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Energie

Internationale Energiepartnerschaften


Forscher am Energieforschungszentrum (Centre of Research in Energy and Energy Conservation) an der Universität Makerere in Kampala, Uganda. Hier testen die Forscher die Energieeffizienz von Holzfeueröfen.

Energie ist eine Grundvoraussetzung für wirt­schaft­liche Ent­wick­lung und Armutsbekämpfung – aber noch immer haben viele Menschen in Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern keinen Zugang zu modernen Energiedienstleistungen. 2,7 Milliarden Menschen (40 Prozent der Weltbevölkerung) sind auf Holz, Holzkohle oder Pflanzenreste zum täglichen Kochen und Heizen angewiesen. 90 Prozent der Haushalte in Subsahara-Afrika verwenden Biomasse für den täglichen Energiebedarf.

Meist wird die Biomasse ineffizient verbrannt, mit negativen Folgen für Umwelt und Gesundheit. Beim Kochen in geschlossenen Räumen entsteht Rauch, an dessen Folgen jedes Jahr mehr als 1,5 Millionen Menschen sterben. 1,4 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Strom (rund 20 Prozent der Weltbevölkerung). Ein großer Teil von ihnen (585 Millionen) lebt in den afri­ka­ni­schen Staaten südlich der Sahara.

Um die Situation in den Partnerländern der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zu verbessern, setzt die Bun­des­re­pu­blik auf einen engen Schulterschluss mit anderen Gebern.

EU-Afrika-Energiepartnerschaft

Die unter deutschem Vorsitz maßgeblich mitgestaltete Afrika-EU-Ener­gie­part­ner­schaft ist die mit Abstand am weitesten fortgeschrittene der acht in Lissabon 2007 gegründeten thematischen Partnerschaften zwischen Afrikanischer und Europäischer Union.

Beim ersten High Level Meeting im September 2010 in Wien vereinbarte die Partner­schaft, bis 2020 weiteren 100 Millionen Menschen in Afrika Zugang zu nachhaltigen Energie­dienst­leistungen zu ermöglichen. Zusätzlich soll der Bereich der erneuerbaren Energien in Afrika ausgebaut werden. Hierzu wurde das Afrika-EU-Ko­opera­tions­pro­gramm zu erneuerbaren Energien (African-EU Renewable Energy Program, RECP) ins Leben gerufen, an dem sich das BMZ beteiligt.

Energiepartnerschaft mit den Niederlanden und Norwegen

Beispielhaft für die enge Zu­sam­men­ar­beit mit anderen Geberländern im Energiebereich ist die Partner­schaft Energie für Ent­wick­lung (Energising De­vel­op­ment, EnDev) mit den Niederlanden und Norwegen.

Die Partner­schaft EnDev unterstützt dazu Projekte in rund 20 Ländern. Der Schwerpunkt liegt auf Afrika. Weitere Maßnahmen werden in Asien und Lateinamerika durchgeführt.

Vor allem ländliche Elektrifizierung und Effizienzsteigerung von Kochtechniken auf Haushaltsebene werden gefördert. Zudem wird die Energieversorgung von Schulen und Krankenhäusern sowie die produktive Nutzung von Energie durch kleine und mittelständische Betriebe unterstützt.

Die Partner­schaft mit den Niederlanden besteht seit Ende 2004. Bis zum Ende der ersten Phase im Dezember 2010 erhielten 6,64 Millionen Menschen Zugang zu modernen Energie­dienst­leistun­gen. Bis zum Ende der zweiten Phase 2014 sollen mehr als neun Millionen Menschen erreicht werden. Die nach­gewiesen hohe Wirksamkeit und Kosten­effizienz von EnDev haben das Interesse weiterer Geber­länder geweckt. So ist Norwegen Ende 2011 der Initiative bei­getreten. Auch andere Geber­länder haben EnDev hin­sichtlich einer zukünf­tigen Betei­ligung kontak­tiert.

Globale Allianz für saubere Kochherde

2,7 Milliarden Menschen – rund 40 Prozent der Weltbevölkerung – verbrennen Holz und Dung, um zu kochen und zu heizen. Mit holzsparenden Öfen lässt sich der Holzverbrauch um bis zu 60 Prozent reduzieren. BMZ und GIZ sind Grün­dungs­mit­glieder der Globalen Allianz für saubere Kochherde (Global Alliance for Clean Cookstoves), deren Federführung die UN Foundation hat. Im September 2010 startete die Allianz eine Kampagne unter dem Motto "100 by 20": 100 Millionen Haushalte sollen bis 2020 verbesserte Herdtechnologien nutzen.

Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit setzt im Sektor Haushaltsenergie auf einen integrierten Ansatz:

  1. Einführung von nationalen Strategien zur nachhaltigen Produktion und Nutzung von Biomasseenergie

  2. Marktaufbau zur kommerziellen Verbreitung energiesparender Herde

  3. Förderung nachhaltiger Holz- und Holzkohleproduktion

  4. Wechsel auf andere Energieträger (Substitution durch Ethanol, Gas, Biogas, Pflanzenöl)

Wesentlicher Aspekt ist der Aufbau von lokalen, wirtschaftlich selbsttragenden Strukturen zur Verbreitung effizienter Herde. Effiziente Herde für Haushalte sparen 40 bis 60 Prozent des Feuerholzes und sind sehr raucharm. Jeder Herd spart etwa eine Tonne Kohlendioxid im Jahr ein. Herde für Kantinen und Großküchen sparen bis zu 80 Prozent der Energie im Vergleich zum traditionellen Herd ein.

UN Energy

Ohne Zugang zu nachhaltiger Energie können die Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele nicht erreicht werden. Daher fordert die Beratergruppe für Energie und Klimafragen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, bis 2030 allen Menschen Zugang zu nachhaltiger Energie zu ermöglichen und die weltweite Energieintensität um 40 Prozent zu senken. Die Vereinten Nationen haben ihre Aktivitäten im Energiebereich bei UN Energy gebündelt. 2012 wurde zum in­ter­na­ti­o­nalen Jahr für "Nachhaltige Energie für Alle" erklärt.

Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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