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Hintergrund

Entwicklung braucht nachhaltige Energie


 Windpark und Solarpark bei Grischow in Mecklenburg-Vorpommern

Energie ist Voraussetzung dafür, dass Betriebe pro­du­zieren können und Arbeitsplätze entstehen. Sie wird benötigt, um Lebensmittel an­zu­bauen, Nahrung zu­zu­bereiten, Wohnungen und Schulen zu heizen, Krankenhäuser zu betreiben und um sauberes Trinkwasser bereitzustellen. Energie ermöglicht weltweite Kommunikation und Mobilität. Ohne Energie ist Entwicklung nicht möglich.

Die Weltgemeinschaft steht vor einer großen Herausforderung: Der Auf- und Ausbau der Energieversorgung in den Entwicklungs­ländern ist eine wichtige Voraussetzung für Erfolge bei der Bekämpfung der Armut und für die Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele. Zugleich müssen entschlossene Maßnahmen ergriffen werden, um den weltweiten Energie­verbrauch zu senken und den Klimawandel aufzuhalten.

Weltweiter Energieverbrauch steigt – Wende in der Energiepolitik ist notwendig

Bislang verbrauchen die Industrieländer den größten Anteil der Energieträger Erdöl, Kohle und Gas. Doch der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenländer steigt.

Nach Berechnungen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wird der globale Energieverbrauch zwischen 2008 und 2035 selbst dann um 36 Prozent steigen, wenn alle Regierungen ihre angekündigten Pläne zur Umstellung der Energiesysteme und zur Reduzierung der Treibhausgase umsetzen. 93 Prozent der Zunahmen werden auf Nicht-OECD-Staaten entfallen. Allein China wird nach diesem Szenario seinen Energiebedarf in diesem Zeitraum um 75 Prozent steigern und für 36 Prozent des erwarteten weltweiten Anstiegs verantwortlich sein. Vorläufige Daten weisen darauf hin, dass China die USA 2009 als weltweit größter Energieverbraucher abgelöst hat.

In ihrem aktuellen Bericht "World Energy Outlook 2010" weist die IEA auf die Unverbindlichkeit der politischen Zusagen und die bisher eher zögerliche Umsetzung der Klimaschutzziele hin. Die Energie-Agentur äußert "ernste Zweifel an der praktischen Umsetzbarkeit der erforderlichen Emissionsverringerungen zum Erreichen des 2°C-Ziels". Es sei zwar noch möglich den Anstieg der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dieses international vereinbarte Ziel sei jedoch nur noch durch "sehr aufwändige und teure Maßnahmen" zu erreichen.

Mehr denn je ist also die Politik aufgefordert, intelligente energiepolitische Strategien zu entwickeln und sie entschlossen umzusetzen.

Kurzfristig kann viel erreicht werden, wenn die Effizienz der vorhandenen Energiesysteme verbessert wird. Bislang geht ein Großteil der erzeugten Energie ungenutzt verloren, weil Kraftwerke, Leitungssysteme und Endgeräte ineffizient arbeiten.

Eine langfristige Lösung kann jedoch nur der Aufbau eines klimaschonenden Energiesystems sein. Dazu muss die Welt so schnell wie möglich ihre Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen überwinden – sie werden ohnehin zunehmend knapper. Alternativen bietet die Nutzung von Energiequellen wie Sonne, Wasser, Wind, Erdwärme oder Biomasse.

Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

2009 wurden weltweit 150 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Stromerzeugungskapazitäten investiert – fünf Jahre zuvor lagen die Investitionen noch bei rund 20 Milliarden US-Dollar. 18 Prozent der globalen Stromproduktion stammten 2009 aus erneuerbaren Quellen.

Knapp 80 Gigawatt Kraftwerkskapazität aus erneuerbaren Energiequellen wurden 2009 neu installiert – fast genauso viel wie aus fossilen Ressourcen (83 Gigawatt). Es ist damit zu rechnen, dass 2010 oder 2011 die erneuerbaren Energien bei den Neuinstallationen die fossilen Brennstoffe überrunden werden. In Europa und den USA wurde 2009 bereits das zweite Jahr in Folge mehr in erneuerbare Energien investiert als in herkömmliche.

Um den weltweiten Ausbau von erneuerbaren Energien zu beschleunigen, wurde im Frühjahr 2009 die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) gegründet. IRENA soll als internationales Sprachrohr für erneuerbare Energie eine der treibenden Kräfte für die globale Energiewende hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung werden.

Die heutigen Probleme der Energieversorgung und der bisherige Klimawandel sind vor allem von den Industrieländern verursacht worden. Darum tragen sie nun eine große Verantwortung dafür, weltweit ein zukunftsfähiges Energiesystem aufzubauen. Die dazu nötigen Mittel und die Innovationskraft sind vorhanden.

Wie schnell der Anteil der erneuerbaren Energien an der globalen Energieversorgung wachse, hänge von dem Volumen staatlicher Unterstützungsmaßnahmen ab, urteilt die Internationale Energie-Agentur (IEA). Diese würden entscheidend dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit von erneuerbaren Energien gegenüber anderen Energieträgern zu erhöhen und technische Weiter­entwicklungen zu fördern.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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