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Energie

Erneuerbare Energien: Vom Gasherd bis zum Wasserkraftwerk

Solaranlage in Namibia

Das Potenzial der erneuerbaren Energien ist riesig. Rein rechnerisch liefern Sonne, Wind, Wasser, Erde und Biomasse tausendfach mehr Energie, als die Weltbevölkerung benötigt. Bisher hat die Menschheit jedoch nur einen Bruchteil dieses Potenzials technisch nutzbar gemacht. Erneuerbare Energien haben darum für die weltweite Energieversorgung noch immer eine untergeordnete Bedeutung. Das liegt unter anderem daran, dass die Mittel für erforderliche Investitionen fehlen und dass fossile Energieträger in vielen Ländern subventioniert werden.

Dennoch setzen sich erneuerbare Energien immer mehr durch. 2009 wurden weltweit 150 Milliarden US Dollar in neue Strom­erzeugungskapazitäten investiert – fünf Jahre zuvor lagen die Investitionen noch bei rund 20 Milliarden US-Dollar. 18 Prozent der globalen Stromproduktion stammten 2009 aus erneuerbaren Quellen.

Eine ausreichende Energieversorgung ist eine Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung. Die Nutzung erneuerbarer Energien kann entscheidend dazu beitragen, diese Voraussetzung zu erfüllen – vor allem in Entwicklungsländern: Erneuerbare Energien können auch ohne eine optimal ausgebaute Infra­struktur eingesetzt werden. Sogar in entlegenen Regionen, die vom restlichen Versorgungsnetz isoliert sind, ist dadurch eine Versorgung mit Energie und damit auch nachhaltiges Wirtschafts­wachstum möglich. Der Zugang zu modernen, sauberen Energie­formen kommt so vor allem der armen Bevölkerung zugute.

Zurzeit fördert das Bundesministerium für wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung Energievorhaben in mehr als 50 Partnerländern. Diese Vorhaben

  • helfen, die Armut zu vermindern,

  • helfen, das Klima zu schützen,

  • machen unabhängig von fossilen Energieträgern,

  • fördern ein nachhaltiges Wachstum der Wirtschaft,

  • schonen die Gesundheit der Menschen und die natürlichen Ressourcen

  • und helfen, den Frieden zu sichern.

Erneuerbare Energien helfen, die Armut zu bekämpfen

Zwischen mangelhafter Energieversorgung und Armut besteht ein direkter Zusammenhang. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) schätzt, dass 1,4 Milliarden Menschen – mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung – keinen Zugang zu Strom haben. 2,7 Milliarden Menschen kochen mit Biomasse. Vor allem Frauen und Kinder müssen oft viele Stunden am Tag mit der Suche nach Feuerholz verbringen. Viel Zeit, in der die Frauen keiner produktiven Arbeit nachgehen und die Kinder keine Schule besuchen können. Neben dem Holz werden Batterien, Kerzen und Petroleum zur Energieversorgung genutzt – teure Produkte, für die viele Haushalte rund ein Drittel ihres ohnehin geringen Einkommens ausgeben müssen.

Auch soziale und gesundheitliche Aspekte von Armut können nur mit einer ausreichenden und bezahlbaren Energieversorgung bekämpft werden: Schulen brauchen Licht, damit Kinder lernen können, Ausbildungsbetriebe benötigen Strom, um Maschinen anzutreiben, und auch Krankenstationen kommen nicht ohne Energie aus.

Besonders in ländlichen Gebieten spielen die erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle. Kleinkraftwerke auf Basis von Sonne, Wasser, Biogas oder Erdwärme können vor Ort betrieben werden. Sie decken den lokalen Energiebedarf, sind wirt­schaft­lich, umwelt- und klimaschonend. Sie helfen, den Teufelskreis aus Energiearmut und Einkommensarmut zu durchbrechen.

Erneuerbare Energien helfen, das Klima zu schützen

Seit Beginn des Industriezeitalters nutzen die Länder des Nordens in großem Umfang die fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas. Bei ihrer Verbrennung werden Treibhausgase freigesetzt, die die Atmosphäre aufheizen und damit das Weltklima beeinflussen. Wenn die heute vorliegenden Modell­rechnungen stimmen, wird sich das globale Klima in den kommenden Jahrzehnten stark verändern: Heute noch fruchtbare Anbauregionen könnten zu Wüsten werden, ganze Inselstaaten im Meer versinken. Der Klimawandel trifft die Länder besonders hart, die stark von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig sind – die meisten von ihnen sind arme Länder. Ihnen fehlen die Mittel, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.

Die Nutzung von erneuerbaren Energien erhöht die Konzen­tration von Treibhausgasen in der Atmosphäre nicht. Sie ist darum eines der wichtigsten Instrumente zum Klimaschutz.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris weist in ihrem "World Energy Outlook 2010" darauf hin, dass Treibhausgas­emissionen und Luftverschmutzung verringert und die Energie­versorgungssicherheit erhöht werden könnten, wenn die staatliche Subventionierung von fossilen Brennstoffen abgeschafft würde. 2009 beliefen sich die Subventionen auf 312 Milliarden US-Dollar, im Vorjahr wurden – aufgrund hoher Weltmarktpreise für Rohöl – sogar 558 Milliarden US-Dollar an staatlicher Unterstützung gezahlt. Nur ein Bruchteil dieser Subventionen kam den Armen zugute.

Im September 2009 verpflichteten sich die Staats- und Regierungschefs der G20, die ineffiziente staatliche Subven­tio­nierung von fossilen Brennstoffen auslaufen zu lassen. Dem folgten im November 2009 auch die Regierungen der Länder des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Asia-Pacific Economic Cooperation, APEC).

Erneuerbare Energien machen unabhängig von fossilen Energieträgern

Windenergieanlage im Windpark Küstrow. Urheberrecht: Bundespresseamt, FaßbenderDie Menschheit wächst und damit auch ihr Energiebedarf. Nach Schätzungen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wird sich der globale Energieverbrauch bis 2030 im Vergleich zu heute um 50 bis 70 Prozent erhöhen. Doch die Vorräte an fossilen Brennstoffen sind begrenzt; schon heute macht sich das durch schwankende und steigende Ölpreise bemerkbar. Experten rechnen damit, dass Erdöl bereits in den nächsten 20 Jahren so knapp werden könnte, dass mit extremen Preissteigerungen zu rechnen ist.

Die Preisentwicklung des Energie­sektors hat schon jetzt dramatische Auswirkungen auf die Entwicklungsländer, die Erdöl importieren müssen. Lag der Preis für ein Barrel Rohöl (etwa 159 Liter) zu Beginn des Jahrtausends unter 20 US-Dollar, stieg er im Jahr 2008 zeitweise auf über 140 US-Dollar. Die Weltbank hat berechnet, dass ein Ölpreisanstieg von einem Dollar pro Fass für die Entwicklungsländer Mehrkosten in Höhe von einer Milliarde Dollar bedeutet. Somit liegen die Mehrkosten für diese Länder mittlerweile höher als die gesamten öffentlichen Mittel, die international für Entwicklungs­zusammen­arbeit bereitgestellt werden.

Damit entwicklungspolitische Initiativen wie der Schuldenerlass für arme Länder nachhaltig Wirkung zeigen können, müssen Entwicklungsländer unabhängiger von fossilen Energieträgern und ihren schwankenden Weltmarktpreisen werden. Das wird am besten durch die Nutzung lokaler Energieressourcen erreicht, etwa durch Windräder, Wasserkraft, Biomasse oder Solarenergie.

Erneuerbare Energien fördern ein nachhaltiges Wachstum der Wirtschaft

Bezahlbare Energie ist Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, für den Aufbau von Unternehmen und die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Doch entlegene Regionen werden oft nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen, weil es unwirtschaftlich ist, lange Versorgungsleitungen zu errichten.

Durch eine dezentrale Stromversorgung auf Basis erneuerbarer Energien eröffnen sich der örtlichen Wirtschaft neue Produktions­möglichkeiten und Einkommensquellen. Arbeitsplätze entstehen dabei nicht nur in den Betrieben, die Energie verbrauchen, sondern auch im Energiesektor selbst; vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen, die Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien entwickeln, herstellen oder betreiben.

Erneuerbare Energien schonen die Gesundheit der Menschen und die natürlichen Ressourcen

Der Einsatz von erneuerbaren Energien und verbesserten Techniken trägt unmittelbar zum Schutz der Umwelt und Gesundheit bei. Nach Schätzungen von Experten sind jährlich etwa 1,5 Millionen Totgeburten auf Luftverschmutzung in Haushalten zurückzuführen. Das sind mehr Totgeburten, als durch Malaria, Tuberkulose oder HIV/AIDS verursacht werden. Ursache ist häufig der Rauch in Hütten mit offenen Feuerstellen, auf denen gekocht und mit denen geheizt wird. Werden diese Feuerstellen durch kleine Biogasanlagen oder moderne Holzkochöfen ersetzt, wird die Luft in den Räumen deutlich sauberer. Zugleich arbeiten diese Anlagen viel effizienter. Dadurch verbrauchen sie weniger Brennmaterial und es müssen weniger Bäume gefällt werden.

Erneuerbare Energien helfen, den Frieden zu sichern

Energiepolitik ist auch Sicherheitspolitik. In der Vergangenheit wurden immer wieder Kriege um den Zugang zu Öl oder Gas geführt. Die Abhängigkeit von Ressourcen kann als politisches Instrument missbraucht werden und Konflikte verschärfen. Erneuerbare Energien sind hingegen vor Ort verfügbar. Den Zugang zu Sonne und Wind kann niemand verwehren. Ihr Einsatz trägt daher auch zur Krisenprävention bei.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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