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Hintergrund

Schulden behindern Entwicklung

Hochspannungsleitung für die Verteilung umweltfreundlicher, aus Erdwärme gewonnener Energie in der Nähe eines Geothermieparks in Kenia

Hohe Schulden können zu einem Entwicklungshindernis werden, wenn sie die Spielräume für Armutsbekämpfung einengen. Wenn die Schuldenlast so groß ist, dass Zins- und Tilgungszahlungen selbst bei einem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum kaum mehr zu leisten sind, fehlt das Geld für dringend notwendige Investitionen in die grundlegende Versorgung und Infrastruktur: für Schulen, Krankenhäuser, Kanalisation oder Stromversorgung. Am meisten sind davon die Ärmsten betroffen.

Ursachen für Verschuldung

Kredite aufzunehmen, kann wirtschaftspolitisch notwendig sein. Solange Zins und Tilgung Raum für Investitionen und staatliche Leistungen lassen, können Kredite die Entwicklung des betreffenden Landes unterstützen. Zum Problem werden sie, wenn der Schuldendienst die Einnahmen des Landes übersteigt.

Die Schuldenkrise in einigen Ländern Europas zeigt, dass Verschuldungsprobleme nicht nur Entwicklungsländer betreffen, sondern auch in Industrieländern zunehmend ein Problem darstellen. Generell lässt sich aber sagen, dass insbesondere wenig entwickelte Länder von übermäßiger Verschuldung betroffen sind, weil sie oft größeren Investitionsbedarf bei gleichzeitig relativ geringen Staatseinnahmen haben. Dringend notwendige Investitionen müssen daher kreditfinanziert werden. Daher besteht insbesondere in Entwicklungsländern ein andauernder Zielkonflikt zwischen einem nachhaltigen Schuldenniveau und einer ausreichenden Finanzierung von Entwicklung.

Für die extreme Verschuldung der Entwicklungsländer in den vergangenen Jahrzehnten gibt es darüber hinaus viele weitere Gründe. Zum Beispiel:

  • Kredite wurden von Gebern ohne Rücksicht auf die Zahlungsfähigkeit der Schuldner vergeben, beispielsweise aus geostrategischen Gründen (um sich die politische Loyalität zu sichern) oder aus wirtschaftlichen Überlegungen (etwa um sich den Zugang zu Rohstoffvorkommen zu sichern).
  • Die Kredite wurden nicht für Investitionen, sondern für laufende Ausgaben eingesetzt. Zu optimistische Wachstumsprognosen, schlechtes Schuldenmanagement, Misswirtschaft und Korruption verschärften die Situation zusätzlich.
  • Die Preise für Exportgüter sind zunehmend starken Schwankungen unterworfen. Dies gilt vor allem für Rohstoffe, von deren Export viele Entwicklungsländer finanziell abhängig sind.
  • Die Industrieländer haben sich gegenüber Produkten aus Entwicklungsländern mit Handelsbarrieren abgeschottet. Subventionen für Agrarprodukte und Rohstoffe verhindern den fairen Handel und die Möglichkeiten, mehr Einnahmen durch Devisen zu erwirtschaften.

Der gemeinsame Weg aus der Schuldenfalle

Zu hohe Verschuldung ist wie eine Falle, der ein Land aus eigener Kraft nicht mehr entkommen kann. Der gemeinsame Weg aus dieser Falle ist die Entschuldung. Sie soll den armen Ländern einen wirtschaftlichen Neubeginn ermöglichen, indem das Maß der Schuldenlast auf ein ökonomisch tragbares Niveau gesenkt wird. Entschuldung ist daher ein wichtiges Instrument der Entwicklungszusammenarbeit.

Seit Mitte der 1950er Jahre haben die Industrieländer im Rahmen von Vereinbarungen des Pariser Clubs – in ihm sind die wichtigsten Gläubigerstaaten zusammengeschlossen – verschiedene Umschuldungs- und später auch Entschuldungsvereinbarungen mit den hoch verschuldeten armen Ländern (Heavily Indebted Poor Countries, HIPC) getroffen.

Mit der HIPC-Initiative und der Multilateralen Entschuldungsinitiative (MDRI) konnten hoch verschuldete Entwicklungsländer erstmals auch von einem großen Teil ihrer Schulden bei multilateralen Institutionen befreit werden.


Entschuldung liegt im gemeinsamen Interesse

In Narok, Kenia, beschreibt ein Mädchen die Tafel im Klassenzimmer.

An Entschuldung sind strenge Auflagen geknüpft: Die frei werdenden Mittel müssen zur Bekämpfung der Armut und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung eingesetzt werden – sie fließen in die Bildung, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur oder in Forst- und Landwirtschaftsprogramme.

Entschuldung nutzt auch den Gläubigerländern. Denn wirtschaftliche Krisen verschärfen politische Konflikte. Der Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften in Entwicklungsländern zerstört überdies Absatzmärkte, auch für Firmen in Deutschland und Europa. Und der Zwang, Devisen für den Schuldendienst zu erwirtschaften, führt in vielen Ländern zum Raubbau an den natürlichen Ressourcen und damit zu Umweltzerstörungen, deren Auswirkungen weltweit zu spüren sind.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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