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Qualitätskontrolle bei Kakaobohnen
Beispiel Côte d‘Ivoire

Mehr Einkommen und ausgewogenere Ernährung für Kakaobauern in Westafrika

Im Durchschnitt konsumieren Deutsche etwa neun Kilogramm Schokolade im Jahr. Deutsche Unternehmen verarbeiten weltweit mit den meisten Rohkakao und die deutsche Wirtschaft ist der größte Exporteur von Schokoladenwaren. Rund 50 Prozent des importierten Rohkakaos stammen aus Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste). Das westafrikanische Land ist weltweit der größte Kakaoproduzent. Knapp 80 Prozent des Umsatzerlöses aus dem Schokoladenverkauf gehen jedoch an den Schokoladenhersteller und den Handel. Von den rund 89 Cent, die zum Beispiel eine Tafel Milchschokolade in einem deutschen Supermarkt kostet, bekommen die Kakaoproduzentinnen und -produzenten nur etwa sechs Cent.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) betreut in Côte d’Ivoire das Projekt PRO-PLANTEURS. Projektpartner sind das Forum Nachhaltiger Kakao, in dem neben dem BMZ das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Mitglied ist, und die nationale Kakaobehörde der Côte d’Ivoire (Conseil du Café-Cacao).

Ziel ist es, 20.000 kakaoproduzierende Familienbetriebe und ihre Organisationen in den südöstlichen Regionen des Landes bei ihrer weiteren Professionalisierung zu unterstützen. Dadurch soll das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern steigen und die Ernährungssituation ihrer Familien verbessert werden.

Ausgangslage

Der Anbau von Kakao erfolgt zu 90 Prozent in kleinbäuerlichen Betrieben, die zwei bis fünf Hektar Land bewirtschaften. Die Kakaobäuerinnen und -bauern in Côte d’Ivoire leben in extremer Armut: Viele Haushalte kommen nur auf ein Monatseinkommen von umgerechnet 172 Euro, von denen 99 Euro aus dem Kakaoanbau stammen. In einer Studie gab ein Drittel der Befragten an, über das Jahr hinweg nicht genug zu essen zu haben. Außerdem ist die Auswahl an nährstoffreichen Nahrungsmitteln beschränkt.

Eine weitere Folge der Armut ist Kinderarbeit. 540.000 Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis 17 Jahren müssen in Côte d’Ivoire gefährlichen Tätigkeiten nachgehen, unter anderem im Kakaoanbau. Da sich die Kakaobäuerinnen und -bauern die Anstellung erwachsener Arbeitskräfte kaum leisten können, werden sogar Kinder aus Mali und Burkina Faso nach Côte d’Ivoire verschleppt und dort als billige Arbeitskräfte missbraucht.

Geringe Ernten veranlassen die Kakaoproduzentinnen und -produzenten außerdem, immer wieder neue Flächen mit Kakao zu bepflanzen. Dabei werden zunehmend auch intakte Wälder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt.

Zwischen 1986 und 2015 ist die Waldfläche in Côte d’Ivoire um mehr als 50 Prozent geschrumpft – von 7,85 auf 3,4 Millionen Hektar. Diese Entwaldung hat weitreichende Folgen, unter anderem für das globale Klima und die Artenvielfalt.

PRO-PLANTEURS

Das Projekt PRO-PLANTEURS arbeitet mit 35 Kooperativen in drei Regionen im Südosten der Côte d’Ivoire zusammen. Es setzt in vier Bereichen an:

  1. Stärkung der Kooperativen
    ​Verbesserung der internen Organisationsstruktur, Einführung von Planungs- und Steuerungsinstrumenten (Geschäftspläne, Bankenbücher), Entwicklung bedarfsgerechter Dienstleistungen für die Mitglieder, Frauenförderung

  2. Verbesserter Kakaoanbau
    Trainings in "Farmer Business Schools" zu verbessertem Management des Betriebs und des Kakaoanbaus und in Farmer Field Schools zu guten, nachhaltigen Anbautechniken

  3. Diversifizierung des Anbaus und Verbesserung der Ernährung
    Anbau und Verarbeitung weiterer Nahrungsfrüchte, um ganzjährig Nahrungssicherheit und eine bessere Ernährung gewährleisten zu können und Schaffung zusätzlicher Verdienstmöglichkeiten für Frauen

  4. Gemeinsames Lernen fördern
    Förderung des Wissens- und Erfahrungsaustauschs zwischen den Projektbeteiligten über Dialog- und Lernveranstaltungen, Ausbau von Wissensplattformen

Wirkungen

Im Rahmen des Projekts wurden bereits 18 Kooperativen weitergebildet, ein intensives Coaching erhielten insbesondere 84 Personen aus der Führungsebene, für weitere 17 Kooperativen beginnen die Schulungen. 4.900 Kooperativenmitglieder wurden seither in Farmer Field Schools geschult, 3.900 Mitglieder erhielten in sogenannten Farmer Business Schools eine Ausbildung in Betriebsführung. Rund 5.000 Bäuerinnen und Bauern nahmen an speziellen Fortbildungen zum Cacao-swollen-shoot-Virus teil, das Kakaobäume befällt, rund 5.000 erhielten Fortbildungen in Qualitätsthemen. Auf 273 Hektar Fläche wurde die verbesserte Kakaopflanzensorte "Mercedes" angepflanzt.

In derzeit fünf Kleinprojekten erhalten Frauengruppen aus den Kooperativen Unterstützung bei Anbau, Verarbeitung und Verkauf von Maniok, Auberginen und Tomaten sowie bei der von ihnen selbst initiierten Fisch- und Hühnerzucht.

41 weibliche Mitglieder der Kooperativen wurden zu Beraterinnen ausgebildet und schulen Familien zu verbesserter Ernährung. Mit ihrem Programm werden sie bis zu 20.000 Familien erreichen. Bereits 1.600 Familien haben sich Wissen über Pflanzen angeeignet, die zusätzlich zum Kakao angebaut werden können, um die eigene Versorgung zu sichern und zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften und wurden im Thema Gender sensibilisiert.

Insbesondere an junge Menschen richtet sich eine Fortbildung zum Dienstleister. Dazu gehören etwa Pflanzenaufzucht, Schnitttechniken und ähnliche Tätigkeiten, die sie den Kooperativen erfolgreich anbieten können.

Hintergrundinformation: Forum Nachhaltiger Kakao

Im Forum Nachhaltiger Kakao haben sich die Bundesregierung, vertreten durch BMZ und BMEL, die deutsche Süßwarenindustrie, der deutsche Lebensmittelhandel und die Zivilgesellschaft zusammengeschlossen. Gemeinsam mit den Regierungen der kakaoproduzierenden Länder verfolgt das Forum das Ziel, die Lebensumstände der kleinbäuerlichen Kakaoproduzentinnen und -produzenten und ihrer Familien zu verbessern, die natürlichen Ressourcen und die Artenvielfalt in den Anbauländern zu schonen und zu erhalten und den Anbau und die Vermarktung nachhaltig erzeugten Kakaos zu erhöhen.

Kakaobohnen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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