Hauptinhalt

Hintergrund

Warum verschulden sich arme Länder?


Auf dem Thiri-Mingalar-Markt von Yangon, Myanmar, verkauft eine Frau frisches Obst und Gemüse.

Kredite aufzunehmen ist an sich nicht negativ und kann in Industrie­ländern wie auch in Entwicklungs­ländern wirtschafts­politisch notwendig sein. Solange Zins und Tilgung Raum für Investi­tio­nen und staatliche Leistungen lassen, können Kredite die Ent­wick­lung des betreffenden Landes unterstützen. Zum Problem werden sie, wenn der Schulden­dienst die Einnahmen des Landes übersteigt.

Die Schuldenkrise in einigen Ländern Europas zeigt, dass Ver­schul­dungs­probleme nicht nur Ent­wick­lungs­länder betreffen, sondern auch in Industrie­ländern zunehmend ein Problem darstellen. Generell lässt sich sagen, dass ins­be­son­dere wenig entwickelte Länder von über­mäßiger Verschuldung betroffen sind, weil sie oft größeren Investitions­bedarf bei gleich­zeitig relativ geringen Staats­einnahmen haben. Dringend notwendige In­ves­ti­tio­nen müssen daher kredit­finanziert werden. Daher besteht ins­be­son­dere in Entwicklungs­ländern ein andauernder Ziel­konflikt zwischen einem nachhaltigen Schulden­niveau und einer aus­rei­chen­den Finanzierung von Ent­wick­lung. Die ärmsten Länder unterstützt die Bun­des­re­gie­rung daher nur noch in Form von Zuschüssen, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

In vielen Ländern entsteht eine Spirale der Verschuldung: Je ärmer ein Land ist, umso nötiger sind In­ves­ti­tio­nen für seine Ent­wick­lung, umso mehr Kredite werden aufgenommen, umso höher ist der Schulden­dienst, umso mehr Kredite müssen wiederum aufgenommen werden. Im Extrem­fall kann ein Land seine Schul­den schließlich nicht mehr bedienen, es ist "bankrott". Für die extreme Verschuldung der Ent­wick­lungs­länder in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehnten gibt es darüber hinaus viele weitere Gründe. Zum Beispiel:

  • Kredite wurden und werden von Gebern ohne Rücksicht auf die Bonität der Schuldner vergeben, beispielsweise aus geo­strategischen Gründen (zu Zeiten des Kalten Krieges sicherten sich Geber­länder die politische Loyalität der Schuldner­länder durch Kredite) oder aus wirtschaftlichen Über­legungen (beispielsweise um sich den Zugang zu Rohstoff­vorkommen zu sichern).

  • Die Kredite wurden nicht für In­ves­ti­tio­nen, sondern für laufende Ausgaben eingesetzt. So blieb die erhoffte Produkti­vi­tät der In­ves­ti­tio­nen aus. Zu optimistische Wachstums­prognosen durch die Geberländer, schlechtes Schuldenmanagement, Misswirtschaft und Kor­rup­tion verschärften die Situation zusätzlich.

  • Die Preise für Exportgüter waren zunächst über einen langen Zeitraum stetig gesunken und sind nun zunehmend starken Schwankungen unter­worfen. Dies gilt vor allem für Rohstoffe, von deren Export viele Ent­wick­lungs­länder abhängig sind. Fallende oder schwankende Rohstoff­preise verringern oder gefährden die Einnahmen des Landes durch Devisenerlöse aus dem Export.

  • Die Industrieländer haben sich gegenüber Produkten aus Entwicklungs­ländern mit Handels­barrieren abgeschottet. Subventionen für Agrar­produkte und Rohstoffe verhindern den fairen Handel und die Möglichkeiten, mehr Einnahmen durch Devisen zu erwirtschaften.

  • Durch die globale Finanzkrise ist die Wirtschafts­leistung der Ent­wick­lungs­länder eingebrochen. Sie benötigen mehr Geld, um ihren Zahlungs­verpflichtungen nachkommen zu können.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen