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Innovative Finanzierungsinstrumente

Mobilisierung privater Investoren


Um mehr ent­wick­lungs­po­litisch wichtige In­ves­ti­tio­nen in Partner­ländern zu ermöglichen, versucht das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­arbeit und Ent­wick­lung (BMZ), Markt­mittel sowie private und insti­tu­tio­nelle Anleger für die Finanzierung von Ent­wick­lung zu gewinnen (zu "hebeln"). Hier­zu setzt das BMZ knappe Steuer­gelder ziel­ge­richtet ein, um ein möglichst großes Investi­tions­volumen in Ent­wick­lungs­ländern zu ermöglichen.

Mobilisierung privater Gelder durch strukturierte Finanzfonds

Durch den Aufbau sogenannter strukturierter Fonds kann zu­sätz­liches pri­vates Kapital – sowohl von insti­tu­tio­nellen als auch pri­vaten Anlegern – für ent­wick­lungs­po­litische Zwecke mobi­lisiert werden. Bei diesen Fonds werden die Mittel mehrerer öffent­licher Geber sowohl mit den Geldern von Ent­wick­lungs­banken und in­ter­natio­nalen Finanz­insti­tu­tionen als auch mit Mit­teln pri­vater Inves­toren gemischt. Die öffent­lichen Mittel fungieren dabei als "Risiko­puffer" für die pri­vaten Kapi­tal­geber. So werden für die Pri­vaten Anreize geschaffen, auch in wenig ver­traute Regionen und in inno­vative Sektoren zu investieren.

Im Rahmen der finanziellen Zu­sam­men­ar­beit konnten durch struk­turierte Fonds seit 2005 bis Ende 2010 pro Euro aus dem Bundes­haus­halt 3,60 Euro zu­sätz­liche öffent­liche Mittel und 4,80 Euro zu­sätz­liches privates Kapital mobi­li­siert werden.

Die Mittel der strukturierten Fonds werden in der Regel für private Finanz­insti­tutionen in den Partner­ländern ein­ge­setzt. Diese werden dadurch in die Lage versetzt, Kredite an kleinste, kleine und mittlere Unter­nehmen (KKMU) und Privat­leute zu ver­geben. Die öffent­lichen Mittel werden dabei durch den Fonds nicht auf­ge­zehrt, son­dern nach Rück­zah­lung an den Fonds erneut ein­ge­setzt (re­vol­vierende, das heißt, sich selbst er­neu­ernde Kapitalquelle).

Ein sehr erfolgreiches Beispiel für einen solchen Fonds ist der 2005 im Rah­men der finan­ziellen Zu­sam­men­ar­beit gegründete European Fund for South East Europe (EFSE). Es han­delt sich um einen über­regio­nalen Fonds zur Förderung von kleinsten, kleinen und mittleren Unter­nehmen in Süd­ost­europa und im Kau­kasus. Der Fonds hatte Mitte 2012 ein Volumen von rund 870 Mil­lionen Euro – davon über 55 Pro­zent von pri­vaten In­vestoren. Durch die re­vol­vierende Ver­wen­dung der Mit­tel sind zwei Milliarden Euro in knapp 320.000 Krediten an KKMU geflossen.

Nach dem Muster des EFSE wurden seit 2005 allein mit deutscher Be­tei­li­gung mehr als zwanzig wei­tere über­regio­nale Fonds ge­grün­det. Der Erfolg dieses Modells zur Mobi­li­sie­rung pri­vater Investoren ist in­ter­na­tional anerkannt. So gewann der EFSE für sein als inno­vativ und krisen­resistent gel­tendes Fonds­modell den von der Gruppe der zwanzig wich­tigsten Industrie- und Schwellen­länder (G20) ini­tiierten Ideen­wett­bewerb "G20 SME Finance Challenge" zur Mittel­stands­finan­zierung in Ent­wick­lungs­ländern – vor 344 weiteren Be­wer­bern aus über 75 Ländern.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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