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Hintergrund

Die aktuelle Entwicklung der Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer


Eine Frau läuft ihrem Mann entgegen, der auf dem Sambesi in Mosambik gefischt hat.

Schuldenerlasse, gestiegene Rohstoff­preise und wirt­schaft­licher Aufschwung haben in den letzten Jahren in vielen armen Ländern zu einer deutlichen Senkung der Schulden geführt. Die ärmsten der am höchsten verschuldeten Länder haben von umfassenden Schulden­erlassen profitiert, so zum Beispiel Bolivien, Mosambik und Tansania.

Die globale Finanzkrise hat die Ent­wick­lungs­länder empfindlich getroffen und droht, die Erfolge der Entschuldung zunichte zu machen. Die Nachfrage nach Roh­stoffen, Waren und Arbeits­kräf­ten aus den Ent­wick­lungs­län­dern ließ spürbar nach, die Bereit­schaft, dort zu investieren, sank beträchtlich. Das durch­schnitt­liche wirt­schaft­liche Wachstum aller Ent­wick­lungs- und Schwellen­länder ist von 7,3 Prozent im Jahr 2010 auf 6,2 Prozent im Jahr 2011 gesunken. Der In­ter­na­ti­o­nale Währungs­fonds (IWF) hat seine Wachstums­prognosen für 2012 und 2013 um 0,7 Prozent gesenkt und sieht weiterhin Risiken für die wirt­schaft­liche Ent­wick­lung in den Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern.

Mittlerweile ist zwar eine Erholung spürbar und den Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern werden wieder deutliche Wachs­tums­raten vorausgesagt. Doch ist diese Ent­wick­lung instabil und stark von der globalen Wirt­schafts­ent­wick­lung abhängig. Über­dies sei noch nicht absehbar, so warnt die Weltbank, welche lang­fristigen Auswirkungen die Krise auf die ärmeren Länder haben werde. Beispiels­weise könnten bisherige Erfolge in der Armuts­reduzierung gefährdet sein.

Erneuter Anstieg der Verschuldung

Insbesondere in den Daten zur Verschuldung der Ent­wick­lungs­länder zeigen sich die Auswirkungen der globalen Finanz­krise: Während sich die Verschuldungs­situation zwischen 2000 und 2008 für die meisten Länder verbessert hatte, stieg die gesamte Auslands­verschuldung von Ent­wick­lungs­ländern laut Weltbank im Jahr 2010 um zwölf Prozent auf rund vier Billionen US-Dollar an.

Davon entfallen 205 Milliarden US-Dollar auf die Länder Afrikas südlich der Sahara. Hier war 2010 eine deutliche Zunahme der Ver­schul­dung zu verzeichnen. Ähnlich verhielt es sich in Latein­amerika, Zentral­asien und Ost­asien, wo die Schulden­niveaus ebenfalls weiter stiegen.

Aussagekräftiger als der absolute Schulden­stand, der stark von der Größe und der wirt­schaft­lichen Stärke der Länder abhängt, sind Indikatoren, die die Verschuldung in ein Verhältnis zu Export­erlösen oder zum Brutto­national­einkommen setzen. Hier war seit dem Jahr 2000 eine Erfolgs­serie zu verzeichnen, die von der globalen Finanz­krise unter­brochen wurde. In den Jahren vor der Krise, von 2000 bis 2008, erlebten die Ent­wick­lungs- und Schwel­len­länder eine be­eindruckende Reduktion ihrer Verschuldung von 128,5 auf 59,3 Prozent im Verhältnis zu den Exporten und von 37,8 auf 22 Prozent im Verhältnis zum Brutto­national­einkommen.

Anzeichen für Erholung

Durch einen starken Rückgang der Exporte (zwischen 2008 und 2009 um 20 Prozent) stieg die Verschuldung im Verhältnis zu den Exporten erneut auf 77 Prozent, das höchste Niveau seit 2005. Auch im Verhältnis zum Brutto­national­einkommen stieg zunächst die Verschuldung. Jedoch zeigte sich 2010 auch eine schnelle Erholung von der Krise: Das Verhältnis der Schulden zu Exporten verbesserte sich wieder auf 69 Prozent, das zum Brutto­national­einkommen auf 21 Prozent.

Noch positiver fiel die Bilanz in den hoch verschuldeten armen Ländern (Heavily Indebted Poor Coun­tries, HIPC) aus. 1999 machte die Auslands­verschuldung dieser Länder im Durch­schnitt 457 Prozent der Export­erlöse aus, 2011 waren es 80 Prozent. Das Verhältnis der Schulden zum Brutto­national­einkommen betrug bei diesen Ländern 1999 114 Prozent, 2011 waren es 19 Prozent.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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