Hauptinhalt

Biodiversität

Biodiversität – Grundlage für nachhaltige Entwicklung


Verschiedene Quinoa-Sorten

Der Begriff Biodiversität – oder auch biologische Vielfalt – hat sich seit etwa 25 Jahren in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion durchgesetzt, weil er den natürlichen Reichtum der Erde treffend umschreibt: Biodiversität umfasst die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme. Auch wir Menschen sind Teil davon. Die heutige biologische Vielfalt auf der Erde hat sich im Laufe von Millionen Jahren entwickelt. Sie wird ergänzt durch die landwirtschaftliche biologische Vielfalt, die über mehrere Jahrtausende von Ackerbauern, Viehzüchtern und Gärtnern geschaffen wurde.

Biologische Vielfalt gilt als Voraussetzung für intakte und funktionsfähige Ökosysteme. Diese bieten Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen und bilden unsere natürliche Existenzgrundlage: Sie liefern Nahrungsmittel, Baumaterialien, Energiequellen und Wirkstoffe für Arzneimittel. Sie regulieren das Klima und sind wichtig für Bodenbildung, Nährstoffkreislauf und sauberes Trinkwasser. Der Schutz der biologischen Vielfalt ist daher unverzichtbar für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung heutiger und künftiger Generationen.

Biologische Vielfalt schwindet rapide

In der Erdgeschichte hat es immer wieder Phasen gegeben, die durch ein massives Artensterben gekennzeichnet waren, etwa nach Naturkatastrophen. Doch seit dem 17. Jahrhundert wird der Rückgang der biologischen Vielfalt in erster Linie durch menschliches Handeln verursacht. Wesentliche Ursachen für den anhaltenden Verlust der Biodiversität sind Übernutzung und Verschmutzung, Änderung der Landnutzung, Verdrängung angestammter durch eingewanderte ("invasive") Arten sowie der Klimawandel.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Verlust von Arten und Lebensräumen dramatisch beschleunigt. Durch die genannten Eingriffe gehen genetische Ressourcen und Nutzungsmöglichkeiten unwiderruflich verloren, auch solche, die bisher noch nicht einmal erforscht sind. Bewährte Kulturpflanzen, Nutztiere und Heilpflanzen verschwinden, weil sie – scheinbar – nicht mehr gebraucht werden. Gemeinsam mit ihnen geht traditionelles Wissen verloren – und auch der Teil der Kultur, der von den verschwundenen Arten geprägt wurde.

Besonders davon betroffen sind jene indigenen Bevölkerungsgruppen, die ihre Lebensweise über Jahrtausende hinweg an die natürliche Umgebung angepasst haben und deren Existenzgrundlagen durch den Rückgang biologischer Vielfalt bedroht sind.


Situation in den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Austernzucht bei Nouadhibou, Mauretanien

Rund 80 Prozent der biologischen und genetischen Ressourcen weltweit befinden sich in den Tropen und Subtropen. Für sehr viele der dort lebenden Menschen sind sie direkte Grundlage ihrer Ernährung und ihrer medizinischen Versorgung. So bilden Wälder die Lebensgrundlage für mehr als 1,6 Milliarden Menschen weltweit. Meereslebewesen spielen eine wichtige Rolle für die Ernährungssicherheit in Küstengebieten, die in allen Regionen der Welt zu den am dichtesten besiedelten Gebieten gehören.

Schon heute werden die natürlichen Ressourcen so stark ausgebeutet, dass sie sich nicht mehr aus eigener Kraft regenerieren können – die für die Überwindung der Armut notwendigen Wirtschafts- und Entwicklungspotenziale gehen verloren.


Nachhaltige Entwicklung

Der Verlust der Biodiversität gefährdet nicht nur die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Basis unseres Lebens – sie bedroht auch die Entwicklungschancen aller zukünftigen Generationen. Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist somit ein wichtiges Element einer nachhaltigen Entwicklung. Biodiversität trägt zur Erreichung etlicher Entwicklungsziele bei: Armut reduzieren, Ernährung sichern, Wasservorräte und Böden schonen, die Gesundheit der Menschen verbessern, den Klimawandel und seine Folgen mildern.

Die Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität tragen die Entwicklungs- und Industrieländer gemeinsam. Politische Entscheidungsträger, privatwirtschaftliche Akteure, die Zivilgesellschaft und die Wissenschaft müssen sich gemeinsam und langfristig engagieren, damit unsere Lebensgrundlagen nicht zerstört werden.

Um dieses Bewusstsein zu stärken, haben die Vereinten Nationen den Zeitraum 2011 bis 2020 zur "UN-Dekade Biologische Vielfalt" ausgerufen. Zudem hat der Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) Anfang 2013 seine Arbeit am UN-Standort Bonn aufgenommen. Das Beratergremium soll den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik fördern, indem es unabhängige und wissenschaftlich fundierte Informationen über den Zustand und die Entwicklung der weltweiten biologischen Vielfalt zur Verfügung stellt.


Deutsches Engagement

Die deutsche Bundesregierung berät im Rahmen ihrer Entwicklungszusammenarbeit ihre Partnerländer bei der Entwicklung und Umsetzung angepasster und nachhaltiger Nutzungskonzepte. Dabei wird angestrebt, die biologische Vielfalt zu schützen und nachhaltig zu nutzen. So soll gewährleistet werden, dass die lokale Bevölkerung von den Leistungen intakter Ökosysteme profitieren kann – zum Beispiel durch Ökotourismus, die Vermarktung von Heilpflanzen oder durch eine schonende Nutzung der Wildtierbestände.

Das deutsche Engagement ist vielfältig. Zum einen müssen geeignete Rahmenbedingungen und Voraussetzungen geschaffen werden. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung in den Partnerländern von Anfang an Verantwortung für die Maßnahmen übernimmt und sich an ihrer Planung und Umsetzung beteiligt. In diesem Zusammenhang leistet Deutschland neben fachlicher Beratung, etwa zu rechtlichen Fragen, auch finanzielle Unterstützung.

Zum anderen gestaltet die deutsche Entwicklungspolitik auch Prozesse auf internationaler Ebene mit. Deutschland hat sich zum Beispiel dafür eingesetzt, dass der Erhalt der biologischen Vielfalt in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sichtbar verankert wurde. Außerdem engagiert sich die Bundesregierung für die Umsetzung des Strategischen Plans 2011–2020 der Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, CBD) und die Erreichung der international vereinbarten Biodiversitätsziele unter dem Dach der CBD.

Die umfangreiche finanzielle Zusage, die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen der 9. CBD-Vertragsstaatenkonferenz 2008 in Bonn gemacht hat, wird konsequent umgesetzt: Seit 2013 stellt die Bundesregierung jährlich eine halbe Milliarde Euro für die Erhaltung von Wäldern und anderen Ökosystemen weltweit bereit.


Weitere Informationen

CHECK [D]EINEWELT

Erdmännchen mit der Frage "Wo findet man den größten Artenreichtum?"

Wo findet man den größten Artenreichtum?
Jetzt mitspielen und gewinnen auf www.einewelt-quiz.de

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen

BMZ-Adventskalender 2017

Gewinnen Sie 24 Einblicke in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und mit etwas Glück eine Überraschung!

Hier geht es zum BMZ-Adventskalender 2017!