber auch in den umliegenden städtischen Gebieten können durch die Förderung von Agrarwertschöpfungsketten Arbeitsplätze, zum Beispiel in der weiterverarbeitenden Industrie, entstehen.

Die Förderung von Wertschöpfungsketten gehört deshalb zu den grundlegenden Instrumenten der deutschen Entwicklungspolitik.

Unsere Arbeitsfelder

Privatwirtschaft muss Verantwortung übernehmen

Arbeiterinnen schneiden Ananas an einem Fließband in einer Fabrik für Fruchtsaft in Kenia.

Beim Aufbau von Wertschöpfungsketten muss die private Wirtschaft, unterstützt durch eine verlässliche und nachhaltige nationale Agrarpolitik in den Partnerländern, eine Führungsrolle übernehmen. Projekte der Entwicklungszusammenarbeit leisten dabei wertvolle Starthilfen, indem sie Beratung, Prozessbegleitung und Moderation sowie Anschubfinanzierung zur Verfügung stellen.

Die enge Kooperation mit Universitäten und Fortbildungseinrichtungen ermöglicht es, Fachwissen aufzubauen und zu verbreiten und die eingesetzten Instrumente fortlaufend weiterzuentwickeln. Auch der Austausch mit zivilgesellschaftlichen Institutionen, wie Kirchen, Stiftungen und weiteren Nichtregierungsorganisationen spielt für das deutsche Engagement zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in den Partnerländern eine wichtige Rolle.

Passgenaue Lösungen

Biogasproduktion aus den Abfällen der Ölpressung mit Avocados in einer Ölmühle in Kenia

Zu Beginn eines Vorhabens wird zunächst analysiert, unter welchen Bedingungen die Bäuerinnen und Bauern im jeweiligen Land wirtschaften, wie sich deren Lebensrealität gestaltet und wo besonders großes Entwicklungspotenzial für Wachstum und Marktzugang besteht.

Anhand dieser Ergebnisse werden dann passgenaue Lösungen entwickelt. Es werden dabei zum Beispiel technische Innovationen oder auch Prozessinnovationen gefördert. Diese können zum Beispiel auf die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion oder die Einführung einheitlicher Produktstandards abzielen oder sie können die Fähigkeiten der Bäuerinnen und Bauern unterstützen, sich selbst in Interessenverbänden, Erzeugergemeinschaften oder ähnlichem zu organisieren.

Vertragsanbau

Teeblätter in den Händen einer Teepflückerin der Teeplantage der Wakulima Teegesellschaft, die fair gehandelten Tee anbietet.

Der Vertragsanbau ist ein Instrument zur Förderung der Wertschöpfungsketten. Er kann dazu beitragen, kleinbäuerliche Haushalte erfolgreich in eine Wertschöpfungskette zu integrieren und ihnen so eine Teilhabe daran zu ermöglichen. Hierbei handelt es sich um eine Kooperationsvereinbarung zwischen kleinbäuerlichen Produzentinnen und Produzenten einerseits sowie mit aufkaufenden oder zuliefernden Unternehmen andererseits.

Alle Vertragsparteien ziehen daraus einen Nutzen (Win-Win). Dabei verpflichten sich die kleinbäuerlichen Betriebe oder eine Bauernorganisation beispielsweise dazu, eine bestimmte Menge eines Produkts zu einem vereinbarten Termin an einen Verarbeitungsbetrieb zu liefern. Der Verarbeiter wiederum garantiert, diese Menge zu einem vereinbarten Preis abzunehmen.

Damit die Qualität des Produktes für die Weiterverarbeitung garantiert werden kann, gehören zum Vertragsanbausystem oft auch integrierte Serviceleistungen wie die Vorabbereitstellung von Düngemitteln oder auch der Zugang zu Krediten über weitere Vertragsparteien wie Banken. So können alle Seiten realistisch planen und Risiken minimieren. Diese "inklusiven" Geschäftsmodelle im Vertragsanbau werden von den Vertragspartnern angepasst an die jeweilige Situation ausgestaltet.

Es existiert kein allgemeingültiges Mustermodell, jedoch kann die deutsche Entwicklungszusammenarbeit einen fairen Aushandlungsprozess unterstützen und dabei insbesondere die Position der Bäuerinnen und Bauern gegenüber den Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft stärken. Entsprechende Leitlinien wurden entwickelt.

Verantwortungsvoller Konsum

Frau beim Einkaufen

Ein wichtiges Ziel der entwicklungspolitischen Förderung von Wertschöpfungsketten im Agrar- und Ernährungssektor stellt die nachhaltige Produktion von Rohstoffen zu fairen Bedingungen dar. Bäuerinnen und Bauern in unseren Partnerländern sollen in die Lage versetzt werden, ausgehend von informierten Entscheidungen umweltfreundliche und effiziente Anbaumethoden zu wählen, mit denen sie ihre Produkte auf dem Markt zu einem fairen Preis verkaufen können. Durch ein angemessenes Einkommen wird ein grundlegender Beitrag zur Existenzsicherung kleinbäuerlicher Haushalte geleistet.

Für die Verbraucherinnen und Verbraucher in den Industrieländern ist es oft schwierig zu erkennen, wie ein Produkt hergestellt wurde. Auf der Verpackung finden sich in der Regel keine Hinweise darauf, ob es von Kindern produziert wurde, wie viele Pestizide beim Anbau der Rohstoffe eingesetzt wurden oder ob dabei Waldflächen zerstört wurden. Wer verantwortungsvoll konsumieren will, kann jedoch beim Einkauf auf Bio- und Fairtrade-Siegel achten. Eine steigende Nachfrage nach nachhaltig und fair produzierten Lebensmitteln kann den Markt schrittweise verändern und dadurch entscheidend dazu beitragen, dass die Agrar- und Ernährungswirtschaft weltweit gerechter und nachhaltiger gestaltet wird.

Um solche Prozesse zu fördern, unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Partnerschaften zwischen Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Dazu zählen im Bereich Lebensmittel das Forum Nachhaltiger Kakao, das Aktionsbündnis für nachhaltige Bananen, die Global Coffee Platform sowie im Bereich Baumwolle das gemeinnützige Unternehmen Cotton Expert House Africa und das Bündnis für nachhaltige Textilien.

In Deutschland engagiert sich das BMZ im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit intensiv für den fairen Handel, etwa durch Präsentationen auf der "Internationalen Grünen Woche" in Berlin oder durch die Unterstützung der alljährlich stattfindenden "Fairen Woche".

Die vom BMZ aufgebaute Online-Plattform www.siegelklarheit.de unterstützt Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland konkret beim Kauf nachhaltiger Produkte.

Entwaldungsfreie Lieferketten

Sortieren von Holzfurnieren für die Möbelproduktion

Jedes Jahr gehen mehrere Millionen Hektar Wald durch die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen verloren. Zwischen 2001 und 2011 war allein die Produktion von Palmöl, Soja, Fleisch und Holz/Zellstoff für 40 Prozent der weltweiten Entwaldung verantwortlich. Auch für den Anbau von Kakao, Kaffee und Kautschuk wird großflächig Wald abgeholzt.

Die gezielte Förderung entwaldungsfreier Lieferketten ist daher ein weiteres Arbeitsfeld der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Entwaldungsfreie Lieferketten stellen sicher, dass in einem definierten Gebiet bei der nachhaltigen Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe Waldökosysteme weder in ihrer Gesamtfläche noch in ihrer Qualität negativ beeinträchtigt werden.

Die Beteiligten entlang der entwaldungsfreien Lieferketten haben Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und entwaldungsfreie Produktion geschaffen, ein belastbares Rückverfolgbarkeitssystem installiert und können den Waldschutz in der Anbauregion über ein Monitoringsystem überprüfen.

In der New Yorker Walderklärung hat sich Deutschland 2014 gemeinsam mit fast 180 weiteren Regierungen, Unternehmen und Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft dazu verpflichtet, bis 2020 die Lieferketten globaler Agrarrohstoffe entwaldungsfrei zu gestalten. 2015 hat Deutschland mit Dänemark, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Norwegen die Amsterdam-Erklärung zur Förderung entwaldungsfreier Lieferketten und eines nachhaltigen Palmölanbaus unterzeichnet. Unter anderem fordern die unterzeichnenden Parteien eine engere Abstimmung der europäischen Wald-, Agrar-, Handels- und Entwicklungspolitik.

  • Qualitätskontrolle bei Kakaobohnen
    Beispiel Côte d‘Ivoire

    Mehr Einkommen und ausgewogenere Ernährung für Kakaobauern

    Rund die Hälfte des importierten Rohkakaos in Deutschland stammen aus·​Côte d’Ivoire. Knapp 80 Prozent des Umsatzerlöses aus dem Schokoladenverkauf gehen jedoch an den Schokoladenhersteller und den Handel.

  • Kaffeesäcke in der größten Kaffeerösterei in Kenia
    Beispiel Kenia

    Gemeinsam für einen nachhaltigen Kaffeeanbau

    Das BMZ setzt sich für Partnerschaften zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft ein, um Wertschöpfungsketten im Agrar- und Ernährungssektor nachhaltig zu gestalten. Zum Beispiel mit der Global Coffee Platform (GCP) zur Förderung der Nachhaltigkeit im Kaffeesektor.

Qualitätskontrolle bei Kakaobohnen
Beispiel Côte d‘Ivoire

Mehr Einkommen und ausgewogenere Ernährung für Kakaobauern in Westafrika

Im Durchschnitt konsumieren Deutsche etwa neun Kilogramm Schokolade im Jahr. Deutsche Unternehmen verarbeiten weltweit mit den meisten Rohkakao und die deutsche Wirtschaft ist der größte Exporteur von Schokoladenwaren. Rund 50 Prozent des importierten Rohkakaos stammen aus Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste). Das westafrikanische Land ist weltweit der größte Kakaoproduzent. Knapp 80 Prozent des Umsatzerlöses aus dem Schokoladenverkauf gehen jedoch an den Schokoladenhersteller und den Handel. Von den rund 89 Cent, die zum Beispiel eine Tafel Milchschokolade in einem deutschen Supermarkt kostet, bekommen die Kakaoproduzentinnen und -produzenten nur etwa sechs Cent.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) betreut in Côte d’Ivoire das Projekt PRO-PLANTEURS. Projektpartner sind das Forum Nachhaltiger Kakao, in dem neben dem BMZ das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Mitglied ist, und die nationale Kakaobehörde der Côte d’Ivoire (Conseil du Café-Cacao).

Ziel ist es, 20.000 kakaoproduzierende Familienbetriebe und ihre Organisationen in den südöstlichen Regionen des Landes bei ihrer weiteren Professionalisierung zu unterstützen. Dadurch soll das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern steigen und die Ernährungssituation ihrer Familien verbessert werden.

Ausgangslage

Der Anbau von Kakao erfolgt zu 90 Prozent in kleinbäuerlichen Betrieben, die zwei bis fünf Hektar Land bewirtschaften. Die Kakaobäuerinnen und -bauern in Côte d’Ivoire leben in extremer Armut: Viele Haushalte kommen nur auf ein Monatseinkommen von umgerechnet 172 Euro, von denen 99 Euro aus dem Kakaoanbau stammen. In einer Studie gab ein Drittel der Befragten an, über das Jahr hinweg nicht genug zu essen zu haben. Außerdem ist die Auswahl an nährstoffreichen Nahrungsmitteln beschränkt.

Eine weitere Folge der Armut ist Kinderarbeit. 540.000 Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis 17 Jahren müssen in Côte d’Ivoire gefährlichen Tätigkeiten nachgehen, unter anderem im Kakaoanbau. Da sich die Kakaobäuerinnen und -bauern die Anstellung erwachsener Arbeitskräfte kaum leisten können, werden sogar Kinder aus Mali und Burkina Faso nach Côte d’Ivoire verschleppt und dort als billige Arbeitskräfte missbraucht.

Geringe Ernten veranlassen die Kakaoproduzentinnen und -produzenten außerdem, immer wieder neue Flächen mit Kakao zu bepflanzen. Dabei werden zunehmend auch intakte Wälder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt.

Zwischen 1986 und 2015 ist die Waldfläche in Côte d’Ivoire um mehr als 50 Prozent geschrumpft – von 7,85 auf 3,4 Millionen Hektar. Diese Entwaldung hat weitreichende Folgen, unter anderem für das globale Klima und die Artenvielfalt.

PRO-PLANTEURS

Das Projekt PRO-PLANTEURS arbeitet mit 35 Kooperativen in drei Regionen im Südosten der Côte d’Ivoire zusammen. Es setzt in vier Bereichen an:

  1. Stärkung der Kooperativen
    ​Verbesserung der internen Organisationsstruktur, Einführung von Planungs- und Steuerungsinstrumenten (Geschäftspläne, Bankenbücher), Entwicklung bedarfsgerechter Dienstleistungen für die Mitglieder, Frauenförderung

  2. Verbesserter Kakaoanbau
    Trainings in "Farmer Business Schools" zu verbessertem Management des Betriebs und des Kakaoanbaus und in Farmer Field Schools zu guten, nachhaltigen Anbautechniken

  3. Diversifizierung des Anbaus und Verbesserung der Ernährung
    Anbau und Verarbeitung weiterer Nahrungsfrüchte, um ganzjährig Nahrungssicherheit und eine bessere Ernährung gewährleisten zu können und Schaffung zusätzlicher Verdienstmöglichkeiten für Frauen

  4. Gemeinsames Lernen fördern
    Förderung des Wissens- und Erfahrungsaustauschs zwischen den Projektbeteiligten über Dialog- und Lernveranstaltungen, Ausbau von Wissensplattformen

Wirkungen

Im Rahmen des Projekts wurden bereits 18 Kooperativen weitergebildet, ein intensives Coaching erhielten insbesondere 84 Personen aus der Führungsebene, für weitere 17 Kooperativen beginnen die Schulungen. 4.900 Kooperativenmitglieder wurden seither in Farmer Field Schools geschult, 3.900 Mitglieder erhielten in sogenannten Farmer Business Schools eine Ausbildung in Betriebsführung. Rund 5.000 Bäuerinnen und Bauern nahmen an speziellen Fortbildungen zum Cacao-swollen-shoot-Virus teil, das Kakaobäume befällt, rund 5.000 erhielten Fortbildungen in Qualitätsthemen. Auf 273 Hektar Fläche wurde die verbesserte Kakaopflanzensorte "Mercedes" angepflanzt.

In derzeit fünf Kleinprojekten erhalten Frauengruppen aus den Kooperativen Unterstützung bei Anbau, Verarbeitung und Verkauf von Maniok, Auberginen und Tomaten sowie bei der von ihnen selbst initiierten Fisch- und Hühnerzucht.

41 weibliche Mitglieder der Kooperativen wurden zu Beraterinnen ausgebildet und schulen Familien zu verbesserter Ernährung. Mit ihrem Programm werden sie bis zu 20.000 Familien erreichen. Bereits 1.600 Familien haben sich Wissen über Pflanzen angeeignet, die zusätzlich zum Kakao angebaut werden können, um die eigene Versorgung zu sichern und zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften und wurden im Thema Gender sensibilisiert.

Insbesondere an junge Menschen richtet sich eine Fortbildung zum Dienstleister. Dazu gehören etwa Pflanzenaufzucht, Schnitttechniken und ähnliche Tätigkeiten, die sie den Kooperativen erfolgreich anbieten können.

Hintergrundinformation: Forum Nachhaltiger Kakao

Im Forum Nachhaltiger Kakao haben sich die Bundesregierung, vertreten durch BMZ und BMEL, die deutsche Süßwarenindustrie, der deutsche Lebensmittelhandel und die Zivilgesellschaft zusammengeschlossen. Gemeinsam mit den Regierungen der kakaoproduzierenden Länder verfolgt das Forum das Ziel, die Lebensumstände der kleinbäuerlichen Kakaoproduzentinnen und -produzenten und ihrer Familien zu verbessern, die natürlichen Ressourcen und die Artenvielfalt in den Anbauländern zu schonen und zu erhalten und den Anbau und die Vermarktung nachhaltig erzeugten Kakaos zu erhöhen.

Kakaobohnen
Kaffeesäcke in der größten Kaffeerösterei in Kenia
Beispiel Kenia

Gemeinsam für einen nachhaltigen Kaffeeanbau

Wertschöpfungsketten im Agrar- und Ernährungssektor nachhaltig zu gestalten ist eine Aufgabe, die weder allein durch die Politik noch allein durch die Wirtschaft bewältigt werden kann. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt sich daher für Partnerschaften zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft ein.

Ziel ist es unter anderem, globale Lieferketten fair, wettbewerbsfähig, inklusiv und umweltfreundlich zu gestalten, um eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft in den Partnerländern der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu fördern.

Ein Beispiel ist die Global Coffee Platform (GCP), eine 2016 gegründete globale Initiative zur Förderung der Nachhaltigkeit im Kaffeesektor. Die GCP umfasst mehr als 150 Mitglieder aus Landwirtschaft, Verbänden, Handel und Zivilgesellschaft.

Das BMZ unterstützt über die GCP Kaffeeproduzentinnen und -produzenten in Kenia: Unter Mitwirkung der GIZ wurde 2017 die kenianische Kaffee-Plattform "Sauti Ya Kahawa" (auf Suaheli: "Der Klang des Kaffees") ins Leben gerufen. Im Juli 2018 wurde diese offiziell vom kenianischen Landwirtschaftsminister lanciert.

Rahmenbedingungen verbessern, Wissen vermitteln

Über die nationale Plattform wird nun ein Konzept für den nachhaltigen Kaffeeanbau in Kenia entwickelt und verwirklicht. Zum einen werden Vorschläge in den politischen Dialog eingebracht, wie sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Kaffeebäuerinnen und -bauern verbessern lassen. Dabei geht es insbesondere um den Zugang zu Betriebsmitteln, Finanzdienstleistungen und technischer Beratung. Zum anderen werden Ausbildungsmodule erarbeitet, um die Kaffeebäuerinnen und -bauern in nachhaltigen Produktionsmethoden zu schulen.

Als Vorbilder dienen erfolgreich laufende Plattformen in Brasilien, Kolumbien, Indonesien, Uganda, Vietnam und Tansania. Die Einbindung in die Global Coffee Platform ermöglicht es, Erfahrungen auszuwerten und für andere Länder nutzbar zu machen.

Weiterführende Informationen

Inhaltsverzeichnis

Ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen